Motive der französischen Außenpolitik um 1950, den Schuman-Plan zu initiieren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedinungen des Schuman-Planes
2.1 Die politische Lage in Europa um 1950
2.2 Der Schuman- Plan
2.2.1 Inhalt des Schuman-Plans

3 Auseinandersetzung mit der Leitfrage
3.1 Welche Motive bewegten die franzöische Außenpolitik um 1950, den Schuman-Plan zu initiieren?

4 Resümme

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Schuman-Plan kann als Grundstein der Europäischen Union verstanden werden. Es handelt sich hierbei um einen ungeschriebenen Friedensvertrag zwischen Deutschland und Frankreich, der die europäische Ordnung grundlegend verändert hat. Der am 9. Mai 1950 verkündete Vorschlag des französischen Außenministers Robert Schuman sah vor, dass die gesamte Kohle- und Stahlproduktion Deutschlands und Frankreichs einer Hohen Behörde unterstellt wird, welche einen supranationalen Charakter hatte. Durch diese Initiative entstand die Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion), der Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft. Aus diesem Grund ist der 9. Mai, der Tag der Rede, der entscheidende Auslöser, der zu einer europäischen Einigung beigetragen hat und deshalb auch zum Europatag erklärt wurde.

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Umstände und Gründe, die dazu geführt haben, dass Frankreich ein solches Vorhaben initiiert und bereits fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dem „Erbfeind“ die Hand reichte. Ausgehend von dieser Tatsache wurde folgende Leitfrage für diese Hausarbeit formuliert: „Welche Motive bewegten die französische Außenpolitik um 1950, den Schuman-Plan zu initiieren?“ Um die dargelegte Frage klären zu können, wird zunächst die politische Lage in Europa um 1950 dargestellt. Ausgehend davon wird auf den Schuman-Plan und den damit verbundenen Inhalt eingegangen. Die herausgearbeiteten Rahmenbedingungen führen zu der Leitfrage der Hausarbeit und ermöglichen somit einen inhaltlichen Zugang zu der aufgeworfenen Problematik.

2 Rahmenbedingungen des Schuman- Planes

2.1 Die politische Lage in Europa um 1950

Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete nicht, dass das Konfliktpotenzial in Europa gänzlich beendet war, vielmehr zeichnete sich eine neue Konfrontation ab und zwar zwischen Ost und West. Das Scheitern der Moskauer Konferenz über die deutsche Frage am 24. April 1947 trug wesentlich dazu bei. Für die USA und Großbritannien bedeutete dies, dass sie mit ihrem ehemaligen Verbündeten, der Sowjetunion, keine einheitlichen Ziele mehr hatten, da nun der Kampf gegen den Nazismus beendet war und die politischen Ideologien der Alliierten immer weiter an Wichtigkeit gewannen. Die Spannungen zwischen den Siegermächten nahmen weiter zu, vor allem der Marshallplan der USA und die Schaffung des Kominform als Antwort der Sowjetunion trugen dazu verstärkt bei. Die Berlinblockade im Frühjahr 1949 zeigte auf, wie stark das Konfliktpotenzial zwischen Ost und West war. Am 4. April 1949 unterzeichneten die Westeuropäer mit den USA den Nordatlantikpakt, der die Grundlage einer gemeinsamen Sicherheit bilden sollte. Es handelte sich hierbei um ein militärisches Bündnis, das die teilnehmenden Länder vor einem sowjetischen Angriff schützen sollte. Die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe und der Beginn des Korea-Krieges verstärkten diesen Eindruck, dass eine kommunistische Bedrohung im Raum stand. Diese Tatsachen führten dazu, dass sich ein Klima der Unsicherheit und Angst ausbreitete und somit der Nährboden für den „Kalten Krieg“ geschaffen wurde (vgl. Brunn 2004, S.38ff).

