„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie!“ Mit diesem Satz spricht Schiller in seinem Gedicht „Die Künstler“, zwar nur selbige an, aber man kann es auch gut als eine Aufforderung an alle Menschen sehen, die ihnen zuteil kommende Würde und die der anderen Menschen zu achten und zu schützen. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass dem Mensch Würde zugesprochen wird? Gibt es eine Begründung warum gerade wir eine besondere Art der Würde, nämlich die Menschenwürde besitzen und somit eine Sonderstellung unter den Lebewesen einnehmen? Hans Wagner nimmt sich dieser Frage in seinem Spätwerk „Die Würde des Menschen“ an und führt eine mögliche Begründung an. Es soll nun geprüft werden, ob seine Begründung wirklich nur auf den Menschen und somit auch auf alle Menschen oder auch auf andere Lebewesen zutrifft. Die in dieser Diskussion oftmals angeführten präferenzutilitaristischen Gründe werden hier nicht weiter berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wagners Erkenntnisbegriff
3. Sprach- und Erkenntnisfähigkeit von Tieren
4. Tierwürde
5. Erkenntnisfähigkeit von Kleinkindern und schwer geistig Behinderten
6. Erweiterung oder Einschränkung des Würdebegriffs?
7. Quellen und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die philosophische Begründung der Menschenwürde durch Hans Wagner, welche maßgeblich auf dem Prinzip des menschlichen Denkens und der Erkenntnisfähigkeit basiert. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob diese Kriterien zu einer exklusiven Sonderstellung des Menschen führen oder ob sie zwangsläufig eine Ausweitung auf nichtmenschliche Tiere bzw. eine problematische Exklusion von Menschen ohne entsprechende kognitive Fähigkeiten nach sich ziehen müssen.
- Analyse des Erkenntnisbegriffs von Hans Wagner
- Untersuchung der Sprach- und Denkfähigkeiten bei Tieren
- Diskussion über den moralischen Status von Kleinkindern und schwer geistig Behinderten
- Ethische Reflexion über die mögliche Erweiterung des Würdebegriffs auf Tiere
Auszug aus dem Buch
4. Tierwürde
Wendet man Wagners Schluss nun also rückwärts an, indem von Sprache, über Denken, zur Erkenntnisfähigkeit und somit zur Würde kommt müsste man gewissen intelligenten nichtmenschlichen Tieren ebenfalls eine Würde zugestehen. Er selbst geht einer, damit einhergehenden, ähnlichen Frage nach: „Können wir tatsächlich Pflichten gegenüber Tieren haben? […] Können Tiere tatsächlich Rechte haben, Rechtsansprüche an uns Menschen?“ Er sagt, dass wir nur durch unsere Menschenwürde und nicht durch ihre Rechte oder eine Art von Würde, die ihnen zukommen würde, wir sie nicht unseren Lüsten ausgeliefert lassen dürfen, da wir sonst gegen unsere Würde verstoßen würden. Auch Kant vertrat schon die Ansicht, dass ein Mensch der Tiere quält, seiner nicht würdig und entgegen seiner Pflicht handelt. Wagner schreibt zwar auch, dass „[…] die menschliche Spezies wie jede andere lebende Art ein Produkt der Natur ist.“ Der Unterscheid aber und somit der Grund für die menschliche und nur für die menschliche Würde ist, dass „[…] der Mensch, und er allein, nicht nur Naturstück sondern ebensosehr auch Subjekt ist.“
Alle Gedanken eines jeden Menschen soll auf eine „Geltungs-(Wahrheits-) Differenz“ zurückzuführen sein. Er ist sich über den minimalistischen Charakter dieses Beweises im Klaren, sieht ihn aber auch gleich als Stärke desselbigen an. Einstein soll gesagt haben, dass wenn man etwas nicht einfach erklären kann, was Wagner hier, mit diesem minimalistischen Schluss tut, man es selbst nicht richtig verstanden hat. Es ist allerdings auch ein Ausflucht sich der Kritik zu stellen, denn was ist mit der Tatsache, dass einige Tiere dazu fähig sind sich selbst als Subjekt wahrzunehmen, einigen Menschen diese Fähigkeit jedoch verwehrt bleibt? Und kann man wirklich sicher sagen, dass es einigen Tieren, selbst wenn man ihnen nur simplere Gedanken zugesteht, nicht auch auf die wirkliche Verifizierbarkeit ihrer Gedanken ankommt. Würden dies nicht der Fall sein, würde es ihr Leben und den Kampf mit eventuellen natürlichen Feinden, die Futtersuche und das soziale Zusammenleben doch erheblich erschweren. Auf diese gerade angesprochenen Menschen kommen wir nun genauer zu sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Menschenwürde und die Forschungsfrage, ob Wagners Begründung ausschließlich auf den Menschen oder auch auf andere Lebewesen anwendbar ist.
