Ökonomische Bedeutung des Backpack-Tourismus für Australien


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Australien aus ökonomischer Perspektive
2.1 Allgemeine Daten und Fakten
2.2 Primäre Wirtschaftssektoren
2.3 Wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre

3 Backpack-Tourismus in Australien
3.1 Visumsbestimmungen
3.2 Entwicklung des Backpacktourismus innerhalb der letzten fünf Jahre

4 Erläuterung der wirtschaftlichen Bedeutung des Backpacking am Beispiel der Bananenplantage „Mackays Bananas“

5 Zusammenfassung und Ausblick

II. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Zuge der Globalisierung legen heutzutage immer mehr Arbeitgeber Wert auf Auslandserfahrungen bei zukünftigen Mitarbeitern. Neben dem Highschool year in den Vereinigten Staaten, Au-pair Aufenthalt in Kanada oder Schüleraustausch in Frankreich hat sich ein weiteres Ziel innerhalb der letzten 10 Jahre etabliert: Australien. Angezogen von dem Klima, den Stränden und der Multikulturalität der australischen Gesellschaft treibt es jährlich zehntausende sogenannter „Backpacker“ auf den kleinen Kontinent im Süden.

Mittlerweile gehören die Rucksacktouristen zum australischen Alltag: es gibt spezielle Hostels selbst in den kleinsten Städten, Reiseveranstalter, die ihre Angebote gezielt auf Backpacker ausrichten, gesonderte Jobbörsen und „backpacker-fares“ bei den meisten Fluglinien und Busunternehmen. Bei der Akzeptanz der Rucksacktouristen seitens der Einheimischen variiert die Meinung: eine Seite fühlt sich von dem häufig ausgelassenen Lebensstil und erhöhten Alkoholkonsum gestört, während auf der anderen Seite gerade die Arbeitgeber von den Arbeitsqualitäten der ausländischen Belegschaft überzeugt sind. Aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten in Australien stellt das Arbeiten für die meisten Backpacker eine regelmäßige Angelegenheit dar; das Bereisen und Erkunden des Landes, ob allein oder in der Gruppe, steht jedoch im Vordergrund.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Backpacktourismus“ und seiner Bedeutung für die australische Ökonomie. Um der Problematik auf den Grund zu gehen werden im ersten Kapitel die einzelnen Wirtschaftsbereiche näher beleuchtet. Im Anschluss werden die Bedingungen zur Beantragung des Visums und die Entwicklung dieser Tourismussparte dargestellt. Abschließend wird anhand eines Fallbeispiels die Leitfrage geklärt, inwiefern sich der Backpacktourismus auf die Wirtschaft Australiens auswirkt und welche Maßnahmen in Zukunft zur Erhaltung dieses Segments getroffen werden müssen.

2 Australien aus ökonomischer Perspektive

2.1 Allgemeine Daten und Fakten

Der auf der Südhalbkugel gelegene Kontinent Australien ist mit seinen 7.692.024 km2 Fläche die größte Insel der Welt und beheimatet ca. 23 Millionen Menschen (Stand:2013). Damit nimmt Australien fast die Ausmaße des europäischen Kontinents an und wird häufig zu Unrecht als „kleiner Fleck im Süden“ deklariert. Die Hauptstadt ist Canberra, Städte wie Sydney, Melbourne und Perth sind jedoch weitaus bekannter und ziehen jährlich ca. 5.875.000 Besucher (Stand: 2011) an. Seit 1931 wird Australien unabhängig von seinem Mutterland Großbritannien unter einer konstitutionellen Monarchie regiert; einzig die Queen als offizielles Staatsoberhaupt teilen sich die Briten und Australier auch heute noch. (Lamping, H. (1999), S.199ff) Als Währung fungiert der australische Dollar (AU$) und die Amtssprache ist Englisch. (Australian Government Department of Foreign Affairs and Trade, 2013) Trotz der Größe des Landes leben 86% der Bewohner in Küstenregionen, davon 90% an der Ostküste und die restlichen 10% an der Westküste. Diese ungleichmäßige Bevölkerungsverteilung liegt hauptsächlich an Australiens trockenem Klima: regelmäßige Dürreperioden und Buschfeuer machen Australien zu einem der trockensten Kontinente (Löffler, E.; Grotz, R. (1995), S. 32f.). Im Sprachgebrauch wird Australien vereinzelt auch als „Oz" oder „Down Under“ bezeichnet. (arizonas-world, 2003)

