Die Identität des Menschen in der Moderne. Über die Individualisierung auf dem Weg zur Bastelexistenz


Hausarbeit, 2010
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Wandel zur Moderne: ein Versuch

2. Subjektive Konsequenzen der Individualisierung
2.1 Verlust der Selbstverständlichkeit des Lebens
2.2 Verlust des kollektiven Sinn-Daches

3. Pluralisierung der sozialen Lebenswelten: Krise der Identität?

4. Überlegungen zur Identität des Menschen in der Postmoderne: die Bastelexistenz

5. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich -ausgehend von der Individualisierung gesellschaftlicher Lebensumstände- vordergründig mit der Frage, ob die moderne Lebensform des Menschen nach einer flexiblen und eigens erschaffenen Identität verlangt. Zudem werden gesellschaftliche Prozesse beschrieben, die diese Ent- wicklung eventuell begünstigen, um zu dem Schluss zu kommen, dass es eine Möglichkeit darstellt, sich die Identität des modernen Menschen als eine Bastel- existenz zu vergegenwärtigen. Bei diesem Versuch werden zwischendurch fünf direkte Zitate hervorgehoben, die den Verlauf der Arbeit nachzeichnen und das bisher Erarbeitete unterstreichen.

Der Hauptteil beginnt mit einer einleitenden Darstellung. Hier wird der viel- deutige Begriff „Moderne“ eingegrenzt, indem er dem Kontext der Arbeit ent- sprechend präzisiert und als Ausgangspunkt erarbeitet wird. Im 2. Kapitel geht es um die Erläuterung des Begriffs „Individualisierung“, um einzelne Prozesse auf- zuspüren. Damit anschließend -bezüglich der Identität des modernen Menschen- zwei wichtige subjektive Folgen der Individualisierung hypothetisch veranschau- licht werden können. Zum Einen das die Menschen hinsichtlich ihrer Biografie zunehmend Eigeninitiative aufbringen müssen. Zum anderen scheint dem Men- schen dabei die gesellschaftliche Orientierungsgrundlage dahinzuschwinden und somit wächst offenbar die Identitätsfindung zu einer individuellen Leistung heran. Das 3. Kapitel hat die Pluralisierung der sozialen Lebenswelt zum Inhalt und skizziert Gründe, die unter Umständen zu dieser Entwicklung führen. Hierbei wird auf die Komplexität einer modernen Identität aufmerksam gemacht und gleichzeitig eine Perspektive für SozialarbeiterInnen ausgearbeitet, die für das Verstehen einer Lebenswelt nützlich erscheint. Im 4. Kapitel wird auf Grundlage der bis dahin gewonnenen Erkenntnisse eine Überlegung zu einem Identitätstypus dargestellt, die die moderne Identität des Menschen als Bastelexistenz beschreibt. Zum Abschluss der Arbeit werden ich die gewonnenen Erkenntnisse zusammen- fassend formulieren und eine Verbindung des Themas zur Sozialen Arbeit herstel- len.

Identität - Klappe, die Erste:

„Von der umfassenden Ergründung unseres ,Ich-Zustands ’ ist die Hirnforschung noch Meilen oder genauer: Jahrzehnte entfernt, falls sie es dennüberhaupt je schafft. Denn wenn das Beobachten einfacher Emotionen die Mondlandung der Hirnforschung war, so ist die Reise zum Ich eine bemannte Fahrt mindestens zum Jupiter. Eine Reise, von der wir bislang kaum ahnen können, was uns dabei noch alles begegnet …“ (Precht 2007: 72f)

