Analyse und Messbarkeit rhetorischer Kommunikationskompetenz

Entwicklung von Handlungsanleitungen zur ganzheitlichen Analyse von Rhetorik


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2013
95 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Definition und thematische Einordnung von Rhetorik
2.1 (Rhetorische) Kommunikation
2.1.1 Verbale Kommunikation
2.1.2 Nonverbale Kommunikation
2.1.3 Paraverbale Kommunikation
2.1.4 Extraverbale Kommunikation

3. Methoden aus verschiedenen Fachbereichen zur Analyse von Rhetorik
3.1 Sprachliche Wirkung der Rede: Linguistische Analyse
3.1.1 Gesprächsanalyse nach Deppermann
3.1.2 Semantische, syntaktische & pragmatische Textanalyse
3.1.3 Stilanalyse (Analyse rhetorischer Stilmittel)
3.1.4 Lesbarkeitsindex nach Flesch
3.2Überzeugungsfähigkeit der Rede: Die Argumentationsanalyse
3.2.1 Aristotelische Toposanalyse
3.2.2 Moderne Argumentationsanalyse-Ansätze
3.3 Die Funktion(en) der Rede: Kommunikationsmodelle
3.3.1 Lasswell-Formel
3.3.2 Organonmodell von Bühler
3.3.3 Theorie des kommunikativen Handelns nach Habermas
3.3.4 Grice‘sche Konversationsmaxime
3.4 Rede und Persuasion: (Sozial-) Psychologische Ansätze
3.4.1 Impression-Management-Theorie nach Goffman
3.4.2 Yale-Ansatz der Forschergruppe um Hovland
3.4.3 Halo-Effekte
3.4.4 Elaboration-Likelihood-Model von Petty und Cacioppo
3.4.5 Theorie der kognitiven Dissonanz nach Festinger

4. Handlungsempfehlungen zur ganzheitlichen Analyse von Rhetorik

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenangaben

7. Anhang

1. Einführung

Wie lässt sich rhetorische Kommunikationskompetenz messen und bewerten? Dieser Frage geht die vorliegende Arbeit nach. In Anbetracht der Tatsache, dass Rhetorik die älteste Kommunikationswissenschaft der Welt ist und rhetorische Kompetenz in unserer Gesellschaft als Schlüsselqualifikation gilt, ist es verwunderlich, dass sich bislang kaum Forscher diesem Thema gewidmet haben und es keine etablierte Methode zur Rhetorikanalyse gibt. Die bestehenden Ansätze zur rhetorischen Analyse stammen größtenteils aus dem US-ameri- kanischen Raum und sind entweder veraltet oder beziehen sich lediglich auf einen Teilbereich der Analyse - meist auf die Textanalyse und hier im Besonderen auf den Einsatz rhetorischer Figuren oder auf die Argumentation.

Die wissenschaftliche Inhaltsanalyse erfreut sich zwar immer größerer Beliebtheit, hält aber bislang auch keine Methode bereit, die alle notwendigen AnalyseBereiche - also beispielsweise auch die non- und paraverbale Kommunikation - zu einer Methode zusammenfügt, mit der sich rhetorische Fähigkeiten im Ganzen analysieren und messen ließen. Diesem Desiderat widmet sich der vorliegende wissenschaftliche Projektbericht. Als Ergebnis soll ein erster Vorschlag zur umfassenden rhetorischen Analyse vorgelegt werden.

Unterrhetorischer Kommunikationskompetenz wird in diesem Zusammenhang die Fähigkeit verstanden, Sachverhalte in Reden oder öffentlichen Sprechsituationen durch Verwendung sprachlicher Zeichen verständlich, überzeugend und souverän darstellen zu können.1 Problematisch aus Sicht der Wissenschaft ist daran, dass diese Fähigkeiten nicht direkt sichtbar sind, also empirisch durch Beobachtung nicht erschlossen werden können. Insofern benötigt ein Forscher, der Rhetorik messen und bewerten will, gute Analyse- und Interpretationsfähigkeiten. Gleichzeitig besteht die Herausforderung bei der Entwicklung einer Methode zur ganzheitlichen Rhetorikanalyse darin, möglichst alle notwendigen Faktoren mit einzubeziehen, den Forscher aber gleichzeitig nicht zu stark einzuengen.

Dieser Projektbericht wird im Folgenden zunächst der Frage nachgehen, welche Methoden und Theorien aus unterschiedlichen Fachbereich bereits zur Verfügung stehen, um rhetorische Fähigkeiten zu messen und zu bewerten. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden am Ende dieser Arbeit Handlungsempfehlungen zur ganzheitlichen Analyse von Rhetorik entwickelt, die sowohl den Redetext, als auch die Argumentation, die Körpersprache, die Gestik und die Mimik, die Stimme, die Präsentationsform und viele weitere Faktoren berücksichtigt. Bevor wir uns den bestehenden Ansätzen und Methoden widmen, sollen jedoch zunächst die relevanten Begriffe in diesem Zusammenhang geklärt werden.

2. Definition und thematische Einordnung von Rhetorik

Der Begriff Rhetorik leitet sich vom griechischen Wort `rhētorikḗ´ ab und bedeutet traditionell Theorie der Redekunst oder Kunst der Beredsamkeit und des Überzeugens -„dieses Faktum macht sie zu einer wirkungsbezogenen Disziplin“ (Plett 2001: 2). Rhetorik zielt darauf ab, Informationen zu vermitteln, Menschen von etwas zu überzeugen und einen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten. Die Redekunst sieht sich deshalb immer wieder der Kritik ausgesetzt, dass Redner lediglich Macht über andere gewinnen wollen und nichts weiter als schöne Wörter liefern (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 107, Stocker 1978: 383ff.).

Ihre Ursprünge findet die Rhetorik im alten Rom und im antiken Griechenland, wo sie als eine der sieben freien Künste galt. Sie ist damit eine der frühesten Wissenschaften der Welt, und hat eine sehr lange Tradition. Das älteste Lehrbuch der Rhetorik - das auf Latein verfasste "Rhetorica ad Herrenium" - wurde bereits 85 vor Christus verfasst (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 101ff., Ulonska 1994: 359ff., Trautmann 2001: 15ff.).

In der Entwicklungsphase der griechischen Demokratie wurden Reden als politisches Instrument genutzt, um die Bürger vor Abstimmungen beim Treffen ihrer Entscheidungen zu unterstüzen. Die Einstellung der Zuhörer für (oder gegen) bestimmte politische Vorgehensweisen sollte durch Reden beeinflusst werden. Rhetorik zielt also seit jeher darauf ab, die Zuhörer von etwas zu überzeugen (siehe hierzu auch 3.2, S. 28ff. und 3.4, S. 46ff.). Die Ablösung der Demokratie in Griechenland führte schließlich dazu, dass die Rhetorik sich neu positionieren musste, da ihr ursprünglicher Zweck verloren gegangen war. So näherte sich die Rhetorik immer mehr der Stilistik an - dem künstlerischen und wirkungsvollen Einsatz von Sprache -, woraus die so genannte Schulrhetorik entstand (Vgl. Trautmann 2001: 15ff.)2.