2.2 Primäre Wirtschaftssektoren

Bis in die späten 1970er Jahre betrieb Australien ausschließlich mit europäischen und nordamerikanischen Märkten Handel. Nach der Verabschiedung wichtiger wirtschaftlicher Reformen durch die australische Regierung konzentrierte sich der Inselstaat neben den westlichen Märkten auch auf den asiatischen Kontinent. Dieser Schritt machte Australien zu einer der am schnellsten wachsenden und fortschrittlichsten Wirtschaftsnationen. (economywatch, 2010)

Im Jahr 2011 betrug das Bruttoinlandsprodukt (kurz: BIP) 1,38 Billionen US$ (worldbank, Kurs vom 03.06.2013), somit platziert sich Australien unter den Top 12 der erfolgreichsten Wirtschaftsnationen weltweit. (International Monetary Fund, 2012)

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Wirtschaftssektoren dargestellt und erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Diagramm der Reserve Bank of Australia

Der Dienstleistungssektor beschäftigt 74% aller Australier und ist somit der größte Arbeitgeber. Im Jahr 2011 war die Dienstleistungs-sparte mit ungefähr 70% am BIP beteiligt. Zu den wichtigsten Einzelbereichen zählen Finanz-, Immobilien- und Unternehmens-dienstleistungen. (Auswärtiges Amt Deutschland, 2013) Die Branche ist binnen der letzten 40 Jahre kontinuierlich gewach-sen (siehe Grafik, „Services“), von knapp über 50% Beschäf-tigungsanteil am Anfang der 70er Jahre bis zu ca. 74% in der heutigen Zeit. Dies ist zum einen auf die Neuentwicklung von autonomen Arbeitsplätzen nach der Unabhängigkeit von Großbritannien zurückzuführen, aber auch auf die mediale Inwertsetzung und Vermarktung des Landes, um Touristen anzuwerben. Auch die Änderung der Nachfrage beeinflusste die Dienstleistungsbranche: aufgrund der positiven Entwicklung des Durchschnittseinkommens ist die Nachfrage für Dienstleistungen schneller angestiegen als die für materielle Güter. (Reserve Bank of Australia, 2012)

Die Tourismusbranche steht in engem Zusammenhang mit der Dienstleistungsbranche, da viele Dienstleistungen auf die Bedürfnisse der Touristen ausgelegt sind. Laut dem australischen „Department of Resources, Energy and Tourism“ spielte sie dem BIP im Jahr 2011 34,595 Milliarden AUD$ zu und beschäftigt derzeit über 510.000 Menschen. In demselben Jahr besuchten etwa 5.875.00 Touristen das Land, davon über 154.000 aus Deutschland. (Department of Resources, Energy and Tourism, 2011)

Für Backpacker sind die Dienstleistungs- und Tourismusbranchen eher uninteressant, da die Arbeitsplätze unflexibel und folglich von Einheimischen beansprucht werden. Im Norden der Ostküste werden jedoch vereinzelt Backpacker für Kreuzfahrtreisen gesucht, damit die Bedürfnisse der größtenteils internationalen Kunden bestmöglich befriedigt werden.

Im industriellen Sektor sind ca. 21 % aller Beschäftigten tätig. Hotspots sind New South Wales (Eisen- und Stahlerzeugung, Herstellung von Baumaschinen und –zubehör) und das Ballungsgebiet von Melbourne (Automobil- und Maschinenbau). Gerade im Vergleich zum Dienstleistungssektor wirkt die australische Industrie eher klein. (voyagesphotosmanu, 2009) Grund hierfür ist die ausländische Konkurrenz: lohnintensive Arbeiten werden in das asiatische Umland verfrachtet, weil dort zu weitaus günstigeren Konditionen produziert wird. Erkennbar wird dieser Umstand auch an dem lilafarbenen „Manufacturing“ Graphen (siehe Abb.1), der von Anfang 1960 (ca.28%) auf 9% im Jahr 2012 gesunken ist. Die Bauindustrie (roter Graph, „Construction“) beschäftigte über die Jahre hinweg relativ konstant 10% der australischen Arbeiter. Auch die industrielle Branche ist für Backpacker unattraktiv, da meistens umfassende Vorkenntnisse vorausgesetzt werden und die Reisemöglichkeiten durch die Arbeitsplatzbindung eingeschränkt werden.

