Mengen- versus Preisregulierung von CO2-Emissionen bei unvollständiger Erfüllung von Auflagen


Bachelorarbeit, 2011
56 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die ökonomischen Kosten des Klimawandels

3 Emissionsreduktion - ein globales öffentliches Gut

4 Möglichkeiten der Emissionsreduktion

5 Preis- versus Mengenregulierung

5.1 Überblick
5.2 Vergleich von Preis- und Mengenregulierung
5.2.1 Ökologische Zielerreichung
5.2.2 Ökonomische Effizienz
5.2.3 Realisierung von Erlösen
5.2.4 Vergleich bei Unsicherheit
5.2.5 Realisierbarkeit

6 Vergleich bei unvollkommener Erfüllung von Auflagen
6.1 Das Standardmodell
6.1.1 Steuerregulierung
6.1.2 Mengenregulierung
6.2 Steuerregulierung bei unvollständiger Erfüllung von Auflagen
6.2.1 Exogene Kontrollwahrscheinlichkeit
6.2.2 Endogene Kontrollwahrscheinlichkeit
6.2.3 Steuerhinterziehung bei Risikoaversion
6.3 Mengenregulierung bei unvollständiger Erfüllung von Auflagen
6.3.1 Exogene Kontrollwahrscheinlichkeit
6.3.2 Endogene Kontrollwahrscheinlichkeit
6.3.3 Mengenüberschreitung bei Risikoaversion
6.3.4 Wirkungen von „self-reporting“
6.4 Zusammenfassung

7 Emissionsreduktion in der Praxis
7.1 Das Kyoto-Protokoll
7.1.1 Flexible Mechanismen
7.1.2 Probleme
7.1.3 Ausblick
7.2 Der europäische Emissionshandel

8 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Klima-Dilemma

Abbildung 2: Äquivalenz von Steuer- und Mengenregulierung

Abbildung 3: Dynamische Effizienz von Emissionssteuern und Emissionszertifikaten

Abbildung 4: Unsicherheit und steile Grenznutzenkurve

Abbildung 5: Unsicherheit und flache Grenznutzenkurve

Abbildung 6: Die optimale Höhe der Emissionsreduktion

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Existenz einer anhaltenden Klimaerwärmung ist unumstritten. Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur, der steigende Meeresspiegel und das Abschmelzen von Schnee und Eis gehören zu den beobachtbaren Anzeichen der Erderwärmung.

Der Temperaturanstieg zwischen 1850 und 2005 betrug 0,76°C.[1]

Der mittlere globale Meeresspiegel ist seit 1993 mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 3,1mm pro Jahr gestiegen und auch der Rückgang in der Aus-dehnung des arktischen Meereises um 2,7% pro Jahrzehnt gehört zu den Anzeichen einer globalen Erderwärmung.[2]

Der Grund für die Erwärmung ist der enorme Anstieg der Konzentration an sog. Treibhausgasen[3] in der Atmosphäre. Treibhausgase absorbieren einen Teil der Sonnen-strahlen und verhindern, dass diese zurück in den Weltraum gestrahlt werden. Dieser natürliche Treibhauseffekt ermöglicht durch die Wärmespeicherung das Leben auf der Erde.[4] Denn ohne diesen natürlichen Effekt wäre die Temperatur auf der Erde rund 35°C kälter und es wäre kein menschliches Leben möglich.[5]

Bei zu hoher Konzentration an Treibhausgasen ist die Erderwärmung jedoch zu stark und es kommt u.a. zu Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürmen.[6]

Durch die Industrialisierung erhöhte sich die Emission von Treibhausgasen enorm.

Der Anstieg betrug zwischen 1970 und 2004 70%. Das für den Klimawandel haupt-sächlich verantwortliche Treibhausgas ist Kohlenstoffdioxid (CO2). Dessen jährliche Emission wuchs zwischen 1970 und 2004 um ca. 80%.

CO2 entsteht in erster Linie durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdöl und Erdgas).[7] Die beschriebene Erderwärmung ist daher im Wesentlichen anthropogen.

Diese drastischen Auswirkungen der Erderwärmung führen zu immensen volkswirt-schaftlichen Kosten in vielen Sektoren. Einen Überblick über die Art und Höhe dieser Kosten wird das zweite Kapitel geben.

