Die Entwicklung der deutschen Aluminiumindustrie bis Anfang der 1920er Jahre


Studienarbeit, 2009

27 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund
2.1. Entdeckung und erste Produktionsschritte
2.2. Entwicklung bis 1914
2.3. Technikbegeisterung im Kaiserreich
2.4. Aluminiumversorgung vor dem Krieg

3. Aluminium im Krieg
3.1. Kriegswirtschaft und Mobilmachung
3.2. Die Kriegsrohstoffabteilung (KRA)
3.3. Kriegsmetallgesellschaft
3.4. Maßnahmen zur Produktionssteigerung

4. Nachkriegszeit
4.1. Von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft
4.2. Die Entwicklung bis in die 20er Jahre

5. Fazit

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit dem Aufbau der deutschen Aluminiumindustrie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 20er Jahre beschäftigen. Besonderer Fokus liegt auf den wirtschaftlichen Konzepten und Verbänden, die den Übergang von der Marktwirtschaft zur Planwirtschaft kennzeichnen.

Wie wichtig war die Aluminiumindustrie für die deutsche Wirtschaft und welchen Stellenwert hatte sie als Zukunftstechnologie im Kaiserreich? Wie haben sich die Produktionsverhältnisse im Reich geändert und wer war am Aufbau der neuen Industrien beteiligt? Welche Bedeutung maß man den im Krieg entstandenen Werken für die Friedenswirtschaft bei und plante man voraus? Wie kam es, dass der Staat alle Verantwortung für die ehemaligen Kriegsindustrien übernahm und viele Unternehmen in Staatsbesitz übergingen?

Um die Bedeutung des neuen Werkstoffs zu verdeutlichen, beginne ich meine Darstellung mit einer Übersicht über die Entstehungsgeschichte und die Anfänge der Produktion. Dabei werde ich auch die Problematik behandeln, dass sich zu Beginn der industriellen Aluminiumproduktion nur eine kleine Produktionsstätte auf Reichsgebiet befand. Ein meiner Meinung nach weiterer wichtiger Aspekt bei der Beurteilung der Aluminiumindustrie ist die Einstellung gegenüber neuen Technologien im Kaiserreich. Diese verdeutlicht das Vertrauen in die sogenannten Zukunftstechnologien. Wieso investierten so viele Unternehmer in das neue Produkt, obwohl sich anfangs kein Markt finden ließ? Während des Krieges kam es dann innerhalb des Reiches zu einer Umstellung der Wirtschaft und auch der Industrie. Eine erste Verstaatlichung von Schlüsselindustrien und die Einrichtung neuer Verwaltungsorgane kennzeichnen die Zeit des Ersten Weltkrieges. Dank der Zentralisierung von Rohstoffbeschaffung, Verteilung und der Verwaltung und Planung neuer Industrieobjekte versuchte die Reichsregierung dem Mangel während des Wirtschaftskrieges entgegen zu wirken. Es scheint nicht ganz nachvollziehbar, welche Bedeutung die Reichsregierung der Aluminiumindustrie zuordnete.

Große Mengen Geld wurden investiert, um eine neue staatliche Industrie zu schaffen. Die Mitarbeit der privaten Unternehmen war dabei aber von erheblicher Bedeutung. Nach dem Krieg änderte sich die Lage jedoch und die Unternehmen verließen die staatlichen Korporationen und wandten sich wieder mehr profitorientierten Geschäften zu. Im Laufe der 20er Jahre wurde die Aluminiumindustrie weiter verstaatlicht und mit der Vereinigten Aluminiumwerke AG ein Industriekomplex geschaffen, der primär nicht auf Gewinn, sondern auf die Sicherung der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtet war. Ob dieses Vorhaben der neuen Reichsregierung gelang wird zu untersuchen sein.

2. Historischer Hintergrund

2.1. Entdeckung und erste Produktionsschritte

Aluminium kommt in der Natur in Metallform nicht vor.[1] Es dauerte bis 1825, bis es gelang, Aluminium in Metallform nachzuweisen. Obwohl es eines der häufigsten Metalle der Erde ist und 7,57 Massenprozent der Erdkruste ausmacht, war es lange Zeit dank seiner natürlichen Eigenschaft, nur in Verbindungen mit anderen Elementen aufzutreten, unerkannt geblieben.[2] Für die industrielle Gewinnung von Aluminium sind weltweit zwei Lagerstätten bedeutend. Zum einen ist es das auf Grönland vorkommende Kryolith und zum anderen die Bauxitvorkommen in Südfrankreich. Eine kleine Bauxitlagerstätte gab es auch in Ungarn.[3] Bauxit war für die moderne Aluminiumgewinnung essentiell und damit ein Rohstoff den fast alle Staaten importieren mussten. Daneben sind Aluminiumverbindungen noch in einigen Edelsteinen als farbiger, oxider Kristall vorhanden.

