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Auf der Suche nach dem Praktischen im Urteilen.

Hannah Arendt und Kants Politische Philosophie.

Titel: Auf der Suche nach dem Praktischen im Urteilen.

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 41 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: M.A. Thomas Grunewald (Autor:in)

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Als schwierigste Aufgabe empfand der Autor dieser Arbeit schon immer das Fällen eines abschließenden Urteils am Ende seiner wissenschaftlichen Hausarbeiten. Er unterschied damals noch nicht zwischen einem rein wissenschaftlichem und einem, sozusagen, persönlichem Urteil. Doch war er der Überzeugung, dass ein Urteil mehr sein musste, als die Zusammenfassung der in der jeweiligen Arbeit heraus präparierten Zwischenergebnisse. Nicht nur, weil es schlichtweg unbefriedigend war, sondern weil darin das 'erarbeitet Verständnis' über den Untersuchungsgegenstand nicht teilhaftig werden konnte. Dieses Problem beschäftigte den Autor dieser Arbeit besonders hinsichtlich seiner Eigenschaft als Student der Geschichte, in welcher er immer wieder mit historischen Ereignissen konfrontiert war, die der Urteilskraft allein deshalb schon bedurften, da sie nach einer Einordnung bzw. Verortung verlangten. Wie jedoch verfährt man mit Phänomenen wie Revolutionen oder dem Nationalsozialismus? Mit welchen Kategorien, Mustern und Schemata ist solchen unbegreiflichen und 'neuen' Ereignissen beizukommen? Gerade eine kurz zuvor fertiggestellte Hausarbeit über das letzte Jahr des Nationalsozialismus sowie ein bemerkenswerter, genereller Mangel an Autoritäten zum Thema Urteil und Urteilsfindung, gaben schließlich den Ausschlag für den Autor dieser Arbeit, das Seminar „Über das Urteilen“ Hannah Arendts zu besuchen.
Folgerichtig beschäftigt sich die vorliegende Untersuchung mit eben dieser Thematik, welche in Frageform genauer expliziert werden kann: Was versteht Hannah Arendt unter dem Urteilen und wie gestaltet sich die innere 'Funktionsweise' dieses Prozesses? Warum und in welcher Weise stützt sie sich dabei auf Kants „Kritik der Urteilskraft“ und im Besonderen auf die Kritik der ästhetischen Urteile? Was hat das Urteilen mit der politischen Philosophie Kants zu tun und gibt es überhaupt eine solche?1
Einer Beantwortung dieser Fragen stehen gleich eine Reihe von Problemen im Weg, die den Charakter der folgenden Untersuchung wesentlich bestimmen und deshalb in einiger Ausführlichkeit genannt werden müssen. Als 'DAS' Hindernis schlechthin stellt sich vor allem das Fehlen eines expliziten Werkes „Das Urteilen“ von Hannah Arendt dar. Ihr früher Tod erlaubte die Verfertigung des – allem Anschein nach – geplanten und schon strukturierten Werkes, welches direkt an „Das Wollen“ anschließen sollte, nicht mehr.2 Die im Folgenden

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Eine politische Theorie Kants?

3. Die Inhalte der politischen Theorie Kants

4. Die Kritik der Urteilskraft

5. Arendts Interpretation

5.1. Die Einbildungskraft

5.2. Der Gemeinsinn

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die These von Hannah Arendt, dass in Kants „Kritik der Urteilskraft“ eine eigenständige politische Philosophie verborgen liegt, und hinterfragt dabei die methodische sowie inhaltliche Konsistenz ihrer Interpretation.

  • Methodische Überprüfung der Arendt'schen Interpretation von Kants Gesamtwerk.
  • Untersuchung der Bedeutung der „Kritik der Urteilskraft“ für das politische Denken.
  • Analyse der Rolle der Einbildungskraft und des Gemeinsinns innerhalb der Urteilstheorie.
  • Kritische Beleuchtung der Verbindung von ästhetischen Urteilen und moralisch-politischem Handeln.

Auszug aus dem Buch

Die Inhalte der politischen Theorie Kants

„Angesichts der Tatsache, dass Kant keine >>Theorie der Politik<< geschrieben und seine politischen Ansichten nie vollständig in systematischer Ordnung aufgebaut und abgehandelt hat, könnte man [bei der Erschließung seiner politischen Philosophie; Anm. d. Verf.] sogar eher von einer Konstruktion als von einer Rekonstruktion sprechen. … [Deshalb] steht eine Arbeit über Kants politische Philosophie daher vor der Schwierigkeit, Kants Gedanken in einer Weise zu ordnen und darzustellen, wie er selbst es nicht getan hat. Kants politische Philosophie muss erschlossen werden aus seinem Gesamtwerk, sie muss gebaut werden aus Elementen, die sich teils konzentrieren, teils verstreut in seinen Schriften finden.“

Schattenmann, dem die Problematik dieser Aufgabe nur zu bewusst ist – der weiß, dass seine Darstellung eine Konstruktion ist, die abhängig ist von seiner Interpretation dessen, was Kant „wirklich gemeint“ hat – gelingt dies auf vorbildliche Weise. Er hat in seinem Werk fünf Grundzüge der kantischen politischen Philosophie herausgearbeitet, die als willkommener Wegweiser im arendt'schen Dickicht sinnvoller, unsinniger und anekdotischer Ausführungen dienen können. Diese Grundzüge lassen sich unter die Oberbegriffe Freiheit, Recht, Staat, Welt und Geschichte bringen und finden sich – verstreut und immer wieder unterbrochen – auch in Arendts Vorlesungsaufzeichnungen.

