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Die histrionische Persönlichkeitsstörung

Title: Die histrionische Persönlichkeitsstörung

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 15 Pages , Grade: 1,4

Autor:in: Christoph Obermeier (Author)

Psychology - Clinical Psychology, Psychopathology, Prevention
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Summary Excerpt Details

Die unermessliche Vielfalt menschlicher Erscheinungen hat den Menschen
gedrängt, Ordnung zu schaffen, die Phänomene seiner Welt nach Klassen,
Gattungen, Arten und Typen zu gruppieren. Wir haben bei der
Lehrveranstaltung „Persönlichkeitstheorien“ den Begriff der Persönlichkeit
definiert als „ein bei jedem Menschen einzigartiges, relativ stabiles und den
Zeitablauf überdauerndes Korrelat des Verhaltens“ (vgl. Tewes & Wildgrube
1999, S. 273). Ich glaube, dass es am Anfang des heutigen Referates
lohnenswert ist, diese Definition erneut zu reflektieren. Unter
„Verhaltenskorrelat“ werden unterschiedliche Aspekte wie Bedingung,
Ordnung, System, Produkt oder Abstraktion des Verhaltens und Erlebens
verstanden. Die Persönlichkeit ist also nicht das Verhalten und Erleben selbst,
sondern vielmehr ein Gefüge von Dispositionen. Zu diesen Dispositionen
gehören zum einen die Merkmale des offenen, objektiv registrierbaren
Verhaltens, zum anderen aber auch Merkmale der Kognition, Emotion und
Motivation. Das jeweilige Dispositionsgefüge ist bei jedem Menschen
einzigartig (vgl. Tewes & Wildgrube 1999, S. 273). Für uns ist nun weiterhin
von Bedeutung, dass bspw. aktuelle Stimmungslagen o.ä. per definitionem
keine Persönlichkeitsmerkmale darstellen. Nur diejenigen Merkmale, die zum
einen zeitlich überdauernd konstant bleiben und zum anderen situationsstabil
sind, werden als Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet. Wir sollten uns bei der
folgenden Darstellung der histrionischen Persönlichkeitsstörung zudem stets
bewusst sein, dass es sich bei Begrifflichkeiten wie „Persönlichkeit“ um keine
real existierenden Entitäten handelt, sondern dass die Persönlichkeit eine
„hypothetische Konstruktion ist, dessen hinreichende, empirisch kontrollierte
Präzisierung –wenn überhaupt- erst in ferner Zukunft zu erwarten ist“ (Tewes&Wildgrube 1999, S. 273). Dies war meines Erachtens die Quintessenz
unserer Diskussion um den Begriff der Persönlichkeit. Ich habe mich zur
Darstellung dieser teilweise bereits bekannten Sachverhalte entschlossen,
weil ich es gerade bei der Untersuchung von Persönlichkeitsstörungen für
wichtig halte, dass wir uns bewusst machen, dass Typologisierung und
Kategorisierung stets zu stereotypem Denken verführen (vgl.Guss 1997, S.155). Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass jede Kategorie stets
auch eine bestimmte methodologische Vorstellung darüber einschließt, wie
man wissenschaftlich vorzugehen hat, um einen Gegenstand adäquat zu
erfassen (vgl.Holzkamp 1985, S.27f.).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. BEGRIFFLICHE GRUNDLEGUNGEN

1.1. STATT EINEM VORWORT EINE DEFINITION: ZUM BEGRIFF DER PERSÖNLICHKEIT

1.2. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG“

2. ZUR HISTRIONISCHEN PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG

2.1. MERKMALE

2.2. HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG NACH DEM DSM – IV

2.3. HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG NACH DEM ICD 10

3. DER KOMMUNIKATIONSSTIL HISTRIONISCHER PERSÖNLICHKEITEN

4. ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DIE ENTSTEHUNG EINER HPS

4.1. DER TIEFENPSYCHOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSATZ

4.2. DER KOGNITIVE UND DER ROLLENTHEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSATZ

5. PSYCHOSOZIALE FOLGEN

6. SCHLUSS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Krankheitsbild der histrionischen Persönlichkeitsstörung auseinander. Ziel ist es, den Begriff der Persönlichkeit zu reflektieren, das Störungsbild historisch und diagnostisch einzuordnen sowie die spezifischen kommunikativen Muster und die psychologischen Erklärungsansätze für deren Entstehung zu beleuchten.

  • Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie und Typologisierung
  • Historische Entwicklung und aktuelle diagnostische Kriterien (DSM-IV & ICD-10)
  • Analyse des typischen, theatralischen Kommunikationsstils
  • Tiefenpsychologische sowie kognitive Erklärungsmodelle zur Ätiologie
  • Psychosoziale Auswirkungen auf zwischenmenschliche Interaktionspartner

Auszug aus dem Buch

3. DER KOMMUNIKATIONSSTIL HISTRIONISCHER PERSÖNLICHKEITEN

Expressiver Kommunikationsstil, sowie Selbstwahrnehmung und das Selbsterleben der Patienten ist für das Verständnis von Patienten mit HPS wichtig (vgl. Zapotoczyky u. Herzog 1999, S.213). Dabei fällt vor allem deren übermäßige Emotionalität auf, sowie ein häufig zu beobachtender rascher Wechsel in den Gefühlsäußerungen. Histroiker sind, wie bereits oben erwähnt, getrieben von dem Wunsch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und bemühen sich entsprechend ständig um Anerkennung und Lob. Des weiteren verhalten sie sich gerne sexuell aufreizend und verführerisch.

