Geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und deren Folgen in Deutschland


Referat (Ausarbeitung), 2004
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschlecht und Rolle
2.1 Geschlecht
2.2 geschlechtsspezifische Rollen
2.3 geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und Folgen

3 Wandel der Geschlechterrollen
3.1 Probleme der Rollenerweiterung der Frau
3.2 Wenig oder kaum veränderte Faktoren

4 Heiratsannoncen
4.1 Zusammenfassung wichtiger Daten
4.2 Resümee der empirischen Analyse der Heiratsannoncen
4.3 Weitere Feststellungen

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Im 21. Jahrhundert angekommen können wir nun rückblickend auf das 20. Jahrhundert schauen und Veränderungen samt ihrer Motoren analysieren. Wie hat es sich nun wirklich mit der Stellung der Geschlechter und ihrer Rollenzuweisung verhalten? Wie ist die Aussage Theodor Heuss’ zu verstehen im Kontrast zu dem sarkastischen Hintergrundbild? Welche Rollen sind der Frau und welche dem Mann in einer Partnerschaft bzw. Lebensgemeinschaft in Deutschland zugedacht? Welche Faktoren haben oder hätten einen Wandel der Geschlechterrollen zur Folge gehabt?

Im Vordergrund dieser Arbeit steht, welche Rollen Mann und Frau in einer Lebensgemeinschaft tragen. Weiterhin wird untersucht, ob und wie sich die Rollen der Geschlechter, in Deutschland, speziell in den letzten 50 Jahren, im Umbruch vom 20. zum 21. Jahrhundert, verändert haben. Zur Veranschaulichung wird eine empirische Analyse von Heiratsinseraten von Christiane Gern herangezogen.

Weitere Lebensformen, die eines allein erziehenden Mannes oder einer allein erziehenden Frau, sowie ein Single-Leben der unterschiedlichen Geschlechter werden in dieser Arbeit außen vor gelassen. Im Folgenden reduziere ich die Betrachtung ausschließlich auf die geschlechterspezifische Rollenzuweisung in einer traditionellen Familie.

2 Geschlecht und Rolle

2.1 Geschlecht

In Deutschland ist eine allgemeine Tendenz zum androgynen ( zweigeschlechtlichen ) Menschenbild vorherrschend. Ob ein Mensch das eine oder andere Geschlecht zugesprochen bekommt entscheidet laut Christa Spannbauer in unserer Kultur

„…der erste Blick auf die äußeren Genitalien des Neugeborenen.“[1]

Des weiteren erweist sich, nach Christa Spannbauer,

„…das Geschlecht als ein unendlich formbares und veränderbares Produkt, das durch die herrschenden kulturellen, sozialen und politischen Diskurse seiner Zeit erst hervorgebracht wird.“[2]

So sind das Verständnis und die unterschiedlichen Rollenzuweisungen der Geschlechter immer abhängig und eingebettet in Mikro- und Makroumstände der Menschen, wie Milieu, Gesellschaft, soziokulturelle und politische Zusammenhänge ebenso biologische Gegebenheiten.

Carl Welker bezieht zusätzlich noch das Verhältnis dieser Geschlechter in Betracht:

„ Das Verhältnis beider Geschlechter berührt die tiefsten und wichtigsten Grundlagen der ganzen gesellschaftlichen Ordnung.“[3]

2.2 geschlechtsspezifische Rollen

Nach Eckert:

„Als Geschlechtsrolle verstehen wir diejenigen Verhaltensweisen, die wir von Männern und Frauen je anders erwarten.“[4]

Allgemein werden die Rollen der Geschlechter, von Mann und Frau,

„…als Bündel von größtenteils normativen Erwartungen, die an die Rollenträger gestellt werden, definiert.[5]

Helge Pross präzisiert die Art der Erwartungen an die geschlechterspezifischen Rollenzuweisungen in den drei folgenden Punkten:

1. Geschlechtsrollen beinhalten Erwartungen darüber, welche Rollen und Positionen Frauen und Männer im Produktionsprozess- sowie Reproduktionsprozess einnehmen. Sie enthalten Grundregeln der Arbeitsteilung, die in jeder Gesellschaft in unterschiedlicher Form vorhanden sind.
2. Es gibt Erwartungen, die nicht an eine spezielle Rolle geknüpft sind, sondern als allgemeine Natur der Menschen bezeichnet werden. Solche werden nach Holters an beide Geschlechter gestellt jedoch in unterschiedlicher Intensität. Zum Beispiel Einfühlungsvermögen. Viele dieser allgemeinen Erwartungen spiegeln sich in Geschlechtsstereotypen, wobei bestimmte Eigenschaftsbündel als spezifisch männlich, dem Mann, oder als spezifisch weiblich, der Frau, zugeschrieben werden.
3. Aus 1. und 2. resultiert, dass Geschlechtsrollen die Übernahme spezieller Rollen steuern und Erwartungen allgemeiner Art beinhalten. Geschlechtsrollen sind grundlegender als andere Rollen, da sie die Kodes weiterer Rollen beinhalten.[6]

2.3 geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und Folgen

Nachdem erläutert wurde, dass Mann und Frau aufgrund ihres Geschlechts unterschiedliche Rollen zugewiesen bekommen, fahre ich fort, mit der speziellen, traditionellen geschlechtsspezifischen Zuweisung der Rollen. Zuerst werden die femininen, danach die maskulinen Rollen aufgezeigt.