Mit nur 400.000 Beschäftigten (≙ 4% aller Erwerbstätigen) ist die Landwirtschaft im Vergleich zu den anderen Wirtschaftsbereichen der kleinste Sektor. Dennoch zählt sie zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren Australiens: 80% aller landwirtschaftlichen Produkte werden exportiert, das entspricht einem Drittel der gesamten Exporteinnahmen Australiens. 25% des weltweiten Bedarfs an Wolle wird durch australische Betriebe gedeckt. Australien gehört darüber hinaus zu den wichtigsten Exportländern für Weizen und Fleisch. (Australian Government Department of Agriculture, Fisheries and Forestry, 2012)

Negativ beeinflusst wird die australische Agrarwirtschaft durch den Klimawandel. Aufgrund einer 7 Jahre lang anhaltenden Dürreperiode nahmen sich zahlreiche Bauern im Jahr 2008 das Leben. (Hamburger Abendblatt, 2008)

Trotzdem genießt diese Branche eine hohe Beliebtheit bei den Rucksacktouristen: Backpacker kommen überwiegend aus anderen Ländern und setzen sich das Reisen als Urlaubszweck. Oft haben Sie gerade erst die Schule oder das Studium beendet und suchen kurzweilige Jobs, um das Urlaubsbudget aufzustocken und über die Runden zu kommen. Die Landwirtschaft bietet solche Jobs: Beim „fruit picken“ ist keine umfangreiche Einarbeitung nötig und die Jobs sind zumeist saisonal. Das macht die Arbeit auf der anderen Seite für Australier uninteressant, weil die meisten Pflanzen nur zu bestimmten Zeiten wachsen und daher keine ganzjährige Beschäftigung ermöglicht wird. Folglich herrscht in diesem Bereich eine geringere Konkurrenz am Arbeitsmarkt. Für Backpacker wiederum ist diese Einschränkung unproblematisch, da sie nach abgelaufener Saison ihre Reise fortsetzen können. Die Jobs sind simpel, bei den Einheimischen unbeliebt und über das ganze Land verstreut.

2.3 Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre

Wie in Kapitel 2.2 bereits erwähnt gehört Australien zu den Top 12 der erfolgreichsten Wirtschaftsnationen. Im Asien-Pazifik Raum zählt Australien zu den reichsten Ländern und verzeichnet seit über 20 Jahren ein stetiges wirtschaftliches Wachstum. Haupthandelspartner sind China, Japan, die Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland. (Australian Government Department of Foreign Affairs and Trade, 2013)

Es gibt dennoch Probleme, die das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen: der boomenden Bergwerkindustrie fehlen Arbeitskräfte, Fluglinien und die Tourismusbranche kämpfen mit dem hohen australischen Dollarkurs und den Printmedien und Kaufhäusern macht das neuartige Kaufverhalten der „Generation online“ zu schaffen. Jobs die damals als sicher galten, unter anderem im Bereich des Bankenwesens, Journalismus und Einzelhandels, werden gekürzt. Sinkende Immobilienpreise stellen zwar einen positiven Trend für Kaufinteressierte dar, jedoch tappen diejenigen, die während des Preisanstiegs in Immobilien investiert haben, nun in die Schuldenfalle.

