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Gender Mainstreaming oder Gender Manstreaming?

Geschlechtergerechtigkeit in der öffentlichen Verwaltung zwischen politischem Konstruktivismus und individuellem Erleben

Title: Gender Mainstreaming oder Gender Manstreaming?

Master's Thesis , 2011 , 71 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frank Richter (Author)

Gender Studies
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Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein zentrales Anliegen in demokratischen Gesellschaften. Auch in der öffentlichen Verwaltung wurde und wird bei allen politischen Aktivitäten zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit unterstellt, Frauen seien im Arbeitsalltag wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Aber hat das, was als Benachteiligung aufgrund des Geschlechts empfunden wird, überhaupt mit dem Geschlecht zu tun? Hängt es mit den gesellschaftlichen Strukturen zusammen, liegt es an „den Männern“ oder benachteiligen sich „die Frauen“ am Ende gar selbst? Was kann die Politik tun, um daran etwas zu ändern? Inwieweit ist es der Politik überhaupt möglich, durch konstruierte Regeln und Gesetze tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit herzustellen?

Die Arbeit untersucht unter Zugrundelegung eines konstruktivistischen Wissenschaftsverständnisses, unter welchen gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen das staatliche Ziel der tatsächlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern verfolgt wird und welche Effekte sich daraus ergeben. Dies wird sowohl aus einer Innenperspektive im Hinblick auf die Situation der Beschäftigten als auch aus einer Außenperspektive im Hinblick auf das Verwaltungshandeln betrachtet.

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Inhaltsverzeichnis

I. Fragestellung und Gliederung der Arbeit

II. Geschlechtergerechtigkeit als konstruierter Anspruch

1. Was ist Geschlecht?

1.1. Soziale Konstruktion von Geschlecht

1.2. Dekonstruktion von Geschlecht als politische Aufgabe

2. Was ist Gerechtigkeit?

3. Geschlechtergerechtigkeit braucht Chancengleichheit!

4. Tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit als politisches Ziel

5. Gemessene und gefühlte Geschlechtergerechtigkeit

5.1. Weshalb gibt es einen Gender Pay Gap im öffentlichen Dienst?

5.2. Geschlechtsspezifische Diskriminierung oder „doing gender“?

III. Politische Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter

1. Antidiskriminierungsstrategie

2. Frauenförderung

3. Gender Mainstreaming

3.1. Gender Mainstreaming als aktuelle politische Gleichstellungsstrategie

3.2. Schwierigkeiten im Umsetzungsprozess

IV. Die Innenperspektive – Situation der Beschäftigten

1. Die Verwaltung hat ein Geschlecht

1.1. Männerbündische Arbeits- und Organisationskultur

1.2. Betriebliche Negativität und „organisationale Mussturbation“

2. Beispiel Niedersächsische Landesverwaltung

2.1. Niedersächsisches Gleichberechtigungsgesetz (NGG)

2.2. Aktuelle Evaluation des NGG

2.3. Novellierung des NGG

3. Schlechtere Beurteilung von Teilzeitbeschäftigten

V. Die Außenperspektive – Beispiel Grundsicherung für Arbeitsuchende

1. Kritik an zentralen Konstruktionen im SGB II

1.1. Stärkung des männlichen Ernährermodells

1.2. Politisch gewolltes Konstrukt der Bedarfsgemeinschaft

1.3. Aktivierungspraxis

2. Mögliche handlungsbeeinflussende Faktoren

2.1. Politischer Umgang mit selbstkonstruierten Widersprüchen

VI. Handlungsoptionen

1. Akzeptanzerhöhung durch Strategiewechsel

1.1. Männer stärker in den Blick nehmen

1.2. Am Führungsverhalten ansetzen

2. Umorientierung im Verwaltungshandeln am Beispiel des SGB II

2.1. Vermittlung von Gender-Kompetenz

2.2. Überwindung des männlichen Ernährermodells

VII. Fazit und Ausblick

VIII. Schlussgedanken

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem staatlichen Ziel der tatsächlichen Geschlechtergerechtigkeit in der öffentlichen Verwaltung und dem individuellen Erleben der Beschäftigten. Dabei wird analysiert, inwieweit staatlich konstruierte Normen auf die reale Arbeitswelt treffen und welche Hindernisse bei der Umsetzung von Gleichstellungsstrategien, insbesondere durch Gender Mainstreaming, bestehen.

  • Konstruktivistische Perspektive auf Geschlecht und Gerechtigkeit
  • Analyse der Gleichstellungspolitik in der öffentlichen Verwaltung
  • Herausforderungen durch männerbündische Organisationskulturen
  • Implementierung von Gender Mainstreaming in der Praxis
  • Kritische Würdigung der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II)

Auszug aus dem Buch

II. Geschlechtergerechtigkeit als konstruierter Anspruch

Zunächst soll erläutert werden, weshalb es tatsächliche oder objektive Geschlechtergerechtigkeit gar nicht geben kann und es dem Staat demzufolge auch nicht möglich ist, sie zu fördern oder gar herzustellen. Geschlechtergerechtigkeit an sich ist weder Subjekt oder Objekt, sondern lediglich ein Begriff bzw. eine Zustandsbeschreibung. Ernst von Glasersfeld führt dazu aus:

Eine Beschreibung wird als “objektiv” bezeichnet, wenn sie eine Sachlage so beschreibt wie sie in einer vom Beobachter unabhängigen Realität postuliert wird. Objektivität in diesem Sinn ist (…) die Illusion, dass Beobachtungen ohne Beobachter (erlebendes Subjekt) gemacht werden könnten. Wir mögen eine Realität wohl auf Grund unserer Erfahrungen postulieren, doch dass diese Realität eine von uns unabhängige Welt wahrheitsgetreu widerspiegelt, ist eine unlautere Annahme. Unsere Vorstellungen sind einerseits durch die Eigenschaften unserer Sinne und andererseits durch die von uns geschaffenen Begriffe bestimmt.

