Der Vers Eph 5,19 wird im evangelikalen Umfeld sowohl in der Literatur, wie auch in Predigten oder Referaten immer wieder verwendet, um die Musik im Gottesdienst, den sogenannten Lobpreis oder „Worship“, zu legitimieren. Dabei wird der Vers manches Mal aus seinem Kontext losgelöst betrachtet und gewisse Ergebnisse bei der Exegese scheinen bereits vorausgesetzt zu werden. Folgende Exegese hat zum Ziel, den Inhalt und die Aussage von Vers 19 innerhalb der gesamten Perikope Eph 5,15-19 zu analysieren, um der Intention des Autoren möglichst gerecht zu werden. Gleichwohl lege ich das Hauptaugenmerk auf die Verse 19 und 20, insbesondere was die Wortstudien anbelangt. Dabei verfolge ich die Fragen, wieso der Schreiber zur Aussage gelangt, dass Gott zum Lob gesungen werden soll, wie diese Aufforderung gemäss dem Autoren umzusetzen ist und welche Rolle die Musik in Vers 19 einnimmt. Sogleich wird allerdings auch klar, dass nachfolgende Exegese ebenfalls nicht voraussetzungslos und daher in gewissem Sinne neutral wäre. Als Exeget trete ich mit dieser bestimmten Fragestellung an den Text heran, habe eine gewisse Vorstellung von der Sache, um die es sich im Text handelt, und ich lege der Exegese eine bestimmte Hermeneutik zu Grunde. Allerdings sollen nicht die Ergebnisse der Auslegung bereits vorausgesetzt werden. In diesem und somit in Bultmanns Sinn kann vorliegende Arbeit ergo trotzdem als voraussetzungslos bezeichnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 VORBEMERKUNG UND ERSTE BEGEGNUNG MIT DEM TEXT
2 TEXTKRITISCHE ANALYSE
2.1 Prüfung der Textbasis
2.1.1 Vers 15
2.1.2 Vers 17
2.1.3 Vers 19
2.1.4 Verse 20 / 21
2.2 Übersetzung: Eph 5,15-21
3 ART UND STRUKTUR DES TEXTES
3.1 Textgattung
3.2 Sprachliche Stilmittel und ihre Bedeutung für die Auslegung
3.3 Textschaubild
3.4 Textgliederung
3.5 Beobachtungen aufgrund der Struktur des Textes
3.6 Zusammenfassung des Textes in einem Satz
4 WORTSTUDIEN
4.1 Erfüllen (πληρόω)
4.1.1 Wesentliche Bedeutungsfelder von πληρόω im NT
4.1.2 Bedeutung im fraglichen Kontext
4.2 Lobgesänge, Hymnen, Lieder (V 19)
4.2.1 Lobgesang (ψαλμός)
4.2.2 Hymne (ὑμνος)
4.2.3 Lied (ὠδή)
4.2.4 Zusammenfassung unter Berücksichtigung aller drei Wortgruppen
4.2.5 Der musikalische Aspekt
5 EINLEITUNGSFRAGEN
5.1 Literarische Abfassungssituation der Perikope
5.1.1 Verfasser
5.1.2 Adressaten
5.1.3 Ort und Zeit der Abfassung
5.1.4 Anlass und Zweck
5.2 Kulturelle und geographische Abfassungssituation
5.2.1 Die Stadt Ephesus
5.2.2 Die Gemeinde in Ephesus
5.3 Schlussfolgerungen zum Verständnis der Perikope
6 DER INNERBIBLISCHE ZUSAMMENHANG
6.1 Der Kontext innerhalb des Epheserbriefes
6.2 Der gesamtbiblische Zusammenhang
6.2.1 Stellung innerhalb des gesamtbiblischen Zusammenhangs
6.2.2 Systematisch theologische Betrachtungen
7 DISKUSSION DER KOMMENTARLITERATUR
7.1 William Barclay
7.2 Adolf Schlatter
7.3 Andrew T. Lincoln
7.4 Gerhard Sellin
7.5 Rudolf Schnackenburg
7.6 Fazit
8 ZUSAMMENSCHAU UND SYNTHESE
9 PRAKTISCHE ANWENDUNG
9.1 Das Textthema
9.2 Praktische Anwendungen aus dem Text
9.3 Zielgruppe
9.4 Mögliche Verständnisschwierigkeiten beim Zuhörer
9.5 Eigene blinde Flecken
9.6 Schwerpunkte und Ziel für die Predigt
9.7 Thema einer Predigt über Eph 5,15-21
9.8 Mögliche Titel einer Predigt über Eph 5,15-21
9.9 Entwurf einer Predigt über Eph 5,15-20
9.9.1 Einstieg (Theater und Text)
9.9.2 Hauptteil
9.9.3 Schluss (Besinnung und Gemeinschaftsgebet)
10 NACHWORT
11 APPENDIZES: LITURGISCHE ELEMENTE
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Inhalt und die Aussage von Vers 19 innerhalb der Perikope Eph 5,15-21 exegetisch zu analysieren, wobei ein besonderes Augenmerk auf das Verhältnis zwischen Heiligung, Erfüllung mit dem Geist und christlichem Gotteslob unter Berücksichtigung der paulinischen Intention liegt.