Die Kunst der Rede wird von verschiedenen wissenschaftlichen Standpunkten aus betrachtet, unter anderem von der Psychologie, der Soziologie, der Sprech- wissenschaft und der Pädagogik. Rhetorik kommt innerhalb der Wissenschaften eine Sonderstellung zu, da sie sich nicht nur methodisch mit der Frage auseinandersetzt, was wirksame Reden ausmacht, sondern gleichzeitig auch als Kunst angesehen wird. In der Diskussion um Rhetorik als Kunst geht es vor allem um die Frage, ob und wie Menschen zu guten Rednern werden. Die Aufgabe der wissenschaftlichen Rhetorik ist es hingegen, „Voraussetzungen und Bedingungen für verbale Beeinflussungen zu untersuchen“ sowie „Beeinflussungs-strategien zu beschreiben und zu systematisieren“ (Stocker 1976: 383). Zu den Forschungs- feldern der Rhetorik gehören unter anderem der Redner und seine Kompetenzen, die kommunikativen Rahmenbedingungen einer Rede (das Setting), die Kommunikationsstrategie, der Versuch der Persuasion der Adressaten, das Anfertigen von Redetexten, rhetorische Gestaltungsmittel und Stilfiguren, die Argumentation sowie der eigentliche Redeauftritt einschließlich der Körper- sprache und dem Einsatz von Medien (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 101ff., URL: http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/was-ist-rhetorik [Datum des Aufrufs: 09.04. 2013]).

Aristoteles3 hat mit seiner „Rhetorik“ (1389) das bedeutendste antike Fachbuch zur Redelehre geschaffen. Sein Werk war richtungsweisend, weil die Sophisten zuvor versucht hatten, die Redekunst als unmoralisch abzutun und zu verbannen. Aristoteles wendeten diesen Versuch jedoch ab, indem er die Redekunst zwischen Dialektik4 und praktischer Philosophie einordnete. Sein Werk hat bis heute einen hohen Stellenwert, weil es das erste war, das die Redekunst auf systematische Art und Weise dargestellt und sämtliche Redetypen, Redetechniken und Aufgaben des Redners beschrieben hat. Aristoteles sah die Rhetorik eine Kunst an, die im Spannungsfeld der Trias Sache - Redner - Hörer steht. Er unterscheidet darauf aufbauend zwischen drei Formen der Überzeugung, beziehungsweise drei Prinzipien der Rhetorik: 1)Ethos: Die Glaubwürdigkeit des Redners; 2)Pathos: Der emotionale Zustand des Publikums und das Appellieren an die Emotionen des Zuhörers; 3)Logos: Die Argumentation sowie die sprachliche Form und der logische Aufbau der Rede. Aristoteles hält die Argumentation für das wichtigste Instrument einer Rede (Vgl. Aristoteles 1999[1389]).

2.1 (Rhetorische) Kommunikation

Es gibt unzählige verschiedene Definitionen von Kommunikation. In unserem Alltagsverständnis verstehen wir unter Kommunikation einen Prozess, bei dem ein Austausch von Informationen zwischen einem Sender und einem Empfänger stattfindet (Vgl. Forgas 1999: 106ff.). Das Wort Kommunikation leitet sich vom lateinischen Verb `communicare´ ab, was mitteilen bedeutet. Informationen sind immaterielle Güter. Im Gegensatz zum Austausch materieller Güter verfügt ein Mensch, der einem anderen Informationen mitteilt, nämlich auch nach dem Kommunikationsprozess noch über diese Information (Vgl. Beck 2007: 16, Pürer 2003: 57ff.). „Wenn wir menschliche Kommunikation richtig verstehen möchten, müssen wir also zwischen Übermittlung (Transport, Tausch) und dem Miteinder- Teiler (Vermittlung, Mitteilung) unterscheiden“ (Beck 2007: 16).

So unterschiedlich die Definitionen von Kommunikation auch sind, so ist doch allen die Annahme gemein, dass jeder Kommunikationsprozess aus einem Kommunikator, einer Botschaft und einem Rezipienten besteht. Kommunikation kann entweder einseitig oder zweiseitig (wechselseitig) sein - sie ist jedoch stets prozesshaft (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007: 21, Beck 2007: 15, Forgas 1999: 106ff., Pürer 2003: 57ff.). Kommunikation zielt auf Verständigung. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, „ist ein Mindestmaß an Gemeinsamkeit des Zeichen- und Symbolvorrats und -verständnisses sowie des Wissens- und Erfahrungs- hintergrundes“ (Six/Gleich/Gimmler 2007: 21) der Kommunikationsteilnehmer notwendig. Menschliche Kommunikation basiert auf der Verwendung von Sprache und ist die vermutlich am weitesten entwickelte Form der Kommunikation (Vgl. Beck 2007: 38, Forgas 1999: 108).

Menschen kommunizieren ständig und überall, Kommunikation gehört zum menschlichen Alltag. Diese Universalität bedeutet für die Kommunikationswissenschaft, dass ihr Erkenntnisobjekt nahezu unendlich groß ist (Vgl. Beck 2007: 13). Innerhalb der Forschung kommen den Kommunikationswissenschaften eine Sonderstellung zu, denn sie „kommunizieren über Kommunikation, betreiben also Metakommunikation“ (Beck 2007: 14).

Die Forschungsfelder der Kommunikationswissenschaft reichen von der Kom- munikatorforschung über die Inhaltsanalyse und die Rezipientenforschung bis hin zur Wirkungsforschung von Kommunikation. All diese Bereiche müssen bei der Analyse von rhetorischer Kommunikation - zumindest in Teilen - berücksichtigt werden.

Nach Six et al. hat Kommunikation folgende Merkmale: 1) Kommunikation findet immer in einemKontextstatt, der die Rahmenbedingungen der Kommunikation festlegt. 2) Kommunikation istinteraktiv, das heißt die an der Interaktion beteiligten Personen beeinflussen sich gegenseitig durch die Kommunikation und deren Ergebnisse. 3) Kommunikation istzielgerichtet. Dennoch ist nicht jedes Verhalten in einer Kommunikationssituation bewusst oder geplant, wie zum Beipsiel Gähnen (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007: 21ff., Pürer 2003: 60ff.).

Gleichzeitig kommen Six et al. aber auch zu der Erkenntnis, dass „Kommunikation weit mehr ausmacht, als man von außen beobachten kann. So laufen in den Köpfen der Beteiligten in einer Kommunikations- oder Mediennutzungssituation vielfältige kognitive und emotionale Prozesse und Aktivitäten ab. Dabei geht es etwa um die Ausbildung von Erwartungen und Eindrücken gegenüber Kommunikationspartnern, um Kodierungs- und Dekodierungsprozesse sowie um das Verstehen und Bewerten von Kommunikationsverhalten“ (Six/Gleich/Gimmler 2007: 9). Es ist kritisch anzumerken, dass diese Tatsache in vielen Kommuni- kationsmodellen nicht berücksichtigt wird. Auf einzelne Kommunikations-modelle soll allerdings an dieser Stelle noch nicht eingegangen werden, sondern erst an späterer Stelle (siehe 3.3., S. 37ff.).

Rhetorische Kommunikationist ein Sonderfall der sprachlichen Kommunikation (Vgl. Geißner 1978: 59ff.). Sie „beschäftigt sich mit den Prozessen handlungs- auslösenden Sprechdenkens und Hörverstehens in den verschie-densten Gesprächs- und Redeformen“ (Pabst-Weinschenk 2004:101). Das Gelingen rhetorischer Kommunikation ist einerseits maßgeblich davon abhängig, welches Vorwissen und welche Erwartungen die Zuhörer haben und andererseits, in welcher situativen Stimmung sie sich befinden. Es spielen also sowohl individuelle als auch soziale Einflüsse eine Rolle für den Erfolg rhetorischer Kommunikation (Vgl. Geißner 1978: 60).