Im Gegensatz zu einer “subjektiven” Beschreibung soll eine “objektive” keine persönlichen, individuellen Aspekte enthalten. Da wir aber nicht aus unserem eigenen Erfahrungsbereich aussteigen können, kann der Versuch, uns die Erfahrungen anderer vorzustellen, nur relativ erfolgreich sein. Obschon wir durch sprachliche Interaktion herausfinden können, was der/die andere über den betreffenden Sachverhalt sagt, bleibt die Interpretation des Gesagten doch eine an unseren subjektiven Erfahrungsbereich gebundene Auslegung. Das heißt, unsere Vorstellungen der Vorstellungen anderer sind notgedrungen hypothetisch.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Fragestellung und Gliederung der Arbeit: Einführung in die Thematik der Geschlechtergleichstellung im öffentlichen Dienst und Zielsetzung der Arbeit.

II. Geschlechtergerechtigkeit als konstruierter Anspruch: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus, dem Begriff der Gerechtigkeit und der Bedeutung von Chancengleichheit.

III. Politische Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter: Analyse von Antidiskriminierung, Frauenförderung und Gender Mainstreaming als Instrumente staatlicher Gleichstellungspolitik.

IV. Die Innenperspektive – Situation der Beschäftigten: Untersuchung der verwaltungsinternen Strukturen, Kultur und die Auswirkungen auf Teilzeitbeschäftigte am Beispiel der niedersächsischen Landesverwaltung.

V. Die Außenperspektive – Beispiel Grundsicherung für Arbeitsuchende: Kritische Analyse des Verwaltungshandelns nach SGB II und dessen Einfluss auf Geschlechterverhältnisse.

VI. Handlungsoptionen: Aufzeigen von Wegen zur Akzeptanzerhöhung und zur Umorientierung im Verwaltungshandeln sowie zur Überwindung des Ernährermodells.

VII. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der bisherigen Gleichstellungspolitik und Ausblick auf notwendige strukturelle Änderungen.

VIII. Schlussgedanken: Reflektion über die Implementierung von Gender-Konzepten in der öffentlichen Verwaltung.

Schlüsselwörter

Gender Mainstreaming, Geschlechtergerechtigkeit, öffentliche Verwaltung, Konstruktivismus, Chancengleichheit, Frauenförderung, SGB II, Bedarfsgemeinschaft, männliches Ernährermodell, doing gender, Arbeitskultur, Gleichstellungsgesetz, Verwaltungsreform, Teilzeitbeschäftigung, Diskriminierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch das Spannungsfeld zwischen den staatlich verordneten Anforderungen an Geschlechtergerechtigkeit und dem tatsächlichen Arbeitsalltag in der öffentlichen Verwaltung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit deckt Themen wie die soziale Konstruktion von Geschlecht, die Funktionsweise staatlicher Gleichstellungsinstrumente, bürokratische Organisationskulturen und die praktische Anwendung von SGB II-Regelungen ab.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwieweit staatliche Institutionen durch Gesetze und konstruierte Regeln tatsächlich Geschlechtergerechtigkeit herstellen können, oder ob diese lediglich ein unerreichbares Konstrukt bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen konstruktivistischen Forschungsansatz, um die Differenz zwischen politischem Anspruch und subjektivem Erleben in der Verwaltung zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Innenperspektive, die die Situation der Beschäftigten beleuchtet, und eine Außenperspektive, die das Verwaltungshandeln im Bereich der Grundsicherung (SGB II) kritisch hinterfragt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Gender Mainstreaming, Konstruktivismus, Ernährermodell, Bedarfsgemeinschaft und Chancengleichheit.

Wie bewertet der Autor das Niedersächsische Gleichberechtigungsgesetz (NGG)?

Der Autor begrüßt den Richtungswechsel hin zur Einbeziehung männlicher Bedürfnisse, äußert jedoch Skepsis gegenüber dem Aufweichen der landesweiten 50%-Quote zur Definition von Unterrepräsentanz.

Warum problematisiert der Autor die Bedarfsgemeinschaft im SGB II?

Die Konstruktion der Bedarfsgemeinschaft verfestigt laut Autor das männliche Ernährermodell und schafft Fehlanreize, die insbesondere Frauen in finanzielle Abhängigkeit führen können.

Welchen Einfluss haben "männerbündische Strukturen" auf Frauen in der Verwaltung?

Diese Strukturen fördern informelle Spielregeln, die ständige Verfügbarkeit privilegieren, was den Aufstieg von Frauen, die oft Sorgearbeit leisten, erschwert.

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Details

Title
Gender Mainstreaming oder Gender Manstreaming?
Subtitle
Geschlechtergerechtigkeit in der öffentlichen Verwaltung zwischen politischem Konstruktivismus und individuellem Erleben
College
Berlin School of Economics and Law  (Fernstudieninstitut)
Course
Soziologie - Verwaltungswissenschaften
Grade
1,0
Author
Frank Richter (Author)
Publication Year
2011
Pages
71
Catalog Number
V231368
ISBN (eBook)
9783656484714
ISBN (Book)
9783656485575
Language
German
Tags
Geschlechtergerechtigkeit Konstruktivismus Frauenförderung Ernährermodell Rawls von Glasersfeld Gender Pay Gap Chancengleichheit Verwaltungshandeln SGB II Bedarfsgemeinschaft Gleichstellung doing gender Aktivierungspraxis Niedersächsisches Gleichberechtigungsgesetz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Richter (Author), 2011, Gender Mainstreaming oder Gender Manstreaming?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231368
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