- Exegese von Eph 5,15-21 im paulinischen Kontext
- Wortstudien zu "Erfüllen", "Lobgesang", "Hymne" und "Lied"
- Analyse der Abfassungssituation und des innerbiblischen Zusammenhangs
- Diskussion der Kommentarliteratur zur theologischen Einordnung
- Praktische Übertragung in eine Predigtkonzeption für Lobpreismusiker
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Lobgesang (ψαλμός)
Das Substantiv ψαλμός kann übersetzt werden mit „Loblied“ oder „Psalm“ und bezeichnet im NT (7-mal) Lobgesänge nach alttestamentlichem Vorbild. Das Verb ψάλλω meint „singen“ oder „lobsingen“ und bezieht sich im NT (5-mal) immer auf den Lobgesang zu Gott. 35
In LXX wird das hebräische זמר) Spielen eines Instrumentes; Ps 33,236 u.ö.) mit ψάλλω übersetzt und bezieht sich in der Regel auf ein durch Saiteninstrument begleitetes Lied. Seltener bezeichnet ψάλλω in LXX nur gesungenen Lobpreis.37
Ethymologisch stammen sowohl ψάλλω als auch ψαλμός von „vibrieren machen durch berühren, tasten, stossen, streichen“. Im profanen Griechisch sind die Worte seit Homer ebenfalls belegt und die Anwendung bewegte sich von einem „Striegeln der Haare“ zum „Zupfen einer Harfe“. Für den Gebrauch von ψαλμός im NT ergeben sich hauptsächlich zwei Bedeutungsfelder.38
Zusammenfassung der Kapitel
1 VORBEMERKUNG UND ERSTE BEGEGNUNG MIT DEM TEXT: Einleitung in das Thema und Erläuterung der exegetischen Fragestellung sowie der methodischen Herangehensweise.
2 TEXTKRITISCHE ANALYSE: Untersuchung textkritischer Varianten und Erstellung einer Übersetzung als Basis für die weitere Auslegung.
3 ART UND STRUKTUR DES TEXTES: Analyse der Textgattung, stilistischer Mittel und der inneren Struktur der Perikope.
4 WORTSTUDIEN: Eingehende Untersuchung der zentralen Begriffe „erfüllen“ sowie der verschiedenen Bezeichnungen für Lobgesang, Hymne und Lied.
5 EINLEITUNGSFRAGEN: Klärung von Autorschaft, Adressatenkreis, Zeit und Ort der Abfassung sowie des theologischen Kontexts.
6 DER INNERBIBLISCHE ZUSAMMENHANG: Einordnung der Perikope in den Epheserbrief und den gesamtbiblischen Kontext, inklusive systematischer Überlegungen zur Heiligung.
7 DISKUSSION DER KOMMENTARLITERATUR: Zusammenfassende Darstellung der Positionen verschiedener Theologen zu den zentralen Aussagen des Textes.
8 ZUSAMMENSCHAU UND SYNTHESE: Zusammenführung der Einzelergebnisse zu einer theologischen Synthese.
9 PRAKTISCHE ANWENDUNG: Überführung der exegetischen Erkenntnisse in eine konkrete Predigtvorbereitung inklusive Zielgruppenbetrachtung.
10 NACHWORT: Reflexion über den persönlichen Erkenntnisgewinn und die Bedeutung für die eigene Praxis.
11 APPENDIZES: LITURGISCHE ELEMENTE: Praktische Beispiele für die Gottesdienstgestaltung, bestehend aus einem Theaterstück und einem Lobgebet.
Schlüsselwörter
Heiligung, Erbauung, Gotteslob, Eph 5,15-21, Paulus, Geistfüllung, Lobpreis, Hymnen, Exegese, Gemeinde, Lebenswandel, Gottesdienst, Bibelauslegung, Epheserbrief, christliche Anbetung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung von Epheser 5,15-21, um die Bedeutung von Lobpreis und geistlicher Erbauung im christlichen Leben zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Heiligung durch den Geist, das Verständnis von Gottes Willen, die Rolle des Gesangs im Gottesdienst und die praktische Anwendung für das Gemeindeleben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Aussageabsicht des Apostels Paulus bezüglich der Erfüllung mit dem Geist und des daraus resultierenden gemeinschaftlichen Lobpreises zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-kritische Exegese, inklusive textkritischer Analysen, Wortstudien im griechischen Grundtext sowie der Einbeziehung exegetischer Kommentarliteratur.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in textkritische Analysen, detaillierte Wortstudien, Einleitungsfragen zur historischen Situation und die Diskussion verschiedener theologischer Kommentare.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Heiligung, Geistfüllung, Lobpreis, Epheserbrief, paulinische Theologie und gottesdienstliche Praxis.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Lobgesang", "Hymne" und "Lied" wichtig für den Autor?
Die Unterscheidung dient dazu, den unterschiedlichen inhaltlichen Gehalt und die Herkunft dieser Begriffe in der antiken Literatur und der frühen Kirche zu erfassen, ohne sie vorschnell gleichzusetzen.
Wie bewertet David Jäggi die Verbindung von "Worship" und Musik in Epheser 5,19?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Paulus in diesen Versen keine instrumentale Begleitung vorschreibt, sondern den vokalen, gemeinschaftlichen Gesang als Ausdruck der Geistfüllung betont.
- Arbeit zitieren
- David Jäggi (Autor:in), 2013, Exegese zu Eph 5,15-21. Erörterungen zu einer entsprechenden Predigt und adäquaten liturgischen Elementen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231195