Der Frage nachzugehen, welche Möglichkeiten existieren, um der Vielfalt Raum zu geben, also pädagogisch gewendet, wie die vorhandenen Ressourcen und die Interessen der Lerner wertgeschätzt werden können, hat für mich zwei lebensweltliche Schlüsselerlebnisse.
Zum einen ist die wiederkehrende Reserviertheit einiger Lerner gegenüber Textarbeit und Formen der Leistungsfeststellung wie z.B. schriftliche Stellungnahme und Textverfassung zu nennen. Allgemein gesagt, die „Vermeidungstendenzen“ gegen die Dechiffrierung oft sperriger philosophischer Texte und Ausdrucksformern, die vornehmlich die geschriebene Sprache im Zentrum haben und die eine logische, stringente Begründung verlangen.
Und zum anderen habe ich die im Folgenden behandelte Problemstellung durch einen Impuls in der Nachbesprechung einer benoteten Lehrprobe zu einer Ethikstunde erhalten, der die oben genannte Erfahrung indirekt aufgriff. Denn man fragte mich, ob ich mit Blick auf die Handlungsprodukte eine größere Bandbreite für möglich erachten würde, da ein vielseitiges Fach wie es das Fach Ethik ist, solche Möglichkeiten vermehrt biete. Ferner fragte man mich, ob ich in diesem Zusammenhang die „Theorie der multiplen Intelligenzen“ von Howard Gardner kennen würde. Mit Blick auf meinen methodischen Kompetenzzuwachs erachtete ich diese Öffnung der Handlungsproduktpalette wünschenswert. Und unter dem Namen „Multiple Intelligenzen“ konnte ich mir rein assoziativ und mit sprachlichem Feingefühl etwas wie „vielfältige Fähigkeiten“ vorstellen. Genaueres wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.
Infolgedessen und mit Blick auf die anstehende Hausarbeit beschäftigte ich mich aus intellektueller Neugierde und Professionalisierungsdrang mit dieser Theorie und merkte, dass mein Schlüsselerlebnis der Verschlossenheit vieler Lerner gegen sprachlich–logisches Arbeiten ein tieferliegendes Problem der Lernkultur ist. Dieses Problem liegt in der Dominanz eines bevorzugten Intelligenzprofils, dem zum einen weite Bereiche unseres Schulsystems unterliegen und in dem ich zum anderen schulisch als auch universitär sozialisiert wurde und darum vielleicht unbewusst meine kulturell bedingte „Intelligenzsozialisation“ mit in meine Unterrichtsplanung getragen habe. Es ist das Problem der vereinseitige Ausrichtung der „Schule im Einheitslook“ an der sprachlich und logisch-mathematischen Intelligenz der Lerner. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Mein Weg zur Problemstellung