1. Der Wandel zur Moderne: ein Versuch

Will man einen Versuch unternehmen, den Wandel zur Moderne darzustellen, so ist dies kein einfaches Unterfangen. Denn es scheint nicht möglich, eine exakte Datierung des Beginns der Moderne festzulegen, weil „sobald einmal die An- strengung der Datierung im Ernst beginnt, fängt der Gegenstand selbst an zu ver- schwinden“ (Bauman 1992: 16). Der Begriff „Moderne“ ist ein strittiger Gegen- stand und aufgrund seiner Vieldeutigkeit besteht wohl kaum die Möglichkeit einer klaren Definition (vgl. ebd.: 16f). Allerdings ist es Bauman (1992) zufolge mög- lich, sich „die Moderne als eine Zeit [zu, MW] denken, da Ordnung - der Welt, des menschlichen Ursprungs, des menschlichen Selbst, und der Verbindung aller drei - reflektiert wird “ (17). Daher bezeichnet der Autor die Moderne als „eine historische Periode“ (348) und datiert ihren Beginn auf das 17. Jahrhundert. In dieser Zeit ist in Westeuropa u.a. die Entstehung der Aufklärung ausfindig zu ma- chen, die als geistige Reife der Moderne angesehen werden kann. Doch fand sie ihren Einzug in die Lebensformen der Menschen erst mit der Industriegesell- schaft. Diese zwei historischen Veränderungen sind nur eine Möglichkeit den Be- ginn der Moderne darzustellen und sind nicht als klarer Anfang zu betrachten, sondern lediglich ein unvermeidlicher Versuch eine eigene Wahl zu treffen (vgl. Bauman 1992: 347f).

Aber ist damit keines Wegs der Wandel zur Moderne vollendet, eher macht es den Anschein, dass der Mensch zurzeit Augenzeuge „eines Bruches innerhalb der Moderne“ (Beck 1986: 13) selbst wird und die Industriegesellschaft eine neue Form annimmt. Ging es während des Beginns der Moderne im Westlichen noch um die Modernisierung1 von Tradition, so ist dem hinzuzufügen, dass die Indus- triegesellschaft auch von Modernisierung erfasst wurde. Beck (1986) unterschei-

„Modernisierung bezeichnet eine spezifische Form des Wandels, die zumeist als Einheit von Industrialisierung, Bürokratisierung, Urbanisierung, Demokratisierung und zunehmender sozialer Mobilität beschreiben wird.“ (Junge 2002: 10) det in diesem Zusammenhang „zwischen einfacher und reflexiver Modernisie- rung“ (14). Das heißt, dass die Moderne nicht abschließend erfasst werden kann und somit das Ende des Wandels zur Moderne offenbleibt. Was allerdings festge- halten werden sollte und für den Verlauf dieser Arbeit wichtig ist, dass sich offen- bar aus der Moderne heraus eine andere gesellschaftliche Gestalt entwickelt, die nicht selten mit dem Begriff der „Postmoderne“ oder auch „Risikogesellschaft“ beschrieben wird und vorsichtig formuliert: Eine typische Ungewissheit verbrei- tet. (vgl. Beck 1986: 12ff).

Trotz der Schwierigkeit einer genauen Erfassung der Moderne soll nicht da- vor haltgemacht werden, diese inhaltlich zu bestimmen. Dabei ist es wichtig der Frage nachzugehen, welche Phänomene man als „modern“ bezeichnet. So legt Abels (2010) unter soziologischen Gesichtspunkten fest: „In dem Augenblick, wo das neue Denken und Handeln vieler Individuen zu einem auffälligen, dauerhaften und grundsätzlichen kulturellen, ökonomischen und politischen Wandel führt, beginnt die Geschichte der Moderne.“ (25) Anhand dieser Bestimmung wird u.a. ein Phänomen enthüllt, auf welches sich die Moderne begrenzen lässt. Man kann nämlich ein typisches Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesell- schaft ausmachen, weil der Mensch vermutlich zunehmend ein Bewusstsein für Individualität entwickelt, das der Gesellschaft gegenübersteht. Er verlässt den Rahmen seiner Gemeinschaft und findet sich infolge des Wandels zur Moderne in einem Verhältnis zur Gesellschaft wieder (vgl. Abels 2010: 22ff). In gewisser Weise, so schreibt Junge (2002), meint dieses Verhältnis „die kulturelle Erfindung des Individuums“ (30) als Voraussetzung für die Entwicklung der Individualisie- rungsprozesse.

