Das Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, gängige Vorstellungen der Antike über Liebe und Geschlecht mit der literarischen Fiktion des „Kugelmenschen“-Mythos in Platons Symposion zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Die Antike“: Erläuterung eines problematischen Begriffs
3. Platon: Sein Werk und seine Zeit
3.1. Eine kurze Biographie Platons
3.2. Was ist ein „Symposion“?
3.3. Platons Symposion
3.3.1. Aristophanes
3.3.2. Zwischenüberlegung zur „Ernsthaftigkeit“ der Aristophanes- Rede
3.3.3. Der Kugelmenschenmythos
4. Die Geschlechtervorstellungen
4.1. Die Beziehung zwischen Mann und Frau
4.1.1. bei Aristophanes/Platon
4.1.2. Hintergrund: Ehe & Liebe
4.1.3. Anwendung auf die „Kugelmenschen“
4.2. Die Beziehung zwischen Mann und Knabe
4.2.1. bei Aristophanes/Platon
4.2.2. Hintergrund: Päderastie
4.2.3. Anwendung auf die „Kugelmenschen“
4.3. Die Beziehung zwischen Frau und Frau
4.3.1. bei Aristophanes/Platon
4.3.2. Hintergrund: „Lesbische“ Liebe
4.3.3. Anwendung auf die „Kugelmenschen“
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die antiken Vorstellungen über Liebe und Geschlecht, wie sie in der griechischen Gesellschaft existierten, den literarischen Fiktionen des „Kugelmenschen“-Mythos aus Platons Symposion gegenüberzustellen, um Diskrepanzen zwischen gesellschaftlicher Realität und mythischer Erzählung aufzudecken.
- Vergleich zwischen dem Kugelmenschen-Mythos und antiken Geschlechterrollen
- Analyse der sozialen Struktur und Geschlechtervorstellungen im klassischen Athen
- Untersuchung der Ehe als pragmatisches Konstrukt gegenüber romantischen Idealen
- Erörterung der Päderastie als pädagogisches und gesellschaftliches Konzept
- Betrachtung der Rolle der weiblichen Homosexualität in der antiken Dichtung
Auszug aus dem Buch
Der Kugelmenschenmythos
Ich werden die Erzählung des Aristophanes recht ausführlich zitieren, damit auch der Leser sich einen Eindruck von der bündigen Erzählweise und bunten Erfindungsgabe des Aristophanes machen kann.
Im Symposion hatten bereits drei Sprecher ihre Lobrede auf den Eros gehalten, Aristophanes ist nun an der Reihe. Er kündigt zunächst an, anders als seine Vorgänger reden zu wollen, und beginnt sodann mit der Beschreibung der „Kugelmenschen“:
[…] meiner Meinung nach haben die Menschen die Macht des Eros überhaupt noch nicht begriffen […] Ich will nun versuchen, euch seine Macht vorzustellen, ihr aber werdet die Lehrer anderer sein. Zuerst aber müsst ihr die menschliche Natur kennen lernen und was ihr widerfahren ist; denn in alter Zeit war unsere Natur nicht dieselbe wie jetzt, sondern von anderer Art. Zuerst nämlich gab es drei Geschlechter der Menschen, nicht wie jetzt zwei, das männliche und das weibliche, sondern es gab ein drittes, das an diesen beiden Anteil hatte, von ihm ist jetzt (noch) die Bezeichnung übrig, es selbst aber ist verschwunden. Denn es gab damals als ein eigenes Geschlecht das männlich-weibliche [ανδρόγυνον / androgynon], das dem Aussehen und der Bezeichnung nach aus beiden (Geschlechtern), dem männlichen und dem weiblichen, gemeinsam bestand. Jetzt existiert es nicht mehr, außer als Schimpfname. Weiterhin war die Gestalt eines jeden Menschen im Ganzen kugelrund, wobei der Rücken und die Seiten einen Kreis bildeten; und jeder hatte vier Arme und genauso viele Beine wie Arme und zwei Gesichter auf einem kreisrunden Hals, in jeder Hinsicht (einander) ähnlich, und einen einzigen Kopf für beide einander entgegengesetzt liegenden Gesichter sowie vier Ohren und zwei Geschlechtsteile und alles andere so, wie man es sich danach wohl vorstellen kann. Er ging aber auch wie jetzt aufrecht und in welche Richtung er auch immer wollte; und sooft er sich anschickte, schnell zu laufen, eilte er wie die Leute, die Rad schlagen, indem sie ihre (Arme und) Beine gestreckt im Kreise herumschwingen, schnell im Kreis dahin, gestützt auf seine damals acht Gliedmaßen.15
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit setzt sich zum Ziel, antike Geschlechtervorstellungen mit der literarischen Fiktion des „Kugelmenschen“-Mythos zu vergleichen und deren Spannungsverhältnis zu untersuchen.
