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Kants Ästhetik und die "Geschmacksdebatte" des 18. Jahrhunderts

Versuch einer Verortung zum besseren Verständnis

Title: Kants Ästhetik und die "Geschmacksdebatte" des 18. Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 30 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: M.A. Thomas Grunewald (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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„Es ist ein grenzenloses Verdienst unseres alten Kant um die Welt und ich darf sagen, auch um mich, daß er in seiner Kritik der Urteilskraft Kunst und Natur nebeneinander stellt und beiden das Recht gibt, aus großen Prinzipien zwecklos zu handeln.“ Dieser Nachruf Goethes auf Kant und dessen „Kritik der Urteilskraft“, verdeutlichen die immense Wirkung, welche die Gedanken des Gelehrten aus Königsberg auf die großen Geister seiner Zeit und nachfolgende Generationen hatte. Er kann durch beliebig viele Beispiele ergänzt werden. So schrieb etwa Schiller über diese Kritik, dass sie ihn durch ihren „neuen, lichtvollen, geistreichen Inhalt hinriß“ und in ihm das „größte Verlangen“ weckte „mich [Schiller, Anm. d. Verf.] nach und nach in seine [Kant, Anm. d. Verf.] Philosophie hineinzuarbeiten“.2 Doch auch Kants Gegner wurden von dessen dritter Kritik tief geprägt, was exemplarisch an Herder deutlich wird, der von „d[er] toten Form ohne Inhalt, d[en] Empfindung[en] ohne Begriffe, d[er] Zweckmäßigkeit ohne Zweck, d[er] Überschätzung des Genies und andere[m] mehr“3 wetterte. Allerdings erschöpft sich der 'Wert' der „Kritik der Urteilskraft“ nicht in Kants Theorie der Ästhetik und es würde wohl zu kurz greifen, dieses Werk schlichtweg als den Beitrag des Königsberger Denkers zur „Geschmacksdebatte“ des 18 Jahrhunderts ansehen zu wollen. So vermutete Hannah Arendt in Kants dritter Kritik gar eine verborgene politische Philosophie, welche sie auf Grund ihres frühen Todes jedoch nicht mehr extrahieren konnte.4 Andererseits rechnen einige „Fachphilosophen, sogar […] manche Kant-Forscher [die dritte Kritik] nicht (mehr) zur Pflichtlektüre“ und das, obwohl „eine immense Forschungsliteratur […] seitens der Kant- und Idealismusforscher als auch der Literaturwissenschaftler [und] Biologen“ existiert.5 Hieraus wird offenbar, dass Kants Werk nicht nur für eine Vielzahl von Wissenschaften allgemein von Interesse ist, sondern auch, dass die Meinungen über Inhalt und Sinn weit auseinandergehen. Exemplarisch sei hierfür der renommierte Historiker Jonathan I. Israel angeführt, der Kant - in seiner Trilogie über die Aufklärung - zwischen die beiden gegensätzlichen Pole der „moderaten“ und „radikalen“ Aufklärer positionierte und dabei der „Kritik der Urteilskraft“ eine Schlüsselrolle zuwies: „This, his third Kritik, sprang directly from the Pantheismusstreit and includes a lengthy discussion of Spinoza, and from a Kantian (but by no means from a general) perspective

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalte und Aufgaben der „Kritik der Urteilskraft“

3. Die Entstehungsgeschichte der Schrift

4. Die „Kritik der ästhetischen Urteilskraft“

4.1. Die Einbildungskraft

4.2. Kunst und Genie

4.3. Das „Naturschöne“ und die „Sprache der Natur“

5. Die „Geschmacksdiskussion“ des 18. Jahrhunderts

5.1 Winckelmann, Breitinger, Mendelssohn und Riedel – Anregungen für die Kritik der Urteilskraft?

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische Theorie Immanuel Kants in seiner „Kritik der Urteilskraft“ und setzt diese in den Kontext der zeitgenössischen „Geschmacksdebatte“ des 18. Jahrhunderts. Das Ziel ist es, durch eine historische Verortung und den Vergleich mit zeitgenössischen Denkern ein tieferes Verständnis für Kants Absichten und die systematische Bedeutung der Ästhetik für sein Gesamtwerk zu gewinnen.

  • Kants systematische Einordnung der „Kritik der Urteilskraft“
  • Methodik der „Cambridge School“ in der Ideengeschichte
  • Die Rolle von Urteilskraft, Einbildungskraft, Kunst und Genie
  • Die Verbindung von Ästhetik, Naturschönem und Moralität
  • Vergleich der Kantischen Ästhetik mit Vertretern der Geschmacksdebatte

Auszug aus dem Buch

Die subjektivische Natur der Schönheit

„Wenn ich sage, ein Gegenstand sey schön; so will ich in der That sagen: er gefällt mir. Allein da wir immer gewohnt sind, einen unvermerkten Schluß von unserer Empfindung auf die Empfindung anderer zu machen, so drücken wir unser Wohlgefallen allgemein aus, als wenn das, was uns gefällt jedermann gefallen müße; das ist: wir nennen den Gegenstand, der uns gefällt, schön. Die Schönheit ist also keine innere Eigenschaft der Dinge; sie ist mehr eine Beschaffenheit unsers Gefühls und des Eindrucks, welchen die Sachen in uns hervorbringen. Ihr Begrif darf nicht aus der Natur der Gegenstände abgesondert werden und eine vollständige Definition von der Schönheit ist so unmöglich […]. Wenn wir sagen, das sey schön, was uns gefällt, so ist dies bloß ein Nominal Begrif, in welchem das Wort und nicht die Sache erklärt wird. […] Gegenstände, in welchen Einförmigkeit in der Mannichfaltigkeit empfunden wird, gefallen uns; sie bringen also die Idee der Schönheit in uns hervor, obgleich das Wesen derselben nicht in der Einförmigkeit und Mannichfaltigkeit bestehen. Die Idee der Schönheit ist von gleicher Art, wie die Begriffe, die wir von den Bewegungen unserer wollenden Kraft haben. Freude, Mitleid, Angst, Furcht, Schrecken – lauter Beschaffenheiten, die wir empfinden, nicht aber im eigentlichen Verstande erklären können.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Rezeptionsgeschichte der dritten Kritik ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit mittels der „Cambridge School“.