Eine Isolierung Aluminiums wurde erst mit dem Fortschritt der technischen Mittel möglich. Zwar wurden Aluminiumverbindungen (Tonerde) schon im Mittelalter, wenn auch unwissentlich, für die Gerberei benutzt. Aber erst im 18. Jahrhundert wurde Genaueres über die Verbindungen herausgefunden. Dank verbesserter qualitativer und quantitativer chemischer Analysen konnte nach und nach geklärt werden, welches Element sich in der Tonerde verbarg. 1809 gelang es Humphry Davy nach der erfolgreichen Isolation der Elemente Natrium, Kalium, Calcium, Barium und Magnesium zwar nicht, Aluminium zu isolieren, doch benannte er das neue Element. Der Name ist eine Anlehnung an das lateinische Wort „alumen“ und findet sich im mittelalterlichen Stoff Alaun wieder. Letztendlich gelang es dem Dänen Hans Christian Oersted, Aluminium aus Aluminiumchlorid zu isolieren.[4]

Mit der „Zweiten Industriellen Revolution“ ab den 1880er Jahren, die auf den naturwissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen und Versuchen, die zwischen 1859-1874 gemacht worden waren, basierte, wurde ein nachhaltiger Wandel in der Chemie und Elektrotechnik eingeleitet.

Friedrich Wöhler, einem deutschen Chemiker, gelang es 1827 als Erstem, Aluminium in kleinen Mengen herzustellen.[5] Im Jahre 1845 stellte er die ersten Metallkügelchen her. Eine industrielle Bedeutung lag damals noch in weiter Ferne, da die Herstellung viel zu aufwendig und mühsam war.

Erst durch die Beschreibungen und Experimente des Franzosen Henri Sainte-Claire-Deville wurde eine industrielle Nutzung in Erwägung gezogen. Ihm war es 1854 eher zufällig gelungen, die ersten größeren Metallstücke herzustellen. Zudem hatte er seine Ergebnisse detailliert festgehalten und veröffentlicht.[6] Er erkannte sowohl die hohe Dehnbarkeit, die das Walzen erleichterte, als auch das niedrige spezifische Gewicht und die Korrosionsunempfindlichkeit sowie die Fähigkeiten als Wärmeleiter. Deville entwickelte in den Jahren 1854-57 die Aluminiumchloridsynthese, mit der die Isolation des Stoffes in relativ hohem Reinheitsgrad erreicht werden konnte. Schon 1855 wurde Aluminium auf der Weltausstellung in Paris als Silber-Lehm präsentiert.[7]

Das von Deville entwickelte Aluminiumgewinnungsverfahren blieb bis 1889 das einzige zur industriellen Herstellung. Danach wurde es durch das Hall-Héroult-Verfahren der Schmelzelektrolyse abgelöst. Problematisch bei der Herstellung von Aluminium mittels elektrischer Verfahren waren die mangelnden Stromquellen.[8]

Das Hall-Héroult-Verfahren war simultan vom Amerikaner Charles Martin Hall und dem Franzosen Paul Toussaint Héroult entwickelt worden. Es war nicht besonders innovativ, aber den Beiden gelang die wirtschaftliche Vermarktung. Aufgrund der hohen Produktionskosten, welche durch den hohen Stromverbrauch bedingt waren, war die Umsetzung der neuen Methode trotzdem kompliziert. Eine weitere Schwierigkeit war, dass sich bisher kein wirklicher Absatzmarkt für das neue Metall gefunden hatte. Zu Beginn produzierte man quasi ins Blaue hinein.[9]

Eine gewisse Vorreiterrolle in der Aluminiumproduktion kommt Frankreich zu. Hier entstanden dank der großen Unterstützung durch Napoleon III. die ersten Aluminiumproduktionsstätten. Das leichte Metall wurde für Modeschmuck, Pokale, Vasen, Leuchter und diverse andere Luxusgüter des Großbürgertums verwendet. Auch einige wissenschaftliche Instrumente und Dinge, bei denen es auf ein möglichst geringes Gewicht ankam, wurden aus Aluminium hergestellt. Die gewünschte militärische Nutzung blieb längere Zeit erfolglos.[10] Mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Aluminium erschwerten die Verarbeitung. Die Industrien hatten keine Erfahrungen im Schweißen, Gießen, Walzen, Drehen, oder Schneiden. Zudem gab es bisher keine Spezialgeräte.[11]

