"Die Welt ist niemals endgültig verteilt". Radikaler Nationalismus im Kaiserreich

Untersucht am Beispiel des Alldeutschen Verbandes (ADV).


Hausarbeit, 2013
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der radikale Nationalismus im Kaiserreich
2.1 Die politischen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
2.2 Die Entstehung des radikalen Nationalismus

3. Die Struktur und das Wirken des ADV
3.1 Die Gründung
3.2 Die Ziele, Mitglieder und Organisation
3.3 Die Wirkungsmöglichkeiten und Aktivitäten

4. Die 2. Marokkokrise und der ADV
4.1 Die außenpolitische Vorgeschichte
4.2 Der Panthersprung
4.3 Die Rolle des ADV
4.3.1 Die Zusammenarbeit von Auswärtigem Amt und ADV
4.3.2 Die 2. Marokkokrise in der Öffentlichkeit

5. Der Radikalnationalismus im Kaiserreich nach der 2. Marokkokrise : Folgen der Krise und Entwicklungen
5.1 Die Entwicklungen im ADV und in seinem Umfeld
5.2 Die Folgen in der Gesellschaft
5.3 Die Entwicklungen in der nationalen Politik
5.4 Die Folgen für die international Politik

6. Ein Fazit - Die Bedeutung des ADV im Kaiserreich
6.1 Zur grundsätzlichen Bedeutung des ADV
6.2 Zum Einfluss des ADV auf die Politik

7. Anhang

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Die Welt ist niemals endgültig verteilt”1 - mit diesem Satz sprach der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes (ADV), Heinrich Claß, im Jahre 1913 vielen Deutschen aus der Seele. Er drückte Hoffnung oder entschlossene Absicht aus, für das deutsche Kaiserreich den gebührenden Platz unter den Welt- und Kolonialmächten doch noch zu erringen. Der Satz versinnbildlicht einen radikalen und expansiven Nationalismus, der sich nach der Reichsgründung in zahlreichen Interessengruppen und -verbänden herausgebildet hatte, die die öffentliche Meinung und Politiker beeinflussen wollten. Beispielhaft werden Ziele, Aufbau und Wirken des ADV untersucht, der in der Forschung als “einflussreichster nationalistischer Agitationsverband”2, ”Holding im Geflecht der vielen radikal- nationalistischen ... Organisationen”3, aber auch als “in der Bedeutung vielfach überschätzt”4 gesehen wird. An der Marokkokrise des Jahres 1911 soll zum einen gezeigt werden, wie und mit welchen Folgen sich radikaler Nationalismus im Kaiserreich vom Staat zu entfernen begann bzw. schon entfernt hatte und zum andern, inwieweit er aber auch dessen Politik zu beeinflussen vermochte.

2. Der radikale Nationalismus im Kaiserreich

Im Folgenden werden die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Kaiserreichs, die Begriffe Radikalismus und Nationalismus im Allgemeinen sowie die Entstehung des radikalen Nationalismus im Kaiserreich betrachtet.

2.1 Die politischen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Bismarck hatte die Nation 1871 geeint, die deutsche Frage ohne Österreich kleindeutsch und monarchisch-föderalistisch in einem Nationalstaat gelöst.5 Der neue Bundesstaat war von preußischer Hegemonie geprägt und dämpfte einzelstaatliche Gegensätzlichkeiten. Deutschland hatte Stärke gegen den Erbfeind Frankreich bewiesen und machte Fortschritte bei der industriellen Aufholjagd mit England. Man war stolz darauf, Deutscher zu sein. Doch die Verfassung des Reiches hatte Schwächen; Herausforderungen und Widersprüche in der Gesellschaft bestanden fort. In der Kanzlerdiktatur