Trotz dieser Gewissheit über die Folgen des Klimawandels, sind viele Staaten nicht bereit, Klimaschutzmaßnahmen einzuleiten. Die Gründe hierfür werden im Kapitel 3 anhand des sog. Klima-Dilemmas problematisiert.

Entscheidet sich ein Land dazu, gegen den Klimawandel vorzugehen, müssen geeignete Maßnahmen zur Reduktion von CO2, als wichtigstes Treibhausgas, gefunden werden. Grundsätzlich stehen der Politik zwei Arten von Maßnahmen zur Verfügung. Diese sind der preisorientierte sowie der mengenorientierte Ansatz.

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über diese zwei Ansätze der Politik und vergleicht diese unter verschiedenen Gesichtspunkten. Das Ziel besteht darin, zu ermitteln, welcher der beiden Ansätze besser zur Emissionsreduktion geeignet ist. Die Vergleichskriterien, die herangezogen werden, sind die ökonomische und ökologische Effizienz, die Realisierung von Erlösen, die Wohlfahrtsverluste bei Unsicherheit und die (politische) Realisierbarkeit.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch im Vergleich der beiden Ansätze unter der Annahme, dass die Akteure die Vorgaben der Politik nicht perfekt befolgen, sondern Wege finden, die Auflagen zu umgehen. Die Grundlage für diesen Vergleich bildet der Aufsatz von Agnar Sandmo, „Efficient Environmental Policy with Imperfect Compliance“, aus dem Jahr 2002.

Es gibt einige andere Kriterien anhand derer die Instrumente ebenfalls verglichen werden könnten, jedoch würde ein allumfassender Vergleich den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weshalb ich mich auf die oben genannten Aspekte beschränkt habe. So werden bspw. die Verteilungswirkungen, die von den Instrumenten ausgehen nicht behandelt.

Nach der Gegenüberstellung der beiden Ansätze, soll im letzten Kapitel untersucht werden, welche Umweltinstrumente in der Praxis Anwendung finden und ob die theoretischen Probleme im Hinblick auf den globalen Klimaschutz eine praktische Relevanz haben.

2 Die ökonomischen Kosten des Klimawandels

Zunehmende extreme Klimaereignisse führen zu volkswirtschaftlichen Schäden.[8]

Ohne intensiven Klimaschutz könnte die globale Oberflächentemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,5°C steigen. Dies würde allein in Deutschland bis zum Jahr 2050 Kosten von rund 800 Mrd. Euro verursachen.

Die Kosten des Klimawandels können in drei Kategorien unterteilt werden:[9]

1. Schäden durch extreme Witterungsverhältnisse, z.B. Immobilien- oder Infrastrukturschäden
2. Kosten aufgrund von Beeinträchtigungen der Energieversorgung, z.B. erhöhte Energiekosten
3. Ausgaben für Anpassungsmaßnahmen, z.B. Hitzewarnsysteme

Der Klimawandel verursacht Kosten in vielen Bereichen der Volkswirtschaft.

In der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft gibt es sowohl direkte Klimaschäden, als auch Kosten für die Anpassung an den Klimawandel. In der Landwirtschaft führt die Erderwärmung zu einem Anstieg von Ernteverlusten aufgrund von Wasserknappheit und Trockenheit. Die Forstwirtschaft wird durch häufigere Hitzewellen verstärkt der Waldbrandgefahr ausgesetzt sein. Als Folge werden in der Land- und Forstwirtschaft in den kommenden 50 Jahren[10] Kosten in Höhe von etwa 3 Mrd. Euro erwartet.[11]

Ein weiterer Bereich, der vom Klimawandel stark betroffen ist, ist der Tourismussektor.

Bei einem Temperaturanstieg von nur 1°C würden in Deutschland 60% der heutigen Wintersportgebiete keinen natürlichen Schnee mehr aufweisen. Ein Temperaturanstieg von 4°C würde sogar dazu führen, dass in Deutschland kein Skigebiet mehr mit natürlichem Schnee bedeckt ist.[12]

Im Verlauf der nächsten 50 Jahre könnten die Anpassungskosten in der Tourismus-branche bei bis zu 11 Mrd. Euro und Klimaschäden bei bis zu 19 Mrd. Euro liegen.

Auch im Gesundheitssektor wird die Erderwärmung beachtliche Kosten verursachen.

