MERCOSUR: Regionale Integration in Lateinamerika

Ziele und Methoden im Vergleich zur EU


Seminararbeit, 2008
21 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Ansätze
2.1 Globalisierung
2.2 Die Integrationstheorie

3 Ziele und Grundlagen
3.1 Entstehung der Europäischen Union
3.2 Entstehung des MERCOSUR

4 Der institutionelle Aufbau
4.1 Der institutionelle Aufbau des MERCOSUR
4.2 Der institutionelle Aufbau der EU

5 Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

MERCOSUR, auf Spanisch "Mercado Común del Cono Sur", ist eine Grundlage des gemeinsamen Binnenmarktes im südlichen Lateinamerika und wurde am 26 März 1991 gegründet. Der Vertrag von Asunción, der von Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay unterzeichnet wurde, ist am 29.11.1991 in Kraft getreten. Im Jahr 1996 schloss sich Chile und 1997 auch Bolivien den Mercosur- Staaten an. Die Einrichtung der Freihandelszone hatte das Ziel, die wirtschaftliche und politische Integration in den Mitgliedsstaaten zu fördern, wobei die handelspolitische Liberalisierung und Demokratisierung von Argentinien und Brasilien die entscheidende Rolle gespielt haben. Mercosur stellt derzeit den wichtigsten regionalen Wirtschaftsblock Lateinamerikas dar. Mit circa 200 Millionen Einwohnern ist er nach der NAFTA[1], der EU und ASEAN[2] der viertgrößte Wirtschaftsblock der Welt (vgl. Korthoff, 2005, S. 87).

Die Europäische Union, gegründet am 1 November 1993, ist ein Staatenverbund aus 27 europäischen Staaten und eine Grundlage des gemeinsamen Binnenmarktes in Europa. Die Union umfasst 500 Millionen Einwohner und erwirtschaftet das größte Bruttoinlandsprodukt der Welt. Die Europäische Gemeinschaft stellt eine komplexe, sich entwickelnde und flexible Struktur dar und wird in mehrerlei Hinsicht als wirtschaftliches Musterbeispiel für den MERCOSUR- Verbund angesehen.

Ziel dieses Beitrages ist es, die wichtigsten strukturellen, politischen und sozialen Aspekte der Integrationsmodelle von EU und MERCOSUR zu betrachten und die beiden Wirtschaftsblöcke anhand ihrer zentralen Eigenschaften im Rahmen der regionalen Integrationstheorie zu vergleichen.

In vorliegender Arbeit wird zuerst auf die theoretischen Ansätze eingegangen, die die ökonomische Grundlage für die Entstehung und Entwicklung von EU und MERCOSUR darstellen. Weiterhin wird ein Vergleich der beiden Wirtschaftsblöcke durchgeführt, wobei solche Punkte wie geschichtlicher Überblick, Grundlagen und Zielsetzungen sowie der institutionelle Aufbau betrachtet werden. Im Anschluss daran werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Formen der regionalen Integration in EU und MERCOSUR analysiert. Abschließend werden die zentralen Themen des Aufsatzes zusammengefasst.

2 Theoretische Ansätze

2.1 Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man weltweite, vor allem wirtschaftliche Verflechtung. Der technologische Fortschritt und die Liberalisierung des Welthandels förderten die wirtschaftlichen Zusammenschlüsse sowohl in Europa als auch und Lateinamerika, die sich im Laufe der Zeit zu globalen Integrationsprojekten entwickelt haben.

Nach dem zweiten Weltkrieg war das größte Ereignis, das den Verflechtungstrend etablierte, die Bretton- Woods- Konferenz von 1944. Hier wurden die Weltbank und der Internationale Währungsfonds gegründet. In 1947 kam das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT[3] hinzu. Friedenssicherung, Expansion, Wohlstandserhöhung sind die Basiskonzepte, auf denen Globalisierung basiert, und die Schaffung der Freihandelszonen und Zollunionen sind ihre kennzeichnenden Merkmale.