Bismarcks wirkten die Parteien im Umgang mit den Krisen und Problemen der industriellen Massengesellschaft machtlos. Sie arbeiteten vor allem für ihre Klientel, noch nicht für übergreifende Zielsetzungen. Die Elite aus Adel, Militär und Großbürgern, das die Gesellschaft prägende Bürgertum und die Bürokratie sahen sich mit den sozialen Problemen der Arbeiterschaft und der Städte im Schlepptau der industriellen Revolution konfrontiert. Bei deutlich fortbestehenden Klassenunterschieden bestimmten für viele Unzufriedenheit, Not und Elend das Leben. Die Gegensätze von Stadt und Land und auch von Regionen waren unübersehbar. Bismarcks zäher und letztlich erfolgloser Kampf gegen die Kirche und die Sozialdemokraten beherrschte die Innenpolitik bis 1890. Die ausgeweitete politische Beteiligung über das allgemeine (Männer-) Wahlrecht ließ noch große Teile der Bevölkerung (Frauen, Arbeiterschaft) außen vor oder zumindest unterrepräsentiert. Die sich herausbildende Massenpresse hatte zudem eine Öffentlichkeit geschaffen, die mitreden wollte und sich deshalb auch in Vereinen und Verbänden organisierte. In diesem außerparlamentarischen Raum entstanden zunehmend Interessengruppen und -verbände, die mit Vehemenz für die Ziele bestimmter Gruppierungen agitierten.

Das Deutsche Reich hatte nach Überwindung der Wirtschaftskrise der 1870er Jahre England in Teilen wirtschaftlich ein- und überholt, war eine der mächtigsten Industrienationen der Welt, sah sich aber politisch von Welt- und Kolonialmächten eingekreist. Es wollte deswegen eine gewichtigere Rolle spielen. Koloniale Besitzungen sollten das Zaubermittel sein, um in Zeiten des Imperialismus den gebührenden „Platz an der Sonne“ zu finden aber auch, um die gewaltigen Produktivkräfte des Reiches von Konjunkturschwankungen unabhängiger zu machen6. Nach der Abdankung Bismarcks war das Kaiserreich in den Augen vieler konkret bedroht durch vermeintliche Reichsfeinde wie Sozialdemokraten, Juden, Katholiken und nationale Minderheiten. Zudem war es von den äußeren Feinden England, Frankreich und Russland umgeben.7 Hatte Bismarck noch die Balance in Europa im Zentrum seiner Außenpolitik gesehen, so orientierte sich Wilhelm II. zunehmend überseeisch.8 Vergrößerte weltpolitische Anstrengungen sollten die Spannungen der inneren Krisenherde nach außen ableiten.9

2.2 Die Entstehung des radikalen Nationalismus

Individuen oder Gruppen, die bestehende politische oder gesellschaftliche Systeme überwinden oder grundlegend ändern wollen, werden als radikal bezeichnet. Radikal steht dabei für ein kompromisslos an Prinzipien orientiertes einfaches Denken und (auch extremes) Vorgehen. Das Attribut rechts oder links bezeichnet den jeweiligen politischen Bezugsspunkt des Radikalismus.10 Unter Nationalismus soll eine übersteigerte Form des Nationalbewusstseins verstanden werden, das der Nation ein „Dignitäts ü be rgewicht gegenüber allen anderen sozialen Gebilden“11 gibt. Die Nation wurde in Deutschland vor allem durch Kultur und Sprache definiert.12 Die ersten radikalen nationalistischen Ideen waren Anfang des 19. Jh. im linken Flügel des Liberalismus entstanden, der einen national geeinten, liberalen Verfassungsstaat auch auf dem Wege des Umsturzes erreichen wollte. Durch die Reichsgründung verschob sich dieser frühe Nationalismus eher nach rechts13, wollte die bestehenden Herrschaftsverhältnisse bewahren, u.a. demokratische und sozialistische Bestrebungen bekämpfen. Der Nationalismus wandte sich auch expansionistisch nach außen; Deutschlands Stellung in der Welt sollte gestärkt werden.14 Dieser alte Nationalismus einer ökonomischen und bildungsbezogenen Elite („Honoratiorennationalismus“15 ) propagierte den Vorrang der Nation, verweigerte aber Arbeitern, Frauen und ethnischen Minderheiten die politische Teilhabe.16 Der Nationalismus war auch eine Art Volksbewegung. In der Hauptsache das Bürgertum, aber ebenso Bauern und Arbeiter organisierten sich bevorzugt in Vereinen und begeisterten sich an Symbolen, Gedenktagen, Einrichtungen sowie vor allem der Person des Monarchen als Integrationsfigur des Reichs.17 Hering und Wehler gehen davon aus, dass Radikalnationalismus entsteht, wenn eine Gesellschaft unter Druck gerät, z.B. durch innere Probleme und Gegensätze, wie sie die Modernisierung mit sich brachte.18 Für Walkenhorst ist Radikalnationalismus nicht einfach nur Gegenbewegung zur Moderne, sondern ein eigenes, auf die Zukunft ausgerichtetes, rationales Modell einer Gesellschaft.19 Verstärkt durch Krisen der Wirtschaftsentwicklung, die von Parlament und Parteien nicht beherrschbar schienen, wandten sich die Bürger des Kaiserreichs aus ihrer Sicht geeigneteren Institutionen zu, den Interessenverbänden. Diese vertraten für nahezu alle Schichten bis auf die Arbeiterschaft die fundamentalen Interessen ihrer Anhänger radikaler als Parteien und ohne Notwendigkeit realpolitischer Rücksichtnahmen durch einen Nationalismus, mit dem sie echte oder gefühlte Problemsituationen, Frustrationen und Enttäuschungen kompensieren zu können glaubten.20