Zum einen können Krankheiten auftreten, die bisher nur in tropischen oder sub-tropischen Regionen vorkommen und zum anderen belastet der Temperaturanstieg die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit des Menschen erheblich.[13]

So werden in Deutschland die hitzebedingten Krankenhauskosten zwischen 2071 und 2100 auf rund 495 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Dies entspricht einer Versechs-fachung gegenüber der entsprechenden Größe zwischen 1971 und 2000. Dieser Anstieg ist jedoch zum Teil auch auf den demographischen Wandel zurückzuführen, da ältere Menschen stärker durch die Hitze geschwächt werden als jüngere.[14]

Die gesamten, durch den Klimawandel hervorgerufenen Gesundheitskosten, könnten im Verlauf der nächsten 50 Jahre 61 Mrd. Euro erreichen.[15]

Ein Bereich, in dem der Klimawandel ebenfalls hohe volkswirtschaftliche Kosten mit sich bringt, ist der Energiesektor. Zum einen können die Kraftwerke wegen Niedrig-wasser in Flüssen[16] nicht ausreichend gekühlt werden, zum anderen können extreme Wetterereignisse wie bspw. Stürme oder Hagelfälle Teile der Energieinfrastruktur zerstören und die Ölförderung beeinträchtigen. Aufgrund von Angebotsengpässen ist ein starker Anstieg der Energiepreise zu erwarten, wodurch hohe indirekte volkswirt-schaftliche Kosten entstehen, u.a. durch Kaufkraftverlust bei den privaten Haushalten. In den nächsten 50 Jahren könnten sich diese Kosten bei einem Preisanstieg um 20% auf 130 Mrd. Euro belaufen.[17]

Wie hoch die gesamten globalen Kosten des Klimawandels tatsächlich sein werden, ist schwierig zu bestimmen. Das Ergebnis hängt stark von den zu Grunde gelegten Szenarien über die Entwicklung der Treibhausgasemissionen und deren Wirkungen auf das Klima ab.

Außerdem gibt es Schäden, die nur sehr schwer monetär bewertet werden können, wie z.B. psychische Störungen durch Naturkatastrophen.

Offensichtlich ist jedoch, dass langfristig die globalen Kosten eines effektiven Klima-schutzes weitaus geringer ausfallen würden, als die Schäden, die ohne Klimamaß-nahmen folgen werden.

Nicholas Stern kommt in seinem Bericht The Stern Review (2006) zu dem Ergebnis, dass die Kosten und Risiken des Klimawandels einem jährlichen Verlust von 5% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) entsprechen. Dagegen würden die Kosten eines effektiven Klimaschutzes, durch welchen die CO2-Konzentration soweit gesenkt würde, dass die globale Mitteltemperatur nicht um mehr als 2°C steigt, sich jährlich nur auf rund 1% des weltweiten BIP belaufen.[18]

In Deutschland würden sofortige Maßnahmen zum Klimaschutz bis 2050 rund 5,7 Mrd. US-Dollar kosten. Dadurch würden aber Klimaschäden in Höhe von 33 Mrd. US-Dollar vermieden werden.[19]

Es wird deutlich, dass neben den ökologischen Folgen, auch die Konsequenzen für die Volkswirtschaft dringenden Handlungsbedarf gegen den Klimawandel befürworten lassen. Weshalb internationaler Klimaschutz dennoch schwierig zu realisieren ist, wird im nächsten Kapitel problematisiert.

3 Emissionsreduktion - ein globales öffentliches Gut

Öffentliche Güter zeichnen sich durch die Nicht-Rivalität in ihrem Konsum und die Nicht-Ausschließbarkeit von ihrer Nutzung aus.[20] Beide Eigenschaften treffen auf die Emissionsreduktion bzw. den Klimaschutz zu. Wenn durch die Reduktion von Treib-hausgasemissionen das Weltklima verbessert wird, kommt dies allen Ländern der Welt zugute, unabhängig davon, ob ein Land selbst einen Vermeidungsbeitrag geleistet hat oder nicht.[21] Ein technischer, rechtlicher, politischer oder ökonomischer Ausschluss von der Nutzung des Gutes ist praktisch unmöglich. Das Prinzip der Ausschließbarkeit ist demnach verletzt. Rivalität im Konsum ist auch nicht gegeben, da die Nutzenteilhabe eines Menschen den Nutzen aus dem verbesserten Weltklima eines anderen Indivi-duums nicht beeinträchtigt. Da der Nutzen aus der Emissionsreduktion sich über Ländergrenzen hinweg erstreckt und alle Völkergruppen – und sogar mehrere Generationen – von den Klimaschutzmaßnahmen profitieren, handelt es sich hierbei um ein globales öffentliches Gut.[22]