Auf den ersten Blick scheint rhetorische Kommunikation keine zweiseitige, sondern eine einseitige Form der Kommunikation zu sein, da lediglich der Orator5 etwas mitteilt, was die Rezipienten aufnemen. Aber „selbst ein Referent, dem explizit nur die Rolle des Kommunikators zugewiesen wird, nimmt sein Publikum wahr (z.B. Körperhaltung, Mimik und Gestik der Zuhörer) und lässt sich durch dieses - wie bewusst auch immer - beeinflussen, sei es in Form einer Bewertung des Publikums, einer spontanen Kürzung oder inhaltlichen Abänderung seines Referats oder etwa eines Wechsels seiner Vortragsweise“ (Six/Gleich/Gimmler 2007: 33). Man geht deshalb „in der [...] Rede-Rhetorik vom einem (virtuell-) dialogischen Ansatz aus“, das bedeutet „in der rhetorischen Kommunikation wird kein grundsätzlicher Unterschied zwischen Rede und Gespräch gemacht, beides sind unterschiedliche Formen rhetorischer Kommunikationsprozesse“ (Pabst- Weinschenk 2004: 66).

Im Zusammenhang unseres Forschungsinteresses steht nun die Frage im Raum, wie man rhetorische Kommunikation bewerten und messen kann. Dazu soll nun zunächst geklärt werden, was überhaupt unter rhetorischer Kommunikations- kompetenz zu verstehen ist: AlsKompetenz bezeichnet man „Wissensbestände, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die gemeinsam mit motivationalen Voraussetzungen ein Individuum dazu befähigen, ein bestimmtes Verhalten [...] in kompetenter Weise auszuüben [...]“ (Six/Gleich/Gimmler 2007: 272). Kommunikations- kompetenz kann somit definiert werden als „Komplex erlernter Fähigkeiten des (Sich-) Mitteilens und Verstehens, mit dem eine Person in einer interpersonalen Interaktion ihre Anliegen zielgerichtet, in einer der Situation angemessenen und hinreichend flexiblen Weise erfolgreich verfolgt“ (Six Gleich/Gimmler 2007: 278 nach Hartung, Johanna: Sozialpsychologie, Stuttgart: Kohlhammer, 2000, S. 86). Rhetorische Kommunikationskompetenzist als ein Teilbereich der Kommuni- kationskompetenz anzusehen (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007: 277). Zur Kommunikationskompetenz liegen verschiedene wissenschaftliche Unter- suchungen vor, die das Konstrukt messbar zu machen versuchen. Sie greifen dabei einerseits auf ressourcenbezogene Kriterien wie das Wissen um Kommunikationsnormen, die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme oder Ausdrucksvermögen aber auch auf prozess- und ergebnisbezogene Kriterien wie Angepasstheit und Selbstkontrolle sowie das Erkennen von Zielen, Strategien und Erwartungen der anderen Kommunikationsteilnehmer zurück (Vgl. Six/Gleich/ Gimmler 2007: 279, Rickheit/Strohner 2010). Wegweisend in diesem Zusammenhang sind die von Mayer formulierten Grundprinzipien rhetorischer Kompetenz, die vier Bereiche umfassen: 1) Analytische Kompetenz, 2) ethische Kompetenz, 3) soziale Kompetenz und 4) kommunikative Kompetenz. Unter analytische Kompetenz fasst Mayer unter anderem die Fähigkeit, die Erwartungen der am Kommunikationsprozess Beteiligten erkennen und beurteilen zu können, die Kommunikationssituation richtig einschätzen und entsprechend darauf reagieren zu können sowie sprachliche und nichtsprachliche Äußerungen erkennen und interpretieren zu können. Mit ethischer Kompetenz ist ein Bewusstsein für geistige und kulturelle Werte gemeint, welche die Grundlage des eigenen und gemeinsamen Handels bilden. Soziale Kompetenz umfasst die Fähigkeit, auf der Beziehungs- und emotionalen Ebene agieren zu können. Dazu gehöre auch, ein für die Beteiligten angenehmes Klima erzeugen zu können. Unter kommunikativer Kompetenz versteht Mayer die Fähigkeit, aus der Beobachtung gewonnene Erkenntnisse angemessen in absichtsgeleitetes, zweckmäßiges, rednerisches Handeln umwandeln zu können und die Regeln der Argumentation zu beherrschen (Vgl. Mayer 2007: 9ff).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass rhetorische Kommunikationskompetenz die Fähigkeit umfasst, strukturiert reden zu können, die richtigen Worte zu finden sowie wirkungsvoll aufzutreten und zu präsentieren.

Jegliche Art von menschlicher Kommunikation - somit also auch die rhetorische - lässt sich in vier Modalitäten kommunikativen Verhaltens aufteilen, die bei jeder Mitteilung zusammenwirken: Verbale, nonverbale, paraverbale und extraverbale Kommunikation (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 49).6 Diese einzelnen Modalitäten sollen nun kurz voneinander abgegrenzt werden.

2.1.1 Verbale Kommunikation

Mit verbaler Kommunikation ist das gesprochene Wort, also der Inhalt der Kommunikation gemeint. Verbale Kommunikation umfasst jegliche Form von Sprache mit den Zeichen einer Lautsprache, aber auch Schrift oder Zeichensprache (Vgl. Nöth 2000: 295).

Wir gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass „Reden latent oder virtuell dialogisch sind“ (Geißner 1978: 105), das heißt, dass die Redesituation als normale verbale Kommunikationssituation angesehen wird.

2.1.2 Nonverbale Kommunikation

Nonverbale Kommunikation ist nichtsprachliche Kommunikation, die häufig parallel zur verbalen Kommunikation eingesetzt wird. Sie „umfa[ss]t7 das Ausdrucks- potential des menschlichen Körpers in Zeit und Raum“ (Nöth 2000: 293). Der Begriff Körpersprache wird oft als Synonym zu nonverbaler Kommunikation verwendet, ist allerdings wissenschaftlich umstritten, da es fraglich ist „ob sich in den Ausdrucksformen des Körpers Strukturmerkmale auffinden lassen, wie sie für Sprachcodes typisch sind“ (Pabst-Weinschenk 2004: 49). Zur nonverbalen Kommunikation zählen die Mimik (der Gesichtsausdruck), die Gestik (Bewegung der Arme und Beine), der Habitus (Körperhaltung), die Proxemik (Stellung im Raum und zu[m] Kommunikationspartner[n]), die Stimme und das Blickverhalten (Vgl. Beck 2007: 38ff.).

Nonverbale Zeichen spielen insbesondere im Vorfeld einer Kommunikation eine Rolle: „Durch Blickkontakt, Lächeln oder die Zuwendung des Körpers wird Gesprächsbereitschaft signalisiert“ (Beck 2007: 38). Ohne nonverbale Signale entsteht deshalb oftmals gar keine Kommunikation.