3. Die Struktur und das Wirken des ADV

Das Kaiserreich erlebte nach der Gründerkrise einen nie dagewesenen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Wachstum übertraf das der führenden Wirtschaftsnation England bei weitem. Die industrielle Revolution erhielt mächtige Impulse durch neue Felder (Chemie und Elektro), in denen Deutschland rasch die Welt anführte. Der Wandel vom Agrarstaat zum Industriestaat war nicht mehr aufzuhalten.21 Das Selbstbewusstsein stieg, der Glaube an den Fortschritt und das Vertrauen in die eigene Stärke schienen unerschütterlich und nährten Forderungen nationalistischer Kreise nach der dem Reich gebührenden Rolle im Kreis der Weltmächte.

3.1 Die Gründung

Mit der Schutzzollpolitik einhergehend22 gründeten sich ab 1880 Vereine, die für eine imperiale Expansion des Deutschen Reiches eintraten. Diese Kolonialbewegung wurde z.B. vom Historiker Heinrich v. Treitschke getragen, der nach Breuer „dem alten Nationalismus und darauf gestützten Verbandsbildungen die Stichworte geliefert hat“23.24 Bismarck hatte lange kein Interesse an kolonialem Besitz gezeigt, seine Karte von Afrika lag bekanntlich in Europa. Die Berliner Afrika-Konferenz von 1884/1885 verschaffte dem Deutschen Reich schließlich doch bescheidenen Kolonialbesitz (Schutzgebiete). Kurz vor Unterzeichnung des englisch-deutschen Helgoland-Sansibar-Vertrags am 01.07.1890, der große Gebiete Deutsch-Ostafrikas gegen die Insel Helgoland tauschte, erschien ein empörter Aufruf einiger Auslandsdeutscher mit dem Titel Deutschland wach ’ auf in einigen Tageszeitungen West- und Süddeutschlands, der sich vehement gegen die Verschleuderung von Kolonialbesitz aussprach und dafür, „endlich einmal bei der Vertheilung der Erde als Empfänger mitzuwirken“25.26 Die Resonanz war nicht sonderlich groß, führte aber dazu, dass bald darauf Alfred Hugenberg am - später als „Geburtstag des Alldeutschen Verbandes“27 bezeichneten -28.9.1890 in Frankfurt in nichtöffentlicher Versammlung die Gründung des Allgemeinen Deutschen Verbands vorbereitete, dem Vorläufer des ADV. Die formelle Gründung des ADV fand am 09.04.1891 in Berlin statt.

