Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Antiaggressivitätstraining als Delikt- und Defizitspezifische Behandlungsmaßnahme für gewaltbereite Mehrfachtäter im Jugendstrafvollzug. Es wird auf die theoretischen Hintergründe eingegangen und thematisiert, dass eine Verbesserung der Legalbewährung hinsichtlich der Gewaltrückfälle durch Studien bisher nicht belegt werden konnte.
Bei der Betrachtung der Zielgruppe für dieses Training wurde festgestellt, dass eine Differenzierung der einzelnen, gewalttätig gewordenen Jugendlichen, nicht erkennbar ist.
Eine Differenzierung wäre aber aus kriminologischer und psychologischer Sicht für eine sorgfältige Behandlungsplanung in Haft erforderlich.
Um zu thematisieren, ob das Training für alle jugendlichen Gewaltstraftäter gleichermaßen geeignet ist, erfolgt eine Betrachtung der Gruppe der impulsiv-aggressiven Jugendlichen auf Grund von Erkenntnissen der Psychotraumatologie.
Es wurde festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen chronischer Traumatisierung und dem impulsiv-aggressiven Verhalten solcher Jugendlicher besteht. Das provokative Vorgehen im Antiaggressivitätstraining kann zu einer Retraumatisierung dieser Jugendlichen führen. Eine Arbeit am Delikt – wie es das Antiaggressivitätstraining vorsieht – sollte erst nach begonnener traumatherapeutischer Behandlung erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Antiaggressivitätstraining
- Theoretische Grundlagen des Antiaggressivitätstrainings
- Konfrontative Pädagogik
- Lerntheoretisch-kognitiver Ansatz
- Zielgruppe des Antiaggressivitätstraining
- Beschreibung der Zielgruppe
- Kritische Anmerkungen zur Zielgruppe aus Sicht der Entwicklungspsychopathologie
- Kritische Anmerkungen zur Zielgruppe aus Sicht der entwicklungsdynamischen Kriminologie
- Vorgehensweise beim Antiaggressivitätstraining
- Provokationstests
- Konfrontation mit der Tat
- Kognitives Überzeugen
- Erkenntnisse zur Wirksamkeit des Antiaggressivitätstrainings
- Impulsive Aggressivität aus psychotraumatologischer Sicht
- Impulsiv-aggressive Jugendliche
- Chronische Traumatisierung
- Komplexe posttraumatische Belastungsstörung
- impulsiv-aggressives Verhalten als Reaktionsmuster einer komplexen postraumatischen Belastungsstörung
- Weitere Reaktionsmuster
- Erkennbarkeit der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
- Auseinandersetzung mit der Vorgehensweise des Antiaggressivitäts-trainings vor dem Hintergrund psychotraumatologischer Erkenntnisse
- Provokation und Grenzüberschreitung
- Deliktsarbeit/Opferempathie
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert das Antiaggressivitätstraining als Behandlungsmaßnahme für jugendliche Gewalttäter im Jugendstrafvollzug. Sie hinterfragt die Wirksamkeit des Trainings vor dem Hintergrund psychotraumatologischer Erkenntnisse und beleuchtet kritisch die Zielgruppenauswahl und die Vorgehensweise des Trainings.
- Theoretische Grundlagen und Wirksamkeit des Antiaggressivitätstrainings
- Die Zielgruppe des Antiaggressivitätstrainings und ihre besonderen Bedürfnisse
- Impulsiv-aggressives Verhalten Jugendlicher aus Sicht der Psychotraumatologie
- Die Relevanz traumatherapeutischer Behandlung im Kontext des Antiaggressivitätstrainings
- Kritische Auseinandersetzung mit der Vorgehensweise des Trainings unter Berücksichtigung psychotraumatologischer Erkenntnisse
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die den aktuellen Kontext der Diskussion um Jugendgewalt und den Jugendstrafvollzug beleuchtet.
Kapitel 2 beschreibt das Antiaggressivitätstraining, seine theoretischen Grundlagen und die Zielgruppe.
Kapitel 3 beleuchtet das Konzept der impulsiven Aggressivität aus der Perspektive der Psychotraumatologie. Es werden die Begriffe der chronischen Traumatisierung und der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung erläutert.
Kapitel 4 diskutiert die Vorgehensweise des Antiaggressivitätstrainings im Kontext psychotraumatologischer Erkenntnisse und thematisiert die möglichen Risiken einer Retraumatisierung impulsiv-aggressiver Jugendlicher.
Das Fazit greift die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Antiaggressivitätstraining, Jugendstrafvollzug, impulsiv-aggressives Verhalten, Psychotraumatologie, chronische Traumatisierung, komplexe posttraumatische Belastungsstörung, Retraumatisierung, Deliktsarbeit, Opferempathie, differenzierte Behandlungsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel des Antiaggressivitätstrainings (AAT)?
AAT ist eine deliktspezifische Behandlungsmaßnahme für gewaltbereite Mehrfachtäter, die auf konfrontativer Pädagogik basiert und die Rückfallquote senken soll.
Warum wird die Zielgruppe des AAT kritisch betrachtet?
Kritiker bemängeln, dass oft nicht ausreichend zwischen verschiedenen Typen von Gewalttätern differenziert wird, was für eine gezielte Behandlungsplanung aber notwendig wäre.
Welche Gefahr besteht bei traumatisierten Jugendlichen im AAT?
Das provokative Vorgehen und die Grenzüberschreitungen im Training können bei Jugendlichen mit chronischen Traumatisierungen zu einer Retraumatisierung führen.
Was ist der lerntheoretisch-kognitive Ansatz im AAT?
Dieser Ansatz geht davon aus, dass aggressives Verhalten gelernt ist und durch kognitive Umstrukturierung und neue Verhaltensmuster wieder verlernt werden kann.
Welchen Stellenwert hat die Opferempathie im Training?
Die Konfrontation mit der Tat und das Hineinversetzen in die Opferrolle sind zentrale Bestandteile, um das Unrechtsbewusstsein der Täter zu schärfen.
Wann sollte laut der Arbeit eine Traumatherapie erfolgen?
Bei impulsiv-aggressiven Jugendlichen mit Traumahintergrund sollte eine traumatherapeutische Behandlung unbedingt vor der eigentlichen Deliktsarbeit im AAT beginnen.
- Quote paper
- Jan Walter (Author), 2011, Antiaggressivitätstraining als erfolgversprechende Maßnahme zur Behandlung impulsiv-aggressiver Jugendlicher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231279