Die Gründung der EU als gemeinsamern Binnenmarkt eröffnete neue Möglichkeiten für die Mitgliedsstaaten, schuf aber gleichzeitig auch neue Herausforderungen, mit denen sich die Mitgliedsstaaten von MERCOSUR im Laufe des Integrationsprozesses auseinandersetzen mussten.

„Globalisierung der Wirtschaft bedeutet unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten vor allem eine grenzüberschreitende Intensivierung des Wettbewerbs“ (Sangmeister, 1999, S. 34)

Aufgrund von Diskrepanzen zwischen den wirtschaftlichen Kapazitäten der kleinen und großen Länder Lateinamerikas wurde die Einführung des gemeinsamen Außenzolls im Rahmen des Integrationsprozesses von der Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb des Wirtschaftsblocks geprägt. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten nahm die Handelsliberalisierung im MERCOSUR einen relativ positiven Verlauf. Bereits 1999 wurde der Freihandel zwischen den Mitgliedsstaaten für 90% aller Produkte realisiert. Nach einer Entscheidung des Rates gelten bis 2013 die nationalen Bestimmungen, die danach durch eine gemeinsame Regelung für Freizonen ersetzt werden müssen.

In der EU wurde mit dem Vertrag von Kohle und Stahl, einem der wichtigsten Ereignisse bei der Globalisierung, eine Grundlage für den gemeinsamen Markt kreiert, welche die dynamischen Handelsbeziehungen im vereinigten europäischen Wirtschaftsraum gefördert hat.

2.2 Die Integrationstheorie

Integration wird definiert als Zusammenschluss mehrerer Staatsräume zu einem Wirtschaftsgebiet mit binnenmarktähnlichen Verhältnissen. Dabei unterscheidet man folgende Stufen der Integration:

- Beseitigung der bestehenden Handelshemmnisse,
- Ausdehnung der Liberalisierung auf die Faktorbewegung,
- Harmonisierung der Wirtschaftspolitik im Integrationsraum,
- Die Vereinheitlichung der Wirtschaftspolitik im Integrationsraum, was auch als „institutionelle Integration“ bezeichnet wird (vgl. El-Shagi, 1980, S.35).

Die Integrationstheorie besagt, dass bei der optimalen Festlegung des gemeinsamen Außenzolls positive Wohlfahrtseffekte einer regionalen Integrationsmaßnahme bei den Integrationspartnern garantiert werden können. Dabei wird die bestmögliche Ausnutzung der Ressourcen im gesamten Integrationsraum angestrebt (vgl. Clement, 1988, S.3).

Die Zollunionstheorie bildet die theoretische Grundlage für die Integrationsbestrebungen bei MERCOSUR als auch in der EG. In der ersten Stufe der Integration wird ein regionaler Zusammenschluss mehrerer selbständigen Staaten zu einem einheitlichen Zollgebiet angestrebt, so dass Zoll- und Staatsgrenzen nicht mehr identisch sind.

Die Zollunion ist gekennzeichnet durch folgende Merkmale:

- einem gemeinsamen Außenzolltarif gegenüber Drittländern,
- der Beseitigung von Binnenzöllen gegenüber Mitgliedsländern und
- der Verteilung der Zolleinnahmen zwischen den Mitgliedsländern nach einem vorher vereinbarten Schlüssel (Clement, 1988, S. 3)

Der gemeinsame Außenzoll ist ein wesentliches Instrument zur Errichtung des gemeinsamen Marktes, der eine nachfolgende Stufe der Integration präsentiert. Dadurch soll verhindert werden, dass Nicht- Mitgliedstaaten die innere Öffnung des Wirtschaftsraumes zu ihrem Vorteil ausnutzen, da sie Waren in Staaten mit höheren Außenzöllen über einen anderen Mitgliedstaat mit niedrigeren Außenzöllen einführen könnten.