3.2 Die Ziele, Mitglieder und Organisation

Hugenberg hatte schon im Vorfeld das Programm des künftigen Vereins skizziert:

1. Die Zusammenfassung der national gesinnten deutschen Bürgerschaft ohne Unterschied der Partei in Gedanken, dass die durchgeführte Einigung der deutschen Stämme nur die Grundlage der einer grösseren nationalen Entwicklung ist, nämlich derjenigen zu einer culturellen und politischen Weltmachtstellung des deutschen Volkes, wie sie das englische Volk bereits erlangt hat und das russische zweifellos erlangen wird.
2. Das Eintreten für eine energische Kolonialpolitik, für den Erwerb weiterer Kolonialgebiete und die Organisation unserer Auswanderung.
3. Die Verbreitung des Interesses für die überseeischen kommerziellen und civilisatorischen Aufgaben Deutschlands in weitesten Kreisen.
4. Die unbedingte Vertretung der hiermit angedeuteten Anschauungen gegenüber nationaler Gleichgültigkeit und Indolenz, gegenüber einem seichten Kosmopolitismus und gegenüber der vielverbreiteten Ueberschätzung der heutigen Weltstellung Deutschland und des Werthes einer einseitig kontinentalen Politik - mögen derartige Neigungen nun auf Seiten der Parteien oder der Regierung zu Tage treten.28

Der Entwurf, der deutlich auf Beeinflussung der öffentlichen Meinung und Heranbildung einer Verantwortung des Einzelnen für große Anliegen der Nation zielte29, wurde in seiner Grundaussage als Zweck des Allgemeinen Deutschen Verbands übernommen, der sich nach einer ersten Krise 1894 in Alldeutscher Verband (ADV) umbenannte. 1903 wurde die Satzung des ADV um kulturpolitische Aufgaben erweitert. Erst im Jahre 1918 erfolgten grundlegende Änderungen der Zielsetzungen, vor allem wurde eine klar antisemitische Position eingenommen.30

Als Mitglieder wollte man breite Schichten der Bevölkerung gewinnen, einzige Voraussetzung „ein gesundes deutsches Herz“31. Der Versuch, Juden die Mitgliedschaft zu verweigern, war in der Gründungsversammlung gescheitert.32 Dem Verband traten vor allem Angehörige des national eingestellten Bildungs- und Wirtschaftsbürgertums bei, überwiegend evangelischen Glaubens.

[M]ehr als die Hälfte der Mitglieder [kam] aus dem öffentlichen Dienst und den freien Berufen. Etwa vierzig Prozent waren Industrielle, Kaufleute oder leitende Angestellte. Nur knapp zwei Prozent der Mitglieder waren Adelige und weniger als ein Prozent Arbeiter. Und lediglich zwei Prozent waren in der Landwirtschaft tätig.33

Bis 1914 waren insgesamt 60 Reichstagsabgeordnete und einige Abgeordnete des preußischen Landtags Mitglieder des ADV.34 Aber der ADV verstand sich als überparteilich. Im Gegensatz z.B. zum Bund der Landwirte (BdL) gab es keine enge Verzahnung mit einer Partei (wie dort mit den Konservativen), man stellte keine eigenen Kandidaten für die Reichstagswahlen auf und man kannte auch keine faktisch imperativen Mandate für Abgeordnete.

Der ADV organisierte35 sich in Ortsgruppen und Gaue, die vom Vorstand, einem Geschäftsführenden Ausschuss, einer Hauptleitung und dem Verbandstag geführt wurden. Die Vorsitzenden der Ortsgruppen (und bei großen Ortsgruppen weitere Delegierte), der Gaue, Vertrauensleute und 100-150 gewählte Vertreter bildeten den Vorstand, der die grundsätzliche Linie des Verbandes vorgab. 30 Personen gehörten dem Ausschuss an, der Verbandsvorsitzende und sein Stellvertreter sowie bis zu 5 weitere Mitglieder bildeten die Hauptleitung, den Führungskern des ADV. Neben der Außenvertretung war dieser für die Einberufung und Leitung der Ausschuss- und Vorstandssitzungen und des jährlichen Verbandstages verantwortlich.