2.2. Entwicklung bis 1914

Die vier ersten aluminiumproduzierenden Unternehmen waren die Aluminium-Industrie-Aktiengesellschaft (AIAG) Neuhausen mit der Fabrik in Heuhausen am Rheinfall, Sociéte Electro-Métallurgique Francaise, Sociéte Industrielle de l’Aluminium et des Alliages in den Savoyen und die Pittsburgh Reduction Company. Alle wurden mit Wasserkraft betrieben, denn nur so konnte man eine ausreichende Stromversorgung garantieren.[12] Von den ersten Aluminiumwerken befand sich keines auf dem Gebiet des deutschen Kaiserreiches, auch wenn deutsche Firmen an mehreren Anlagen beteiligt waren.

1888 gründeten die AEG (Allgemeine Elektricitätsgesellschaft) und andere deutsche Gesellschaften die AIAG in Neuhausen in der Schweiz. Die Deutschen wollten ihre Kapazitäten vergrößern und wurden ebenfalls neue Investoren bei der Reduction Company in Pittsburgh.

Die Anfänge der Aluminiumindustrie sind gekennzeichnet durch Firmenkonsortien. Dies hatte verschiedene Gründe: Zum Beispiel konnte so eine Marktzusammenführung erreicht werden, wie bei der Zusammenarbeit von französischen, schweizerischen und deutschen Firmen bei der AIAG. Es konnten Erfahrungen im Bau der elektrischen Anlagen wie Turbinen ausgetauscht werden und man konnte sich wissenschaftlich und fachlich beraten.[13]

Ende des 19. Jahrhunderts verhinderten der immer noch relativ hohe Preis und die schlechten Verarbeitungsbedingungen für Reinaluminium eine schnelle Expansion der Branche. Erst mit der Durchsetzung des Hall-Héroult-Verfahrens in industriellem Maßstab, das 1889 zuerst in Neuhausen unter Beteiligung der AEG angewandt wurde, verbesserten sich die Produktionsbedingungen.[14] Die AEG, die einen Großteil der AIAG-Aktien besaß, sah in der Aluminiumbranche einen vielversprechenden Abnehmer elektrischer Maschinen und investierte deswegen viel in die neue Industrie.[15] Letztendlich wurde durch das von Werner von Siemens entwickelte dynamoelektrische Prinzip und der daraus resultierenden Fortschritte in der Starkstromtechnik eine Verbesserung auf dem Feld der Stromerzeugung erreicht und damit die Aluminiumproduktion verbilligt.[16]

Der anfangs hohe Kilogrammpreis für Aluminium machte es lange Zeit zu einem Metall für Luxusgüter.[17] Doch 1896 war die Produktion im Vergleich zu 1890, verzehnfacht worden und lag, mittlerweile bei 1790t im Jahr. Der Preis war von 1890 wo er noch bei 27,60Mark/kg lag auf 2,60M/kg im Jahr 1896 gesunken. Die Elektrifizierung schritt weiter voran und die flächendeckende Versorgung mit Strom ebenfalls. Zudem hatten sich neue Absatzmärkte ergeben. So kauften unter anderem Preußen und Russland mehrere Ausrüstungsgegenstände der Armee nun in der Aluminiumausführung. Besonders bedeutend war allerdings die Luftfahrt. Aluminium wurde von vielen Luftfahrtpionieren benutzt. Es gab zum Beispiel den Versuch, ein starres Luftschiff aus Aluminiumplatten zu bauen. Auch Zeppelinteile wurden aus Aluminium gefertigt.

Weltweit war die Produktion im Jahre 1905 auf 11.500t/Jahr gestiegen. Im Jahr 1897 waren es 3.400t/Jahr und 1900 7.800t/Jahr gewesen. Wichtig dabei ist, dass die Anzahl der Produzenten sich nicht veränderte. Viele aluminiumproduzierenden Firmen hatten in ihren Heimatländern eine Monopolstellung.[18]

