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Wortgemälde in verdichteter Sprache

Interpretationen deutschsprachiger Lyrik seit dem Barock in 60 Beispielen

Titel: Wortgemälde in verdichteter Sprache

Fachbuch , 2013 , 342 Seiten

Autor:in: Mario Paulus (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der vorliegende Band enthält Interpretationen deutschsprachiger Gedichte seit der Epoche des Barock. Die Textauswahl erhebt keinen Anspruch auf kanonische Gültigkeit. Die Gedichte sind angeordnet in fünf thematischen Bereichen, die jeweils einer chronologischen Ordnung folgen: „Poesie“, „Mensch und Gott“, „Mensch und Natur“, „Liebe und Sehnsucht“ sowie „Individuum und Gesellschaft“. Auf diese Weise soll ein Panorama der deutschsprachigen Lyrik entstehen, das diese auf den Grundpfeilern der europäischen Kulturgeschichte – Antike, Christentum und Aufklärung – zeigt. Die Gedichte werden jeweils textimmanent gedeutet, unter Verknüpfung formaler, sprachlicher und inhaltlicher Fragestellungen. Aufgrund einer genauen Lektüre der Texte sollen Fragen aufgeworfen und möglichst auch schlüssig beantwortet werden, darüber hinaus besteht ein wichtiges Ziel dieser Arbeit jedoch darin, den Leser zum Weiterdenken und vielleicht auch zum Widerspruch anzuregen. Das Buch richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II, Studierende der Germanistik und jeden, der sich für Lyrik interessiert.

Der Verfasser unterrichtet die Fächer Deutsch und Französisch an einem Gymnasium in Rheinland-Pfalz und ist Dozent für Fachdidaktik Deutsch an der Universität Trier.

Leseprobe


Inhalt

Einleitung

I. Poesie

Novalis: [Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren]

II. Mensch und Gott

Andreas Gryphius: Tränen des Vaterlandes, anno 1636

Johann Wolfgang von Goethe: Prometheus

Johann Wolfgang von Goethe: Grenzen der Menschheit

Joseph von Eichendorff: Die zwei Gesellen

Eduard Mörike: Gebet

Rainer Maria Rilke: Herbsttag

Jakob van Hoddis: Weltende

III. Mensch und Natur

Johann Hölty: Die Mainacht

Friedrich Gottlieb Klopstock: Die Sommernacht

Johann Wolfgang von Goethe: [Ich saug’ an meiner Nabelschnur]

Friedrich Hölderlin: [Ringsum ruhet die Stadt]

Joseph von Eichendorff: Frische Fahrt

Joseph von Eichendorff: Zwielicht

Joseph von Eichendorff: Mondnacht

Eduard Mörike: Septembermorgen

Eduard Mörike: Er ist’s

Heinrich Heine: [Ich weiß nicht, was soll es bedeuten]

Heinrich Heine: [Das Fräulein stand am Meere]

Theodor Storm: Hinter den Tannen

Stefan George: Komm in den totgesagten park

Georg Trakl: Verfall

Gottfried Benn: Kleine Aster

Hermann Hesse: Im Nebel

Ingeborg Bachmann: Toter Hafen

Peter Rühmkorf: Himmel abgespeckt

Rolf Dieter Brinkmann: Gedicht

Molla Demirel: Mit dem Morgenwind

IV. Liebe und Sehnsucht

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Vergänglichkeit der Schönheit

Johann Wolfgang von Goethe: [Es schlug mein Herz. Geschwind, zu Pferde!]

Clemens Brentano: [Zu Bacharach am Rheine]