Alle Mitglieder hatten auf Verbandstagen Stimmrecht, konnten als Gäste an Vorstandssitzungen teilnehmen, nur der Ausschuss tagte vertraulich. Jedes Mitglied konnte grundsätzlich die Verbandsthemen und -haltungen mitgestalten. Werner und Kruck halten dies für eine ansatzweise demokratische Organisation36, wobei nach Herings Auffassung Werner und Kruck den ADV zu unkritisch sehen.37 Dagegen spricht auch, dass sich aufgrund der Persönlichkeit des zweiten Verbandsvorsitzenden Heinrich Claß (ab 1908) das Führerprinzip durchsetzte, d.h. das des alleinverantwortlich und richtungsweisend handelnden Verbandsvorsitzenden; erst faktisch und sehr viel später (1935) auch in den Statuten des ADV.38

3.3 Die Wirkungsmöglichkeiten und Aktivitäten

Der ADV finanzierte sich über (zunächst geringe) Mitgliedsbeiträge. Nach anfänglichen Finanzproblemen wurde der Mitgliedsbeitrag erhöht und 1903 der sog. Alldeutsche Wehrschatz aufgelegt, in dem Anteile von Einkommen und Nachlässen der Beigetretenen gesammelt wurden. Immerhin kam bis 1917 eine Summe von 660000 Mark zusammen (heutiger Wert vermutlich ein Vielfaches in Euro).39 Dass auch Finanzmittel der Schwerindustrie an den ADV flossen, scheint mittlerweile unstrittig.40

Die Mitgliederzahl war nie sehr groß (z.B. verglichen mit dem BdL oder dem Flottenverein). In der Kaiserzeit (1903) lag sie im Maximum bei etwa 23000. Aber es gab eine enge Zusammenarbeit mit anderen nationalen Verbänden wie Flotten-, Wehr-, Kolonial- und Ostmarkenverein, für die der ADV herausgehoben als eine Art übergeordnete Institution fungierte, und zahlreiche Mehrfachmitgliedschaften.41 Die Grundvorgehensweise des ADV war zu versuchen, die handelnden Exponenten in Politik, Verwaltung, Regierung und in der Presse von seinen Zielsetzungen zu überzeugen. Multiplikatoren waren die einzelnen Mitglieder in ihrer jeweiligen Funktion. Vor allem die als Lehrende an Schulen und Hochschulen, Schriftsteller und Geistliche Tätigen42 versuchten besonders, die studierende Jugend zu prägen.

Hugenberg hatte schon früh die ständige Verbindung zur Presse als unabdingbar für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung gesehen43 ; folglich kam der Arbeit in Wort und Schrift größte Bedeutung zu, dabei bediente man sich radikaler Formulierungen, leicht fassbarer, schwarz-weiß-malerischer Parolen KRUCK(1954:14); HERING verweist auf eine „sehr hierarchische Verbandsstruktur [als u.a.] charakteristisch für die Agitationsverbände im Kaiserreich“ (HERING(2003:168)).

[...]


1 AB v. 26.4.1913, zit. nach HERING (2003:131). Der vollständige Satz „Die Welt ist niemals endgültig verteilt; dem Starken, Mutigen gehört sie heut wie je“ (ebd.) zeigt die Bereitschaft des ADV zur aggressiven Expansion.

2 BREUER (2010:40).

3 NIPPERDEY(1992:605).

4 PUHLE(1975:150).

5 Vgl. zum ganzen Abschnitt NIPPERDEY(1992:76-81).

6 Vgl. WEHLER(2008:981-983).

7 Vgl. HERING(2003:169) und vgl. FESSER(2000:50).

8 Vgl. BERGHAHN(2001:391); Wilhelm II hatte schon als junger Kaiser die Vision eines deutschen Weltreichs (vgl. BAUMGART(1972:67)).