Also wenn im Rahmen dieser Arbeit von der Moderne oder auch Postmoder- ne die Rede ist, dann ist insbesondere die Entstehung dieses Verhältnisses ge- meint. Ferner verweisen die Begriffe auf eine Entwicklung, die noch nicht abge- schlossen erscheint.

2. Subjektive Konsequenzen der Individualisierung

In ähnlicher Weise, wie schon beim Versuch Moderne zu beschreiben, ist auch die Individualisierung ein sehr vielschichtiges Thema und dient als Begriff eher zur sprachlichen Erleichterung. Von daher ist es wohl konstruktiver von einer Viel- zahl von Individualisierungsprozessen und -diagnosen zu sprechen, um sich in- haltlich zu präzisieren. Denn die Individualisierung ist weit in die Geschichte zu- rückzuverfolgen (vgl. Junge 2002: 10). Allerdings kann man bezüglich der Individualisierungsprozesse „im gegenwärtigen Geschehen eine historische Neuheit ohne Vorläufer“ (ebd.) ausmachen.

Infolge der augenblicklichen Individualisierungsprozesse lässt sich in Anleh- nung an Beck (1986) die Entwicklung markieren, dass die Menschen eine „He- rauslösung aus [ihren, MW] traditionalen Lebenszusammenhängen“ (213) erfah- ren. Somit sind sie der Tendenz unterworfen „sich selbst […] zum Zentrum ihrer eigenen Lebensplanungen und Lebensführung zu machen“ (116f). Dabei wird der Mensch zunehmend damit konfrontiert, zu „lernen, sich selbst als Handlungszen- trum, als Planungsbüro in bezug [sic!] auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fä- higkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu begreifen“ (217). Diese Pro- zesse sind wichtig, denn aus ihnen geht hervor, dass das Individuum zunehmend ein „ ichzentrierte[s] Weltbild “ (ebd.) erlangt. Jedoch sollte dies nicht mit einer Ellenbogenmentalität verwechselt werden, sondern meint, dass das derzeitige Verhältnis zwischen dem Ich und der Gesellschaft höchstwahrscheinlich eine eigenständigere Lebensgestaltung der Menschen ermöglicht bzw. erfordert (vgl. Beck 1986: 116ff).

Bei der Betrachtung dieser Entwicklung sind die Konsequenzen für den Men- schen durchaus als ambivalent zu beschreiben. Einerseits entsteht nämlich die Hoffnung, dass sich der Mensch aus den „sozialen Zwängen“ (Junge 2002: 12) befreien kann und somit mehr Autonomie und Handlungsfreiheit erlangt. Ande- rerseits entscheidet sich diese Autonomie gegen die, die nicht in der Lage oder bereit sind, sich mit einem vielfältigen Angebot an Optionen auseinander zu setz- ten. Für diese Menschen wird die Individualisierung zur Last, weil sie dem Zwang ausgesetzt sind, sich kontinuierlich eigenständig zu entscheiden. Es macht den Eindruck, dass sie nicht mehr auf Normen und Institutionen als Anhaltspunkt ver- trauen können und deren Verbindlichkeit nachlässt, sobald es um Entscheidungs- situationen2 geht (vgl. Junge 2002: 12f).

Schärfer formuliert: Menschen werden offenbar zur Freiheit verurteilt. Das klingt zunächst sehr verlockend. Bekommt aber einen bitteren Beigeschmack, wenn man sich vor Augen führt, dass die Konsequenzen der Entscheidungen mehr

Aus soziologischer Perspektive z. B.: Berufswahl, Lebensstilpräferenzen, Lebensform, Erziehungsfragen, Geschmacksfragen, Konsumentscheidungen (vgl. Junge 2002: 13).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Identität des Menschen in der Moderne. Über die Individualisierung auf dem Weg zur Bastelexistenz
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Veranstaltung
Interkulturelle Kommunikation
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V231321
ISBN (eBook)
9783656477839
ISBN (Buch)
9783656479055
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identität, menschen, moderne, über, individualisierung, bastelexistenz
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Martin Willmann (Autor), 2010, Die Identität des Menschen in der Moderne. Über die Individualisierung auf dem Weg zur Bastelexistenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231321

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