Das große Problem bei Arendt ist, dass sie diese Themen nie gesondert anspricht - immer verbindet - jedoch nie zu lang, da sie sich wieder anderen Gedanken zuwendet, die nichts mit dem Politischen zu tun haben. Beispielweise geht sie, wie auch Schattenmann, zuerst auf den Menschen ein, ohne den das Politische schlichtweg nicht möglich ist, wenn sie die Themen der „KU“ klassifiziert: „[D]as besondere, sei es eine Tatsache der Natur oder ein Ereignis in der Geschichte; die Urteilskraft als das Vermögen des menschlichen Geistes, sich mit dem Besonderen zu befassen; die Geselligkeit der Menschen als Bedingung des Funktionierens dieses Vermögens, d.h. die Einsicht, daß die Menschen von ihren Mitmenschen abhängig sind, nicht nur weil sie einen Körper und physische Bedürfnisse haben, sondern gerade wegen ihrer geistigen Fähigkeiten [...]“. Damit hat sie sich selbst einen überschaubaren und verständlichen 'Fahrplan' vorgegeben. Folgerichtig fährt sie dann auch mit der Moralphilosophie Kants fort und stellt fest, dass die Urteilskraft, welche sich eben mit dem Besonderen befasst, keinen Platz in dieser hat; es sich dabei also nicht um Fragen der Moral handelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Der Autor thematisiert die Schwierigkeit, ein Urteil über historische Ereignisse zu fällen, und führt in die Fragestellung ein, ob Hannah Arendt eine schlüssige politische Philosophie bei Kant in dessen „Kritik der Urteilskraft“ nachweisen kann.

2. Eine politische Theorie Kants?: Es wird analysiert, ob Kant eine explizite politische Philosophie hinterlassen hat und wie Arendt diese in Kants Gesamtwerk zu entdecken sucht.

3. Die Inhalte der politischen Theorie Kants: Das Kapitel untersucht, wie Arendt die Grundzüge einer politischen Philosophie aus verstreuten Schriften Kants konstruiert und ordnet.

4. Die Kritik der Urteilskraft: Eine Darstellung der kantischen Theorie der ästhetischen Urteile, die als Kontrastfolie zu Arendts politischer Interpretation dient.

5. Arendts Interpretation: Hier wird Arendts spezifische Deutung der Ästhetik Kants als politische Theorie kritisch hinterfragt, insbesondere unter Einbeziehung der Einbildungskraft und des Gemeinsinns.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die Arendts methodische Schwächen aufzeigt, aber ihre Motivation, das Urteilen als Instrument zur Bewältigung historischer Erfahrungen (z. B. Eichmann-Prozess) zu nutzen, anerkennt.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, politische Philosophie, Urteilskraft, Einbildungskraft, Gemeinsinn, Zuschauer, Handeln, Ästhetik, Moral, Publizität, Geschichtsphilosophie, Vernunft, politisches Urteilen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht kritisch Hannah Arendts Vorlesungen zu Kants politischer Philosophie und prüft, ob die von ihr behauptete politische Dimension in Kants „Kritik der Urteilskraft“ wissenschaftlich haltbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Ästhetik und Politik, die Rolle der Urteilskraft bei Kant sowie die methodische Herangehensweise Arendts bei der Konstruktion einer politischen Theorie aus einem nicht explizit politischen Gesamtwerk.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die methodische und inhaltliche Überprüfung von Arendts These. Dabei soll geklärt werden, ob ihre Interpretation der kantischen Texte schlüssig ist oder ob sie Kants Lehre für ihre eigenen philosophischen Zwecke unangemessen umdeutet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textkritischen Analyse und einem systematischen Vergleich von Arendts Auseinandersetzung mit Kant gegenüber den originalen philosophischen Texten Kants sowie einschlägiger Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst das Fehlen eines expliziten politischen Werkes bei Kant beleuchtet, anschließend die Rolle der „Kritik der Urteilskraft“ analysiert und Arendts Deutung von zentralen Begriffen wie Einbildungskraft und Gemeinsinn einer kritischen Prüfung unterzogen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Arendt, Kant, Urteilskraft, politische Philosophie, ästhetisches Urteil, Gemeinsinn und das Spannungsfeld zwischen Zuschauer und Handelndem.

Inwieweit spielt der Eichmann-Prozess für die Argumentation eine Rolle?

Der Autor greift auf die Forschung von Beiner zurück, die nahelegt, dass Arendts Suche nach einer politischen Theorie des Urteilens stark durch ihre Beobachtungen im Eichmann-Prozess motiviert war, da sie dort die Notwendigkeit sah, moralisches Handeln unabhängig von Regeln zu begründen.

Warum bezweifelt der Autor Arendts Interpretation des „Gemeinsinns“?

Der Autor argumentiert, dass Arendt den „Gemeinsinn“ bei Kant fälschlicherweise als einen aktiven kognitiven Prozess zur Meinungsbildung deutet, während Kant ihn lediglich als eine bloße Voraussetzung bzw. als Gefühl beschreibt, das die Möglichkeit zur Kommunikation und Urteilsbildung überhaupt erst ermöglicht.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Auf der Suche nach dem Praktischen im Urteilen.
Untertitel
Hannah Arendt und Kants Politische Philosophie.
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Seminar für Philosophie)
Veranstaltung
Hannah Arendt, Das Urteilen.
Note
2,0
Autor
M.A. Thomas Grunewald (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
41
Katalognummer
V231618
ISBN (eBook)
9783656481799
ISBN (Buch)
9783656481669
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hannah Arendt - Urteilskraft - Kant
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Thomas Grunewald (Autor:in), 2012, Auf der Suche nach dem Praktischen im Urteilen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231618
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Leseprobe aus  41  Seiten
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