Ob Revival alter DDR-Produkte oder nostalgische Verklärung des ostdeutschen Alltags vor dem Mauerfall – Literatur, Film und Fernsehen erwecken gerne eine Zeit zu neuem Leben, die man zuvor zu vergessen suchte.
Dieses Buch geht dem Phänomen "Ostalgie" im Allgemeinen sowie auf dem Gebiet der deutschen Gegenwartsliteratur nach. Im Fokus steht dabei Thomas Brussigs Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ und seine Verfilmung von 1999. Inwiefern geht es hier um die Darstellung typischer Alltagsumstände, inwiefern um die Abbildung eines Lebensgefühls? Sind diese Erinnerungen an die DDR-Vergangenheit Komödie, Dokumentation oder Persiflage?
Aus dem Inhalt:
Werkgenese und Erzählstruktur von Thomas Brussigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“; Motivik und Intertextualität, Motivkomplex Ost-West-Problematik; Verfilmung und Umsetzung von "Sonnenallee"; DDR-Alltag und DDR-Kritik; Komik in der "Sonnenallee" – Lachen über die DDR?; Komiktheorien nach Henri Bergson und Michail Bachtin
Inhaltsverzeichnis
Dominik Eichert (2016): Der alltägliche Blick zurück. Zum Umgang mit der DDR-Geschichte, am Beispiel der Ostalgie
Einleitung
Erinnerungstheorien
Das Phänomen der DDR-Nostalgie
Heutige Bilder von der DDR
Resümee
Susan Dankert (2005): Eine Interpretation von Thomas Brussigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“
Vorwort
Literarische Form und Struktur
Erzähler und Erzählstruktur
Erzählte Zeit und Erzählgeschwindigkeit
Sprache
Motivation, Motivik und Intertextualität
Analyse wichtiger “Stellen“ im Roman
Resümee / Interpretationsansatz
Theresa Hiepe (2009): Eine Darstellung der Einschränkungen des täglichen Lebens in der DDR anhand Thomas Brussigs Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“
Einleitung
Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Einschränkungen des täglichen Lebens in der DDR
Schlussbetrachtung
Anonym (2008): Komiktheoretische Annäherungen an Leander Haußmanns „Sonnenallee“. Darf man das? Lachen über den Osten
Einleitung
Leander Haußmanns Sonnenallee
Die Komödie Sonnenallee
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Publikation befasst sich interdisziplinär mit dem Phänomen der DDR-Nostalgie (Ostalgie) sowie der literarischen und filmischen Verarbeitung des Lebens in der DDR, insbesondere anhand von Thomas Brussigs Roman „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ und dessen Verfilmung durch Leander Haußmann. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der gelebten Realität im ehemaligen Diktaturstaat und der heutigen nostalgischen Verklärung in Gesellschaft und Medien wissenschaftlich aufzuarbeiten.
- Erinnerungstheoretische Analyse der kollektiven und sozialen Gedächtnisbildung
- Untersuchung der narrativen Strukturen und Sprache im Roman
- Kritische Beleuchtung der Einschränkungen des täglichen Lebens in der DDR
- Komiktheoretische Untersuchung der Darstellung des DDR-Alltags in „Sonnenallee“
- Diskussion über die moralische Vertretbarkeit der nostalgischen Darstellung eines Unrechtsstaates
Auszug aus dem Buch
Literarische Form und Struktur
Der 2001 in Frankfurt am Main erschienene Wenderoman Am kürzeren Ende der Sonnenallee von Thomas Brussig umfasst 151 Seiten und unterteilt sich in 14 Kapitel, die jeweils zwischen 3 und 24 Seiten lang sind. Die Kapitel sind nicht durchnummeriert und ein Inhaltsverzeichnis samt Kapitelauflistung fehlt ganz - hier deutet sich schon an, dass in der Lektüre Struktur eine untergeordnete Rolle spielt bzw. Struktur gar nicht erwünscht ist.
