Die Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes wurde am 25.05.09
im Bundesgesetzblatt verkündet und hat durch ihre Einführung
weitgehende Konsequenzen auf die Rechnungslegung und die Bilanzierung
von deutschen Unternehmen. Diese Änderungen können Chancen und
Risiken bergen und sind genauestens zu betrachten. Ziel des
BilMoG ist es, dass eine vollwertige, aber
kostengünstigere und ersichtlichere Alternative zu den International
Financial Reporting Standards entwickelt wird. Primär ist die Abschaffung
von diversen Wahlrechten sowie der Abschaffung der umgekehrten
Maßgeblichkeit hervorzuheben, die die handelsrechtliche Bilanzierung der
Bilanzierung nach IFRS angleicht, aber die handelsrechtliche Bilanz von der
steuerlichen Bilanz weiter entfernt, sodass ein Einheitsabschluss nicht mehr
erreicht werden kann. Dieses bringt eine große Anforderung an den
Jahresabschluss bzgl. dessen Erstellung und Prüfung mit sich. Außerdem
ist hervorzuheben, dass eine Deregulierung der handelsrechtlichen
Buchführungspflichten sowie der handelsrechtlichen Bilanzierungspflichten
für Einzelkaufleute verfasst wurde.
Da die Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes weitgehende
Änderungen der Bilanzierung der deutschen Unternehmen vorsieht, ist das
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz in jedem Unternehmen von enormer
Bedeutung.
Ziel meiner Untersuchung ist es anhand ausgewählter Änderungen durch
das BilMoG die Auswirkungen der Einführung auf ein mittelständisches
Bauunternehmen darzustellen. Aufgrund der Komplexität und des Umfangs
des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes wird diese Bachelorarbeit nur die
für das Unternehmen Schäfer-Bauten GmbH besonders bedeutenden
Aspekte ausführlich betrachten und weitere, für den Abschluss eines
Einzelabschlusses und allgemein wichtige Aspekte, nur kurz erläutern. Die
Auswirkungen des BilMoG auf den Konzernabschluss werden aufgrund der
Komplexität des Themas nicht bearbeitet.
Nach der Unternehmensvorstellung gibt das dritte Kapitel zunächst einen
kurzen Überblick über die Gründe, Maßnahmen, Ziele und Auswirkungen
des BilMoGs. Anschließend werden im folgenden Kapitel nur ausgewählte
Auswirkungen des BilMoGs auf die Bilanz des mittelständischen
Bauunternehmens Schäfer-Bauten GmbH dargestellt, die nach altem und
neuem Recht ausgelegt und letztlich jeweils unter steuerlichen
Gesichtspunkten betrachtet werden. Das letzte Kapitel der Bachelorarbeit
enthält eine kritische Würdigung und eine zusammenfassende Betrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unternehmensvorstellung
3 Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
3.1 Einführung und Ziele
3.2 Maßnahmen
3.2.1 Einführung
3.2.2 Allgemein ausgewählte geänderte Vorschriften im Jahresabschluss
3.2.3 Neuerungen im Einzelabschluss
4 Lösung ausgewählter Probleme bei der Umstellung einer mittelständischen Bilanz
4.1 Pensionsrückstellungen
4.1.1 Allgemein
4.1.2 Bewertung
4.1.3 Steuerrechtliche Würdigung
4.2 Halbfertige Arbeiten
4.2.1 Allgemein
4.2.2 Bewertung
4.2.3 Steuerrechtliche Würdigung
4.3 Sonderabschreibung
4.3.1 Allgemein
4.3.2 Bewertung
4.3.3 Steuerrechtliche Würdigung
4.4 Latente Steuern
4.4.1 Allgemein
4.4.2 Neuerungen durch das BilMoG
5 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Bilanzierungspraxis eines mittelständischen Bauunternehmens. Dabei wird analysiert, inwiefern die gesetzlichen Änderungen zu Abweichungen zwischen Handels- und Steuerbilanz führen und welche bilanzpolitischen Spielräume sich für die betroffene Schäfer-Bauten GmbH ergeben.
- Analyse der BilMoG-Neuerungen im Bereich der Rechnungslegung.
- Konkrete Auswirkungen auf Pensionsrückstellungen in der mittelständischen Bilanz.
- Bewertung von halbfertigen Arbeiten und Herstellungskosten im Baugewerbe.
- Implikationen der Abschaffung der umgekehrten Maßgeblichkeit bei Sonderabschreibungen.
- Notwendigkeit und Herausforderungen der Abgrenzung latenter Steuern.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Bewertung
Der Grund für den Ansatz und die Bewertung von Pensionsrückstellungen liegt in dem Wesen der Pensionsverpflichtung, denn nach § 246 I HGB muss der Jahresabschluss sämtliche Schulden enthalten. Da eine Verpflichtung gegenüber Dritten eine Schuld bzw. Verbindlichkeit ist, muss der Jahresabschluss auch die Pensionsrückstellungen enthalten.