Öffentliche Güter führen stets zu externen Effekten. Die Bereitstellung eines öffent-lichen Gutes bzw. „Ungutes“ durch einen Akteur bewirkt Vor- bzw. Nachteile bei unbeteiligten Dritten. Diese unbeteiligten Dritten müssen für die Inanspruchnahme des öffentlichen Gutes nichts bezahlen, da sie von der Nutzung nicht ausgeschlossen werden können. Im Falle von öffentlichen „Ungütern“ werden ihnen keine Ausgleichs-zahlungen geleistet.[23] Die fehlende Ausschließbarkeit von der Nutzung des öffentlichen Gutes ermöglicht sog. free-rider-Verhalten. Die Akteure verschleiern ihre wahre Zahlungsbereitschaft, um das öffentliche Gut zu nutzen, ohne einen Beitrag zu leisten. Bei freiwilligen Beiträgen resultiert eine Unterversorgung mit dem öffentlichen Gut, da jeder darauf vertraut, dass die anderen genügend zur Bereitstellung des öffentlichen Gutes beitragen werden.[24] Im Fall der Emissionsreduktion besteht das Trittbrettfahrer-verhalten darin, dass die Länder ihre eigenen Klimaschutzanstrengungen reduzieren, um Kosten zu sparen, gleichzeitig aber von der Emissionsreduktion anderer Länder profitieren können.[25]

Das free-rider-Verhalten wird verstärkt durch ein weiteres Problem, welches ebenfalls eine negative Wirkung auf die Emissionsreduktion der Länder hat. Dadurch, dass ein einzelnes Land mit der eigenen Emissionsreduktion das Weltklima nur sehr gering beeinflussen kann, aber spürbare Kosten der Reduktion tragen muss, ist es für jedes einzelne Land rational, keine Emissionsreduktion vorzunehmen, obwohl es für alle vom Vorteil wäre, wenn alle ihre Emissionen senken.[26] Dieses Klima-Dilemma wird anhand der folgenden Abbildung verdeutlicht:[27]

Abbildung 1: Das Klima-Dilemma

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verfolgt der Rest der Welt eine Passivstrategie, d.h. alle übrigen Länder unternehmen keine Klimaschutzmaßnahmen, ist es für Land A rational, ebenfalls keine Emissions-reduktion vorzunehmen. Denn eine Klimaschutzstrategie von Land A könnte den gesamten Schaden um nur 5% (von 200 auf 190) senken, was keinen stabilisierenden Effekt auf das Weltklima hätte, aber Kosten von bedeutender Höhe (100 Einheiten) mit sich brächte.

Mindert dagegen der Rest der Welt seine Emissionen, wird Land A ebenfalls keine Klimaschutzmaßnahmen durchführen, da es bereits von den Emissionsreduktionen der anderen Länder profitiert, und eigene zusätzliche Reduktionsanstrengungen das Welt-klima nur gering verbessern (von 10 auf 0), aber Kosten in Höhe von 100 Einheiten verursachen würden. Für Land A ist es daher in beiden Fällen rational, keine Klima-schutzstrategie zu verfolgen.

Da dieses Entscheidungskalkül nicht nur für Land A, sondern für alle Länder der Welt gilt, werden im Ergebnis alle Länder einer Passivstrategie folgen und keine Emissions-reduktion vornehmen (Schaden:200). Es kommt zum Marktversagen: Das von allen gewünschte öffentliche Gut Emissionsreduktion wird auf einer freiwilligen Basis nicht bereitgestellt.[28]

Da eine freiwillige Bereitstellung öffentlicher Güter aufgrund der Nicht-Ausschließ-barkeit und des daraus resultierenden free-rider-Verhaltens nicht möglich ist, gibt es auf nationaler Ebene zentrale Institutionen, die Zwangsbeiträge oder Steuern auferlegen, um eine Unterversorgung mit öffentlichen Gütern, wie z.B. der inneren und äußeren Sicherheit, zu verhindern. Im Fall des Klimaschutzes existiert bisher keine supra-nationale Institution, die die Länder zur Emissionsreduktion zwingen könnte[29], da die bestehenden Institutionen „nicht mit legislativen und exekutiven Hoheitsrechten ausgestattet“ sind.[30]