Die im Roman stattfindende Vernetzung der Haupthandlung mit vielen in sich abgeschlossenen Teilhandlungen spricht ebenfalls für diesen Schluss. Als Haupthandlung ist dabei eindeutig die Liebesgeschichte zwischen Micha und Miriam auszumachen, die zwar oft unterbrochen wird und auch kapitelweise aussetzt, jedoch den Roman vom ersten bis zum letzten Kapitel durchzieht und die Grundlage darstellt, um welche sich die verschiedenen Nebenhandlungen ranken.
Dazu gehört die Handlung um den verlorenen Pass einer BRD-Bürgerin, Michas Weg ins Rote Kloster und zurück, Wuschels Suche nach der Exile on Mainstreet und u. a. Bernds Armeeerlebnisse. Sie sind eher locker mit der Haupthandlung verbunden und treiben die Liebesgeschichte nicht wirklich voran. Manche Teilhandlungen, wie Michas leidenschaftliche Fehde mit dem ABV (durch die der Liebesbrief in den Todesstreifen gelangt und per Fahndungskontrolle einen Besuch bei Miriam verhindert) oder die westliche Hi-Fi-Anlage (welche zunächst in Ton oder Knete Erwähnung findet und schließlich im letzten Kapitel das gesamte Grenzgebiet inklusive Haupt- und Teilhandlungen kurzschließt) wirken hingegen dynamisch auf die Haupthandlung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Untersuchung angesichts des verklärenden Rückblicks auf die DDR und die Relevanz von Erinnerungstheorien bei historischen Transformationsprozessen.
Erinnerungstheorien: Dieses Kapitel führt in das soziale und kollektive Gedächtnis ein, um zu verdeutlichen, wie Vergangenheit in sozialen Gruppen konstruiert und tradiert wird.
Das Phänomen der DDR-Nostalgie: Hier werden die Gründe für die positive Retrospesktivbewertung der DDR analysiert und die Rolle der Identitätssuche hervorgehoben.
Heutige Bilder von der DDR: Basierend auf repräsentativen Studien wird untersucht, wie die deutsche Bevölkerung heute auf die DDR blickt und welche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen bestehen.
Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Gefahr der Verharmlosung des DDR-Unrechtsstaates durch eine verklärende Nostalgie.
Vorwort: Das Vorwort problematisiert die aktuelle Ost-West-Debatte und hinterfragt, wie es zu einem kollektiven Vergessen der Diktatur kommen konnte.
Literarische Form und Struktur: Die Analyse der Romanstruktur zeigt eine episodische und bewusste Nicht-Struktur auf, die das Thema des Erinnerns formal widerspiegelt.
Erzähler und Erzählstruktur: Dieses Kapitel untersucht die Fokalisierung und die Nähe des Erzählers zur Diegese, wobei die Vermutung nahegelegt wird, dass ein gealterter Micha die Geschichte präsentiert.
Erzählte Zeit und Erzählgeschwindigkeit: Es wird dargelegt, dass die zeitliche Einordnung im Roman vage bleibt und die Erzählte Zeit in keinem direkten Verhältnis zur realen historischen Chronologie steht.
Sprache: Die sprachliche Gestaltung wird als Mittel zur Charakterisierung und Identitätsstiftung identifiziert, wobei Jugendsprache und DDR-Wortschatz eine zentrale Rolle spielen.
Motivation, Motivik und Intertextualität: Dieses Kapitel zeigt auf, wie durch Kausalität und zentrale Motive Kohärenz in der episodischen Erzählweise erzeugt wird.
Analyse wichtiger “Stellen“ im Roman: Hier werden spezifische Textstellen analysiert, insbesondere die Unmöglichkeit öffentlicher Kritik und die symbolische Bedeutung der Vollmondnacht.
Resümee / Interpretationsansatz: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Roman als Verklärung einer Erinnerung zu lesen ist, die bewusst Präzision vermeidet.
Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee: Dieser Abschnitt bietet einen zeitgeschichtlichen Überblick und erläutert die Genese des Werkes.
Einschränkungen des täglichen Lebens in der DDR: Exemplarisch werden hier Themen wie das Leben in Grenznähe, Wohnungssituation und Wehrdienst behandelt.
Schlussbetrachtung: Die Betrachtung resümiert die Mehrperspektivität des Romans und dessen Eignung für eine interdisziplinäre Behandlung im schulischen Kontext.
Einleitung: Die Einleitung zum komiktheoretischen Teil hinterfragt die Zulässigkeit, über das Leben in der DDR eine Komödie zu drehen.
Leander Haußmanns Sonnenallee: Es wird die Entstehungsgeschichte des Films und die Intention hinter der Inszenierung beleuchtet.
Die Komödie Sonnenallee: Die Analyse konzentriert sich auf Running Gags und komiktheoretische Ansätze, um die Wirkung des Films zu erklären.
Fazit: Das Fazit bestätigt den Status des Films als Komödie und reflektiert die subjektive Wahrnehmung von Zeitgeschichte.
Schlüsselwörter
Ostalgie, DDR, Thomas Brussig, Sonnenallee, Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Leander Haußmann, Ost-West-Konflikt, Identität, Literaturanalyse, Filmkritik, DDR-Alltag, DDR-Nostalgie, Sozialismus, Erzähltheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation im Kern?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Ostalgie sowie die literarische und filmische Aufarbeitung des DDR-Alltags. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Vergangenheit in Erinnerungen verklärt wird und welche Rolle diese Verklärung in der heutigen Gesellschaft spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Erinnerungsforschung (soziales und kollektives Gedächtnis), die Analyse der DDR-Wirklichkeit, literaturwissenschaftliche Untersuchungen von Thomas Brussigs Roman sowie die filmtheoretische Betrachtung von Leander Haußmanns Verfilmung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der historischen Realität des DDR-Unrechtsstaates und der heutigen, oft romantisierenden Darstellung in Film und Literatur aufzuzeigen und ein Verständnis für die Mechanismen der Vergangenheitsbewältigung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und medienwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich unter anderem an erzähltheoretischen Ansätzen (Martinez/Scheffel), Gedächtnistheorien (Assmann, Welzer) und komiktheoretischen Theorien (Bergson, Bachtin) orientiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Erzählstruktur, die Sprache und die Motivik im Roman von Thomas Brussig, untersucht die Einschränkungen des täglichen Lebens in der DDR und analysiert abschließend die komiktheoretischen Aspekte der Verfilmung „Sonnenallee“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Ostalgie, DDR-Geschichte, kollektives Gedächtnis, Romananalyse, Komiktheorie und Identitätsstiftung beschreiben.
Wie bewertet der Autor die nostalgische Rückschau auf die DDR?
Der Autor warnt davor, die DDR als bloße „Liebesschnulze“ oder harmlose Kulisse zu betrachten. Er betont, dass die nostalgische Verklärung dazu führt, dass negative Erinnerungen an den Unrechtsstaat verdrängt werden, was eine kritische Auseinandersetzung behindert.
Welche Bedeutung hat das „Wunder der Geburt“ im Film Sonnenallee?
Das „Wunder der Geburt“ wird als Allegorie für das „Wunder der Wende“ gedeutet. Es symbolisiert den Neuanfang und die Unmöglichkeit der DDR-Realität, sich aus eigener Kraft zu reformieren, was letztlich das Eingreifen des „Wunderrussen“ (Gorbatschow) erforderlich machte.
- Citation du texte
- Susan Dankert (Auteur), Theresa Hiepe (Auteur), Imke Münnich (Auteur), Dominik Eichert (Auteur), 2016, Ostalgie in Gesellschaft und Literatur: „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ von Thomas Brussig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231629