Massentierhaltung, Fleischkonsum und -produktion: Umweltbezogene Konsequenzen und Aufklärungspflicht der Regierung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konsequenzen der Fleischproduktion und des -konsums
2.1 Entstehung und Ausmaße in Deutschland
2.2 Externe Kosten
2.2.1 Definition
2.2.2 Umweltbezogene Kosten
2.2.3 Nicht-umweltbezogene Kosten

3 Maßnahmen der Regierung zu externen Kosten
3.1 Aufgabe der Regierung nach der Agenda 21
3.2 Bewertung der Aufklärungsarbeit
3.3 Politisches Interesse an der Fleischproduktion
3.4 Handlungsempfehlungen für die staatliche Ernährungskommunikation

4 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Es gibt viele Ansätze mit der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Individuen die Lebensqualität der Menschen oder gar das Leben selbst auf lange Sicht sichern wollen. Ingenieure suchen nach CO2-sparenden Techniken, um die Erderwärmung in einem für den Menschen erträglichen Rahmen zu halten. Unternehmen beteiligen sich an Fair-Trade- Projekten, um die Armut in Entwicklungsländern zu mindern. Politiker bahnen den Weg für eine Energiewende, um weniger von begrenzten Ressourcen abhängig zu sein. Individuen stellen ihren Lebensstil um, damit potenziell gefährliche Pestizide aus dem konventionellen Anbau von Nahrungsmitteln nicht ihre Gesundheit gefährden.

Dennoch zeichnet sich ab, dass die Ideen und Maßnahmen entweder eine ungenügende Wirkung haben oder aber die Probleme schneller anwachsen, als die Lösungsansätze greifen können. Noch sind aber nicht alle Maßnahmen ausgeschöpft.

Die Stimmen aus der Wissenschaft, die das Reduzieren von Fleischproduktion und - konsum als machtvollen Hebel für eine Nachhaltige Entwicklung sehen, mehren sich. Dabei werden positive Folgen für die Umwelt, den einzelnen Menschen, die Gesellschaft und die Tiere hervorgehoben.

Die weitreichenden ökologischen Folgen der Fleischwirtschaft finden in den verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft bereits Aufmerksamkeit. In der Öffentlichkeit jedoch spiegelt sich dieses Wissen nicht wider: „Ask people where they’d rank meat-eating as an issue of concern to the general public, and most might be surprised to hear you suggest that it’s an issue at all." (World Watch Institute 2004: 12)

Es stellt sich die Frage wer für die fehlende Aufklärung in der Bevölkerung verantwortlich ist. 1992 hat die deutsche Regierung neben zahlreichen anderen Staaten mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens ihre Aufgabe angenommen, die Bevölkerung bei einem nachhaltigeren Konsum zu unterstützen, indem sie über umweltrelevante Folgen ihres Konsums informiert (vgl. BMU: 2013).

Die vorliegende Arbeit widmet sich daher der Frage, ob die Regierung dieser Verpflichtung nachkommt, wenn es um Fleischkonsum und -produktion geht. Dazu zeigt das Kapitel 2 zunächst wie sich die Fleischproduktion in Deutschland strukturell entwickelt hat. Anschließend zeigt das Kapitel die externen Effekte auf, die mit der Fleischproduktion und dem -konsum tatsächlich in Verbindung gebracht werden. Dabei wird besonders viel Wert darauf gelegt, möglichst aktuelle und rein wissenschaftliche Quellen heranzuziehen. Das Kapitel 3 beginnt mit einem Einblick in die Agenda 21 und zeigt auf, zu welchen Maßnahmen sich die Regierung verpflichtet hat. Ziel ist es, die Folgen von Fleischproduktion und -konsum als etwas zu identifizieren, was nach der Übereinkunft von der UN- Umweltkonferenz an BürgerInnen kommuniziert werden muss. Anschließend wird diskutiert, ob die getroffenen Maßnahmen der Regierung für eine Aufklärung der Bevölkerung

ausreichend sind. Für diese Bewertung greift die Autorin auf Diskussionen aus wissenschaftlichen Kreisen zurück, statt eine eigene Empirie zu unternehmen, die den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Anschließend wird der Versuch unternommen das Interesse der Regierung an der Fleischindustrie herauszuarbeiten, um erklären zu können warum die Fleischbranche in Deutschland trotz der externen Effekte und trotz der Verantwortungsübernahme der Regierung durch die Unterzeichnung der Agenda 21 heute noch so existieren kann. Zum Abschluss führt das Kapitel 3 beispielhaft Maßnahmen auf, durch die die Regierung ihrer Verantwortung besser gerecht werden könnte.

2 Konsequenzen der Fleischproduktion und des -konsums

In Deutschland isst man Fleisch. Dies ist keine Erscheinung der heutigen Zeit, sondern eine Ernährungsweise, die weit in die Geschichte der Menschheit zurückreicht. Mit der größer werdenden Weltbevölkerung und dem zusätzlich steigenden Fleisch-Bedarf pro Kopf wuchs die Fleischproduktion im letzten Jahrhundert stark an. Parallel dazu wachsen auch die Probleme, die mit der Produktion und dem Konsum von Fleisch einhergehen.