Obwohl dank der guten Zusammenarbeit zwischen elektrischer und technischer Branche die Produktionszahlen gesteigert werden konnten, standen die privaten Verbraucher dem neuen Material weiterhin kritisch gegenüber.[19] Um dem entgegen zu wirken, gab es im Jahr 1890 die erste Werbebroschüre für das neue Metall, welche von der AIAG herausgegeben wurde. Zudem versuchte man mit niedrigen Preisen, die unter den eigentlichen Produktionskosten lagen, die Nachfrage anzukurbeln und Industrien zu Versuchen mit Aluminium anzuregen. Die AIAG bot sogar Lehrgänge für Industrielle an, um das Interesse an ihrem neuen Produkt zu wecken. Von Angehörigen des Werkes und des Konzerns wurden Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. Das Werk in Neuhausen produzierte die für die Aluminiumproduktion benötigten Spezialtiegel, um sie an Firmen zu verkaufen, die keine Erfahrungen in der Produktion hatten. Später kam es sogar so weit, dass Aluminium unter Kostenbeteiligung der Werke verkauft wurde, da man hoffte, den Absatz zu steigern und Aluminium als einen Ersatzstoff für Kupfer und Zinn zu etablieren.

Bis zur Jahrhundertwende lässt sich ein stetiges, wenn auch langsames Branchenwachstum feststellen. Neben militärischen Gegenständen wurden auch Haushaltsgegenstände, medizinische Instrumente, Folien und besonders wichtige elektrische Kabel aus Aluminium hergestellt. Die deutsche Post legte als erste Telefonkabel aus Aluminium.[20]

Nach der Markttheorie von Ernst Heuß aus dem Jahre 1965 gliedern sich alle Produktionsentwicklungen in vier Phasen: In der Experimentierungsphase muss das Produkt noch ausreifen und ein geeigneter Markt gefunden werden. Die spezifische Nachfrage ist nicht gegeben. Auf diese folgt die Expansionsphase, in welcher es zu einer sich rasch ausweitenden Nachfrage kommt. In der Ausreifungsphase passt sich das Produkt dem Markt weiter an und entwickelt einen festen Konsumentenkreis. Die letzte Phase ist die Stagnationsphase, in der sich keine weiteren Verbesserungen und Neuerungen einstellen. Das Zukunftsprodukt Aluminium befand sich 1914 immer noch in der Expansionsphase. Mit der Entwicklung verbanden sowohl die Investoren als auch die breite Öffentlichkeit große Hoffnungen, welche unter dem Aspekt der technischen Entwicklung und der Erschließung neuer Märkte zu sehen sind.[21]

1901 gründeten europäische und kanadische Aluminiumhersteller die „Aluminium-Associacion“, welche über Mindestpreise, Produktionsquoten und Weltmarktaufteilung bestimmte. Der Zusammenschluss in Kartellen wie im Falle der Aluminiumindustrie war ein typisches wirtschaftliches Vorgehen in der Zeit um die Jahrhundertwende. Korporative Tendenzen waren allerdings in der Aluminiumindustrie besonders stark ausgeprägt.[22] Der Zusammenschluss zwischen den USA, Kanada, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Österreich-Ungarn hatte bis zum Ersten Weltkrieg Bestand und das Kartell konnte zur Verbesserung der Qualität und Preissenkung beitragen.[23] So kostete Aluminium 1908 nur noch 1,30M/kg.[24] Zur Verbesserung der Qualität wurden immer mehr Legierungen verwendet. Der Deutsche Alfred Wilm entwickelte 1906 bis 1909 eine Aluminiumlegierung mit Kupfer-, Mangan- und Magnesiumzusätzen. Das sogenannte Duralumin brachte endlich den Durchbruch des Metalls in der Luftschifffahrt und im Flugzeugbau. Die Luftschiffe waren es letztendlich auch, die die Begeisterung für das neue Metall im Volk entzündeten.[25]

In Aluminium sah man, im Gegensatz zu Eisen und Stahl, einen modernen Werkstoff. Anders als mit der Schwerindustrie, wurde mit Aluminium eine saubere, effiziente und elegante Produktionsweise verbunden, die einen Schritt in die Zukunft bedeutete. War das 19. Jahrhundert noch das Zeitalter der Schwerindustrie, sollte das 20. Jahrhundert das Aluminium-Zeitalter werden. Die Hoffnungen, die sich mit dem neuen Metal verbanden, waren hoch, doch konnten sie nie wirklich erfüllt werden. Zwar entwickelte sich Aluminium zu einem bedeutsamen Metall in der Herstellung von Massenware, doch war es bis dahin ein weiter Weg. Anfang des 20. Jahrhunderts und im Ersten Weltkrieg wurden in Deutschland die Grundlagen der erfolgreichen Produktion geschaffen.[26]