(The Australian Collaboration, 2012)

In dem folgenden Diagramm ist das jährliche Wirtschaftswachstum Australiens und der Weltwirtschaft abgebildet (Wachstum angegeben in%).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Eigene Darstellung unter Verwendung der Kursdaten der World Bank vom 14. Mai 2013

Es wird deutlich dass die australische Wirtschaft ein durchgehend positives Wachstum aufweist. Dabei liegt sie von dem Jahr 2000 – 2004 über dem Niveau der Weltwirtschaft und holt diese im Jahr 2007 wieder ein. Die Weltwirtschaftskrise (kurz: WWK) im Jahr 08/09 hat Australien kaum geschadet. Das liegt vor allem an Chinas ungebremster Nachfrage nach australischen Mineralien und an geschicktem Management. Die ökonomischen Reformen innerhalb der letzten 30 Jahre, wie z.B. Zollsenkungen und Steuerreformen, sorgten für ein starkes Umsatzwachstum und akkumulierten einen deutlichen Haushaltsüberschuss. Die Wachstumsrate der Weltwirtschaft hat sich nach der WWK erheblich gesteigert und liegt seitdem über dem australischen Wert .Die australische Arbeitslosenquote ist von 7% im Jahr 2002 konstant auf knapp über 4% im Jahr 2008 gesunken. Im Zuge der WWK stieg die Arbeitslosenrate auf 6% im Jahr 2009, seitdem stagniert sie bei etwas über 5,5%. (The Australian Collaboration, 2012)

3 Backpacktourismus in Australien

3.1 Visumsbestimmungen

Für die Einreise nach Australien ist ein Visum erforderlich. In dieser Hausarbeit wird nur das sogenannte „working holiday visa“ (kurz: WHV) thematisiert, da es neben dem Reisen auch das Arbeiten ermöglicht. Demnach ist es das typische Backpacker-Visum. Ab dem Datum der ersten Einreise ist das WHV für 12 Monate gültig. Die Visumsbestimmungen geben Aufschluss über das Ziel, welches die australische Regierung mit dem „working holiday program“ (kurz: WHP) verfolgt. In dem folgenden Abschnitt werden die an das Visum geknüpften Bedingungen näher beleuchtet.

Bei der Beantragung muss der „working holiday maker“(kurz: WHM) mindestens 18 Jahre alt sein und darf das 30. Lebensjahr nicht vollendet haben. Darüber hinaus muss man Staatsbürger eines der am Visa Programm teilnehmenden Länder sein und dort seinen ersten Wohnsitz besitzen. Deutschland zählt seit Juli 2000 zu den Teilnehmerstaaten.

(Roll, C. (2008), S.62) Offiziell soll das Reisen während des Aufenthalts im Vordergrund stehen, aufgrund der schweren Nachweisbarkeit der jeweiligen Aufenthaltsplanungen wird diese Bedingung in der Realität allerdings nicht berücksichtigt.

Bei der Einreise muss das Rückflugticket vorgelegt und ein Nachweis über ausreichend finanzielle Mittel von derzeit 5000$AU erbracht werden.

Im Rahmen des WHP darf maximal 6 Monate am Stück bei einem Arbeitgeber gearbeitet werden, danach muss das Arbeitsverhältnis gekündigt werden.

Zu den sonstigen Voraussetzungen zählen die körperliche Gesundheit und ein leeres Vorstrafenregister. Eigene Kinder dürfen nicht mit nach Australien reisen, das Visum gilt nur für den Antragssteller. (Australian Government Department of Immigration and Citizenship, 2013)

Das Visum kann nur einmal im Leben beantragt werden und ist wie anfangs beschrieben für 12 Monate gültig. Jedoch besteht die Möglichkeit auf eine Verlängerung des WHV um ein weiteres Jahr, wenn ein Nachweis über eine mindestens 3 monatige Beschäftigung in einem landwirtschaftlichen Betrieb während des ersten Jahres erbracht wird.

(Australian Department of Immigration and Citizenship, 2013)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Bedeutung des Backpack-Tourismus für Australien
Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V231345
ISBN (eBook)
9783656478461
ISBN (Buch)
9783656478829
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Australien, Backpacker, Backpacking, Wirtschaft, Tourismus, Backpack-Tourismus, Australien-Backpack
Arbeit zitieren
Benedict Sprock (Autor), 2013, Ökonomische Bedeutung des Backpack-Tourismus für Australien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231345

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