2. „Die Antike“: Erläuterung eines problematischen Begriffs: Dieses Kapitel grenzt den weiten Begriff der Antike zeitlich, räumlich und sozial auf das klassische Athen und dessen Adelsgesellschaft ein.
3. Platon: Sein Werk und seine Zeit: Es werden Grundlagen zu Platon, der Funktion von Symposien und insbesondere zum Ablauf von Platons Symposion sowie zum Mythos des Aristophanes vermittelt.
4. Die Geschlechtervorstellungen: In drei Abschnitten werden die Beziehungen zwischen Mann und Frau, zwischen Mann und Knabe sowie zwischen Frau und Frau hinsichtlich ihres mythischen Ideals und der gesellschaftlichen Wirklichkeit analysiert.
5. Schlussbemerkungen: Die Arbeit bilanziert, dass die antiken Vorstellungen zu Liebe und Geschlecht in einem oft widersprüchlichen Verhältnis zum Mythos stehen und die Gesellschaft individuelle Lebensentwürfe einschränkte.
Schlüsselwörter
Platon, Symposion, Kugelmenschenmythos, Aristophanes, Eros, Antike, Geschlechtervorstellungen, Päderastie, Athen, Ehe, Homosexualität, Sappho, Griechische Philosophie, Sozialstruktur, Mythologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Diskrepanzen zwischen dem „Kugelmenschen“-Mythos in Platons Symposion und den tatsächlichen gesellschaftlichen Geschlechtervorstellungen im klassischen Athen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen heterosexuelle Ehen, die päderastische Knabenliebe sowie weibliche Homosexualität in der antiken Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie weit das mythische Ideal der „verlorenen Hälfte“ von der sozialen Realität und den rechtlichen bzw. moralischen Beschränkungen der athenischen Bürger abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und althistorische Analyse, bei der antike Primärtexte mit einschlägiger historischer Fachliteratur kontextualisiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird die Erzählung des Aristophanes detailliert vorgestellt und auf drei zentrale Beziehungsformen angewendet, wobei jeweils der historische Hintergrund durch Fachquellen beleuchtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Platon, Symposion, Kugelmenschenmythos, Eros, Päderastie und die Geschlechterrollen im klassischen Athen.
Inwiefern unterscheidet sich die athenische Ehe vom Bild des Mythos?
Während der Mythos eine gleichwertige partnerschaftliche Vereinigung suggeriert, war die athenische Ehe ein pragmatisch-ökonomisches Konstrukt, das von der Vorherrschaft des Mannes und der Unmündigkeit der Frau geprägt war.
Warum wird die Päderastie im Text als pädagogisch bezeichnet?
Die Knabenliebe galt im antiken Griechenland nicht bloß als sexuelle Beziehung, sondern als pädagogisches Konzept, bei dem ein älterer Adliger als Mentor fungierte, um den Knaben zu Tugend und Tüchtigkeit zu erziehen.
Welche Rolle spielt die Erwähnung der „Lesben“ im Mythos?
Sie stellt die einzige Erwähnung weiblicher Homosexualität in der gesamten klassischen Dichtung Athens dar, was die Autorin als Zeichen dafür wertet, dass dieses Thema ein strenges gesellschaftliches Tabu war.
- Quote paper
- Linda Kahn (Author), 2011, Geschlechtervorstellungen in der Antike. Die „Kugelmenschen“ in Platons Symposion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231478