Fragebogengestaltung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
12 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Gliederung

1 EINLEITUNG

2 GRUNDKONZEPTE UND STRATEGIEN
2.1 Einteilungsgesichtspunkte
2.2 Anwendungsgebiete

3 FRAGENTYPEN UND FRAGENFORMULIERUNG
3.1 Fragetypen
3.2 Frageneormulierung- Eine Kunst
3.2.1 Eindeutigkeit - Formalien der Fragenformulierung
3.2.2Typische Problemfelder - Bezugsrahmen und Verzerrte Fragen

4 TYPISCHE FEHLERQUELLEN IM FORSCHUNGSPROZESS
4.1 Antworttendenzen und Reihenfolgeefeekte
4.1.1 Antworttendenzen
4.1.2 Reihenfolgeeffekte
4.1.2.1 Kontexteffekte
4.1.2.2 Positionseffekte

5 KONSTRUKTION. AUFBAU UND LAYOUT
5.1 Makroplanung
5.2 Mikroplanung
5.3 Checkliste
5.4 Layout

6 SCHLUSS

7 LITERATURVER ZEICHNIS

1 Einleitung

,Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Menschen nie wirklich auf das antworten, was man sie fragt? Sie beantworten das, M’as man meint - oder vielmehr das, was sie glauben dass man meint‘ (Guss 1997, S. 34). Dieses Zitat von Kurt Guss lässt bereits vermuten, dass wir uns heute mit einem äußerst komplexen und schwierigen Thema beschäftigen: Der Fragebogengestaltung. Dennoch sollten wir uns von derartigen Aussagen nicht abschrecken lassen - im Gegenteil!

Doch müssen wir uns vorab eine kritische Ansicht bewusst machen: Durch Fragebögen wird nicht erforscht, was eine Person meint, sondern was sie meint meinen zu sollen (vgl. Guss 1997, S. 35). Oft werden erst durch Fragen Meinungen geschaffen. Auf die Frage einer amerikanischen Zeitung gaben 30% der Befragten an, sie würden den „Metallic-Metals-Act“ entschieden befürworten. Und das, obwohl es diese Gesetzesvorlage nie gegeben hat! Den dreistesten Missbrauch mit Befragungen können wir Tag für Tag in der Presse beobachten. Journalisten befragen walillos eine Hand voll Leute und haben dann auch noch die Dreistigkeit zu behaupten: ,J)iese Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ, sie zeigt aber doch, ...“. Was zeigt sie demi? Nichts und wieder nichts! (vgl. Guss 1997, S. 35)

Umso wichtiger erscheint es nun einige Aspekte genauer unter die Lupe zu nehmen, die uns befähigen können von Selbstbeurteilungsmethoden1 seriös Gebrauch zu machen. Demi deren Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind wesentlich einfacher durchzuführen als Beobachtungsmessungen und dadurch mit deutlich weniger Aufwand verbunden (vgl. Stroebe 1996, S. 103).

Im ersten Teil dieses Referates stellt Euch Christoph Herrmann einige Grundkonzepte und Strategien vor. Dann wird er verschiedene Fragentypen vorstellen und verschiedene Möglichkeiten der Fragenfonnulierung erläutern. Anschließend will ich auf die Problematik der „Antworttendenzen“ eingehen und die wichtigsten Arten von „Reihenfolgeeffekten“ präsentieren. Nach dieser Grundlegung soll die Konstruktion, der Aufbau und das Layout eines Fragebogens erläutert werden. Abschließend wollen wir bei einer Diskussion noch unseren gesunden Menschenverstand einsetzen und den einen oder anderen Aspekt nochmals diskutieren.

2 Grundkonzepte und Strategien

2.1 Einteil ungsgesichtspunkte

Die Herangehensweise an die Konstruktion eines Fragebogens ist immer abhängig von der konkreten Fragestellung. Mit welchen Zielen werden welche Fragen gestellt, in welche kommunikative Siüiation ist die Untersuchung eingebettet - all dies sind Aspekte die hinreichend bedacht werden müssen, damit das erhobene Datenmaterial die erhoffte Aussagefälligkeit besitzt. Tränkle (1983, S.222 ff.) informiert umfassend über die verschiedenen Kriterien, nach denen sich ein Fragebogen charakterisieren lässt. Ich werde die diversen Einteilungsgesichtspunkte aufbereitet darstellen und dabei in graphischer Form die Klassifikation der Kommuniltationsformen - in Anlehnung an Tränkle (1983) - ausführlicher vorstellen.