Histroiker neigen zu einer überschwänglichen Ausdrucksweise, der es jedoch an Details fehlt. Sie besitzen eine mangelhafte Fähigkeit zur Empathie und sind oft unfähig, Gefühle und Absichten der anderen Interaktionspartner richtig zu interpretieren. Die Wertigkeit einer Gesprächssituation kann sich enorm schnell verändern. Dies führt oft zu Verständnislosigkeit bei den Interaktionspartnern. Ursache dieses Verhaltens des Histroikers ist wahrscheinlich eine geringe Frustrationstoleranz (Angst vor Ablehnung, Enttäuschung...). Schulz von Thun (1989, S. 231) beschreibt das seelische Axiom seines mitteilungsfreudig-dramatisierenden Kommunikationsstils wie folgt: „Ich bin unwichtig. Wie mir wirklich zumute ist, interessiert niemanden. Nur wenn ich mich geschickt oder mit starken Mitteln in den Vordergrund spiele, werde ich beachtet“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. BEGRIFFLICHE GRUNDLEGUNGEN: Einführung in den theoretischen Begriff der Persönlichkeit als Konstrukt und Abgrenzung zum Störungsbild der histrionischen Persönlichkeitsstörung.

2. ZUR HISTRIONISCHEN PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG: Darstellung der historischen Entwicklung des Begriffs und Vergleich der modernen Diagnosekriterien gemäß DSM-IV und ICD-10.

3. DER KOMMUNIKATIONSSTIL HISTRIONISCHER PERSÖNLICHKEITEN: Analyse der expressiven Ausdrucksweise, des Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit und der daraus resultierenden Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen.

4. ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DIE ENTSTEHUNG EINER HPS: Untersuchung der Ursachen durch tiefenpsychologische Konzeptionen sowie kognitive und rollentheoretische Perspektiven.

5. PSYCHOSOZIALE FOLGEN: Erläuterung der systemischen Auswirkungen und der in Teufelskreisen mündenden Beziehungsdynamiken.

6. SCHLUSS: Kritische Reflexion über die diagnostische Kategorisierung menschlichen Verhaltens und das Plädoyer für den gesunden Menschenverstand in der Psychologie.

Schlüsselwörter

Histrionische Persönlichkeitsstörung, Hysterie, Persönlichkeitspsychologie, DSM-IV, ICD-10, Kommunikationsstil, Tiefenpsychologie, Rollentheorie, Selbstdramatisierung, Affektivität, Suggestibilität, soziale Interaktion, Diagnostik, Schulz von Thun, Persönlichkeitskonstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die histrionische Persönlichkeitsstörung als klinisches Bild, eingebettet in kommunikationspsychologische und tiefenpsychologische Kontexte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Definition von Persönlichkeit, die diagnostische Einordnung, der spezifische Kommunikationsstil Betroffener sowie deren Entstehungshintergründe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Störungsbild, um Verständnis für die Verhaltensweisen und die diagnostischen Herausforderungen zu schaffen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung psychologischer sowie systemtheoretischer Konzepte auf die histrionische Persönlichkeitsstörung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostischen Kriterien, die Analyse des Kommunikationsstils und die Erläuterung der Ursachen aus verschiedenen psychologischen Perspektiven.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Histrionische Persönlichkeitsstörung, Kommunikationsstil, Diagnostik, Tiefenpsychologie und soziale Interaktion.

Wie beeinflusst der Kommunikationsstil die Beziehung zu anderen Menschen?

Durch die Inszenierung und das ständige Streben nach Aufmerksamkeit fühlen sich Interaktionspartner oft genervt, was zu distanzierendem Verhalten führt, welches die Betroffenen wiederum in ihrem Gefühl der Unwichtigkeit bestätigt.

Welche Rolle spielt die Sprache bei der Diagnose histrionischer Störungen?

Die Sprache dient sowohl als Beobachtungsgegenstand (impressionistischer Sprachstil) als auch als diagnostisches Werkzeug zur Kategorisierung und Klassifizierung durch Systeme wie DSM-IV und ICD-10.

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Details

Title
Die histrionische Persönlichkeitsstörung
College
Neisse University Görlitz  (Studiengang Kommunikationspsychologie)
Course
Störungen der Kommunikation
Grade
1,4
Author
Christoph Obermeier (Author)
Publication Year
2002
Pages
15
Catalog Number
V23158
ISBN (eBook)
9783638263382
Language
German
Tags
Persönlichkeitsstörung Störungen Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Obermeier (Author), 2002, Die histrionische Persönlichkeitsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23158
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