9 Vgl. JARAUSCH(1973:442) und vgl. BAUMGART(1972:66); vgl aber auch WALKENHORST(2007:16), der diese These eines gezielten manipulativen Expansionismus kritisiert.

10 Vgl. zur Definition HOLTMANN(2000:567), BREUER (2010:8) und WALKENHOST(2007:14).

11 BREUER(2010:19).

12 Vgl. zum ganzen Abschnitt NIPPERDEY(1992:251-258) zum Wandel des Nationalismus nach 1871 und WEHLER(2008:946-961), für den der Liberalnationalismus untergeht und der Reichsnationalismus aufsteigt.

13 Nach ELEY hatte Nationalismus nach der Reichsgründung „aufgehört, Vorrecht einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft zu sein“ ELEY(1991:50); für HERING „rückte der Nationalismus nach rechts und wurde illiberal“(HERING(2003:44)); als zu „einfach“ erachtet WALKENHORST diese Interpretation (WALKENHORST(2007:40)); für WEHLER erfasst sie den grundlegenden Inhaltswandel nicht (WEHLER(2008:946f)); auch für NIPPERDEY war der „ehedem linke Nationalismus 1871 nicht etwa einfach und vollständig rechts geworden. [...]“(NIPPERDEY(1992:258)), es gab vielmehr langsame Verschiebungen u.a. zur „Verselbständigung des Nationalen zu einem Selbstzweck“ (ebd.).

14 Dies entsprach nach BAUMGART dem Zeitgeist, demzufolge übersteigerter Nationalismus auch Ursache für Expansionsbestrebungen war (vgl. BAUMGART(1972:39).

15 HERING(2003:10).

16 BREUER(20:19). Daneben definiert er neuen und v ö lkischen Nationalismus, diese Formen entwickeln sich im Kaiserreich und prägen sich erst danach vollständig aus.

17 Vgl. NIPPERDEY(1992:258-264); insbesondere die Kaiserreden Wilhelms II verdienen hierbei Beachtung (Vgl. KROLL(2013:19f)); vgl. auch HERING(2003:36f), der auf die Bedeutung mythischer Elemente für die Entstehung des Nationalismus hinweist.

18 Vgl. HERING(2003:37), Modernisierungsdruck (nach Norbert Elias) sei Ursache für Nationalismus als Befreiungsideologie; WEHLER sieht im „Radikalnationalismus [...]eine Kompensation für die individuellen und kollektiven ‚Kosten’ der Modernisierung“ (WEHLER(2008:956)).

19 Vgl. WALKENHORST(2007:307).

20 Vgl. HERING(2003:97); für ELEY entstanden Interessenverbände aus der Überforderung der Parteien durch den sozioökonomischen Wandel (vgl. ELEY(1991:159)); JARAUSCH weist darauf hin, dass eine „tiefe Strukturkrise des Zweiten Reiches die politisch tragenden Schichten für alldeutsche Ideologie [d.h. radikalnationale Ideologie, Vf.]anfällig [machte]“ (JARAUSCH (1973:442)); zu den genuin radikalnationalen Vorstellungen über die weitere Entwicklung von Politik, Staat und Gesellschaft vgl. WALKENHORST(2007:78).

21 Vgl. FESSER(2000:13f).

22 Vgl. WALKENHORST(2007:60).

23 BREUER(2010:31). Für Treitschke war z.B. ein Land ohne Kolonien keine Großmacht (Vgl. KRUCK(1954:31)).

24 Vgl. MOMMSEN(1977:125-127); für WALKENHORST sind u.a die Kolonialbewegungen „Ausdruck des sich wandelnden nationalistischen Selbstverständnisses - und zugleich die wichtigsten Katalysatoren dieses Wandels“ (WALKENHORST(2007:38)).

25 PETERS(1966:15). Für WALKENHORST wirkte dieser Aufruf als „Fanal zur Sammlung der deutschnationalen Kräfte“(WALKENHORST(2007:70)).