Das vorliegende Kapitel zeichnet zunächst die Produktionsund Konsumentwicklung von Fleisch in Deutschland auf und diskutiert anschließend die daraus erwachsenden negativen Folgen. Dabei fokussiert die Betrachtung hier zwar vor allem Fleisch als Produktionsoder Konsumobjekt, jedoch ist vorab darauf hinzuweisen, dass die negativen Folgen in der Regel auch auf andere tierische Produkte wie Milch, Käse oder Eier zutreffen, wenn auch nicht per se im gleichen Ausmaß.

2.1 Entstehung und Ausmaße in Deutschland

Deutschland ist sowohl Heimat für Fleischproduzenten als auch -konsumenten. Jahrhunderte lang ging die Produktion von Fleisch in einer Region mit dem Konsum von Fleisch in eben dieser Region einher. Vor der Erfindung der Massentierhaltung galt die Viehhaltung für den Anbau von Getreide und anderen Nahrungsmitteln für den Menschen Jahrhunderte lang als eine sinnvolle Ergänzung. Indem Getreidebauern Tiere als Resteverwerter und Unkrautvernichter nutzten und deren Mist zur Düngung verwenden konnten trug die Tierhaltung zum ökologischen Gleichgewicht bei (vgl. Durning/Brough 1991: 17). Zudem waren sie in Jahren mit schlechter Ernte eine Art existenzieller Absicherung für Kleinbauern (vgl. ebd.: 8f.). Wie hat sich diese Viehhaltung in das verwandelt, was wir heute als Massentierhaltung kennen?

Durch einen Blick in die Geschichte zeigt sich, dass die Fleischnachfrage seit jeher Schwankungen unterliegt. In anhaltenden Krisenzeiten, die zum Beispiel durch Kriege hervorgerufen wurden, zog die Bevölkerung pflanzliche Lebensmittel vor und reduzierte den Fleischkonsum (vgl. Meier-Ploeger 1995: 88). Ging es der Bevölkerung jedoch gut und waren Ressourcen in ausreichenden Mengen vorhanden, stieg der Fleischverzehr

(vgl. Durning/Brough 1991: 10). Neben diesen vorübergehenden Stagnationen kann auch eine langfristige Entwicklung nachgezeichnet werden.

Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung, der Industrialisierung im 18. Jahrhundert und dem Wohlstandswachstum im 21. Jahrhundert stieg auch die Nachfrage nach Fleisch deutlich an: „(...) per-capita meat consumption has more than doubled in the past half-century, even as global population has continued to increase. As a result, the overall demand for meat has increased five-fold." (World Watch Institute 2004: 12)

Die herkömmlichen Produktionsmethoden reichten nicht mehr aus, um die gestiegene Nachfrage zu decken. So änderten sich die Strukturen und die Arbeitsweise der Fleischwirtschaft und die Anzahl der Betriebe mit sogenannter Massentierhaltung stieg an. Charakteristisch für die heute existierende Massentierhaltung sind die neuen Methoden. Automatisierte Maschinen ersetzen manuelle und körperliche Arbeit. Tiere werden größtenteils in Stallund Käfighaltung untergebracht und mit Kraftfutter versorgt oder vielmehr 'gemästet'. Durch diese Erneuerungen kann ein Betrieb mehr Tiere zugleich halten als früher. (Vgl. Fraser 2005: 2) Als Folge daraus lassen sich Konzentrationsprozesse auf den einzelnen Stufen der Wertschöpfung erkennen, die kleinere Produzenten vom Markt verdrängen und einzelnen Konzernen hohe Anteile im Markt ermöglichen. „Je größer das Unternehmen, desto geringer die Betriebskosten pro Tier, desto billiger das Produkt." (Durning/Brough 1991: 37) Die Industrie setzt für diese Intensivierung der Produktion Hochleistungstiere und -saatgut ein (vgl. Idel 2010: 54). So werden beispielsweise Rinder, deren Verdauungsapparat auf die Ernährung durch Gras eingestellt ist, mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide gefüttert, um den Fleischund Milchgewinn pro Rind zu steigern (vgl. ebd.: 15).

Mag sich der Prozess des wachsenden Fleischbedarfs global gesehen fortsetzen, so zeigt sich die Sachlage in Deutschland und anderen westlich geprägten Ländern seit einigen Jahrzehnten anders: Seit den 70er Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch rückläufig. Besonders betroffen ist dabei rotes Fleisch (gemeint ist das Fleisch von Rindern, Schafen, Schweinen und Wild). Der Konsum von Geflügelfleisch hingegen steigt an, kann jedoch den Rückgang von rotem Fleisch nicht kompensieren. (Vgl. Glitsch 1999: 48ff.) Durch die Entstehung von Massentierhaltung, der damit zusammenhängenden Konzentration in der Fleischwirtschaft und die zunehmende Globalisierung geht die Fleischproduktion eines Landes heutzutage keineswegs mehr analog mit dem Fleischkonsum einher, sondern ist entkoppelt (vgl. ebd.: 51). Es gibt beispielsweise Länder, die über 100 Prozent ihres Selbstversorgungsgrades produzieren und dann Tierprodukte exportieren (vgl. Veauthier 2010: 25).