2.3. Technikbegeisterung im Kaiserreich

Die Investitionsbereitschaft der Aluminiumhersteller gründete sich auf die Hoffnung, bei der erwarteten späteren Expansion der Branche zu profitieren. Es wurde viel spekuliert, da es Anfang des Jahrhunderts einen großen Glauben an die Technik gab.[27]

Durch das Engagement des Kaisers in technischen Belangen kam es innerhalb der Bevölkerung zu einem zunehmenden Interesse an diesen Themen. Wilhelm II. hatte zur Salonfähigkeit der modernen Wissenschaften beigetragen. Seine öffentlichen Ehrenauszeichnungen für Ingenieure und Wissenschaftler ließen diese im gesellschaftlichen Ansehen steigen. Für den Kaiser war das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Wissenschaft und Technik und stand im Gegensatz zum philosophisch geprägten 19. Jahrhundert.

Die Menschen; DIE Wilhelm als Vorbild für den idealen Deutschen sahen, orientierten sich an ihm. Um diese Abhängigkeit des Volkes zu verstehen, ist es wichtig, sich das Herrschaftsbild Wilhelms anzugucken. Für ihn waren seine persönlichen Interessen und Handlungen nicht von der Staatspolitik zu trennen. Er führte ein absolutistisches Regiment und war, was seine Idee von Adel anging, sehr traditionsverhaftet. So wurde Reichspolitik zu persönlichem Interesse. Auf ihn projizierten sich Hoffnungen und Wünsche der ganzen Nation, daher auch sein Vorbildcharakter.

Wilhelm sah die Technik jedoch auch als ein Instrument seiner Herrschaft und vertrat die Ansicht, dass sie zur Festigung des deutschen Weltmachtanspruchs ein geeignetes Mittel sei.

Auf der einen Seite brachten neue Verkehrswege die Menschen und Reichsteile näher zueinander und auf der anderen förderten die sehr gut ausgebildeten Ingenieure den Ruhm Deutschlands. Die Förderung der Naturwissenschaften, der Technik und der Industrie wurden in Hinblick auf die Festigung der Hegemonialstellung des Reiches betrieben. Das Bestreben des Kaisers lag darin, gemachte Innovationen im Land zu halten und die gute industrielle Basis auszubauen. Teil des „Technologieprogramms“ war die Errichtung technischer Hochschulen und Oberrealschulen. Doch auch die Bildungspolitik stand nicht allein im Zeichen der technischen Erziehung, sondern war ebenfalls mit der Groß- und Weltmachtpolitik Wilhelms verbunden. Machtpolitisch war die technische Entwicklung des Reiches extrem wichtig, konnte man doch so die eigene Überlegenheit demonstrieren und Stärke beweisen.

Trotz des großen Interesses des Kaisers an der technischen Entwicklung einiger Industrien und seines Bestrebens, die Oberrealschulen den humanistischen Gymnasien gleichzustellen, kann man nicht sagen, dass er auf einzelne Projekte eingewirkt hat. Er informierte sich immer gut über seine Steckenpferde, wie zum Beispiel den Schiffsbau und die Funktechnik, doch ignorierte er andere wichtige Innovationen der Zeit völlig. Die Marine war in Hinsicht auf die Rüstungspolitik von besonderer Bedeutung und damit auch für die Großmachtansprüche.

Die guten Kontakte, die der Kaiser mit bedeutenden industriellen Familien wie den Krupps pflegte, waren gleichermaßen politisch motiviert. Wilhelm sah die großen Firmen beinahe als Staatsunternehmen und garantierte im Gegenzug Privilegien. Ein englischer Journalist bezeichnete den Kaiser einmal als „Generaldirektor der Firma Deutschland GmbH“.[28]

2.4. Aluminiumversorgung vor dem Krieg

1901 war das Deutsche Reich der größte Verbraucher und Verarbeiter von Aluminium in Europa und das, obwohl es im Reichsgebiet außer eines kleinen AIAG-Zweigwerkes in Baden keine Aluminiumwerke gab. Dies sollte sich allerdings ändern. Das Frankfurter Unternehmen Chemische Fabrik Griesheim-Elektron und die Metallurgische Gesellschaft AG beschlossen, eine gemeinsame Fabrik für Leichtmetall zu gründen. Die einen brachten Erfahrungen in der Elektrochemie, die anderen im internationalen Metallhandel mit. Die Energieversorgung sollte durch Kohlestrom sichergestellt werden. Die Pläne wurden jedoch aufgrund des Konjunkturrückgangs und den Überkapazitäten der internationalen Aluminiumwerke nie verwirklicht.[29]

