Marlene Dietrich - eine oft als "Legende" betitelte Frau des 20. Jahrhunderts.
Sie war eine weltweit bekannte Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin,
Ehefrau und Mutter; zu Lebzeiten eine der umstrittensten und
geheimnisvollsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Zauber und
die Rätselhaftigkeit ihrer Person dauerten auch über ihren Tod hinaus an und
werden sicherlich noch Jahre bestehen bleiben.
Weltweiten Ruhm und Bekanntheitsgrad erlangte die Dietrich 1930, nachdem
sie als Lola Lola in Sternbergs DER BLAUE ENGEL den Zuschauern beteuerte,
sie sei „von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Dietrich bereits in siebzehn Filmen und
zahlreichen Bühnenstücken mitgewirkt.1
Diese ersten Jahre ihrer Theater- und Filmkarriere wurden jedoch vielfach
und zu Unrecht von Biographen und Filmwissenschaftlern abgewertet, was
die Dietrich selbst zu Lebzeiten stets unterstützt und sogar gefordert hatte:
„Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, nahm ich mir vor, nur wichtige und
möglichst interessante Ereignisse meines Lebens zu beschreiben. Wer also in
den Büchern der Biographen die lange Liste der Filme liest, in denen ich
angeblich ein Star war, der lasse sich bitte von mir sagen, daß ich erst nach dem
BLAUEN ENGEL ein Filmstar wurde. Ich gehörte nicht einmal zu den Stars im
BLAUEN ENGEL. Darüber kann es keinen Zweifel geben! Meine erste Hauptrolle
spielte ich in dem Film MAROCCO, der in Hollywood gedreht wurde.“2
Die folgende Hausarbeit soll sich diesem Problem widmen. Ich werde dazu
im ersten Teil näher auf Marlene Dietrichs kulturhistorisches Umfeld in Berlin
in den 20er Jahren eingehen, um dann im zweiten Teil ihre Biographie und
Filmographie dahingehend zu untersuchen, ob dieses Jahrzehnt wirklich eine
so unbedeutende Rolle für ihre weitere Karriere spielte.
1 vollständige Filmographie der frühen Filme im Anhang abgedruckt
2 Dietrich, Marlene: Nehmt nur mein Leben. C. Bertelsmann Verlag, München 1979, S.62-63.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Berlin der 20er Jahre
2.1. Das Theater
3. Marlene Dietrich vor dem BLAUEN ENGEL
3.1. Kindheit und Jugend
3.2. Die 20er Jahre in Berlin
4. Die frühen Filme
4.1. Siebzehn Filme – alles "Einen-Moment-Auftritte"?
4.2. ICH KÜSSE IHRE HAND, MADAME
4.3. DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT
5. Zusammenfassung
6. Anhang
6.2. Filmographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der frühen Filmkarriere von Marlene Dietrich in den 1920er Jahren und hinterfragt kritisch deren spätere Abwertung als unbedeutende "Einen-Moment-Auftritte", um aufzuzeigen, wie diese Jahre ihre künstlerische Entwicklung und ihre ikonische Persona maßgeblich prägten.
- Kulturhistorischer Kontext des Berlins der 1920er Jahre.
- Biographische Stationen und frühe Theatererfahrungen der Dietrich.
- Kritische Analyse der frühen Filmographie bis zum Durchbruch mit dem BLAUEN ENGEL.
- Untersuchung des künstlerischen Reifeprozesses und der Etablierung ihres spezifischen Stils.
Auszug aus dem Buch
DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT
1929 spielte Marlene Dietrich unter der Regie von Kurt Bernhardt in dem gleichnamigen Film DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT (D 1929). Bernhardt hatte sie in dem Theaterstück Eltern und Kinder gesehen. Er setzte sich gegen die Direktion seiner Produktionsfirma Terra durch und besetzte die weibliche Hauptrolle mit Marlene Dietrich, die somit neben Fritz Kortner und Uno Henning vor der Kamera stand. Bernhardt in einem Interview: "Was mich an Marlene faszinierte und warum ich so um sie kämpfte, war ihre persönliche Ausstrahlung als eine besonders schöne und erregende Frau. Es war eine erotische Atmosphäre um sie, die ich an keiner anderen Schauspielerin in diesen Jahren feststellen konnte."