Clemens Brentano: Der Spinnerin Nachtlied

Joseph von Eichendorff: Das zerbrochene Ringlein

Joseph von Eichendorff: Sehnsucht

Joseph von Eichendorff: Waldgespräch

Hugo von Hofmannsthal: Frage

Hugo von Hofmannsthal: Die Beiden

Erich Kästner: Sachliche Romanze

Ingeborg Bachmann: Schatten Rosen Schatten

Peter Rühmkorf: Auf eine Weise des Joseph Freiherrn von Eichendorff

Sarah Kirsch: Die Luft riecht schon nach Schnee

Ulla Hahn: Mit Haut und Haar

Ulla Hahn: Anständiges Sonett

Ulla Hahn: Bildlich gesprochen

V. Individuum und Gesellschaft

Gottfried August Bürger: Der Bauer

Gotthold Ephraim Lessing: Der Tanzbär

Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens

Theodor Storm: Die Stadt

Hugo von Hofmannsthal: Manche freilich…

Rainer Maria Rilke: Der Panther

Georg Heym: Die Stadt

Alfred Wolfenstein: Städter

Oskar Loerke: Blauer Abend in Berlin

Alfred Lichtenstein: Die Dämmerung

Bertolt Brecht: Gedanken über die Dauer des Exils

Hermann Hesse: Stufen

Günter Eich: Inventur

Ingeborg Bachmann: Böhmen liegt am Meer

Rolf Dieter Brinkmann: Selbstbildnis im Supermarkt

Franco Biondi: Die Anfänge

Zielsetzung & Themen

Das Werk verfolgt das Ziel, ein Panorama der deutschsprachigen Lyrik vom Barock bis zur Gegenwart zu entwerfen, indem es ausgewählte Gedichte werkimmanent interpretiert. Der Fokus liegt dabei auf der Verknüpfung formaler, sprachlicher und inhaltlicher Aspekte, um nicht nur das Verständnis der Texte zu fördern, sondern den Leser auch zum kritischen Weiterdenken über die europäische Kulturgeschichte und die Situation des Individuums anzuregen.

  • Analyse der Mensch-Gott-Beziehung im Wandel der Säkularisierung.
  • Untersuchung des Mensch-Natur-Verhältnisses als Spiegel der Seele und als Ort der Projektion.
  • Exploration von Liebe und Sehnsucht als existenzielle Antriebskräfte und Verhängnis.
  • Betrachtung der Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft und der Problematik sozialer Isolation.
  • Reflexion über die Rolle der Poesie und des Künstlers als Statthalter der Utopie.

Auszug aus dem Buch

Die heilende Kraft des geheimen Wortes

Novalis hat seinen Roman „Heinrich von Ofterdingen“ als eine „Apotheose der Poësie“ in zwei Teilen angelegt. Der Titelheld, ein junger Mann, soll zunächst zum Dichter reifen und dann als Dichter verklärt werden. Somit handelt es sich auf den ersten Blick durchaus um einen Entwicklungsroman Goethescher Prägung, allerdings hat Novalis ihn bewusst gegen Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ verfasst, da es ihm eben nicht darum geht, einen abgeschlossenen Entwicklungsprozess literarisch darzustellen, sondern eine unendliche Annäherung an das angestrebte Ideal. Dabei spielt die Poesie die zentrale Rolle; sie soll eins werden mit „dem Leben“ und gleichzeitig diesen Prozess in Gang setzen und halten. Dies ist auch der philosophische Grund dafür, dass die Titelfigur ein (werdender) Künstler ist. An vielen Stellen des Romans werden das Wesen und die Rolle der Kunst reflektiert.

Im zweiten Teil, der Fragment geblieben und 1802, also nach Novalis’ Tod, von Ludwig veröffentlicht und kommentiert worden ist, findet sich das vorliegende Gedicht „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“, das viele Bezüge zur Romanhandlung des ersten Teils ausweist, durchaus aber auch für sich genommen gelesen werden kann.

Das Gedicht besteht aus zwölf Versen, die paarweise gereimt sind. Das Metrum ist nicht einheitlich; Novalis hat sich des Knittelverses bedient. Die gedankliche Struktur ist ebenso klar wie die syntaktische: Das gesamte Gedicht bildet eine Hypotaxe, die aus fünf aneinander gereihten, jeweils zwei Verse umfassenden Nebensätzen besteht und dem abschließenden Hauptsatz, der ebenfalls ein Distichon bildet. Es werden Bedingungen aufgezählt, die erfüllt sein müssen, damit die Welt von ihrem „verkehrte[n] Wesen“ (Vers 12) befreit wird. Akzentuiert man stärker die Tatsache, dass der erhoffte Zustand noch nicht eingetreten ist, so wird man die Nebensätze eher konditional auffassen, ist man sich sicher, dass das Ersehnte einst eintreten wird, ist ein temporales Verständnis näher liegend. Beides ist auf Basis des Textes sicherlich zu rechtfertigen.