Bis 1914 war Deutschland zwar ein bedeutender Aluminiumverbraucher, produzierte aber weiterhin nicht selbst. Die Hüttenindustrie wurde während des Krieges stark subventioniert und somit konnte eine Rohaluminiumproduktion aufgebaut werden. Der wichtige Rohstoff Bauxit musste immer importiert werden.[30]

Aluminium wurde immer mehr als Ersatzstoff und „Sparmetall“ in der Rüstungsindustrie eingesetzt und die Nachfrage stieg.[31] Es wurde in der Kriegswirtschaft im Flugzeug- und Luftschiffbau, im Kraftwagenbau, für Geschossen, Zünder, Trinkbechern, Kochgeschirren, in Legierungen mit Zink, Blei, Kupfer, Eisen, bei der Herstellung von Lagermetall und als Desoxydationsmittel bei der Stahlerzeugung verwendet. Zudem kamen Aluminiumpulver und Aluminiumflitter bei der Herstellung von Sprengstoff und künstlichem Gummi zum Einsatz.[32] Zur Zeit des Ersten Weltkrieges brauchten alle Staaten mehr Aluminium und so verdoppelte sich die Produktion zwischen 1913 und 1918 weltweit.[33]

[...]


[1] Joliet, Hans (Hrsg.), Aluminium die ersten hundert Jahre, Düsseldorf 1988/89.

[2] Vaupel, Elisabeth Christine, Die Entdeckungsgeschichte des Aluminiums oder: Wie findet man eine Markt für ein neues Metall?, in Schäfke, Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.9-25.

[3] Joliet, Hans (Hrsg.), Aluminium die ersten hundert Jahre, Düsseldorf 1988/89.

[4] Vaupel, Elisabeth Christine, Die Entdeckungsgeschichte des Aluminiums oder: Wie findet man einen Markt für ein neues Metall?, in Schäfke, Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.9-25.

[5] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[6] Vaupel, Elisabeth Christine, Die Entdeckungsgeschichte des Aluminiums oder: Wie findet man eine Markt für ein neues Metall?, in Schäfke, Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.9-25.

[7] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[8] Vaupel, Elisabeth Christine, Die Entdeckungsgeschichte des Aluminiums oder: Wie findet man eine Markt für ein neues Metall?, in Schäfke, Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.9-25.

[9] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[10] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[11] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[12] Joliet, Hans (Hrsg.), Aluminium die ersten hundert Jahre, Düsseldorf 1988/89.

[13] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S. 27-69.

[14] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[15] Joliet, Hans (Hrsg.), Aluminium die ersten hundert Jahre, Düsseldorf 1988/89.

[16] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[17] Vaupel, Elisabeth Christine, Die Entdeckungsgeschichte des Aluminiums oder: Wie findet man eine Markt für ein neues Metall?, in Schäfke, Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.9-25.

[18] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[19] Joliet, Hans (Hrsg.), Aluminium die ersten hundert Jahre, Düsseldorf 1988/89.

[20] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[21] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[22] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[23] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[24] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[25] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[26] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[27] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[28] König, Wolfgang, Wilhelm II. und die Moderne, Paderborn 2007, S.239-278.

[29] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[30] Hertner, Peter, Die Stoffe, aus denen die Träume wurden: Zukunftstechnologien der Jahrhundertwende. Aluminium und Kunstseide als Beispiele, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Jg. 1999/2, S. 17-29.

[31] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

[32] Schulz, Marine-Oberbaurat, Art.: Aluminium, Blei und Antimon in der Kriegswirtschaft, unter Benutzung amtlicher Quellen in, D. Meyer, Technik und Wissenschaft 12. Jahrgang, Berlin 1919 S. 775-780.

[33] Falk, Susanne, Schwarz, Roland, Aluminium Metall der Moderne, in Schäfke Werner, Aluminium: das Metall der Moderne, Köln 1991, S.27-69.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der deutschen Aluminiumindustrie bis Anfang der 1920er Jahre
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Geschichtswissenschaft)
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V231381
ISBN (eBook)
9783668710610
ISBN (Buch)
9783668710627
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aluminium, Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Kriegsindustrie, Marktwirtschaft, Planwirtschaft
Arbeit zitieren
Jana Rademacher (Autor), 2009, Die Entwicklung der deutschen Aluminiumindustrie bis Anfang der 1920er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231381

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