Auch auf nationaler Ebene wird es aufgrund der oben genannten Eigenschaften des Gutes Emissionsreduktion freiwillig zu keinem Emissionsrückgang kommen. Erst wenn Emissionen ein Marktpreis zugeschrieben wird, werden Unternehmen die Emission von CO2 in ihr Entscheidungskalkül einbeziehen. Das Marktversagen, sprich die Unterver-sorgung mit CO2-Reduktion, kann daher nur durch umweltpolitische Instrumente behoben werden, die den CO2-Ausstoß entweder verbieten oder verteuern.[31]

Diese Instrumente werden im nächsten Abschnitt im Detail beschrieben und anhand verschiedener Kriterien auf ihre Zweckmäßigkeit hin untersucht.

4 Möglichkeiten der Emissionsreduktion

Wie im Kapitel 2 beschrieben, sind die Kosten eines Klimawandels gravierend, weshalb, möglichst zeitnah, Maßnahmen zur CO2-Reduktion ergriffen werden müssen.

Entscheidet sich ein Land dazu, Klimaschutzmaßnahmen vorzunehmen, stehen ihm verschieden Instrumente zur Auswahl. Inwiefern diese zur tatsächlichen Reduktion von CO2-Emissionen geeignet sind, soll im Folgenden erläutert werden.

Die Instrumente der Umweltpolitik zur Senkung von CO2 -Emissionen können in zwei Gruppen eingeteilt werden:[32]

1) Ordnungsrechtliche Instrumente ( command-and-control-Ansatz)
2) Marktwirtschaftliche Instrumente

Bei dem command-and-control-Ansatz wird den Verbrauchern und Produzenten die Nutzung von bestimmten Technologien oder Ressourcen vorgeschrieben. Die Vor-schriften können bspw. die Energieeffizienz von Gebäuden, den Kraftstoffverbrauch von Autos oder die Energieeffizienz von Haushaltsgeräten betreffen.

Ein Beispiel für Standards dieser Art sind die Corporate Average Fuel Efficiency (CAFE) Vorgaben in den USA. Es handelt sich dabei um Vorschriften zum Kraftstoff-verbrauch von Fahrzeugen, die in den USA verkauft werden. Ein bedeutender Nachteil derartiger Standards liegt darin, dass Ineffizienzen in manchen Sektoren auftreten können. Bspw. ist eine CO2-Reduktion durch Standards bezüglich des Kraftstoff-verbrauches ineffizient, da viele Studien gezeigt haben, dass die Vermeidungskosten von Emissionen gerade im Transportsektor sehr hoch sind. Die Wohlfahrt könnte demnach gesteigert werden, wenn die Standards andere Sektoren mit geringeren Vermeidungskosten betreffen würden.[33] Bei vorab fehlenden Informationen bezüglich der Höhe der Vermeidungskosten, sollte daher auf eine Politik mit ordnungsrechtlichen Vorschriften verzichtet werden.[34]

Abgesehen von der resultierenden Ineffizienz, scheint dieser Ansatz kaum für eine tatsächliche Senkung der CO2- Emissionen geeignet zu sein. Denn obwohl die CAFE Standards seit 1978 bestehen und 2007 sogar verschärft wurden, sind die Treibhausgas-emissionen in den USA seit 1990 um ca. 15% gestiegen.[35]

Es gibt einige Argumente, warum marktwirtschaftliche Instrumente gegenüber den Ordnungsrechtlichen bevorzugt werden sollten.

Man kann grundsätzlich zwei Arten marktwirtschaftlicher Instrumente unterscheiden: Preisregulierung (Steuerregulierung) und Mengenregulierung. Im Bereich der Umwelt-politik sind dies Umweltabgaben/-steuern und in der Menge begrenzte handelbare Zertifikate. Diese Instrumente nutzen den Markt-Preis-Mechanismus, um die negativen externen Effekte von CO2-Emissionen zu internalisieren.[36] Die Anlastung der externen Kosten an die Verursacher erfolgt über Steuern oder Ausgaben für Emissionszertifikate. Dadurch, dass die Firmen neben ihren privaten Kosten nun auch die sozialen Kosten ihrer CO2-Emissionen in ihr Optimierungskalkül einbeziehen müssen, wird im Ergebnis ein geringerer CO2-Ausstoß erwartet.