Schaffung der gemeinsamen Zölle wurde zum ersten Schritt zu globaler Integration und Freihandel sowohl im Integrationsmodell von EU als auch in dem von MERCOSUR. Jedoch kommt es im MERCOSUR bei der Festlegung gemeinsamen Außenzolls innerhalb der Partnerländer regelmäßig zu Meinungsverschiedenheiten. Vereinbarung gemeinsamer Kontroll- und Verrechnungsmechanismen wird durch die ungleichen wirtschaftlichen Kapazitäten der Mitgliedstaaten erschwert.

„Brasilien verspricht sich durch die Schaffung eines gemeinsamen großen Binnenmarktes hohe Absatzsteigerungen seiner Industriegüter. Zum Schutz seiner Produkte gegenüber drittländischen Produkten, plädiert es für einen möglichst hohen gemeinsamen Außenzoll, was besonders für Paraguay, aufgrund seiner Offenheit der Volkswirtschaft, eher eine Abschottung bedeutet.’’ (Korthoff, 2005, S. 107)

Die Doppelverzollung bleibt somit ein großes Problem auf dem Weg zur Zollunion in MERCOSUR.

In der EU sind die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten zwischen den beteiligten Ländern nicht so stark ausgeprägt, was die weiteren auf der Zollunion basierenden Integrationsschritte ermöglicht. Die Entwicklung des gemeinsamen Währungssystems und die Einführung der supranationalen Organe sind die wichtigsten Erfolge der Integration im europäischen Raum.

3 Ziele und Grundlagen

3.1 Entstehung der Europäischen Union

Nach dem Zweiten Weltkrieg sehnte sich Europa nach Frieden, Sicherheit und Stabilität. Die Optimallösung haben die Regierungen der europäischen Staaten in einer Integrationsgesellschaft gesehen.

Die sechs Gründerstaaten der EG: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande haben im Jahr 1951 die gemeinsamen Organe eingeführt, von denen ein Teil der staatlichen Souveränität übernommen wurde. Diese bildeten die Basis der europäischen Integration, die auf vier Gründungsverträgen beruht:

- dem Vertrag zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1951),
- dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und dem der Europäischen Atomgemeinschaft (1957) sowie
- dem Vertrag über die Europäische Union, auch Vertrag von Maastricht genannt (1992).

Der Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wurde am 18. April 1951 unterzeichnet und trat am 25. Juli 1952 in Kraft. Mit diesem Vertrag wurden durch die Schaffung einer ,,Hohen Behörde", einer Parlamentarischen Versammlung, eines Ministerrates, eines Gerichtshofs sowie eines Beratenden Ausschusses die Grundlagen für das gemeinschaftliche Einigungswerk gelegt. Die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EAG, genannt ,,EURATOM", Verträge von Rom), die am 25. März 1957 unterzeichnet wurden, traten am 1. Januar 1958 in Kraft.

Im Jahr 1973 traten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland ebenfalls der EG bei. Im 1979 trat das EWS, das Europäische Währungssystem, in Kraft. Mit dem EWS erreichten die Staaten stabile Wechselkurse zwischen den jeweiligen Landwährungen. Das Europäische Währungssystem war die Grundlage für die spätere Wirtschafts- und Währungsunion.

[...]


[1] North American Free Trade Agreement

[2] Association of Southeast Asian Nations

[3] General Agreement on Tariffs and Trade

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
MERCOSUR: Regionale Integration in Lateinamerika
Untertitel
Ziele und Methoden im Vergleich zur EU
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Volkswirtschaftslehre, insbesondere Internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Veranstaltung
Seminar zur Volkswirtschaftstheorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V231213
ISBN (eBook)
9783656476047
ISBN (Buch)
9783656476276
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mercosur, regionale, integration, lateinamerika, ziele, methoden, vergleich
Arbeit zitieren
Diplom-Sozialwissenschaftlerin Kira Kogan (Autor), 2008, MERCOSUR: Regionale Integration in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231213

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