2. Theoretische Grundlagen: Die gedankliche Basis der Unterrichtsreihe
2.1 Über Einfalt und Vielfalt des menschlichen Geistes
2.2 „Multiple Intelligenzen“: die Pluralität der Potentiale
2.3 „Multiple Intelligenzen“ und ihre pädagogischen Implikationen
2.3.1 Didaktisch-methodische Folgerungen aus der MI-Theorie
2.3.2 Argumente für den Einsatz der MI-Theorie im Unterricht
3 Allgemeine Aspekte zur Unterrichtsreihe: Bedingungen und Entscheidungen
3.1 Institutionell-strukturelle Bedingungen
3.1.1 Meine Lerngruppe: Ethik Grundkurs BGYT 13
3.1.2 Zeitlicher Ansatz
3.1.3 Lehrplanbezug
3.2 Didaktisch-methodische Entscheidungen
3.2.1 Kurzer Abriss der Unterrichtsreihe und der Aspekt der „Doppelten Zugänglichkeit“
3.2.2 Makromethode: Projektunterricht und didaktischen Konsequenzen
3.2.3 Kompetenzschwerpunkte
4. Praktische Umsetzung: Unterrichtsplanung, -durchführung und -reflexion
4.1 Die Unterrichtsreihe in einzelnen Phasen
4.2 Informierungsphase (19.02.13)
4.2.1 Planung des Unterrichts
4.2.2 Beobachtungen inklusive Reflexion
4.3 Planungsphase (26.02.13)
4.3.1 Planung
4.3.2 Beobachtung inklusive Reflexion
4.4 Produktionsphase I (05.03.13)
4.4.1 Planung
4.5 Produktionsphase II (12.03.13)
4.5.1 Planung
4.6. Performanzphase: „Mein Lebensmotto, die Intelligenzen und ich“ (16.03.13)
4.6.1 Beschreibung und Beobachtungen
4.7 Abschlussphase (09.04.13)
4.7.1 Planung
4.7.2 Beobachtungen inklusive Reflexion
5. Kritischer Rückblick: Konzeptionelle Gesamtreflexion
5.1 Was war das Ziel der Unterrichtsreihe?
5.2 Was sehe ich als problematisch an?
5.3 Was nehme ich aus der Unterrichtsreihe für meine Professionalisierung mit?
6. Fazit
7. Literaturangabe
8. Anhang
8.1 Mein Konzept
8.2 Didaktischer Plan der Unterrichtsreihe
8.3 Erläuterung der Merkmale und Vorzüge des Projektunterrichts
8.4 Grafik „Orientierungskompetenz“
8.5 Kompetenzraster zur Unterrichtsreihe
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis der Theorie der „multiplen Intelligenzen“ von Howard Gardner den Schülern eines Ethik-Grundkurses einen individuellen, stärkenorientierten Zugang zu philosophisch-ethischen Fragestellungen zu ermöglichen, um dadurch die Orientierungskompetenz im Hinblick auf ein eigenes Lebensmotto zu fördern.
- Theorie der multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner und deren pädagogische Implikationen
- Stärken- und Ressourcenorientierung zur Überwindung einseitiger, logisch-sprachlicher Lernzugänge
- Konzeption und Durchführung einer Unterrichtsreihe als Projektunterricht
- Förderung der Orientierungskompetenz bei der Suche nach persönlichen Lebensmaximen
- Praktische Umsetzung an einem „Tag der offenen Tür“ als reale Lernsituation
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Mein Weg zur Problemstellung
Der Frage nachzugehen, welche Möglichkeiten existieren, um der Vielfalt Raum zu geben, also pädagogisch gewendet, wie die vorhandenen Ressourcen und die Interessen der Lerner wertgeschätzt werden können, hat für mich zwei lebensweltliche Schlüsselerlebnisse.
Zum einen ist die wiederkehrende Reserviertheit einiger Lerner gegenüber Textarbeit und Formen der Leistungsfeststellung wie z.B. schriftliche Stellungnahme und Textverfassung zu nennen. Allgemein gesagt, die „Vermeidungstendenzen“ gegen die Dechiffrierung oft sperriger philosophischer Texte und Ausdrucksformern, die vornehmlich die geschriebene Sprache im Zentrum haben und die eine logische, stringente Begründung verlangen.
Und zum anderen habe ich die im Folgenden behandelte Problemstellung durch einen Impuls in der Nachbesprechung einer benoteten Lehrprobe zu einer Ethikstunde erhalten, der die oben genannte Erfahrung indirekt aufgriff. Denn man fragte mich, ob ich mit Blick auf die Handlungsprodukte eine größere Bandbreite für möglich erachten würde, da ein vielseitiges Fach wie es das Fach Ethik ist, solche Möglichkeiten vermehrt biete. Ferner fragte man mich, ob ich in diesem Zusammenhang die „Theorie der multiplen Intelligenzen“ von Howard Gardner kennen würde. Mit Blick auf meinen methodischen Kompetenzzuwachs erachtete ich diese Öffnung der Handlungsproduktpalette wünschenswert. Und unter dem Namen „Multiple Intelligenzen“ konnte ich mir rein assoziativ und mit sprachlichem Feingefühl etwas wie „vielfältige Fähigkeiten“ vorstellen. Genaueres wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Mein Weg zur Problemstellung: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Arbeit, ausgehend von der Beobachtung der Lernkultur und dem Impuls, die Theorie der multiplen Intelligenzen zu nutzen.