26 Vgl. hierzu und im Folgenden PETERS(1966:13-17).

27 Ebd.:17.

28 Ebd.:16.

29 ADV-Präsidiumsmitglied und Vorsitzender der Reichs- und Freikonservativen Partei, Wilhelm v. Kardorff-Wabnitz sprach von „Volkserziehung im nationalen Sinn“ (PETERS(1966:19)).

30 Vgl. HOLZBACH(1981:28); vgl. MOMMSEN (1977:127f) zu den Änderungen gegenüber Hugenbergs Entwurf und vgl. KRUCK(1954:10-12) zur Fassung von 1903.

31 WERNER(19651935:61).

32 Vgl. PETERS(1966:20).

33 WALKENHORST(2007:310). HERING sieht in der sich durch die Moderne verschlechternden gesellschaftlichen Stellung der Intellektuellen und des Bildungsbürgertums den Grund für diese soziale Zusammensetzung der Radikalnationalisten (vgl. HERING(2003:59)); die Anteile der Gegner und Befürworter des alldeutschen Gedankenguts im Bildungsbürgertum waren aber in etwa gleich groß (vgl. WALKENHORST(2007:311)).

34 Vgl. hierzu und zum restl. Abschnitt WERNER((19651935:72f)).

35 Siehe Organigramm im Anhang (Anlg. 1).

36 Sie sei „durchaus demokratisch gestaltet“ WERNER(19651935:68). Es sei eine „fast demokratisch anmutende Form der Organisation“ KRUCK(1954:13); er relativiert später, dass im Laufe der Zeit die breite Anhängerschaft im ADV nur noch ziemlich geringen Einfluss hatte (vgl.

37 WERNERS Dissertation sei von „eher apologetische[m] Charakter“ und KRUCKS Monographie „[mangele es] an einer kritischen Betrachtung des AV“ (HERING(2003:17f).

38 Vgl. WERNER(19651935:66-68) und vgl KRUCK(1954:14); das Führerprinzip konnte Claß dank seiner „ungewöhnlichen Tatkraft und Vertrauenswürdigkeit“ (ebd.) einführen.

39 Vgl. KRUCK(1954:15f); auch aus dem Auswärtigen Amt (AA) sollen Zuwendungen in den Wehrschatz geflossen sein (vgl. WERNER(19651935:80)).

40 Vgl. dazu ULLMANN(1988:108f); für KRUCK „entbehrt[e diese Behauptung noch] jeder Grundlage“ (KRUCK(1954:16); HERING konstatiert ebenfalls eine „regelmäßige finanzielle Unterstützung durch Teile der Rheinisch-westfälischen Industrie“(2003:120).

41 Vgl. JARAUSCH(1973:440)); JARAUSCH nennt den ADV nach Eckart Kehr „eine Art politisch - ideologische Holding-Company“; zur Mitgliederzahl vgl. ULLMANN(1988:108) und HERING(2003:280) der die Höchstmitgliederzahl mit 45000 (1921) angibt..

42 Vgl. HERING(2003:171f); die soziale Zusammensetzung des ADV ist für JARAUSCH „ein wichtiges Indiz für seine Einflußmöglichkeiten“(1973:440).

43 Vgl. HOLZBACH(1981:27f).

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Details

Titel
"Die Welt ist niemals endgültig verteilt". Radikaler Nationalismus im Kaiserreich
Untertitel
Untersucht am Beispiel des Alldeutschen Verbandes (ADV).
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Modul 7G: Krise der Moderne: Zivilisationsbrüche und Neuorientierung
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
29
Katalognummer
V231512
ISBN (eBook)
9783656480433
ISBN (Buch)
9783656480327
Dateigröße
1871 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaiserreich, Radikalnationalismus, Alldeutscher Verband, 2. Marokkokrise, Panthersprung
Arbeit zitieren
Dipl.-Inform. Frank A. Hoffmann (Autor), 2013, "Die Welt ist niemals endgültig verteilt". Radikaler Nationalismus im Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231512

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