E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann". Die Urszene und Leitmotive im Hinblick auf Freuds "Das Unheimliche"


Hausarbeit, 2013

16 Seiten

Marie H. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Urszene
2.1. Zusammenfassung
2.2. Die Urszene, eine Definition nach Freud
2.3. Anwendung der Definition auf den Sandmann

3. Motive
3.1. Das Motiv des Doppelgängers
3.2. Das Augenmotiv
3.2.1. Das Auge als Sinnesorgan und Metapher
3.2.2. Augen als Mittel zur Charakteranalyse
3.2.3. Brillen, Perspektive
3.3. Der Kastrationskomplex
3.4. Das Leblose und das Lebendige (Automaten, Puppen, Menschen)

4. Clara und Nathanael: Zwei unterschiedliche Weltansichten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

»Sandmann, lieber Sandmann,/ es ist noch nicht soweit!/ Wir sehen erst den Abendgruß,/ ehe jedes Kind ins Bettchen muss,/ du hast gewiss noch Zeit./ Kinder, liebe Kinder,/ es hat mir Spaß gemacht!/ Nun schnell ins Bett und schlaft recht schön,/ dann will auch ich zur Ruhe gehn,/ ich wünsch’ euch Gute Nacht.«[1]

Als „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann 1817 erschien war sich keiner der Bedeutung bewusst, die dieses Buch in sich trägt. Richtig analysieren konnte man es erst nachdem psychoanalytische Sichtweisen literarisch angesehen wurden. Die Urszene wurde zuerst gar nicht als solche erkannt, und man mag sich auch heute noch davor verschließen, doch baut der Rest des Romans auf eben dieser unheimlichen Szene auf. Sie rational zu betrachten würde deshalb bedeuten das Genie des Autors zu verleumden.

Als Freud sein Essay „Das Unheimliche“ 1919 veröffentlichte konzentrierte er sich vor allem auf das Irrationale, das Unheimliche der Geschichte. Dabei konnte er die Urszene natürlich nicht außen vor lassen, nein sie ist sogar einer der Hauptpunkte seiner Analyse.

Im Folgenden werde ich nun eben jene Szene analysieren, die Leitmotive des Romans untersuchen und sie auf die Urszene zurückbeziehen. Dabei werde ich mich nicht nur an Freuds Interpretation halten, sondern vor allem auch meine eigenen Vermutungen mit ein bringen.

Die Frage, die sich stellt und die ich letztendlich beantworten möchte, ist, in wie fern Realität und Wahnsinn ineinander verschmelzen.

2. Hoffmann

Geboren 1776 in Königsberg, wurde er auf den Namen Ernst Theodor Wilhelm getauft. Später änderte er Wilhelm in Amadeus um, zu Ehren seines Lieblingskomponisten, Wolfgang Amadeus Mozart.

E.T.A. Hoffmann war nicht nur als Schriftsteller tätig. Zusätzlich komponierte, malte und zeichnete er; widmete sich also ganz der Kunst in seinem Schaffen. Seine Literarischen Werke gehören zur Hochromantik, da er sich aber für Schauermärchen und Geisteskrankheiten interessierte, brauchte er auch dies in seinen Geschichten unter. Neben der Kunst war Hoffmann außerdem politisch aktiv.

E.T.A. Hoffmann heiratete 1802; 22 Jahre später, am 25.06.1822 verstarb er im Alter von 46 Jahren.[2]

Viele seiner Werke wurden als Ballett, Oper, Operette, Theaterstück adaptiert und bis heute erfolgreich aufgeführt.

3. Die Urszene

3.1. Zusammenfassung

Nathanael schreibt Briefen in denen er erläutert warum Erinnerungen an ein Trauma aus Jugendtagen ihn wieder eingeholt haben.

An manchen Tagen, nach dem Abendessen, schickte die Mutter die Kinder früher ins Bett mit den Worten „Nun Kinder! – zu Bette! zu Bette! der Sandmann kommt, ich merk es schon.“[3], während der Vater allein im Arbeitszimmer verblieb. Nathanael hörte an diesen Abenden schwere Schritte die Treppe hinauf kommen und das Zimmer des Vaters betreten. Er kombinierte, dass dies wohl der Sandmann sein müsse. Als er seine Mutter fragte, negierte jene jedoch die Idee und verleugnete, dass ein Sandmann existiere. Daraufhin befragte der Junge die Amme, welche ihm ein Schauermärchen vom Sandmann erzählte: „Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bette gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf“[4]. Diese grausige Geschichte raubte Nathanael vollends den Schlaf; die Neugierde übermannt ihn. Eines Nachts versteckte er sich beim Vater im Schrank um, so hoffte er, dort den Sandmann zu Gesicht zu bekommen. Anstelle eines Fremden betrat jedoch Coppelius den Raum, ein der Familie bekannter, jedoch von den Kindern verabscheuter und dämonisch dargestellter, Advokat. Diese Schreckensgestalt schien für Nathanael der Sandmann zu sein. Sandmann und Vater begannen nun Alchemie zu betreiben; dabei wurde der Vater Coppelius ähnlich, denn beide hatten teuflische Gesichtszüge. Coppelius verlangte nach Augen, was bei Nathanael einen Schreckensschrei hervorruft, woraufhin er von dem Sandmann entdeckt wurde. Coppelius wollte Nathanael glutrote Flammenkörner in die Augen streuen, doch der Vater konnte die Augen des Jungen retten. Daraufhin schraubte Coppelius Nathanael auseinander und dieser fiel in eine tiefe Ohnmacht. Nathanael wurde von der Mutter aufgeweckt, der Sandmann war verschwunden. Coppelius kam erst ein Jahr später wieder zu Besuch; erneut traf er sich mit dem Vater in dessen Zimmer, doch bei den alchemistischen Versuchen passierte ein Unglück, der Vater starb. Coppelius verließ die Stadt; für Nathanael stand fest, er ist der Mörder seines Vaters.

[...]


[1]Unser Sandmännchen. 21. Februar 2013 <http://www.sandmaennchen.de/geschichten/sandmannlied/index.html>.

[2]Wunderlich, Dieter. E.T.A. Hoffmann. 1776-1822 / Biografie. 2006. 21. Februar 2013 <http://www.dieterwunderlich.de/E_T_A_Hoffmann.htm>.

[3]Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus.Der Sandmann. Hrsg. Rudolf Drux. Stuttgart: Reclam, 2004, S. 4. (Im Folgenden zitiert als Hoffmann)

[4]Ebd., S. 5.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann". Die Urszene und Leitmotive im Hinblick auf Freuds "Das Unheimliche"
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
E.T.A. Hoffmann: Erzählungen
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V231718
ISBN (eBook)
9783656478249
ISBN (Buch)
9783656480037
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hoffmanns, sandmann, urszene, leitmotive, hinblick, freuds, unheimliche
Arbeit zitieren
Marie H. (Autor), 2013, E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann". Die Urszene und Leitmotive im Hinblick auf Freuds "Das Unheimliche", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231718

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