Eine Frau übernimmt die Rollen, die den privaten, häuslichen Bereich der familiären Arbeitsteilung betreffen. Das ist die Rolle als immer gute, treue, fürsorgliche, verständnisvolle Ehefrau, Hausfrau, Mutter, Erzieherin, u.s.w.

Ihr Leben beinhaltet dadurch überwiegend die Pflege der Kinder und Versorgung des Ehemanns und Haushalt und alle sonstige häuslich bezogenen Aufgaben.

Jedoch ist ebenfalls festzuhalten, dass seit 1900 die Erwerbstätigkeit der Frau relativ konstant bei 30% lag. Doch entsprach dies nicht der Ideologie dieser Zeit und die Frau beging dadurch eine unentschuldbare Sünde.[7] Wobei die beruflichen Möglichkeiten sich inhaltlich lediglich auf die traditionellen Rollen, wie Haushaltshelferin, Pflegerin und später „Zuarbeiterin“ für männliche Berufe bezogen.[8]

Dem Mann kommen im Wesentlichen die Rollen des Ernährers der Familie und die Rolle des Familienoberhaupts zu. Damit verbunden hat er die Rolle des Repräsentanten nach außen an die Öffentlichkeit.

Somit hat der Mann in der sozial-gesellschaftlichen Makrospäre, wie der Mikrospäre der Familie, eine eigene Position. Die Frau hat hingegen lediglich in der Mikrospäre eine eigene Position und wird in der Öffentlichkeit über ihren Ehemann definiert.

Dadurch ergibt sich einen unterschiedlichen Zugang zu ökonomischen Machtquellen und Möglichkeiten.[9]

Die Erwerbstätigkeit wird als Ressource des Mannes und nicht der Frau definiert, ähnlich wie das Bildungsniveau.

Frauen sind in dem Sinne strukturell benachteiligt, da ihre primäre Ressourcen durch den geringen Tauschwert Geld bei gleichzeitiger großer Abhängigkeit von der Familie, zu einem geringeren Status führen.[10]

„Frauen und Männer werden also tendenziell nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt, die sich aus der gesell. Definition ihrer Rollen ergeben. Je höher ihre Rollenperformanz, desto höher der Status: Je erfolgreicher ein Mann in beruflicher Hinsicht ist, und je besser die Frau den Haushalt organisiert, die Kinder erzieht und die Familienmitglieder emotional unterstützt, desto höher sind sie auf den Stufen der jeweiligen Bewertungsskala platziert.“[11]

[...]


[1] Christa Spannbauer: Die Inszenierung der Geschlechter. In: Lebenswelten. Die Vielfalt der Geschlechter. Hg: Christa Schuhbauer. J.H. Röll GmbH, Dettelbach. 2000. S. 29.

[2] Ebd. S. 30.

[3] Ute Freivert: Mann und Weib, und Weib und Mann. Geschlechter-Differenz in der Moderne. Verlag C. H. Beck, München, 1995. S. 50.

[4] Eckert 1997, 236. Zitiert nach Christiane Gern: Geschlechtsrollen. Stabilität oder Wandel. Westdeutscher Verlag, Opladen, 1992. S. 13.

[5] Ebd.

[6] Vgl.: Helge Pross 1984. zitiert nach Christiane Gern: Geschlechtsrollen. Stabilität oder Wandel. A.a. O. S. 14f.

[7] Vgl.: Zahlmann-Willenbacher 1979. zitiert nach Christiane Gern: Geschlechtsrollen. Stabilität oder Wandel. A.a.O. S. 16.

[8] Vgl.: Der Begriff „Zuarbeiterin“ stammt aus dem Seminar.

[9] Vgl.: Christiane Gern: Geschlechtsrollen. Stabilität oder Wandel. A.a. O. S. 19.

[10] Vgl.: ebd. S. 18f

[11] Christiane Gern: Geschlechtsrollen. Stabilität oder Wandel. A.a. O. S. 19.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und deren Folgen in Deutschland
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Geschlechtsspezifische Sozialisation: ein Beitrag zur Biographieforschung
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V23110
ISBN (eBook)
9783638262989
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtsspezifische, Rollenzuweisung, Folgen, Deutschland, Sozialisation, Beitrag, Biographieforschung
Arbeit zitieren
Silke Reichert (Autor), 2004, Geschlechtsspezifische Rollenzuweisung und deren Folgen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23110

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