Die Feindseligkeiten zwischen Ost und West zeichneten sich insbesondere durch den Status der Bundesrepublik Deutschland ab. Die Vereinigten Staaten strebten einen wirtschaftlichen Aufbau des Landes an, da nur hierdurch eine Initiierung der europäischen Einigkeit erreicht werden konnte. Dieser Faktor machte vor allem der französischen Regierung große Sorgen, da sie nach dem Zweiten Weltkrieg eine dominante Stellung Deutschland aus Eigeninteresse verhindern wollte. Frankreich befand sich nun in einem Dilemma, da es durch die amerikanische Seite unter Druck gesetzt wurde, diesem Vorhaben zuzustimmen, aber auf der anderen Seite der öffentlichen Meinung im eigenen Land gerecht werden musste (ebd.).

Frankreich konnte sich nicht vor einer Entscheidung drücken, da die Amerikaner und Briten auf der gemeinsamen Außenministerkonferenz in London im Mai 1949 der Frage nachgehen wollten, wie die Westintegration Deutschlands erfolgen sollte. Frankreich hatte hierbei nicht nur mit politischen Hindernissen zu kämpfen, sondern zusätzlich mit den eigenen wirtschaftlichen Problemen im Land. Die Eisen- und Stahlindustrie trug wesentlich dazu bei, dass ein Kapazitätsüberhang in den europäischen Ländern herrschte. Dies führte dazu, dass die Preise sanken und die Befürchtung wuchs, dass sich Kartelle bildeten, um die Konkurrenz zu minimieren. Dieser Faktor gefährdete den Wiederaufbau in Europa, da die Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt nicht verkraften konnte, dass die Basisindustrie Spekulanten in die Hände fiel (vgl. Gruner 1999, S. 50ff).

2.2 Der Schuman-Plan

Am 9. Mai 1950 gab Robert Schuman vor geladener internationaler Presse im Uhrensaal des französischen Außenministeriums seine Erklärung ab.

Es handelt sich hierbei um eine Primärquelle, die der Gruppe der Überreste zuzuordnen ist. Die Quelle liegt als übersetzter Abdruck der französischen Fassung vom 09.05.1950 vor. Die Originale der Rede und ihre Vorentwürfe liegen im Archives Nationales du Luxembourg als Plan Schuman (Négociations). La déclaration du 9 mai 1950 et premières réactions unter der Registrierung AE 11346. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nichts darüber bekannt, in welchem äußeren Zustand sich das Originaldokument befindet oder wie die Lesbarkeit ist. Jedoch ist anzunehmen, dass die Quelle in einem guten Zustand und von guter Lesbarkeit ist, da sie ein geringes Alter besitzt.

Es handelte sich hierbei um einen Überraschungscoup, da noch nicht einmal ein großer Teil von Schumans Ministerkollegen über sein Vorhaben Bescheid wussten. Schuman informierte vorab den amerikanischen Außenminister Dean Acheson und den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der Bundeskanzler stimmte dem Projekt von Monnet sofort zu, da dies dem deutschen Interesse entgegenkam: der Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und die Hoffnung, die Bundesrepublik als einen gleich­berechtigten Partner bei internationalen Verhandlungen zu sehen und somit aus der Isolation zu führen. Acheson dagegen musste zunächst einmal vom Schuman-Plan überzeugt werden, da er die Befürchtung hegte, dass es sich hierbei um die Ausbildung eines riesigen Kartells handelte. Der amerikanische Außenminister ließ sich trotz seiner Bedenken überzeugen und die Vereinigten Staaten unterstützten fortan das supranationale Konzept (vgl. Brunn 2004, S. 78).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Motive der französischen Außenpolitik um 1950, den Schuman-Plan zu initiieren
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Mitten in Europa: Deutschland und Frankreich 1939-1963
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V231315
ISBN (eBook)
9783656473428
ISBN (Buch)
9783656473480
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motive, außenpolitik, schuman-plan
Arbeit zitieren
Sabina Babic (Autor), 2012, Motive der französischen Außenpolitik um 1950, den Schuman-Plan zu initiieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231315

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