2.2 Externe Kosten

„Doch das reiche Angebot in den Schaufenstern der Fleischereien hat seinen Preis – und den bezahlt unsere Erde." (Durning/Brough 1991: 16) Kapitel 2.1 konnte ein Bild davon geben, wie sich die Fleischbranche entwickelt hat. Nun gilt es die Kostenseite darzustellen. Wovon also reden Durning/Brough, wenn sie vom 'Preis' reden, den unsere Erde bezahlen muss? Die Effekte der Fleischwirtschaft auf Mensch, Umwelt und Tier sind vielfältig: „(...) the human appetite for animal flesh is a driving force behind virtually every major category of environmental damage now threatening the human future." (World Watch Institute 2004: 12) Klar ist, dass sie sich nicht im Preis für den Kunden widerspiegeln. Das vorliegende Kapitel beschreibt, wer stattdessen die Kosten trägt.

Nachdem dazu eingangs eine allgemeine Definition von externen Kosten dargestellt wird, werden die Kosten für die Produktion und den Konsum von tierischen Produkten anschließend aufgezeigt. Dazu werden sie für diese Arbeit in umweltbezogene und nichtumweltbezogene Kosten gegliedert, um später im Kapitel 3 darstellen zu können, welche externen Effekte es sind, die im Sinne der UN-Klimakonferenz durch die Regierung an die deutsche Bevölkerung kommuniziert werden müssten.

Anschließend werden kurz die nicht-umweltbezogenen Kosten umrissen. Zu diesen gehören gesundheitliche, soziale, ethische und ökonomische. Für die vorliegende Arbeit soll jedoch nur beispielhaft auf diese eingegangen werden. Zum einen würde die vollständige Auflistung der externen Kosten den Rahmen der Arbeit überschreiten. Zum anderen ist die Auflistung nicht-umweltbezogener Kosten für die Erschließung der vorliegenden Forschungsfrage nicht von hoher Bedeutung. Wichtig ist hingegen die Erkenntnis, dass die umweltbezogenen Kosten in ihren Konsequenzen nicht unterschätzt werden dürfen und dass es neben diesen weitere externe Kosten gibt, die der Fleischproduktion und dem Fleischkonsum anzulasten sind.

2.2.1 Definition

Unter externen Kosten soll hier verstanden werden, was Kapp unter 'Social Costs' begreift: „In short, the term 'social costs' refers to all those harmful consequences and damages which other persons or the community sustain as a result of productive processes, and for which private entrepreneurs are not held accountable." (Kapp 1978: 11) Um von externen Kosten sprechen zu können, lassen sich anhand der Definition bestimmte Bedingungen formulieren. Zunächst muss es einen wirtschaftlichen Akteur geben. Dieser produziert ein Gut oder eine Dienstleistung, welches ihm einen Nutzen bringt. Die Kostenseite der Arbeitsprozesse schließt dabei entstehende schädliche Effekte für den Menschen nicht ein. Dass heißt der wirtschaftliche Akteur zahlt für sein Angebot weniger,

als es der Fall sein sollte. Die nicht zugewiesenen Kosten tragen die betroffenen Personen beispielsweise mit einer Verschlechterung ihres Wohlbefindens.

2.2.2 Umweltbezogene Kosten

Zunächst soll auf die stickstoffhaltigen Emissionen eingegangen werden, die bei Massentierhaltung anfallen. Dabei dreht es sich vor allem um drei Gase: CO2, Lachgas und Methan. In der Wertschöpfungskette eines Fleischproduktes werden diese Gase auf verschiedenen Stufen ausgestoßen. Um Futtermittel anbauen und Rinderherden weiden lassen zu können, wird wertvoller Wald gerodet, der zuvor als CO2-Speicher diente. Durch die Rodung wird das gespeicherte CO2in die Atmosphäre emittiert (vgl. Grube 2009: 43). Ersetzt werden die Bäume durch Pflanzen, die einjährig angebaut werden und dadurch weniger Potential haben durch ihre Wurzeln CO2aus der Atmosphäre in die Erde zu befördern (vgl. Idel 2010: 32). Somit muss auch das CO2der Fleischproduktion angelastet werden, welches jedes Jahr nicht von mehrjährigen Pflanzen, wie Bäumen, gespeichert werden kann, statt nur die CO2-Emissionen der einmaligen Rodung einzurechnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Massentierhaltung, Fleischkonsum und -produktion: Umweltbezogene Konsequenzen und Aufklärungspflicht der Regierung
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Nachhaltigkeitskommunikation)
Veranstaltung
Gesellschaftliche Entwicklung und Nachhaltigkeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V231645
ISBN (eBook)
9783656477716
ISBN (Buch)
9783656479161
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fleischkonsum, Vegetarismus, Nachhaltigkeit, Ökologie, Kommunikation
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Pia Niehues (Autor), 2013, Massentierhaltung, Fleischkonsum und -produktion: Umweltbezogene Konsequenzen und Aufklärungspflicht der Regierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231645

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