Nonverbale Signale sind weniger eindeutig und präzise als verbale Signale. Sie variieren nicht nur zwischen Personen und Geschlechtern, sondern vor allem zwischen Gesellschaften und Kulturen zum Teil erheblich. Deshalb gestaltet sich das Deuten nonverbaler Kommunikation schwierig, auch wenn die Literatur zu diesem Thema dem Leser oftmals ein anderes Bild zu vermitteln versucht (Vgl. Forgas 1999: 159, Nünning/Zierold 2011: 71f.). Zudem vollzieht sich Körpersprache oftmals unbewusst und unkontrolliert, da sie nur schwer steuerbar ist. Aus diesem Grund gelten nonverbale Signale (genau wie paraverbale) allerdings auch „als besonders authentisch und glaubwürdig“ (Beck 2007: 40). Einige Menschen meinen, dass durch die non- und paraverbale Kommunikation das wahre Gesicht eines Menschen zum Ausdruck kommt, weil sie weniger leicht zu steuern ist als verbale Kommunikation und damit kaum manipulierbar (Vgl. Beck 2007: 39ff.).

Körpersprache ist eng mit dem Sprachprozess verbunden (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 53). Im Gegensatz zur verbalen Kommunikation hat sie jedoch kein Anfang und kein Ende - sobald Kommunikationsteilnehmer einander wahrnehmen, kommunizieren sie auch über nonverbale Signale miteinander. Körpersprache ist deshalb vor allem dazu geeignet, verbale Kommunikation in ihrer Aussage zur unterstützen, sodass eine Mitteilung über beide Kanäle gleichzeitig kommuniziert wird. „Die Körpersprache [hat] - wie jeder Medieneinsatz - die Funktion, das Gesagte optisch zu unterstreichen. Allerdings sollten Zahlenwerte, wie die Körpersprache mache 55 %, der Sprech- und Stimmausdruck 38 % und der Inhalt nur 7 % der Gesamtwirkung aus (nach Untersuchungen von Mehrabian/Ferris 1967; Mehrabian/Wiener 1967), heute mit Recht kritisch gesehen wer- den“ (Lehnhart/Wachtel 2001).

Nonverbale Kommunikation ist allerdings nicht nur in der Lage, verbale Aussagen unterstützen, sondern kann das Gesagte auch ergänzen, sodass die Mitteilung erst durch beide Kommunikationsformen verständlich wird. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn eine Person jemanden bittet, einen Gegenstand „dort“ abzulegen und dabei gleichzeitig mit dem Finger in eine Richtung deutet. Körpersprache ist darüberhinaus dazu geeignet, den Ablauf einer Kommunikation zu steuern und koordinieren, beispielsweise indem jemand durch ein Nicken zum Sprechen aufgefordert wird. Ebenso kann nonverbalen Kommunikation das Gesagte betonen, zum Beispiel durch bestimmte Gesten. In einigen wenigen Fällen ist Körpersprache sogar dazu in der Lage, verbale Kommunikation komplett zu ersetzen (Substitution) - zumindest wenn die verwendeten Signale konven- tionalisiert sind und von allen Kommunikationspartnern verstanden werden. Ein einfaches Beispiel hierfür sind Nicken und Kopfschütteln als Signale für Ja oder Nein. Es kommt allerdings weit häufiger vor, dass verbale und nonverbale Signale sich widersprechen. Dadurch entstehen Kommunikationsstörungen und das Verständnis wird gestört (Vgl. Beck 2007: 40f., Forgas 1999: 127ff.).

Zusammenfassend lässt sich zur den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von verbaler und nonverbaler Kommunikation sagen, dass „nonverbale Botschaften gewöhnlich sehr viel schneller gesendet und empfangen werden, sehr viel weniger unter bewu[ss]ter Kontrolle stehen und Einstellungen und Emotionen effektiver kommunizieren als Sprache“ (Forgas 1999: 128).

Der Anthropologe Birdwhistell hat sich als einer der ersten Menschen wissenschaftlich mit dem Thema Körpersprache auseinandergesetzt. Er hat nonverbale Signale ähnlich wie verbale behandelt und sie in einem System von Bewegungseinheiten (Kineme) kategorisiert. Diese Analysemethode ist so detailliert, dass eine Sequenz von wenigen Sekunden Forscher über Jahre hinweg beschäftigen kann (Vgl. Forgas 1999: 159). Wegweisend in diesem Bereich waren auch die Arbeiten von Ekman und Friesen (1969), die fünf Klassen nonverbaler Signale unterschieden, die an dieser Stelle lediglich der Vollständigkeit halber aufgelistet werden, ohne dass im weiteren Verlauf näher darauf eingegangen wird:

1) Embleme, 2) Illustratoren, 3) Regulatoren, 4) Emotionsausdrücke sowie

5) Adaptoren (Pabst-Weinschenk 2004: 51ff.).

2.1.3 Paraverbale Kommunikation

Paraverbale Kommunikation umfasst den Bereich der Paralinguistik bis hin zu nichsprachlichen Lautzeichen wie Schreien oder Lachen, also „die nicht- inhaltlichen, hörbaren Bestandteile des Sprechens“ (Kreuzbauer/Madella-Mella 2007).

Man unterscheidet zwischen zwei Aspekten paraverbaler Sprache: Zwischen den phonetischen Eigenschaften (Modulation, Stimmlage, Sprachmelodie, Tonhöhe, Sprechpausen oder Tempo) und den nichtsprachliche Lautäußerungen (Räuspern, Seufzen, Lachen usw.) (Vgl. Beck 2007: 40, Kreuzbauer/Madella-Mella 2007, Nöth 2000: 365ff.). Im Gegensatz zur nonverbalen Kommunikation sind paraverbale Zeichen damit unmittelbar mit der Sprache verbunden. Sie konzentrieren sich darauf,wiejemand spricht. Sehr passend in diesem Zusammenhang ist das Sprichwort `Der Ton macht die Musik´.

Obwohl „[...] dieses Thema [paraverbale Kommunikation; Anmerk. a. Verf.] in der Literatur bisher nur ungenügend aufbereitet wurde“ (Kreuzbauer/Madella-Mella 2007), haben Davitz und Davitz 1959 in einer Untersuchung dennoch spannende Ergebnisse erzielt: Sie fanden durch ein Verfahren, das Wörter unverständlich macht, heraus, dass manche Emotionen - zum Beispiel Zorn, Nervosität oder Trauer - leichter anhand der Stimme zu erkennen sind als andere (beispielsweise Liebe, Eifersucht, Stolz,...) (Vgl. Forgas 1999: 155ff.).

Wie Sprechen funktioniert und welche physikalischen Komponenten dabei eine Rolle spielen, ist eine Wissenschaft für sich (Phonetik) und kann deshalb hier nicht berücksichtigt werden. Rhetorik-Ratgeber liefern in diesem Zusammenhang oft Hinweise zur richtigen Atemtechnik (Vgl. z.B. Vogt 2010: 51ff., Weller 1954: 20ff.,

Lauten 2010, Pabst-Weinschenk 2004: 20ff., Mayer 2007: 59ff., Ebeling 1988: 123ff.), auf die an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.

2.1.4 Extraverbale Kommunikation

Bei extraverbaler Kommunikation handelt es sich um sämtliche maßgebliche Rahmenbedingungen einer Kommunikation. Darunter können sowohl der Ort, die Zeit und der Kontext als auch die Kleidung oder die Frisur des Redners fallen. Möglicherweise ebenso relevant sind der Geruch oder die gereichten Getränke (Vgl. Kreuser 2010: 169f., Hey 2011: 249ff.).