2. Inhalte und Aufgaben der „Kritik der Urteilskraft“: Dieses Kapitel systematisiert die Aufgaben der dritten Kritik, insbesondere die Funktion der Urteilskraft als Bindeglied zwischen theoretischer und praktischer Philosophie.

3. Die Entstehungsgeschichte der Schrift: Es wird beleuchtet, wie Kant durch die Beschäftigung mit dem Geschmack zu seinem dritten Vermögen gelangte und in welche intellektuellen Diskurse der Zeit er damit eingriff.

4. Die „Kritik der ästhetischen Urteilskraft“: Das Kapitel analysiert die ästhetischen Grundlagen bei Kant, wobei Begriffe wie das „interesselose Wohlgefallen“ und die „Reflektion“ zentral stehen.

4.1. Die Einbildungskraft: Dieser Abschnitt erläutert die Rolle der produktiven Einbildungskraft bei der Harmonisierung der Erkenntnisvermögen im ästhetischen Urteil.

4.2. Kunst und Genie: Es wird Kants Kunstbegriff dargestellt, wobei der Fokus auf der Bedeutung des Genies und der sozialen Mitteilbarkeit liegt.

4.3. Das „Naturschöne“ und die „Sprache der Natur“: Das Kapitel verknüpft das Naturschöne mit Kants moralphilosophischem Interesse an einer „chiffrierten“ Sprache der Natur.

5. Die „Geschmacksdiskussion“ des 18. Jahrhunderts: Es wird die historische Debatte um den Geschmack als aufklärerisches Vehikel zur Bildung und moralischen Entwicklung nachgezeichnet.

5.1 Winckelmann, Breitinger, Mendelssohn und Riedel – Anregungen für die Kritik der Urteilskraft?: Dieser Teil sucht in den Werken der genannten Autoren nach inhaltlichen Ähnlichkeiten zu Kants ästhetischer Theorie.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Kants Denken als einen, in seiner Zeit verwurzelten, aber originären Beitrag zur ästhetischen Debatte ein.

Schlüsselwörter

Kritik der Urteilskraft, Immanuel Kant, Ästhetik, Geschmack, Urteilskraft, Einbildungskraft, Aufklärung, Geschmacksdebatte, Naturschönes, Moralität, Genie, Erkenntnisvermögen, Zweckmäßigkeit, Cambridge School, Subjektivität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, inwiefern Kants „Kritik der Urteilskraft“ und insbesondere seine ästhetische Theorie als Teil der zeitgenössischen Geschmacksdebatte des 18. Jahrhunderts verstanden werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Kants Begriff der Urteilskraft, dem Zusammenhang von ästhetischem Wohlgefallen und Moral sowie dem Einfluss zeitgenössischer Denker auf Kants Theorie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Kants ästhetische Theorie historisch zu verorten und zu zeigen, dass Kants Gedanken nicht in einem luftleeren Raum entstanden, sondern von den Diskursen seiner Zeit geprägt waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin oder der Autor verwendet die Methode der „Cambridge School“ der politischen Ideengeschichte, um philosophische Texte in ihrem jeweiligen sozialen und diskursiven Kontext zu verstehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert Kants Werk systematisch (Aufgaben, Entstehungsgeschichte, Kernelemente wie Einbildungskraft und Genie) und stellt diese in einen Vergleich zu Denkern wie Riedel, Winckelmann und Mendelssohn.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das „interesselose Wohlgefallen“, die „Zweckmäßigkeit ohne Zweck“, der „Gemeinsinn“ und die Einbettung der Ästhetik in den Aufstieg zur Moralität.

Wie bewertet die Arbeit Kants Verhältnis zur „Geschmacksdebatte“?

Die Arbeit betont, dass Kant zwar keine direkten Zitate aus den Werken seiner Zeitgenossen übernimmt, er aber bekannte Begrifflichkeiten und Denkfiguren nutzte, um sie in sein eigenes, Systematisches Denken zu integrieren.

Welche Rolle spielen das Genie und die Kunst in dieser Untersuchung?

Genie und Kunst werden als notwendige Elemente betrachtet, um die Mitteilbarkeit des ästhetischen Geschmacks zu gewährleisten und den Übergang von der bloßen Zivilisierung zur Kultivierung und Moralisierung zu ermöglichen.

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Details

Title
Kants Ästhetik und die "Geschmacksdebatte" des 18. Jahrhunderts
Subtitle
Versuch einer Verortung zum besseren Verständnis
College
Martin Luther University  (Seminar für Philosophie)
Course
Kants Kritik der Urteilskraft
Grade
2,0
Author
M.A. Thomas Grunewald (Author)
Publication Year
2012
Pages
30
Catalog Number
V231617
ISBN (eBook)
9783656482864
ISBN (Book)
9783656482871
Language
German
Tags
Kant - Ästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Thomas Grunewald (Author), 2012, Kants Ästhetik und die "Geschmacksdebatte" des 18. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231617
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