Zunächst wird die zweite deutsche Lautverschiebung, auch die "Hochdeutsche" Lautverschiebung genannt, in ihrem Inhalt und den zugrundeliegenden Rahmenbedingungen erläutert. Der Kern der Arbeit ist die anschliessende Darstellung der wichtigsten Theorien zu Verlauf und Ausbreitung der Lautverschiebung.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Begriff der zweiten Lautverschiebung
2. Räumliche Eingrenzung
3. Inhalt der zweiten Lautverschiebung
4. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen
4.1. Die Siedlungsbewegungen der Germanenstämme
4.2. Das Frankenreich der Merowinger
4.3. Christianisierung
5. Die wichtigsten Theorien zur zweiten Lautverschiebung
5.1. Die Stammbaumtheorien
5.2. Die Wellentheorie
5.3. Die Entfaltungstheorie
5.4. Die soziopragmatischen Theorien
5.4.1. Ökonomie
5.4.2. Innovation
5.4.3. Variation
5.4.4. Evolution
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen sprachwissenschaftlichen Theorien zur Erklärung der zweiten Lautverschiebung im Althochdeutschen. Ziel ist es, die Entwicklung dieses lautlichen Wandels unter Berücksichtigung historischer, gesellschaftlicher und systemimmanenter Faktoren kritisch einzuordnen.
- Begriffsbestimmung und räumliche Abgrenzung des althochdeutschen Sprachraums.
- Analyse der lautlichen Veränderungen und der beteiligten Konsonanten.
- Untersuchung der gesellschaftlichen und politischen Einflussfaktoren (z. B. Frankenreich, Christianisierung).
- Kritische Diskussion der Stammbaumtheorie, Wellentheorie und Entfaltungstheorie.
- Darstellung soziopragmatischer Ansätze zum Sprachwandel wie Ökonomie und Evolution.
Auszug aus dem Buch
5.2. Die Wellentheorie
Die Wellentheorie geht auf den Sprachwissenschaftler Johannes Schmidt zurück. Er legte sie erstmals in seinem 1872 erschienenen Werk „Die Verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen Sprachen“ dar.
J. Schmidt stellte mittels vergleichender Beobachtung fest, daß es gerade zwischen benachbarten Sprachgruppen zu Gemeinsamkeiten gekommen ist, welche mit der Theorie der Abspaltung von einer „höheren“ Sprache im Gegensatz stand. Er wies nach, daß es auch Gemeinsamkeiten zwischen einzelnen Sprachen gibt, welche nicht derselben übergeordneten Sprachfamilie zugehörten und diese auch nicht mit der nächst höheren Sprache ihres Stammbaumes teilten. Angeregt durch diese Tatsache verwies J. Schmidt auf die rein fiktive und abstrakte Natur der rekonstruierten, indogermanischen Sprache. Dies untermauerte er mit dem Hinweis auf das völlige Fehlen einer chronologischen Relation bezüglich der jeweiligen Wortstämme. J. Schmidt erklärte somit die Stammbaumtheorie für die Erklärung sprachlicher Veränderungen für unzureichend.
Als Alternative entwickelte J. Schmidt die Wellentheorie. Er vertrat die Ansicht, daß sprachliche Veränderungen sich von bestimmten Unruhezentren aus, „...in konzentrischen, mit der Entfernung vom Mittelpunkt immer schwächerwerdenden Ringen, ausbreiten.“ Er selbst bezeichnet sein Wellen-Modell nur bedingt als anschaulich, da bei vielen Sprachveränderungen nur ein Kreissektor herausgebildet wird und der Ursprung nicht im Mittelpunkt liegt und schlägt aufgrund dessen alternativ das Modell einer schiefen Ebene vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Begriff der zweiten Lautverschiebung: Definition der hochdeutschen Lautverschiebung und ihre zeitliche Einordnung ab dem 6. Jahrhundert.
2. Räumliche Eingrenzung: Beschreibung der Sprachgrenze zwischen Niederdeutsch und Althochdeutsch, bekannt als Benrather Linie.
3. Inhalt der zweiten Lautverschiebung: Analyse der lautlichen Veränderungen bei den Tenues (p, t, k) sowie den Mediae (b, d, g).
4. Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen: Darstellung der historischen Gegebenheiten, insbesondere des Frankenreiches und der Rolle der Christianisierung.
5. Die wichtigsten Theorien zur zweiten Lautverschiebung: Vergleichende Betrachtung verschiedener wissenschaftlicher Modelle zur Erklärung der Sprachwandelprozesse.
6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur.
Schlüsselwörter
Zweite Lautverschiebung, Althochdeutsch, Stammbaumtheorie, Wellentheorie, Entfaltungstheorie, Soziopragmatische Theorien, Sprachwandel, Frankenreich, Konsonantenverschiebung, Substratbildung, Benrather Linie, Sprachstrahlung, Ökonomie, Evolution, Sprachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Aufarbeitung der zweiten Lautverschiebung im Althochdeutschen und analysiert verschiedene Erklärungsmodelle für diesen Sprachwandel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung der lautlichen Veränderungen, der räumlichen Ausdehnung sowie der theoretischen Debatte über die Ursachen des Wandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die wichtigsten Theorien – von der klassischen Stammbaumtheorie bis zu modernen soziopragmatischen Ansätzen – darzustellen und ihre wissenschaftliche Gültigkeit zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Sprachgeschichtsschreibung, die auf der Auswertung relevanter philologischer und linguistischer Standardwerke basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Beschreibung der Konsonantenverschiebungen, die historischen Rahmenbedingungen und eine detaillierte Diskussion der sprachtheoretischen Modelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Lautverschiebung, Stammbaumtheorie, Wellentheorie, Entfaltungstheorie und soziopragmatische Theorien.
Warum wird die Stammbaumtheorie heute als veraltet angesehen?
Sie gilt als veraltet, weil sie von einem fiktiven leeren Raum ausgeht und die realen Kontaktsituationen zwischen verschiedenen Sprachgruppen während der Völkerwanderung ignoriert.
Was besagt die soziopragmatische Theorie?
Sie geht davon aus, dass Sprache ständig variabel genutzt wird und der Wandel durch Faktoren wie Ökonomie, Innovation, Variation und Evolution innerhalb des Sprachgebrauchs gesteuert wird.
- Arbeit zitieren
- Sven Zalac (Autor:in), 1998, Die wichtigsten Theorien zur zweiten Lautverschiebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231162