Diese Arbeit versteht sich als legitime Übung im Rahmen eines Hauptseminares der Geschichtswissenschaften im Sinne einer methodischen wie begrifflichen Einarbeitung in die Transformationstheorie, die sich als Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels anbietet.
Die Transformationstheorie beansprucht „ein generalisierbares Modell für die Erforschung historischen Wandels anzubieten“, in dem „die in den Geisteswissenschaften eingebübten Verfahren historischer Rekonstruktion – wie z.B. die Rezeptionsforschung, die Diskursanalyse, die historische Hermeneutik – zu integrieren“ sind. Terminologisch zentral findet sich der Neologismus Allelopoiese innerhalb der Transformationskonzeption. Er beschreibt eine dynamische, wechselseitige Bedingtheit zweier chronologisch divergierender Kulturräume. Diese treten sich mitunter über weite Zeiträume in dem Verhältnis von Referenzkultur und Aufnahmekultur gegenüber.
Im praktischen, die Theorie zur Anwendung bringenden Teil wendet sich diese Arbeit der Aristoteles-Rezeption im Mittelalter als Transformation auf der Mikroebene zu. Konkret analysiert sie die Aristoteles-Rezeption bei Thomas von Aquin und versucht diese in eine Typologisierung im Rahmen der Transformationstheorie zu überführen.
Inhalt
1 Einleitung
2 Transformationstheorie
2.1 Konzept und Grundbegriffe
2.2 Transformation im Mittelalter
3 Aufnahme- und Referenzkultur
3.1 Die geistige Landschaft im 12. und 13. Jahrhundert
3.2 Das mittelalterliche Erkenntnisideal
3.3 Theologie und Philosophie
4 Transformation in Hinblick auf die Referenzkultur
4.1 Übersetzungen: Aristoteles' langer Weg ins lateinische Mittelalter
4.2 Corpus aristotelicum: Beschaffenheit und Qualität
5 Transformation in Hinblick auf die Aufnahmekultur
5.1 Thomas von Aquin: Werk und Ziele
5.2 Allelopoietische Verschmelzung: Assimilation der Antike
6 Abschlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Kernkonzept der Transformationstheorie?
Die Theorie bietet ein Modell zur Erforschung kulturellen Wandels, indem sie historische Rezeption, Diskursanalyse und Hermeneutik integriert.
Was bedeutet der Begriff "Allelopoiese"?
Allelopoiese beschreibt die dynamische, wechselseitige Bedingtheit zweier zeitlich getrennter Kulturräume, etwa einer Referenzkultur und einer Aufnahmekultur.
Wie rezipierte Thomas von Aquin die Werke von Aristoteles?
Thomas von Aquin führte eine "allelopoietische Verschmelzung" herbei, indem er die antike Philosophie des Aristoteles in das mittelalterliche christliche Denken assimilierte.
Welche Rolle spielten Übersetzungen für diese Transformation?
Die Arbeit untersucht Aristoteles' "langen Weg" ins lateinische Mittelalter durch Übersetzungen, die die Beschaffenheit und Qualität der Rezeption beeinflussten.
Was war das mittelalterliche Erkenntnisideal in Bezug auf die Antike?
Es bestand ein Spannungsfeld zwischen Theologie und Philosophie, wobei die Antike als Referenzkultur diente, um das eigene Weltbild zu schärfen und zu erweitern.
- Arbeit zitieren
- Bert Bobock (Autor:in), 2013, Assimilation und Allelopoiese. Die Aristoteles-Rezeption bei Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231362