2. Theoretische Grundlagen: Die gedankliche Basis der Unterrichtsreihe: Dieses Kapitel stellt Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen sowie deren didaktische Bedeutung und Konsequenzen für den Unterricht dar.
3 Allgemeine Aspekte zur Unterrichtsreihe: Bedingungen und Entscheidungen: Hier werden die institutionellen Voraussetzungen der Lerngruppe sowie die didaktisch-methodischen Überlegungen, insbesondere zum Projektunterricht, dargelegt.
4. Praktische Umsetzung: Unterrichtsplanung, -durchführung und -reflexion: Dieser Teil beschreibt detailliert den Ablauf der neun Unterrichtsstunden und die Reflexion der Lehrerrolle in den verschiedenen Phasen.
5. Kritischer Rückblick: Konzeptionelle Gesamtreflexion: Der Autor reflektiert das erreichte Ziel, analysiert die problematischen Aspekte des Konzepts und leitet Erkenntnisse für seine zukünftige Professionalisierung ab.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die gelungene Anwendung der MI-Theorie und betont den persönlichen Kompetenzzuwachs des Autors bezüglich einer stärkeren Individualisierung des Unterrichts.
Schlüsselwörter
Multiple Intelligenzen, Howard Gardner, Projektunterricht, Orientierungskompetenz, Lebensmotto, Ressourcenorientierung, Lernerzentrierung, Ethikunterricht, Handlungsortientierung, Selbststeuerung, Didaktik, Kompetenzentwicklung, Heterogenität, Pädagogik, Individualisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und Durchführung einer Unterrichtsreihe im Fach Ethik, die versucht, durch die Berücksichtigung der „Theorie der multiplen Intelligenzen“ nach Howard Gardner vielfältige Lernzugänge zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die pädagogische Umsetzung der MI-Theorie, die Förderung von Orientierungskompetenz bei Schülern, die Stärkung der Eigenverantwortung durch Projektunterricht und der Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülern einen individuellen Zugang zu ethisch-philosophischen Fragen zu ermöglichen, damit sie motivierter und kompetenter an der Suche nach einem persönlichen Lebensmotto arbeiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem theoriegeleiteten, handlungsorientierten Ansatz, der als Projektunterricht umgesetzt und durch fortlaufende schriftliche Reflexion und Beobachtung des Lehrers begleitet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Darlegung der Rahmenbedingungen, eine detaillierte Unterrichtsplanung und -reflexion der einzelnen Projektphasen sowie einen abschließenden kritischen Rückblick auf die Gesamtkonzeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Multiple Intelligenzen, Projektunterricht, Ressourcenorientierung, Lebensmotto und Orientierungskompetenz.
Warum spielt die Theorie der multiplen Intelligenzen eine so große Rolle?
Der Autor nutzt diese Theorie als Instrument, um die Dominanz der klassischen sprachlich-logischen Intelligenz im Bildungssystem zu durchbrechen und den Schülern zu ermöglichen, sich mit ihren spezifischen Stärken in den Unterricht einzubringen.
Wie wichtig war der Tag der offenen Tür für die Arbeit?
Der Tag der offenen Tür diente als reale Lernsituation („Highlight“), in der die Schüler ihre individuell erstellten Handlungsprodukte einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren mussten, was den Lernprozess intensivierte.
Warum ist das Thema „Lebensmotto“ für Schüler relevant?
Es dient als Aufhänger für die Orientierungskompetenz, da es die Schüler zwingt, sich mit existentiellen Lebensfragen auseinanderzusetzen und eine eigene Lebensmaxime zu formulieren.
Was ist das Fazit des Autors zur Durchführbarkeit?
Der Autor resümiert, dass die Umsetzung im Projektunterricht zwar sehr zeit- und arbeitsintensiv ist, aber einen hohen pädagogischen Mehrwert durch erhöhte Motivation und echte Lernerfolge bei den Schülern erzielt.
- Arbeit zitieren
- Dipl. - Päd. Mario Stenz (Autor:in), 2013, Der Vielfalt Raum geben: Ermöglichung vielfältiger Zugänge zu philosophisch-ethischen Fragen durch die besondere Berücksichtigung „multipler Intelligenzen“., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231710