Nachdem nun die wichtigsten Begriffe geklärt sind, widmen wir uns im Folgenden den bestehenden Methoden zur Analyse rhetorischer Kommunikationskompetenz.

3. Methoden aus verschiedenen Fachbereichen zur Analyse von Rhetorik

Der Rhetorik- und Poetikexperte Plett8 stellte bereits im Jahr 2001 fest, dass bei den bisherigen Methoden zur rhetorischen Analyse „vor allem der Einbezug interdisziplinärer Verfahren ein Desiderat [ist]“ (Plett 2001: 135), jedoch nahm sich kein Forscher diesem an.

Diese Arbeit unterstützt die Annahme, dass ein interdisziplinärer Ansatz nötig ist, der Theorien und Methoden aus unterschiedlichen Fachbereichen einbezieht, um rhetorische Fähigkeiten in seiner Ganzheit analysieren und bewerten zu können. Denn wie bereits deutlich wurden, ist der Erfolg von Rhetorik neben dem gesprochenen Wort auch von nonverbaler Kommunikation, der Beziehung zum Publikum und zahlreichen weiteren Faktoren abhängig, auf die nun im Hauptteil dieser Arbeit im Detail eingegangen werden soll.

Bislang wird Rhetorik überwiegend literarisch untersucht. Im Jahr 1978 schrieb Hellmut Geißner9: „Rhetorische Analyse [...] gibt es im strengen Sinn erst, seit es möglich ist, Gesprochenes in seiner Entstehungssituation mit Hilfe von Tonträgern als Gesprochenes zu fixieren. [...] Damit ist eine Möglichkeit gegeben, nicht nur die Rede, sondern auch das Reden[Hervorh. im Orig.; Anm. d. Verf.] zu beurteilen [...]. Vorausgesetzt ist, dass eine spezifische rhetorische Analyse angewendet wird, weil das Instrumentarium der geschichts- oder literaturwissenschaftlichen Analyse nicht alle Parameter dieser neuen Quellen trifft“ (Geißner 1978: 153). Während die technischen Möglichkeiten sich im 21. Jahrhundert dahingehend weiterentwickelt haben, dass Ton- und Videoaufnahmen im Internet im hervorragender Qualität massenhaft frei verfügbar sind, ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Rhetorikanalyse jedoch offensichtlich seit den 1970er Jahren stehen geblieben.

Zum gedanklichen Einstieg in das Thema bietet sich dieRedepyramide von Pabst-Weinschenk(1995) an (Vgl. Pabst-Weinschenk 2010, Pabst-Weinschenk 2004: 16ff.)., da sie zahlreiche Kriterien rhetorischer Kommunikation und ihr Zusammenwirken anschaulich darstellt. Bei dieser Pyramide handelt es sich um ein didaktisches Synopse-Modell aus dem Bereich der Sprechbildung. Es umfasst drei Seiten: 1) Form und Präsentation, 2) Inhaltskonzept und 3) Redner- Persönlichkeit. Zur ersten Seite - Form und Präsentation- zählt Pabst- Weinschenk alle sichtbaren und hörbaren Elemente der Rede. Sie bezeichnet diese Seite auch als rhetorische Oberfläche, weil ihr Modell auf der Annahme basiert, dass Körpersprache und der Klang des Sprechausdrucks für die Glaubwürdigkeit und Überzeugungsfähigkeit des Redners eine größere Rolle spielt als der Inhalt. Sie geht zudem davon aus, dass die Körpersprache das Fundament für Wortsprache ist: Sobald ein Redner Probleme bei der Formulierung seiner Gedanken hat oder Verständigungs-probleme mit dem Gesprächspartner auftreten, greife er automatisch auf Körpersprache zurück, indem er gestikuliert oder auf etwas zeigt. Gleichzeitig blockiere eine verkrampfte Haltung den Sprechfluss, sodass vermehrt Füllwörter und Sprechdenkgeräusche wie Äh oder Mh auftreten. Die Aspekte der rhetorischen Oberfläche sind somit größtenteils automatisierte Verhaltensweisen, die unbewusst ablaufen.

Die zweite Seite der Redepyramide umfasst dasInhaltskonzept der Rede. Darunter versteht Pabst-Weinschenk nicht nur die inhaltliche Vorbereitung der Rede, sondern die gesamte Kommunikationssituation. Sie empfiehlt, das Ziel der Rede an die Sprechsituation anzupassen und die Gliederung auf das gewünschte Ziel hin abzustimmen. Erst wenn der Aufbau der Rede fertig sei, könnten Details der Sprechoperation geklärt werden. Pabst-Weinschenk verweist bei der rhetorischen Tiefenstruktur auf das Organonmodell von Bühler (siehe 3.2, S. 39ff.), das von den drei Sprachfunktionen Darstellung, Ausdruck und Appell ausgeht. Damit will sie betonen, dass neben der inhaltlich-thematischen Gestaltung immer auch die Beziehung zu(m) Gesprächspartner(n) berücksichtigt werden muss.

Pabst-Weinschenk hebt hervor, dass die einzelnen Seite der Redepyramide nicht einzeln betrachtet werden dürfen, da sie sichwechselseitig beeinflussen:Während die Präsentationsform die Wirkung des Inhalts bedingt, hat auch der Inhalt Auswirkungen auf die Art der Präsentation. Gleichzeitig komme durch die ersten beiden Seiten die dritte Seite der Pyramide - dieRedner-Persönlichkeit- implizit zum Ausdruck. Der Zuhörer könne somit anhand der rhetorischen Oberfläche und Tiefenstruktur auf die persönliche Haltung des Redners und auf seine Absichten schließen. Betrachtet man der Rhetorikanalyse hingegen nur einen Aspekt, beispielsweise die äußere Form, so handelt es sich um eine reine Analyse der Präsentationstechnik. Die Redepyramide vertritt jedoch auch den hier verfolgten Ansatz, der Rhetorik als komplexes, wechselseitig bedingtes Konstrukt betrachtet. Pabst-Weinschenk fasst die Wechselwirkungen folgendermaßen zusammen: „Das konkret-beobachtbare Verhalten (Seite 1) repräsentiert die durch die Kommunikationsbiografie geprägte Sprecher-Persönlichkeit (Seite 3) und ihre bewussten Entscheidungen für bestimmte Strukturen auf der Ebene der Tiefenstruktur (Seite 2)“ (Pabst-Weinschenk 2010) (Vgl. Pabst-Weinschenk 2010, Pabst-Weinschenk 2004: 16ff.).

Die Redepyramide bietet damit einen guten Überblick über die nötigen Faktoren bei der ganzheitlichen Analyse von Rhetorik. Leider enthält sie aber keine Möglichkeiten oder Ansätze, wie sich diese einzelnen Faktoren messen und bewerten lassen. Dieser Frage widmet sich diese Arbeit im weiteren Verlauf. Sie ist unterteilt in vier Bereiche: Die sprachliche Wirkung der Rede (Linguistische Analyse), die Überzeugungsfähigkeit der Rede (Argumentationsanalyse), die Funktionen der Rede (Kommunikationsmodelle) und ihre persuasive Wirkung [Sozial-]Psychologische Ansätze)10.

