Unterrichtsentwurf eines erfolgreichen Unterrichtsbesuches in einer 7. Realschulklasse mit den Kompetenzen der Unterrichtseinheit, einer vollständigen Gliederung der Unterrichtseinheit, Zielen und Teillernzielen bzw. Kompetenzen der Unterrichtsstunde, dem geplanten Unterrichtsverlauf in tabellarischer Form, vollständigen Literaturangaben und eingesetzten Arbeitsblättern/Folien.
Kernkompetenz der Stunde:
Die Schüler gehen durch Verfassen eines eigenen Schlusses produktiv-kreativ und kriterienorientiert (Kalendergeschichten sind unterhaltsam und lehrreich) mit der Erzählung „Der kluge Richter“ um.
Inhaltsverzeichnis der Unterrichtseinheit
1. „Das Mittagessen im Hof“ - Herausarbeitung von Merkmalen und Funktionen der Kalendergeschichten durch Analyse und szenische Darstellung
2. „Herrn K.s Lieblinstier“ - Sprachliche Gestaltung untersuchen und eine eigene Geschichte zum Lieblingstier schreiben
3. „Eulenspiegel als Arzt“ - Erarbeitung von Charakteristika einer Eulenspiegel-Geschichte
4. „Der kluge Richter“ - den Schluss einer Kalendergeschichte selber schreiben
5. „Die schlechte Zensur“ - die Anekdote als epische Kleinform kennenlernen
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den Schülern der Klasse 7a die Gattung der Kalendergeschichten und Anekdoten durch eine methodisch abwechslungsreiche Analyse und produktionsorientierte Verfahren näherzubringen, wobei insbesondere die moralische Lehre und die narrative Struktur im Vordergrund stehen.
- Analyse von Merkmalen und Funktionen klassischer Kalendergeschichten.
- Untersuchung von Sprache und Textbeschaffenheit in literarischen Kleinformen.
- Kreatives Schreiben als produktive Auseinandersetzung mit literarischen Vorlagen.
- Szenische Interpretation zur Erschließung erzählerischer Inhalte.
- Ethische Reflexion durch das Vergleichen und Bewerten moralischer Lehren.
Auszug aus dem Buch
Der kluge Richter (1805)
Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, welche in ein Tuch genäht war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt, und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern an.
Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. „Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird’s wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!“ So sprach er mit dem heitern Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen.
Er zählte das Geld, und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte. „Guter Freund“, sprach er hierauf, „es waren eigentlich 800 Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch 700 Taler. Ihr werdet also wohl eine Naht aufgetrennt und Eure 100 Taler Belohnung schon heraus genommen haben. Da habt ihr wohl daran getan. Ich danke Euch.“ Das war nicht schön. Aber wir sind auch noch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Das Mittagessen im Hof“ - Herausarbeitung von Merkmalen und Funktionen der Kalendergeschichten durch Analyse und szenische Darstellung: Dieses Kapitel führt in die Gattung ein und nutzt die Analyse sowie szenisches Spiel, um Merkmale und Wirkungsabsichten zu erarbeiten.
2. „Herrn K.s Lieblinstier“ - Sprachliche Gestaltung untersuchen und eine eigene Geschichte zum Lieblingstier schreiben: Hier liegt der Fokus auf der Untersuchung der sprachlichen Gestaltung, die als Grundlage für eine eigene, produktive Schreibaufgabe dient.
3. „Eulenspiegel als Arzt“ - Erarbeitung von Charakteristika einer Eulenspiegel-Geschichte: Dieses Kapitel widmet sich spezifisch den typischen Eigenschaften der Eulenspiegel-Geschichten als Unterform der Kalendergeschichte.
4. „Der kluge Richter“ - den Schluss einer Kalendergeschichte selber schreiben: Der Schwerpunkt liegt auf der produktiv-kreativen Auseinandersetzung mit der Erzählung, indem Schüler den Schluss eigenständig verfassen.
5. „Die schlechte Zensur“ - die Anekdote als epische Kleinform kennenlernen: Das abschließende Kapitel dient der theoretischen Einordnung der Anekdote als spezifische epische Kleinform.
Schlüsselwörter
Kalendergeschichte, Anekdote, Deutschunterricht, Johann Peter Hebel, Der kluge Richter, produktives Schreiben, Literaturdidaktik, Erzählstrukturen, moralische Lehre, Realschule, Textanalyse, szenisches Spiel, Urteilsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Das Dokument beschreibt eine Unterrichtseinheit für die 7. Klasse im Fach Deutsch, die sich mit der Gattung der Kalendergeschichten und Anekdoten beschäftigt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Einheit?
Die Arbeit behandelt die Analyse narrativer Strukturen, die Untersuchung moralischer Lehren sowie die Anwendung kreativer Schreibmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Stunde zu „Der kluge Richter“?
Das Ziel ist es, dass Schüler produktiv und kriterienorientiert einen eigenen, logischen Schluss für die Geschichte entwickeln, der die moralische Lehre des Textes berücksichtigt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es kommen Methoden wie gelenktes Unterrichtsgespräch, Partnerarbeit, szenische Darstellung und produktionsorientierte Textarbeit zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtssequenz behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erschließung verschiedener Kalendergeschichten durch Analyse, sprachliche Untersuchung und freies Schreiben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Unterrichtseinheit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kalendergeschichte, Anekdote, produktives Schreiben, Textbeschaffenheit und moralische Erziehung.
Warum spielt das „Eigene Schreiben“ in dieser Einheit eine so große Rolle?
Das eigene Schreiben ermöglicht es den Schülern, tiefer in die Struktur einer Kalendergeschichte einzudringen und die Pointe sowie die Lehre aktiv nachzuvollziehen.
Wie differenziert der Lehrer bei der Aufgabe zum „klugen Richter“?
Durch quantitative Differenzierung erhalten leistungsstärkere Schüler die Zusatzaufgabe, weitere Lehren zu formulieren, die zum selbstgeschriebenen Schluss passen.
- Arbeit zitieren
- Gunnar Norda (Autor:in), 2008, „Der kluge Richter“ - den Schluss einer Kalendergeschichte selber schreiben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231457