Lösen sich Klassen und Schichten auf? Entstrukturierung, Pluralisierung und Individualisierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

13 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1. Das Klassenmodell
2.2. Das Schichtenmodell
2.3. Entstrukturierung
2.4. Pluralisierung
2.5. Individualisierung

3 Gemeinsamkeiten des Klassen- und des Schichtenmodells

4 Die nachlassende Bedeutung von Klassen und Schichten

5 Die heutige Gesellschaftsstruktur Deutschlands

6 Studien zum Verhältnis von Struktur und Lebensstilen
6.1. Das Modell von Bourdieu
6.2. Die SINUS-Lebenswelt-Forschung

7 Schluss

8 Literatur

1 Einleitung

In der folgenden Arbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, in wie weit das alte Klassen- und Schichtenmodell in unserer heutigen Gesellschaft noch als tauglich angesehen werden kann und ob es womöglich durch neuere Theorien abgelöst wurde.

Es gilt zu klären, ob die heutige Gesellschaft noch immer von Ungleichheit gekennzeichnet ist und in welchen Formen Ungleichheit zum Ausdruck kommt.

Des weiteren möchte ich mich der Frage widmen, wie stark unsere Gesellschaft durch ‚Struktur’ bestimmt ist und wie hoch das Ausmaß von Entkopplung und Freiwilligkeit ist.

Hierzu werde ich mich zunächst mit den verschiedenen Definitionen der ‚herkömmlichen’ Modelle auseinandersetzen. Im Anschluss werfe ich den Blick auf die nachlassende Bedeutung von Klassen und Schichten und somit mögliche Ursachen und Voraussetzungen von Individualisierung und Pluralisierung. Außerdem werde ich verschiedene Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte genauer beobachten und zwei bekannte Studien zur Lebensstilforschung vorstellen.

2 Begriffsdefinitionen

2.1. Das Klassenmodell

Bis in die achtziger Jahre hinein war das Klassenkonzept ein sehr dominanter Bestandteil der Sozialstrukturanalyse. In diesem Zusammen-hang sind zwei Namen von besonderer Bedeutung: Max Weber und Karl Marx.

Generell wird davon ausgegangen, dass „bestimmte empirische Merkmale wie Einkommen, Bildung und berufliche Stellung zugleich verteilt sind, und dass es möglich ist, die Mitglieder einer Gesellschaft mit Hilfe dieser Merkmale zu klassifizieren.“[1]

In fortgeschrittenen Industriegesellschaften wird die Klassenposition hauptsächlich „durch die Stellung im bzw. zum Produktionsprozess“[2] bestimmt, d.h. durch den Beruf und das daraus resultierende Einkommen.

Im „gemäßigten“ Klassenrealismus[3] Webers ist die soziale Zusammen-gehörigkeit der Mitglieder einer Klasse „an ihren Einstellungen und Handlungen ablesbar“[4], d.h. „an gemeinsamen Werthaltungen und geteilten Gewohnheiten.“[5] Dazugehörige Termini wie zum Beispiel „Arbeitermilieu“ oder „bürgerliche Lebensweise“ stammen aus dieser Theorie Webers.

Der „radikale“ Klassenrealismus von Karl Marx „prognostiziert für eine in Klassen gespaltene Gesellschaft keine dauerhafte Überlebenschance“[6]. Seines Erachtens nach sind Klassen in Kämpfe miteinander verwickelt, wobei sich „‚herrschende’ und ‚unterdrückte’ Klassen unversöhnlich gegenüber“[7] stehen. Dieser Klassenkonflikt kann auch als „Motor“ des gesellschaftlichen Strukturwandels betrachtet werden. Für Marx sind Klassen aber nicht ausschließlich ‚soziale Kategorien’, sondern vielmehr Akteure im Kräftespiel der Gesellschaft.

2.2. Das Schichtenmodell

Das Schichtungsmodell ist ähnlich dem Klassenmodell ein Konzept der Sozialstrukturanalyse. Bei beiden Modellen gibt es viele Gemeinsam-keiten, jedoch auch einige gravierende Unterschiede. Hierzu komme ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zurück.

Vor dem Hintergrund der funktionalistischen Gesellschaft interpretiert das Schichtungsmodell unsere Gesellschaft als ein „relativ stabiles Gefüge.“[8] Laut dieser Theorie „gilt ein gewisses Maß an gesellschaftlicher Ungleichheit als unvermeidbar“[9], womöglich sogar als funktional.

Im Gegensatz zum Klassenmodell gilt das Interesse hier vorrangig dem beruflichen Status einer Person, d.h. Macht, Prestige und Ansehen.

[...]


[1] Kreckel, Reinhard 1990: Klassenbegriff und Ungleichheitsforschung; Seite 53.

[2] Kreckel; Seite 52.

[3] Kreckel; Seite 53.

[4] Kreckel; Seite 53.

[5] Kreckel; Seite 53.

[6] Reichenwallner, Martina 2000: Lebensstile zwischen Struktur und Entkopplung. Beziehungen zwischen Lebensweisen und sozialen Lagen; Seite 5.

[7] Kreckel; Seite 55.

[8] Reichenwallner; Seite 5.

[9] Reichenwallner; Seite 5.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Lösen sich Klassen und Schichten auf? Entstrukturierung, Pluralisierung und Individualisierung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse)
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V23150
ISBN (eBook)
9783638263313
ISBN (Buch)
9783656661689
Dateigröße
358 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lösen, Klassen, Schichten, Entstrukturierung, Pluralisierung, Individualisierung
Arbeit zitieren
Sybille Kolb (Autor), 2003, Lösen sich Klassen und Schichten auf? Entstrukturierung, Pluralisierung und Individualisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23150

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