Die Bewertung von Pensionsrückstellungen ändert sich durch die Einführung des BilMoG entscheidend und wird erstmals für Geschäftsjahre verpflichtend, die nach dem 31.12.2009 beginnen. Bisher gab es keine Vorgaben für die Bewertung der Pensionsrückstellungen. Deswegen haben die meisten Unternehmen entsprechend der steuerlichen Vorschriften die Pensionsrückstellungen analog dem § 6a EStG bilanziert, um eine Abweichung zwischen Steuer- und Handelsbilanz und ein zusätzliches versicherungsmathematisches Gutachten zu vermeiden. Nach alter Rechtslegung wurde dementsprechend in der Handelsbilanz meistens ein Zinssatz von 6 %, analog zum Zinssatz des § 6a EStG, zum diskontieren der Pensionsverpflichtungen bzw. der Pensionsrückstellungen angewendet.
Pensionsrückstellungen können auch nach IFRS bewertet werden. Da die Schäfer-Bauten GmbH nicht nach IFRS bilanziert, wird im folgenden Teil der Ausführung nicht darauf eingegangen.
Der entscheidende Unterschied in der Bewertung der Pensionsrückstellungen liegt zum einen in dem Diskontierungszinssatz. Der Diskontierungszinssatz ist wichtig, um die Höhe der Rückstellung zu errechnen, die man ansetzen muss. Als Zinssatz wird der durchschnittliche Marktzins der vergangenen sieben Jahre monatlich durch die Deutsche Bundesbank ermittelt und bekannt gegeben. Aufgrund der kritischen wirtschaftlichen Entwicklungen in den letzten Monaten und Jahren kann man davon ausgehen, dass der Diskontierungs-Zinssatz unter 6 % liegen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des BilMoG für deutsche Unternehmen ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Auswirkungen auf ein mittelständisches Bauunternehmen.
2 Unternehmensvorstellung: Das Kapitel stellt die Schäfer-Bauten GmbH als mittelständisches Familienunternehmen des Bauhauptgewerbes vor und skizziert dessen Organisationsstruktur.
3 Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Ziele des Gesetzes, wie die Stärkung des Finanzplatzes und die Deregulierung für den Mittelstand, sowie allgemeine Änderungen im Jahresabschluss.
4 Lösung ausgewählter Probleme bei der Umstellung einer mittelständischen Bilanz: Hier werden spezifische Bilanzierungsprobleme wie Pensionsrückstellungen, halbfertige Arbeiten, Sonderabschreibungen und latente Steuern anhand der Schäfer-Bauten GmbH analysiert.
5 Kritische Würdigung: Das Fazit fasst die Auswirkungen der Bilanzrechtsreform zusammen und bewertet die Konsequenzen für die Bilanzierungspraxis sowie das Ziel der Informationsfunktion.
Schlüsselwörter
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG, Schäfer-Bauten GmbH, Pensionsrückstellungen, Halbfertige Arbeiten, Sonderabschreibung, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Latente Steuern, Herstellungskosten, Bewertungsverfahren, Eigenkapital, Jahresabschluss, Rechnungslegung, Mittelstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die praktischen Konsequenzen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) für die Bilanzierung eines mittelständischen Bauunternehmens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bewertung von Pensionsrückstellungen, der Erfassung halbfertiger Arbeiten, der Behandlung von Sonderabschreibungen und der Bildung latenter Steuern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Auswirkungen der durch das BilMoG geänderten Vorschriften auf ein konkretes mittelständisches Unternehmen (Schäfer-Bauten GmbH) sowie aufkommende bilanzpolitische Spielräume aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fallorientierte Analyse, die theoretische Grundlagen des BilMoG mit der tatsächlichen Bilanzierungspraxis der Schäfer-Bauten GmbH vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Umstellungsproblematik in den Bereichen Rückstellungen, Herstellungskosten, Sonderabschreibungen und Steuern unter Anwendung des neuen Handelsrechts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind BilMoG, Pensionsrückstellungen, Halbfertige Arbeiten, Steuerabgrenzung, Bilanzpolitik und Mittelständisches Bauunternehmen.
Wie wirkt sich das BilMoG speziell auf die Pensionsrückstellungen aus?
Durch die Neuregelung der Diskontierung mittels eines siebenjährigen Marktzinses und die Berücksichtigung von Rententrends kommt es zu einer tendenziellen Erhöhung der Rückstellungsbeträge.
Was bedeutet die "Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit" für das Unternehmen?
Sie führt dazu, dass steuerliche Sonderabschreibungen nicht mehr automatisch in die Handelsbilanz übernommen werden können, was eine genauere Trennung von Handels- und Steuerbilanz erfordert.
Warum spielt die Bewertung der "Ruhrbrücke Wetter" eine Rolle?
Dieses Bauvorhaben dient als praktisches Fallbeispiel, um die Anwendung der neuen Herstellungskostenregeln und die Bewertung von Verlustbaustellen zu demonstrieren.
Welches Fazit zieht der Autor zur Bilanzoptik?
Der Autor stellt fest, dass durch die neuen Regelungen zwar Wahlrechte wegfallen, aber durch bilanzpolitische Spielräume bei der Zuführung von Rückstellungen weiterhin Möglichkeiten zur Gestaltung des Jahresergebnisses bestehen.
- Arbeit zitieren
- Tim Ewering (Autor:in), 2010, Die Umstellung der Bilanz nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz. Dargestellt an einem mittelständischen Bauunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231443