Dieser Anstieg der Produktionskosten setzt Anreize, neue Technologien zu entwickeln, um künftig Emissionen – und somit Kosten – zu sparen.[37] Diese Anreize fehlen bei ordnungsrechtlichen Standards, da diese die Firmen dazu zwingen, bestimmte technische Vorgaben einzuhalten, und die Firmen keinen Anreiz haben, ihre Emissionen über die Vorgabe hinaus zu senken.

Ein weiterer Vorteil marktwirtschaftlicher Instrumente besteht darin, dass die Emissionsreduktion von denjenigen Firmen bzw. Sektoren vorgenommen werden, die vergleichsweise geringe Vermeidungskosten haben.[38] Demnach ist wohl das wichtigste Argument für die Nutzung von marktwirtschaftlichen Instrumenten deren Fähigkeit, Kosteneffizienz herzustellen.[39] Gewinnmaximierende Firmen werden solange CO2-Emissionen vermeiden, bis die Grenzvermeidungskosten, d.h. die Kosten einer zusätzlich vermiedenen Einheit CO2, dem Steuersatz oder dem Zertifikatepreis entsprechen. Darüber hinaus lohnt sich die Vermeidung nicht, da der Preis für die Emissionen geringer wäre als die Grenzvermeidungskosten. Dieses Optimierungskalkül ist für alle Firmen dieselbe. Deshalb werden die Grenzvermeidungskosten aller Firmen beim identischen Preis für die Emissionen ebenfalls identisch sein. Diese Gleichheit stellt die Bedingung für Kosteneffizienz dar. Nur dann sind die vermiedenen Emissionen effizient auf die Verursacher verteilt und die gesamten Vermeidungskosten in der Gesellschaft minimiert.[40]

Zwischen dem Preis- und Mengenansatz gibt es viele Differenzen, und nicht beide Instrumente sind gleichermaßen zur Emissionsreduktion geeignet. Die Stärken und Schwächen beider Instrumente werden im nächsten Kapitel im Detail analysiert.

5 Preis- versus Mengenregulierung

5.1 Überblick

Bei einer Preisregulierung wird ein Gut oder eine Ressource verteuert, um Anreize zu ihrem effizienten Einsatz zu setzen. Im Klimaschutz wäre eine CO2-Steuer denkbar, die pro Emissionseinheit erhoben wird. Dient die Steuer zur Internalisierung von externen Effekten, wird sie auch Pigou-Steuer genannt.[41] Dies trifft auf die CO2-Steuer zu, da hier die Reduktion von CO2-Emissionen im Vordergrund steht (Lenkungsfunktion) und nicht die Erlöse, die durch solch eine Steuer realisiert werden (Finanzierungszweck).

Der Preis für eine Emissionseinheit (der Steuersatz) wird dabei exogen durch die Politik festgelegt und nicht durch den Markt bestimmt. Der Steuersatz sollte dabei mindestens so hoch sein wie die Grenzvermeidungskosten der Emittenten. Bei einem niedrigeren Steuersatz gäbe es keine Anreizwirkung; die Akteure würden es vorziehen Steuern zu zahlen, statt Emissionen zu vermeiden.[42] Jedoch existieren Informationslücken bzgl. der Vermeidungskosten der Akteure, weshalb es für die Politik sehr schwierig wird, die Mengenreaktion der Verbraucher und Produzenten auf die festgesetzte Steuer richtig abzuschätzen. Das generelle Problem der Steuerregulierung liegt demnach darin, den richtigen Steuersatz zu finden, um ein bestimmtes Mengenziel zu erreichen. Bis das festgelegte Emissionsziel tatsächlich erreicht wird, muss der Steuersatz unter Umständen mehrmals korrigiert werden. Diese Vorgehensweise wird in der Umwelt-ökonomie „Trial-and-Error-Verfahren“ genannt.[43]

Bei der Mengenregulierung besteht dieses Problem nicht, da hier eine Höchstmenge von CO2-Emissionen exogen festgelegt wird. Eine besondere Form der Mengenregulierung ist das Cap-and-Trade-System. Dabei wird die festgelegte Höchstmenge (cap) in kleinere Einheiten aufgeteilt (meist eine Tonne) und in Form von Emissionsrechten bzw. Zertifikaten an die Schadstoffemittenten verteilt. Im Anschluss haben die Emittenten die Möglichkeit des Emissionsrechtehandels (trade).[44]

Die Idee des Zertifikatehandels stammt ursprünglich von John H. Dales, der in seinem Buch Pollution, Property and Prices (1968) einen Markt für Verschmutzungsrechte vorschlägt, um Gewässerverschmutzung zu reduzieren.