- Grad der Standardisierung'. Hier kann unterschieden werden zwischen a) nicht bzw. schwach standardisierten, b) teilstandardisierten, sowie c) vollständig standardisierten Fragebogen (vgl. Tränkle 1983, S. 222 f).
- Gültigkeitsbereiche'. Diese Bereiche lassen sich aufteilen in a) individual­diagnostische (Aussagen über Individuen) und b) demoskopische bzw. sozialwissenschaftliche (Aussagen über Gruppen) (vgl. Tränkle 1983, S. 223 f).
- Rationale bzw. inhaltsorientierte Aspekte : Ferner wird zwischen a) fakten- oder kenntnisorientierten Fragen, b) meinungs- bzw. einstellungsorientierten Fragen und c) persönlichkeitsorientierten diagnostischen Fragen differenziert (vgl. Tränkle 1983, S.224).
- Kommunikationsformen: Gewöhnlich wird zwischen a) schriftlichen vs. mündlichen Befragungen, sowie zwischen b) persönlichem Interview vs. schriftlichen Befragungen unterschieden. Im Hinblick auf die Komplexität des Gegenstandes fordert Tränkle (1974) eine präzisere Einteilung der kommunikativen Rahmenbedingungen einer Befragimgssituation (vgl. Tränkle 1983, S. 223). Siehe hierzu die MaindMap nächste Seite. Tränkle (1983, S. 223) versteht seine Klassifikation als Resultat seiner Erfahrung und erhebt damit keinen Anspruch auf deren Vollständigkeit, da Mischfonnen in der Praxis gebräuchlich sind.
- Grundkonzepte der Fragebogenkonstruktion'. Zuletzt lassen sich unterschiedliche Herangehensweisen an die Fragebogenkonstruktion abgrenzen: a) Bei rationalen Konzeptionen werden die Fragen nach inhaltlichen Kriterien zusammengestellt. Die Items sind eindeutig formuliert, sodass sie von den Vpn verstanden und wahrheitsgemäß beantwortet werden können. Die Durchschaubarkeit dieser Fragen - so erwünscht diese aus Gründen der inhaltlichen Interpretation einerseits sein mag - fuhrt andererseits jedoch zu dem Problem, dass die Antworten nicht resistent gegen Verfälschungen sind, b) Beim empirischen Ansatz werden die Fragen ausschließlich auf ihren Zusammenhang mit externen Kriterien hin überprüft. Mit anderen Worten: „Die Antworten werden als verbales Verhalten betrachtet, das als Zeichen (sign) bzw. Indikator für einen Sachverhalt anzusehen ist, d.h. die Bedeutung einer Antwort ergibt sich allein aus der Korrelation zu Außenkriterien.“ (Tränkle 1983, S. 225). Weil inhaltliche Aspekte hier also keine Rolle spielen, können die Fragen so formuliert werden, dass sie für die Vpn undurchschaubar und somit bedeutend stabiler gegen Verfälschungen sind. Allerdings besteht bei dieser Taktik die Gefahr, dass die Vpn wegen der offensichtlichen Inhaltsleere der Fragen die Beantwortung vorzeitig abbrechen können, c) neoriegeleitete bzw. konstrukt-valide Konzepte dienen der Messung von Konstrukten (bspw. Eysenck-Personality-Inventory). Zentrales Ziel dieser Untersuchungsmethode ist die Konstruktvalidierung. Bei dieser Art Fragebogen besteht jedoch das Problem, dass erst geklärt werden muss, ob ein im Rahmen einer Theorie definiertes Konstrukt mit dem Instrument tatsächlich gemessen werden kann (vgl. Tränkle 1983, S. 226).

2.2 Anwendungsgebiete

Typische Hauptanwendungsgebiete für Fragenbogen sind diagnostische, demoskopische und einstellungsrelevante Sachverhalte (vgl. Tränkle 1983 S. 227 ff.).

- Diagnostische Fragebogen'. Dazu zählen vor allem Tests (bspw. Intelligenztest), bei denen es auf eine Frage immer nur eine objektiv richtige Antwort gibt. Bei Persönlichkeits- und Interessenfragebogen hingegen, welche größtenteils vollstandardisiert sind, gibt es lediglich subjektiv richtige Antworten (vgl. Tränkle 1983, S. 227).
- Demoskopische Fragebogen'. Dieses Instrument findet besonders dann Verwendung, wenn im Ergebnis allgemeine Aussagen über Gruppen getroffen werden sollen. Mit diesem Modell werden Faktenwissen, Meinungen und Einstellungen erfragt. Das Niveau der Standardisierung reicht von nicht- bis vollstandardisiert (vgl. Tränkle 1983, S. 227).
- Einstellungsskalen'. Diese Form hat analog zu demoskopischen Fragenbogen die Beschreibung einer Gruppe zum Ziel. Tränkle (1983, S. 228) geht noch ausführlicher auf statistische Probleme mit Einstellungsskalen ein, worauf ich der Vollständigkeit halber hinweisen möchte.

[...]


1 Grundlegende Methoden der Erhebung von Selbstbeurteilungen sind Fragebogen und Interview.

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Details

Titel
Fragebogengestaltung
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz  (Studiengang Kommunikationspsychologie)
Veranstaltung
Qualitative und quantitative Verfahren
Note
1,4
Autoren
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V23163
ISBN (eBook)
9783638263429
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Arbeit im Querformat - doppelseitig.
Schlagworte
Fragebogengestaltung, Qualitative, Verfahren
Arbeit zitieren
Christoph Obermeier (Autor)Christoph Herrmann (Autor), 2001, Fragebogengestaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23163

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