Zusammenfassung der Kapitel

Poesie: Dieses Kapitel thematisiert das Wesen der romantischen Poesie, deren Progressivität und Universalitätsanspruch anhand eines Gedichts von Novalis veranschaulicht werden.

Mensch und Gott: Der Abschnitt betrachtet den Wandel der Religiosität und des Gottesbildes in der deutschsprachigen Lyrik, von barocken Grenzerfahrungen bis zur modernen Sinnsuche.

Mensch und Natur: Hier wird das komplexe Verhältnis zwischen dem lyrischen Subjekt und seiner natürlichen Umwelt beleuchtet, welches sich von der Natur als Spiegel der Seele bis zum entgötterten, fremden Raum entwickelt.

Liebe und Sehnsucht: Dieses Kapitel erkundet die Facetten der Liebeslyrik, wobei Themen wie Liebesverrat, Todessehnsucht und die Schwierigkeit zwischenmenschlicher Kommunikation im Vordergrund stehen.

Individuum und Gesellschaft: Der letzte Teil analysiert die Isolation und Entfremdung des Einzelnen in einer zunehmend technisierten und anonymisierten Welt.

Schlüsselwörter

Lyrik, Interpretation, Romantik, Barock, Expressionismus, Natur, Mensch, Gott, Liebe, Sehnsucht, Gesellschaft, Individuum, Vergänglichkeit, Sinnsuche, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte Interpretation von 60 deutschsprachigen Gedichten, die verschiedene Epochen und Themenbereiche abdecken, um ein tieferes Verständnis lyrischer Texte zu vermitteln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Gedichte sind in fünf thematische Bereiche gegliedert: Poesie, Mensch und Gott, Mensch und Natur, Liebe und Sehnsucht sowie Individuum und Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Leser zur intensiven Auseinandersetzung mit lyrischen Meisterwerken anzuregen und ein Verständnis für deren Entstehungskontext sowie ihre Bedeutung bis in die heutige Zeit zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analysen basieren auf einem werkimmanenten Ansatz, der formale, sprachliche und inhaltliche Aspekte verknüpft und die Gedichte in ihren geistesgeschichtlichen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil besteht aus detaillierten Interpretationen einzelner Gedichte, die jeweils chronologisch innerhalb ihrer Themenbereiche angeordnet sind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Lyrik, Vergänglichkeit, Natur, Entfremdung, Sehnsucht und der Wandel der Weltsicht vom Barock bis zur Moderne.

Warum beginnt das Buch mit einem Gedicht von Novalis?

Das Gedicht dient als programmatische Einleitung, da es die Rolle der Poesie als gesellschaftsverändernde Kraft mittels Phantasie idealisiert und somit den Ausgangspunkt für die weiteren Analysen bildet.

Inwiefern beeinflusst der historische Kontext die Interpretationen?

Die Analysen berücksichtigen stets die historische Gemengelage, in der ein Gedicht entstand, da diese maßgeblich die Themenwahl und die Ausdrucksweise der Dichter prägt, etwa bei den Krisenerfahrungen des Barock oder der Anonymität der Großstadtlyrik.

Was bedeutet der Begriff „transzendentale Obdachlosigkeit“ in diesem Kontext?

Er beschreibt das Gefühl der Moderne, dass der Mensch keine göttliche oder höhere Ordnung mehr als festen Halt erfährt, was zu einer existentiellen Sinnsuche führt.

Wie unterscheidet sich die Naturdarstellung in den verschiedenen Epochen?

Während die Natur in älteren Epochen oft als Spiegel der Seele oder als göttlich geordnet galt, wird sie in moderneren Texten häufig als fremd, entgöttert oder schlicht als Kulisse eines entfremdeten Lebens dargestellt.

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Details

Titel
Wortgemälde in verdichteter Sprache
Untertitel
Interpretationen deutschsprachiger Lyrik seit dem Barock in 60 Beispielen
Autor
Mario Paulus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
342
Katalognummer
V231254
ISBN (eBook)
9783656501992
ISBN (Buch)
9783656502043
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wortgemälde sprache interpretationen lyrik barock beispielen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Mario Paulus (Autor:in), 2013, Wortgemälde in verdichteter Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231254
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Leseprobe aus  342  Seiten
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