Im Folgenden werden diese vier Fachbereiche jeweils kurz vorgestellt, bevor einzelne Modelle oder Theorie aus den jeweiligen Bereichen beschrieben werden. Am Ende jedes Kapitels wird reflektiert, inwiefern die beschriebene Theorie respektive Methode für die Messbarkeit rhetorischer Kommunikationskompetenz eingesetzt werden kann. Die ausgewählten Methoden und Theorien stellen lediglich einen Überblick dar und erheben deshalb keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

3.1 Sprachliche Wirkung der Rede: Linguistische Analyse

Der Begriff Linguistik ist vom lateinischen Wort `Lingua´ abgeleitet, was Sprache bedeutet. Linguistik ist demnach die Wissenschaft von der menschlichen Sprache und ihren Gesetzmäßigkeiten. Eine sprachwissenschaftliche Analyse zielt darauf ab, Absichten eines Textes oder von Sprache im Allgemeinen aufzuspüren. Gesprächsanalyse, Semantik, Syntax und Pragmatik sind - neben vielen weiteren - Teilbereiche der Allgemeinen Linguistik, die im weiteren Verlauf näher beschrieben werden sollen (Vgl. Nünning/Zierold 2011: 43, Stocker 1976: 235ff., 348ff., 424ff.).

Aus der Analyse gesprochener Äußerungen können zahlreiche Informationen entnommen werden: Über den Inhalt und die außersprachlichen Wissensbestände einer Gesellschaft (sprachbezogene Informationen), über die emotionale Spannung des Sprechers und seiner Beziehung zu(m) Gesprächspartner(n) (paralingual-situationsbezogene Informationen) sowie über den Redner, seine Herkunft und seinen Charakter (personenbezogene Informationen) (Vgl. Pabst- Weinschenk 2004: 32). Deshalb sollte die Linguistik bei jeder Rhetorikanalyse beachtet werden.

3.1.1 Gesprächsanalyse nach Deppermann

Die Gesprächsanalyse (kurz: GA) befasst sich mit gesprochener, meist dialogischer Sprache. Sie will Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Menschen Gespräche führen. Die Methodik der GA ist bislang eher wenig entwickelt, was unter anderem auf ihr Empirieverständnis zurückzuführen ist: Die GA bedient sich den Prinzipien der qualitativen Sozialforschung. Ihr Forschungsgegenstand ist die natürliche menschliche Kommunikation und damit stets subjekt- und situations- bezogen. Dieser Gegenstand liegt vollständig nie offen, sondern muss immer durch Interpretation erschlossen werden. Die Forschungsfrage ist - im Gegensatz zur deduktiven Methodik - nicht Ausgangspunkt, sondern Ziel der Forschung (Theoriegenerierung). Die Forscher haben bei der GA zudem den Anspruch, möglichst offen vorzugehen. Deshalb legen sie ihre Hypothesen nicht apriorisch fest, sondern passen sie im Laufe des Forschungsprozesses ständig an den Untersuchungsgegenstand an. Sie verwenden zudem keine standardisierten Methoden, damit sie eine höchstmögliche Flexibilität gewährleisten können und keine relevanten Phänomene übersehen. Deshalb ist die GA ein weitestgehend offenes Feld, das kein methodisches Vorgehen festschreibt. Damit dennoch aussagekräftige Ergebnisse entstehen können, muss das Untersuchungsmaterial als Arbeitsgrundlage der GA, also das Transkript, möglichst naturalistisch und intersubjektiv nachvollziehbar sein. „Unter «Transkription» versteht man die Verschriftlichung von akustischen oder audiovisuellen (AV) Gesprächsprotokollen nach festgelegten Notationsregeln“ (Deppermann 2008: 39). Dabei ist wichtig, das Gespräch in seiner Mündlichkeit genau so niederzuschreiben, wie es tatsächlich stattgefunden hat - das heißt sämtliche Laute, Interjektionen, Pausen, Betonungen aber auch Versprecher und Überlappungen oder die Lautstärke in das Transkript mit einfließen zu lassen (Vgl. Deppermann 2008:7ff.). Denn grundsätzlich ist „jedes Details als sinnvoll motiviert zu behandeln [...] und kein Element von vornherein als zufällig oder unwichtig auszuschließen. Dies ist nur möglich, wenn solche von der schriftsprachlichen Norm oder anderen, z.B. inhaltlichen, Erwartungen abweichende Phänomene präzise und systematisch nach einer eigens für gesprochene Sprache entwickelten Transkriptionskonvention notiert und nicht schriftsprachlich «verbessert» werden“ (Deppermann 2008: 40). Auf die Regeln der Transkription soll an dieser Stelle nicht im Detail eingegangen werden, wir werden an späterer Stelle darauf zurückkommen (Vgl. 4. S. 64ff.). Ein Überblick hierzu findet sich bei Deppermann 2008: 41ff. oder ausführlicher bei Dittmar: 2009.

Die GA untersucht unter anderem anhand des Transkripts, wie sich Sprecher- wechsel vollziehen, wie Gespräche eröffnet und beendet werden, welche Rolle einzelne Redepartikel für den weiteren Gesprächsverlauf haben und welche Reperaturmechanismen Menschen anwenden, um ein Gespräch zu «retten». (Vgl Deppermann 2008: 49ff.) „Die Konversationsanalyse geht von der zentralen methodologischen Prämisse aus, da[ss] Gesprächsteilnehmer einander aufzeigen (,display´, [Hervorh. im Orig.; Anm. d. Verf.] [...]), welchen Sinn und welche Bedeutsamkeit sie ihren Äußerungen wechselseitig zuschreiben“ (Deppermann 2008: 50).

Deppermann, Professor für germanistische Linguistik an der Universität Mannheim und Leiter der Abteilung Pragmatik am Institut für Deutsche Sprache, spielt eine bedeutende Rolle in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der GA. Er beschreibt folgende fünf allgemeine Eigenschaften oder Merkmale von Gesprächen:

1) Gespräche sind konstituiv, weil sie von den Gesprächsteilnehmern aktiv hergestellt werden.
2) Gespräche sindprozessual, das heißt sie „sind zeitliche Gebilde, die durch die Abfolge von Aktivitäten entstehen“ (Deppermann 2008: 8).
3) Gespräche sind interaktiv. „Sie bestehen aus wechselseitig aufeinander
bezogene Beiträge von Gesprächsteilnehmern“ (Deppermann 2008: 8).
4) Gespräche sindmethodisch. Ihre Teilnehmer wenden bestimmte Methoden an, um Gesprächsbeiträge zu konstruieren und zu interpretieren und so den Informationsaustausch zu managen. Diese Methoden sind immer kulturell und etabliert, damit sie von allen Teilnehmern verstanden werden.

5) Gespräche sindpragmatisch, das heißt die Teilnehmer verfolgen im Gespräch individuelle und/oder gemeinsame Ziele (Vgl. Deppermann 2008: 8f.). Zum Forschungsvorgehen schlägt Deppermann folgenden Ablauf vor: Bevor mit der eigentlichen Analyse begonnen werden kann, müsse wie bereits beschrieben eine Ton- oder Videoaufnahme transkribiert werden. Makroskopisch könne das Gespräch anhand des Transkripts strukturell beschrieben werden, das heißt in einzelne Themen- oder Handlungsabschnitte eingeteilt werden. Mikoskopisch können einzelne Gesprächsausschnitte im Detail analysiert werden. Wichtig dabei ist, dass niemals einzelne Äußerungen isoliert betrachtet werden dürfen, sondern stets im Rahmen des gesamten Gespräches als Prozess, also auch in Bezug auf vorangegangene und nachfolgende Äußerungen. Zur Detailanalyse schlägt Deppermann folgendes Ablaufschema vor: 1) Paraphrase und Handlungs- beschreibung, 2) Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik, 3) Timing, 4) Kontextanalyse, 5) Folgeerwartungen, 6) Interaktive Konsequenzen sowie 7) Sequenzmuster und Makroprozesse.