Bevor der Ablauf des Emissionshandels näher erläutert wird, soll geklärt werden, wie die Vergabe der Zertifikate an die einzelnen Unternehmen erfolgen soll.

Die Aufteilung der Zertifikate auf die Emittenten kann durch Versteigerung oder unentgeltlich nach Großvaterrechten erfolgen („grandfathering“).[45]

Bei der ersten Variante werden die Zertifikate durch eine staatliche Institution an diejenigen Emittenten verkauft, die den höchsten Preis für diese Emissionsrechte bieten.[46] Ein Vorteil von Auktionen ist darin zu sehen, dass die Zertifikate bereits bei der Vergabe, von denjenigen Unternehmen gekauft werden, die die höchsten Emissions-vermeidungskosten haben.[47] Die Versteigerung von Emissionsrechten kann demnach als ein erster Schritt in Richtung Kosteneffizienz angesehen werden.

Ein wichtiger Nachteil dieser Form der Vergabe liegt in der Gefahr, dass kleinere Unter-nehmen vom Markt verdrängt werden, da diese kurzfristig nicht die finanziellen Mittel aufbringen können, um Emissionszertifikate zu erwerben.[48]

Die Vergabe nach Großvaterrechten sieht vor, den Emittenten unentgeltlich die Höhe an Emissionsrechten zur Verfügung zu stellen, mit der sie in demselben Ausmaß wie zuvor emittieren können. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Unternehmen sich zunächst einmal in derselben Entscheidungssituation wie vorher befinden, d.h. sie müssen nicht plötzlich Kosten für Emissionen einkalkulieren, die sie bisher nicht hatten. Das reine „grandfathering“ kann jedoch zu Wettbewerbsnachteilen bei denjenigen Unternehmen führen, die zuvor hohe Ausgaben für umweltfreundlichere Technologien getätigt und somit ein niedriges Emissionsniveau erreicht hatten. Diese würden bei diesem Verfahren nur wenige Zertifikate zugeteilt bekommen.[49]

Da beide Verfahren Vor- und Nachteile haben, sollte auf diese extremen Varianten verzichtet werden. Sinnvoller wäre eine Kombination beider Verfahren, bei dem jeweils ein Teil der gesamten Emissionsrechte versteigert und der andere Teil nach Großvaterrechten vergeben werden. Diese Lösung stellt einen Mittelweg zwischen effizienter Verteilung durch Versteigerung und Sicherstellung des Verbleibens der kleineren Unternehmen am Markt durch „grandfathering“ dar.

Nach der Zuteilung der Zertifikate auf die Emittenten beginnt der Handel.

Die Voraussetzung für funktionierenden Handel ist u.a. die freie Übertragbarkeit der Rechte. Diese dürfen nicht an bestimmte Unternehmen gebunden sein.[50] Ist diese Voraussetzung erfüllt, werden die Unternehmen mit niedrigeren Grenzvermeidungs-kosten als der Zertifikatepreis Emissionen einsparen und die daraus frei gewordenen Emissionsrechte verkaufen. Umgekehrt wird ein Unternehmen mit sehr hohen Grenz-vermeidungskosten lieber zusätzliche Emissionsrechte kaufen, als Emissionen zu vermeiden.[51] Durch diesen Handel wird auf dem Zertifikatemarkt endogen ein Markt-preis für Emissionszertifikate bestimmt, nachdem das Mengenziel exogen festgesetzt wurde. Dagegen wird mit einer Steuer exogen ein Preis für Emissionen festgelegt und die Menge endogen bestimmt. Dies ist der hauptsächliche Unterschied zwischen den beiden Ansätzen.

Im Folgenden werden diese anhand verschiedener Kriterien verglichen und daraufhin untersucht, ob sie einen effektiven Klimaschutz gewährleisten können.