Die Filmproduktion war für einen Jungregisseur wie den damals dreißigjährigen Bernhardt ungewöhnlich groß und gut ausgestattet. Der Kameramann hieß Curt Courant, hatte schon mit Fritz Lang, Joe May und Alexander Wolkoff gearbeitet und gehörte der ersten Garde einer neuen Kamerakünstlergeneration an. Die Produktionsfirma Terra, eine erfolgreiche, aufstrebende Aktiengesellschaft, hatte sogar die Möglichkeit, ihre Filme mit einem eigenen Verleih zu vertreiben. Für Marlene war dieser Film der Sprung in eine neue Qualität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Legende Marlene Dietrich ein und umreißt das Ziel, die oft abgewertete frühe Filmphase im Berlin der 1920er Jahre neu zu bewerten.
2. Das Berlin der 20er Jahre: Dieses Kapitel beschreibt das geistige und kulturelle Aufblühen Berlins in den 1920er Jahren als Zentrum für Theater und Film.
3. Marlene Dietrich vor dem BLAUEN ENGEL: Der Abschnitt widmet sich den biographischen Anfängen, der Ausbildung und den ersten Schritten der Dietrich in der Berliner Theaterszene.
4. Die frühen Filme: Hier werden ausgewählte frühe Filme analysiert, um Dietrichs künstlerischen Reifeprozess und die Entwicklung ihres charakteristischen Stils aufzuzeigen.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die frühen Jahre in Berlin essentiell für Dietrichs spätere Weltkarriere waren und sie maßgeblich prägten.
6. Anhang: Der Anhang enthält das Literaturverzeichnis sowie eine detaillierte Filmographie der frühen Werke.
Schlüsselwörter
Marlene Dietrich, Berlin, 1920er Jahre, Filmgeschichte, Stummfilm, UFA, DER BLAUE ENGEL, Schauspielerei, Stilschöpfung, Weimarer Republik, frühe Filme, künstlerische Entwicklung, Josef von Sternberg, deutsche Filmkunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit?
Die Arbeit untersucht die frühen Jahre der Schauspielkarriere von Marlene Dietrich in den 1920er Jahren in Berlin und beleuchtet deren Bedeutung für ihren späteren weltweiten Erfolg.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem kulturhistorischen Kontext Berlins während der Weimarer Republik stehen die biographische Entwicklung der Dietrich und die Analyse ihrer frühen, oft unterschätzten Filmrollen im Zentrum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, der Behauptung entgegenzuwirken, dass die frühen Filme der Dietrich vor ihrem Durchbruch 1930 nur unbedeutende Kleinstrollen waren, und ihren künstlerischen Reifeprozess nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kulturhistorische Einordnung sowie eine filmwissenschaftliche Analyse von frühen Spielfilmen und zeitgenössischen Kritiken, ergänzt durch autobiographische Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung des Berliner Umfelds (Theater und Film), eine biographische Skizze der frühen Jahre sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit spezifischen Filmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Marlene Dietrich, 1920er Jahre Berlin, frühe Filmkarriere, künstlerischer Reifeprozess und Weimarer Filmkultur.
Welche Rolle spielte der Film "DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT" für Dietrich?
Dieser Film wird als Sprung in eine neue künstlerische Qualität gewertet, in dem sie erstmals eine führende Rolle ausfüllte und ihre spezifische Ausstrahlung gezielt einsetzen konnte.
Warum wollte Dietrich ihre frühen Filme später aus ihrer Filmographie streichen?
Dietrich versuchte aktiv, ihre Vergangenheit als "normale" Schauspielerin zu marginalisieren, um die Legende der "Neuentdeckung" durch Josef von Sternberg für ihre Hollywood-Karriere zu forcieren.
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- Anne Klotz (Author), 2001, MARLENE DIETRICH - Die 20er Jahre in Berlin und ihre frühen Filme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23107