Im ersten Schritt der Detailanalyse soll geklärt werden, worum es im vorliegenden Gesprächsabschnitt inhaltlich geht (Wer spricht warum worüber mit wem?). Im zweiten Schritt soll der Forscher sich der linguistischen Analyse widmen, also zum Beispiel Phonetik11, Prosodie12, Grammatik, Wortwahl und Sprachstil aber auch das Verhältnis von verbaler und nonverbaler Kommunikation untersuchen. Zudem sollte er das Gespräch auf Stockungen, Wiederholungen und Selbst-Korrekturen der Sprecher hin untersuchen (Analyse der Formulierungsdynamik). Im dritten Schritt widme sich der Forscher dem Timing: Wer spricht wann und wie werden Sprecherwechsel organisiert? Kommt es zu Überlappungen, Pausen oder Unterbrechungen innerhalb des Gesprächs? Danach untersuche er, inwiefern sich Beiträge auf Vorangehendes beziehen und ob intertextuelle Bezüge hergestellt werden. Im nächsten Schritt - der Analyse der Folgeerwartungen - soll untersucht werden, welche (Handlungs-) Erwartungen mit einzelnen Äußerungen verbunden sind und welche Anschlussmöglichkeiten sie bieten. Danach widme sich der Forscher der Frage, inwiefern Gesprächspartner zu verstehen geben, wie sie vorangehende Beiträge interpretieren (interaktiven Konsequenzen). Damit soll der Forscher die Bedeutungsaushandlung im Gespräch offenlegen. Zum Abschluss widme er sich schließlich Sequenzmustern und Makroprozessen im Gespräch. Das heißt er soll die Frage beantworten, ob die Teilnehmer ihre Beiträge sinnvoll aufeinander abstimmen, da ein Gespräch nur so gelingen könne (Vgl. Deppermann 2008: 49ff.)

Wie für jedes wissenschaftliche Forschungsvorhaben gelten auch für die GA die GütekriterienValidität13 undReliabilität14, Transparenz des Forschungsprozesses sowie intersubjektive Nachvollziehbarkeit (Vgl. Scheufele/Engelmann 2009: 56ff.). Für die GA gelten darüber hinaus besondere Anforderungen an die Qualität des Datenmaterials und die gewissenhafte Durchführung sowie anschauliche Präsentation der Analyse in einer Form, die das Vorgehen des Forschers nachvollziehbar macht. Die Transkription muss wie bereits zu Beginn erläutert möglichst naturalistisch und objektiv sein. Dafür bedarf es Aufnahmen in technisch hoher Qualität. Zudem sollte der Forscher berücksichtigen, dass ein Gespräch durch die Tatsache, dass die Teilnehmer wissen, dass sie Untersuchungs- gegenstand sind, beeinflusst wird15. Darüber hinaus ist bei der GA die Frage zu klären, inwieweit man die Ergebnisse der Analyse generalisieren kann, also auf welche Bereiche sie gegebenenfalls übertragbar sind (Vgl. Deppermann: 2008: 105ff.).

Nutzen der Gesprächsanalyse für die Messbarkeit rhetorischer Kommunikationskompetenz

Die Methoden der GA sind nur bedingt einsetzbar zur Messung von rhetorischer Kommunikationskompetenz, weil sie auf der Grundlage von dialogischer Kommunikation basieren, Reden jedoch streng genommen eine einseitige Kommunikation darstellen. Die Erkenntnisse um Sprecherwechsel und gegen- seitige Bezüge innerhalb des Gesprächs sind somit für die Analyse von Rhetorik nicht nutzbar. Im Gegensatz dazu lassen sich aber die Konventionen der Transkription sehr gut nutzen. Im Rahmen der Redeanalyse kann es zum Beispiel aufschlussreich sein, durch das Transkribieren einer Rede sämtliche Verzögerungspartikel wie zum Beispiel Ähm oder Mh aufzudecken. Denn „[z]u viele Verzögerungspartikel stören die inhaltliche Aufnahme des Gesagten“ (Pabst- Weinschenk 2004: 64), wirken sich also negativ auf die Verständlichkeit einer Rede aus. Verwendet der Redner mehr als fünf Verzögerungspartikel pro Minute, werden diese in der Regal als störend wahrgenommen (Vgl. Pabst-Weinschenk 2004: 65). Solche Faktoren ließen sich anhand der Transkriptionskonventionen der GA mühelos aufdecken.

3.1.2 Semantische, syntaktische & pragmatische Textanalyse

Der amerikanische Philosoph Morris (1901-1979) hat sprachliche Zeichen in drei Dimensionen geteilt: Semantik, Syntax und Pragmatik. Die semantische Dimens- ion bezieht sich auf die Beziehung zwischen dem Zeichen und Gegenständen sowie der Bedeutung von Zeichen; die syntaktische Dimension meint die Beziehung der Zeichen untereinander und die Regeln, nach denen sie miteinander kombiniert werden. Die dritte Dimension, die Pragmatik, bezeichnet die Beziehung zwischen einem Zeichen und dem Zeichenbenutzer. Sie untersucht, was „die Zeichenbenutzer mit bestimmten Verwendungsweisen inten-dieren“ (Schützeichel 2004: 43), bezieht sich also auf einen konkreten Handlungszusammenhang (Vgl. Schützeichel 2004: 43f., Nünning/Zierold 2011: 43, Pürer 2003: 69).

„Der Terminus «Text» bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert. [...] Als wichtigste Struktureinheit des Textes ist derSatz [Hervorh. im Orig.; Anm. d. Verf.] anzusehen“ (Brinker 2010: 17). Ein Text ist dabei nicht auf Schriftlichkeit begrenzt, er kann vielmehr auch mündlich sein. Im ihrem Umfang können Texte zwischen einem einzigen Wort (wie zum Beispiel „Stop!“) und einem tausendseitigen Buch reichen (Vgl. Vater 2001: 14). Damit ein Text als solcher wahrgenommen wird, muss er Kohäsion vorweisen, das heißt er muss in inhaltlich-thematischer und/oder grammatischer Hinsicht einen strukturellen Zusammenhang bilden (Vgl. Vater 2001: 16, Brinker 2010: 11f., 26ff., Nöth 2000: 391ff.) Auf die Diskussion darüber, wann ein Text als Text gilt und wann nicht, soll an dieser nicht weiter eingegangen werden, da sie für die vorliegende Thematik irrelevant ist. Wir konzentrieren uns stattdessen auf die drei Dimensionen der Textanalyse: Semantik, Syntax und Pragmatik.

Bei der semantischen Analyse sind einzelne Wortarten Gegenstand der Untersuchung. Die Semantik (auch: Bedeutungslehre) ist - wenn sie sich mit Zeichen aller Art befasst - eine Teildisziplin der Semiotik (Zeichentheorie). Sofern sie sich allerdings lediglich mit sprachlichen Zeichen befasst, ist die Semantik ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft (Linguistik). In diesem Rahmen beschränken wir uns auf die Semantik als Teildisziplin der Sprachwissenschaft. Die linguistische Semantik befasst sich mit der Bedeutungsbestandteilen sprachlicher Zeichen und den Beziehungen zwischen Zeichen und Bedeutungen dieser Zeichen. Sie beschreibt somit das Verhältnis von sprachlichen Zeichen zur Realität (Vgl. Nöth 2000: 327ff., Stocker 1978: 424ff.).