5.2 Vergleich von Preis- und Mengenregulierung

In einer Welt mit vollständigen Informationen über die Vermeidungskosten der Unter-nehmen herrscht eine allgemeine Äquivalenz zwischen einer Preis- und einer Mengen-lösung bzgl. ihrer Fähigkeit, eine gewünschte Menge an Emissionsreduktion zu erreichen.[52]

Wie man anhand der folgenden Abbildung sehen kann, gibt es zu jeder Menge an vermiedenen Emissionen Q* einen Steuersatz T*, der genau diese gewünschte Menge generiert.

Abbildung 2: Äquivalenz von Steuer- und Mengenregulierung[53]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (2007a), S.5.

[2] Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (2007b), S.1.

[3] Zu den Treibhausgasen gehören u.a. Kohlendioxid, Methan, Distickoxid, Ozon und Wasserdampf (Vgl. Klocke(1995), S.21)

[4] Vgl. Tietenberg/Lewis (2010), S.2.

[5] Vgl. Klocke (1995), S.21.

[6] Vgl. Kemfert (2005), S.133.

[7] Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (2007b), S.4.

[8] Vgl. Kemfert (2004), S.615.

[9] Vgl. Kemfert (2007), S.165f.

[10] Diese Angabe bezieht sich im Folgenden auf den Zeitraum 2007 bis 2057.

[11] Vgl. Kemfert (2007), S.166f.

[12] Vgl. Agrawala (2007), S.1.

[13] Vgl. Kemfert (2007), S.168.

[14] Vgl. Hübler/Klepper (2007), S.42.

[15] Vgl. Kemfert (2007), S.168.

[16] Die Klimaveränderung führt zu geringeren Niederschlägen und stärkerer Verdunstung im Sommer. Die Folge sind sinkende Wasserbestände in Flüssen. (Vgl. WWF (2007), S.1f.)

[17] Vgl. Kemfert (2007), S.168f.

[18] Vgl. Stern (2006), S.6.

[19] Vgl. Kemfert (2005), S.209.

[20] Vgl. Zimmermann (2009), S.52-53.

[21] Vgl. Bardt (2005), S.266.

[22] Vgl. Itzenplitz/Seifferth-Schmidt (2008), S.218f.

[23] Vgl. Itzenplitz/Seifferth-Schmidt (2008),S.219.

[24] Vgl. Tietenberg/Lewis (2009), S.78f.

[25] Vgl. Bardt (2005), S.259.

[26] Vgl. Böhringer (2001), S.3.

[27] Vgl. Bardt (2011), S. 4.

[28] Vgl. Böhringer (2001), S.3.

[29] Vgl. Bardt (2005), S.266.

[30] Itzenplitz/Seifferth-Schmidt (2008), S.224.

[31] Möller (2008), S.6.

[32] Vgl. Stavins (1997), S.6.

[33] Vgl. Metcalf (2009), S.6.

[34] Vgl. Hepburn (2006), S.229.

[35] Vgl. Metcalf (2009), S.6.

[36] Vgl. Adolf (2008), S.328.

[37] Vgl. Coughlin/Ott (2009), S.12.

[38] Vgl. Metcalf (2009), S.7.

[39] Vgl. Metcalf (2009), S.6.

[40] Vgl. Tietenberg/Lewis (2010), S.308f.

[41] Vgl. Adolf (2008), S.328.

[42] Vgl. Klocke (1995), S.45.

[43] Vgl. Klocke (1995), S.45.

[44] Vgl. Tietenberg/Lewis (2010), S.313.

[45] Vgl. Sterner (2003), S.90.

[46] Vgl. Endres (2000), S.127.

[47] Vgl. Endres (2007), S.126.

[48] Vgl. Feess (1998), S.121.

[49] Vgl. Feess (1998), S.120.

[50] Vgl. Tietenberg (2010), S.313.

[51] Vgl. Feess (1998), S.119.

[52] Vgl. Stavins (1997), S.17.

[53] Eigene Darstellung auf Grundlage von Hepburn (2006), S.229.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Mengen- versus Preisregulierung von CO2-Emissionen bei unvollständiger Erfüllung von Auflagen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
56
Katalognummer
V231702
ISBN (eBook)
9783656495055
ISBN (Buch)
9783656495611
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mengen-, preisregulierung, emissionen, erfüllung, auflagen
Arbeit zitieren
Sibel Köse (Autor), 2011, Mengen- versus Preisregulierung von CO2-Emissionen bei unvollständiger Erfüllung von Auflagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231702

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