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Das Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians

Titel: Das Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians

Hausarbeit , 2013 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Linda Kahn (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Julian gehört ohne Zweifel zu den „griechischsten“ Kaisern, die das Römische Imperium je regiert haben. Ein stolzes Philhellenentum durchzieht all seine Schriften und viele seiner politischen Handlungen. Schon in seiner Jugend war er ein begeisterter Homer-Leser und ein glühender Verehrer Platons gewesen. So berichtet Libanios, wie der junge Julian – des Hochverrats gegen Konstantios angeklagt und in Gefangenschaft gehalten – nur einen sehnlichen Wunsch hegte: Studieren in Athen. [...]
Libanios stellt Julian als Philhellenen par excellence dar: Nicht nur liebt er Griechenland an und für sich (ἐρῶν τῆς Ἑλλάδος καὶ μάλιστα δὴ [...] τῶν Ἀθηνῶν), sondern er liebt den gesamten geistig-griechischen Lebensstil, die Philosophie und das Streben nach Wissen. In Athen und an seinen anderen Studienorten erwarb sich Julian somit nicht nur Wissen, sondern auch ein ziemlich exaktes Bild davon, wie ein Grieche zu leben und zu denken habe: Als der junge Mann schließlich Kaiser des Römischen Imperiums wurde, versuchte er umfassend, diese griechischen Idealvorstellungen auch politisch umzusetzen. Gerade hierin liegt meines Erachtens auch der Reiz, sich mit Julians Hellenismus zu beschäftigen: Wenn der Privatmann Julian über „den wahren Hellenen“ sinniert, so ist das ideengeschichtlich bereits interessant, doch noch spannender ist es zu beobachten, wie der Kaiser Julian das Hellenentum auf die politische Tagesordnung setzt, wie er versucht, es gegen das Christentum zu instrumentalisieren, wie er versucht, sein konservatives Griechentum gegen den Trend der Zeit durchzusetzen – und wie er mit alldem letzten Endes kläglich scheitert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. γένος? — Griechentum außerhalb Griechenlands

3. παιδεία καὶ ἀρετή — Das Griechentum des Caesars

4. θεῶν ἱερὰ — Das Griechentum des Augustus

5. De professoribus, contra Galilaeos - Das Rhetorenedikt

6. Ἀντιόχικος — Julians Hellenismus vs. Realität

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das idealisierte Griechentum Kaiser Julians und analysiert, wie er versuchte, diese griechische Identität als politisches Instrument im Konflikt gegen das aufstrebende Christentum zu etablieren und durchzusetzen.

  • Julians theoretische Definition des "wahren Hellenen"
  • Die Verknüpfung von Bildung (paideia) und Religion
  • Die Instrumentalisierung griechischer Ideale in der spätantiken Politik
  • Das Scheitern von Julians Hellenismus im Alltag am Beispiel von Antiochia
  • Die historische Bedeutung Julians als letzter religiöser Hellenist auf dem Kaiserthron

Auszug aus dem Buch

De professoribus, contra Galilaeos - Das Rhetorenedikt

Im vorigen Kapitel war zu sehen, wie Julian versuchte, moralische Werte an das Heidentum zu knüpfen. Doch machte der Kaiser hier noch lange nicht halt. In seiner Trostschrift hatte der junge Caesar ja vor allem zwei Elemente herausgestellt, die den „wahren Hellenen“ ausmachen sollten: eine strikte Moral sowie griechische Bildung. Letztere nun wollte der Kaiser ebenfalls für das Heidentum in Beschlag nehmen, „da er glaubte, dass Bildung und Religion Geschwister seien“, wie Libanios es formulierte. Julian ging hierbei sogar soweit, dass er versuchte, die Christen von der griechischen Bildung auszuschließen, nämlich mit Hilfe seines berühmten Rhetorenediktes aus dem Jahre 362. Das Edikt selbst besagte zunächst lediglich, dass Lehrer sich durch ihre Sitten auszeichnen sollten, dass folglich „sittlich verdorbene“ Menschen vom Kaiser keine Lehrgenehmigung erhalten werden. In einem Begleitschreiben macht der Kaiser jedoch unmissverständlich klar, wen er hier eigentlich für „sittlich verdorben“ hält:

Ich glaube nicht, dass wahre Bildung darin besteht, die Worte und die Sprache mit viel Aufwand hübsch anzuordnen, sondern in der gesunden Verfassung eines vernünftigen Denkens und in den richtigen Anschauungen über Gut und Böse, Schön und Hässlich. Und wer zwar an die einen Dinge glaubt, seine Schüler aber etwas ganz anderes lehrt, der scheint mir von Bildung genauso weit entfernt zu sein wie von der Wesensart eines redlichen Mannes. [...] Was folgt nun hieraus? Für Homer, Hesiod, Demosthenes, Herodot, Thukydides, Isokrates und Lysias waren es die Götter, die zur Bildung führen. Sie glaubten sich beseelt von Hermes oder von den Musen. Ich halte es daher für falsch, wenn die Interpreten ihrer Schriften nicht auch dieselben Götter verehren wie sie. [...] Wenn sie die Autoren für weise halten, deren Werke sie lehren, so sollen sie vor allem deren Ehrfurcht vor den Göttern nacheifern. Wenn sie jedoch glauben, dass die Schriftsteller sich in diesen überaus wichtigen Dingen geirrt haben, dann sollen sie in die Kirchen der Christen gehen und den Matthäus oder Lukas auslegen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Julians Philhellenentum ein und skizziert sein Bestreben, griechische Idealvorstellungen während seiner Zeit als Kaiser politisch umzusetzen.

2. γένος? — Griechentum außerhalb Griechenlands: Das Kapitel erläutert Julians Auffassung, dass das Griechentum keine reine Frage der ethnischen Herkunft ist, sondern durch Bildung und Lebensweise aktiv erworben werden kann.

3. παιδεία καὶ ἀρετή — Das Griechentum des Caesars: Hier wird Julians frühe Definition des wahren Griechen analysiert, welche primär auf den Bausteinen εὐνομία, ἀρετή, ῥητορική und φιλοσοφία basiert.

4. θεῶν ἱερὰ — Das Griechentum des Augustus: Der Fokus liegt auf der späteren Entwicklung, in der Julian die Religion als das entscheidende Element identifiziert, das den "wahren Hellenen" mit dem Göttlichen verbindet.

5. De professoribus, contra Galilaeos - Das Rhetorenedikt: Dieses Kapitel behandelt den Ausschluss christlicher Lehrer von der Ausbildung in griechischen Klassikern als Versuch, Moral, Bildung und Religion untrennbar zu verweben.

6. Ἀντιόχικος — Julians Hellenismus vs. Realität: Anhand des Aufenthalts in Antiochia wird das Scheitern von Julians Idealvorstellungen an der spätantiken, bereits stark christianisierten Lebenswirklichkeit verdeutlicht.

7. Zusammenfassung: Abschließend wird Julians Hellenismus als gescheitertes, aber prägendes politisches Instrument rekapituliert, das mit seinem Tod an religiöser Bedeutung verlor.

Schlüsselwörter

Julian, Hellenismus, Griechentum, Philhellenentum, paideia, Christentum, Rhetorenedikt, Antiochia, Religion, Moral, Bildung, Spätantike, Libanios, Identität, Heidentum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung des Griechentums im Denken und politischen Wirken des römischen Kaisers Julian.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Definitionen von griechischer Identität, die Verknüpfung von Bildung und Religion sowie der Versuch Julians, diese Werte zur Abwehr des Christentums zu instrumentalisieren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Julian das Griechentum auf die politische Tagesordnung setzte und warum sein Versuch, dieses Ideal gegen den Zeitgeist durchzusetzen, letztlich scheiterte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine ideengeschichtliche Analyse der Schriften Julians, ergänzt durch historische Kontexte und moderne Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entwicklung von Julians Griechenbild vom Privatmann über den Caesar bis hin zum Augustus und beleuchtet konkrete Maßnahmen wie das Rhetorenedikt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die zentralen Begriffe sind Hellenismus, Julian, Bildung (paideia), Religion, Identität und der Konflikt zwischen Heidentum und Christentum.

Inwiefern spielt Antiochia eine Schlüsselrolle für das Verständnis von Julians Politik?

Antiochia fungiert als Brennglas für das Scheitern Julians, da dort der massive Kontrast zwischen seinen hohen idealistischen Erwartungen und der profanen christlich geprägten Realität offen zutage trat.

Was unterscheidet das frühe Griechenbild Julians von seiner späteren Haltung als Augustus?

Während Julian als junger Mann den Fokus stark auf Bildung und Ethik legte, rückte er als Kaiser die Religion und die aktive Kulthandlung als absolut notwendiges Element für den "wahren Hellenen" in den Vordergrund.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Kulturgeschichte (MA)
Note
1,0
Autor
Linda Kahn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V231489
ISBN (eBook)
9783656478539
ISBN (Buch)
9783656479079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
griechentum denken wirken kaiser julians
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Linda Kahn (Autor:in), 2013, Das Griechentum im Denken und Wirken Kaiser Julians, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231489
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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