Sprachliche Zeichen haben fast immer nicht nur eine, sondern immer mehrere Bedeutungen, das heißt sie sind mehrdeutig. Ziel der semantischen Analyse ist es, die gemeinten Bedeutungsdimensionen und Sinnstrukturen eines Textes zu erschließen. Deshalb ist es die Aufgabe des Forschers, den Text auf Wortwahl und Wortbedeutungen hin zu untersuchen. Dazu analysiere er unter anderem die im Text vorkommenden Wortarten und systematisiere Verben, Nomen und Adjektive nach ihrer Herkunft (Fremdwörter/Fachsprache vs. Alltagssprache). Dabei sollte besonders auf Wörter acht gelegt, die eine starke konnotative Besetzung haben, bei denen also neben der eigentlichen Bedeutung des Wortes eine weitere Beudeutungskomponente mitschwingt. So löst zum Beispiel das Wort „Schnee“ bei einigen Menschen (insbesondere bei Kindern) positive und bei anderen (wie zum Beispiel Berufspendlern) wiederum negative Konnotationen aus (Vgl. Nöth 2000: 150, Stocker 1978: 424ff.).

Diesyntaktische Analysesetzt sich mit der Strukturierung von Sätzen und der im Text verwendeten Satzarten auseinander. Sie regelt die Anordnung von Worten innerhalb eines Satzes über grammatikalische Regeln. Die Analyse zielt darauf ab, Zusammenhänge zwischen dem Satzbau und der Intention des Textes zu erkennen. Folgenden Fragen sollte der Forscher bei der syntaktischen Analyse nachgehen: Welche Satzarten kommen im Text vor (Frage-, Aussage- oder Imperativsätze)? Wird eine Satzart besonders häufig verwendet? Welche Satzorganisationen (para- vs. hypotaktische Sätze16 ) kommen vor? Dominiert die Parataxe, die Hypotaxe oder wird eine Mischform verwendet? Werden auffällig lange oder kurze Sätze im Text verwendet? (Vgl. Dürscheid 2007: 11ff.)

Die pragmatische Analyseuntersucht das Verhältnis eines sprachlichen Zeichens zu seinem Benutzer und zum Angesprochenen. Der Forscher sollte sich dabei folgende Frage stellen: Wer spricht wie mit wem und warum? Die pragmatische Analyse beschäftigt sich also zum einen mit Bedeutungen und der Interpretation von Sprache sowie zum anderen mit den kommunikativen Funktionen sprachlicher Äußerungen (siehe auch 3.3.2, S. 39ff.). Der Pragmatik liegt die Annahme zugrunde, dass sprachliche Äußerungen stets Überzeugungen, Wünsche und/ oder Absichten des Sprechers enthalten und an andere gerichtet sind. Dabei ist zu beachten, dass Äußerungen immer in konkrete Kommunikationsprozesse eingebunden sind und stets im Zusammenhang vorangehender und nach- folgender Äußerungen stehen und entsprechend bewertet werden müssen

[...]


1 Eine umfassendere Definition des Begriff folgt an späterer Stelle.

2 Die Geschichte der Rhetorik kann und soll an dieser Stelle nur angerissen werden. Nähere Informationen hierzu finden sich unter anderem bei Plett 2001: 6ff. oder bei Ebeling 1988: 12ff.

3 Aristoteles (384-322 v. Chr.) ist einer der bekanntesten und einflussreichsten Naturforscher und Philosophen der Weltgeschichte. Er hat zahlreiche Disziplinen beeinflusst oder selbst begründet, unter anderem die Wissenschaftstheorie, die Logik und die Rhetorik. Das Kind einer Arztfamilie war etwa 20 Jahre lang Schüler Platons und gründete später eine eigene Schule in Athen.

4 Als Dialektik bezeichnet man die Kunst der Gesprächsführung und der Argumentation.

5 Als Orator bezeichnet man in der Rhetoriktheorie den Sender, resp. Kommunikator.

6 Nöth nimmt eine alternative Unterteilung vor: Er unterscheidet zwischen verbal vokaler und verbal nonvokaler Kommunikation (hier zusammengefasst unter verbaler Kommunikation) sowie nonverbal vokaler (hier paraverbale Kommunikation) und nonverbal nonvokaler Kommunikation (hier nonverbale Kommunikation) (Vgl. Nöth 2000: 295). Der Einfachheit halber wird hier auf die bekannteren Modalitäten verbal, nonverbal, paraverbale und extraverbal zurückgegriffen.

7 Die Orthografie direkter Zitate wird jeweils an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst.

8 Prof. em. Dr. Heinrich F. Plett lehrte von 1972 bis 2004 Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Mitbegründer und war erster Generalsekretär der 1977 entstandenen „International Society of Rhetoric“. Im Jahr 1989 gründete Plett das „Centre for Rhetoric and Renaissance Studies“ (kurz: CRRS) an der Universität Essen.

9 Dr. phil. Geißner (1926 - 2012) war Professor für Sprechwissenschaft an der Universität KoblenzLandau. Er lehrte außerdem an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, an der Universität des Saarlandes sowie an den Universitäten Zürich und Wien. Geißner gilt als einer bedeutendsten Sprechwissenschaftler weltweit.

10 Auf Genderspezifika und interkulturelle Aspekte kann in diesem Zusammenhang nicht eingegangen werden. Es sei an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen, dass diese Aspekte ebenfalls Einfluss auf die zu messenden Faktoren haben können.

11 Phonetik ist die wissenschaftliche Erforschung der lautlichen Aspekte sprachlicher Kommunikation, d.h. des menschlichen Sprechens und Hörens.

12 Die Prosodie ist derjenige Teilbereich der Phonetik, der sich mit sprachlich-artikulatorischen Erscheinungen (z.B. Akzent, Intonation, Pausen) auseinandersetzt.

13 Gültigkeit der Messung; Untersuchungsinstrument misst das, was gemessen werden soll

14 Güte des Untersuchungsinstrument; Zuverlässigkeit des Untersuchungsinstruments

15 Man nennt diese Tatsache in der Forschung das „Beobachterparadoxon“.

16 Die Parataxe, bzw. der parataktische Satzbau, ist eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen. Die Hypotaxe, bzw. der hypotaktische Satzbau, ist ein Verknüpfung von Haupt- und Nebensätzen durch Konjunktionen.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Analyse und Messbarkeit rhetorischer Kommunikationskompetenz
Untertitel
Entwicklung von Handlungsanleitungen zur ganzheitlichen Analyse von Rhetorik
Hochschule
Hochschule Osnabrück  (Kommunikationsmanagement)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
95
Katalognummer
V231153
ISBN (eBook)
9783656475866
ISBN (Buch)
9783656476320
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationsmanagement, Rhetorik, rhetorische Analyse, Rhetorik-Analyse, Kommunikation, Kommunikationskompetenz, Körpersprache
Arbeit zitieren
Katharina Wuttke (Autor), 2013, Analyse und Messbarkeit rhetorischer Kommunikationskompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231153

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