2. Wagners Erkenntnisbegriff: Darstellung der erkenntnistheoretischen Grundlage, nach der Erkenntnis als exklusiv menschliches Produkt verstanden wird.
3. Sprach- und Erkenntnisfähigkeit von Tieren: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sprache, Bewusstsein und Denken im Hinblick auf nichtmenschliche Tiere.
4. Tierwürde: Kritische Reflexion, ob Wagners Kriterien für Würde die Einbeziehung intelligenter Tiere in den moralischen Status erforderlich machen.
5. Erkenntnisfähigkeit von Kleinkindern und schwer geistig Behinderten: Diskussion über die moralische Problematik der Exklusion von Menschen ohne entwickelte kognitive Fähigkeiten.
6. Erweiterung oder Einschränkung des Würdebegriffs?: Zusammenfassende Abwägung zwischen dem Verlust der Menschenwürde für bestimmte Gruppen und der Ausweitung des Begriffs auf die Tierwelt.
7. Quellen und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Menschenwürde, Tierwürde, Erkenntnistheorie, Hans Wagner, Denken, Sprachfähigkeit, Mentalsprache, praktische Philosophie, Subjekt, Präferenzutilitarismus, moralischer Status, kognitive Fähigkeiten, Inklusion, Exklusion, Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Fundierung des Begriffs der Menschenwürde anhand der Theorie von Hans Wagner und prüft, ob die dort angeführten Kriterien logisch konsistent auf den Menschen anwendbar sind, ohne andere Lebewesen auszuschließen oder moralische Dilemmata bei hilfsbedürftigen Menschen zu erzeugen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die zentralen Themen sind die Erkenntnistheorie, die Rolle von Sprache und Denken als Basis für Würde, sowie der moralische Status von Tieren, Kleinkindern und schwer geistig behinderten Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist die Prüfung, ob Wagners Begründung der Menschenwürde ausschließlich den Menschen rechtfertigt oder ob sie bei konsequenter Anwendung auch Tiere miteinbeziehen müsste – bzw. welche Konsequenzen dies für Menschen hätte, die diese Kriterien nicht erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine philosophisch-analytische Methode verwendet, bei der ein zentraler Begriff (Würde) anhand einer spezifischen Theorie (Hans Wagner) auf seine logische Konsistenz und seine Anwendbarkeit auf verschiedene Lebewesen hin untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit Wagners Erkenntnisbegriff, der Frage der tierischen Sprachfähigkeit, der ethischen Differenzierung zwischen Mensch und Tier sowie der problematischen Positionierung von Kleinkindern und behinderten Menschen innerhalb dieser Argumentation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Menschenwürde, Tierwürde, Erkenntnisfähigkeit, Sprachfähigkeit und der Status als Subjekt sind die prägenden Begriffe der Untersuchung.
Welches Experiment zur Kommunikation bei Tieren wird als Beispiel herangezogen?
Die Arbeit verweist auf einen Versuch von M. Louis Herman mit Delfinen, bei dem untersucht wurde, ob diese eigenständig semantisch und syntaktisch korrekte Sätze bilden können.
Wie bewertet der Autor das Dilemma zwischen Kleinkindern und dem Tierbegriff?
Der Autor weist darauf hin, dass eine strikte Anwendung von Wagners Kriterien (Denken als Voraussetzung für Würde) entweder zum Ausschluss von Kleinkindern und behinderten Menschen führen würde oder die Notwendigkeit einer Ausweitung des Würdebegriffs auf Tiere nahelegt.
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- Robin Materne (Author), 2012, Menschenwürde vs. Tierwürde. Wagners Erkenntnisbegriff und seine Anwendung auf den Menschen und andere Lebewesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231642