Galicisch und Spanisch in Vigo

Eine soziolinguistische Untersuchung zum Prestige und Sprachgebrauch einer Regionalsprache


Bachelorarbeit, 2013

90 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die galicische Sprache
2.1 Sprachstruktur
2.2 Sprachhistorischer Überblick zum Gebrauch und Prestige des Galicischen
2.2.1 Vom Ursprung bis zum Mittelalter
2.2.2 Séculos Escuros
2.2.3 Renaissance des Galicischen: O Rexurdimento bis 1936
2.2.4 Zeit der Franco-Diktatur
2.2.5 Zeit nach Franco bis heute: Sprachpolitische Maßnahmen

3 Forschungsstand zum Galicischen und Spanischen in Vigo und Galicien
3.1 Zahlen und Fakten
3.2 Galicisch als L1
3.3 Linguistische Kompetenz
3.4 Sprachgebrauch

4 Vigo
4.1 Geschichte
4.2 Kultur
4.3 Wirtschaft und Verkehr
4.4 Bewohner

5 Eigene Datenerhebung
5.1 Vorbereitende Überlegungen und Zielsetzung
5.2 Aufstellen der Hypothese
5.3 Konstruktion des Fragebogens
5.4 Datenerfassung

6 Datenauswertung und Analyse
6.1 Allgemeine Ergebnisse
6.1.1 Galicisch als L1
6.1.2 Linguistische Kompetenz
6.1.3 Zukunft des Galicischen in Vigo und Vigo als galicische Stadt
6.2 Diskussion der Hypothese: sinkender Sprachgebrauch und höheres Prestige nach einzelnen soziolinguistischen Parametern
6.2.1 Allgemeiner Sprachgebrauch
6.2.2 Häufigkeit
6.2.3 Mediennutzung
6.2.4 Sprachgebrauch in verschiedenen Konversationssituationen
6.2.5 Prestige

7 Fazit und Ausblick

Bibliographie

Anhang

1 Einleitung

Galicien ist eine der 17 Comunidades Autónomas Spaniens, liegt im äußersten Nordwesten des Landes und ist in insgesamt vier Provinzen aufgeteilt. Neben der Provinz Pontevedra mit der Hauptstadt Galiciens Santiago de Compostela und der zu untersuchenden Stadt Vigo, gibt es drei weitere Provinzen namens A Coruña, Lugo und Ourense. Die Gesamtgröße von 29.574 km² (IGE, 2011) macht nur etwa 6 % Spaniens aus. Von Aberglaube und Mystik geprägt, zeichnet sich „das grüne Spanien“ durch kultige Feste und wilde Natur aus. Diese Region blickt außerdem auf eine lange und bewegte Vergangenheit zurück, welche sich auch auf die galicische Sprache stark ausgewirkt hat. Zusammen mit dem Katalanischen und dem Baskischen zählt das Galicische zu den Regionalsprachen Spaniens mit kooffiziellem Status.

In Zeiten der Globalisierung tritt immer mehr die Frage nach einem homogenen Europa auf, was durchaus auch im Bezug auf Sprachen gilt. Somit laufen die Regionalsprachen Spaniens, wie das Galicische und auch viele weitere Minderheitensprachen und Dialekte anderer europäischer Staaten Gefahr, allmählich durch Verlust an Prestige und Sprecherzahlen zu verschwinden. Europa gilt als Einheit, jedoch ist es ebenso noch von sprachlicher Heterogenität geprägt. Die „kleinen“ Sprachen werden auch dadurch bedroht, dass sich die Sprecher teilweise von ihrer eigenen Kultur und Identität abwenden, um der globalisierten Welt gerecht zu werden und um eine größere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Die europäische Union hat deswegen eine Charta zum Schutz von Regional- und Minderheitensprachen festgesetzt, um das Recht jedes Menschen auf seine eigene Sprache zu schützen und die Mehrsprachigkeit und Vielfalt der Kulturen in Europa zu bewahren (vgl. Gerhards 2010: 140). In Spanien trat diese im Jahr 2001 in Kraft.

Der europäische Tag der Sprachen fällt auf den 26. September und auch letztes Jahr wurde zu diesem Anlass eine Liste mit Sprachen, die vom Aussterben bedroht sind, veröffentlicht. Letztes Jahr war das Galicische nicht mit aufgelistet und diese Arbeit soll zeigen, ob das Galicische auch in Zukunft überleben oder früher oder später auf einer dieser Listen auftauchen wird.

In dieser Arbeit wird versucht, eine mögliche Entwicklung der galicischen Sprache in einer von Globalisierung betroffener Großstadt wie Vigo – vielleicht auch stellvertretend für andere Minderheitensprachen - absehen zu können. Dies soll durch Vergleich mit Ergebnissen von früheren soziolinguistischen Studien mit der, durch eine quantitative Analyse erhobenen, aktuellen Sprachsituation geschehen. Des Weiteren wird die Regionalsprache Galiciens im Laufe der Geschichte beleuchtet und der Zusammenhang zwischen Sprachgebrauch und dem Prestige dieser Sprache dargestellt.

Diese Arbeit ist in zwei Teile untergliedert. Einen ersten theoretischen Teil, welcher sich mit der Sprachstruktur und der Geschichte, v.a. in Bezug auf das Prestige und die Sprachverwendung beschäftigt, um die Auswirkungen historischer Ereignisse und deren Auswirkung auf das Galicische darzustellen. Anschließend folgt ein Überblick über den Forschungsstand zur galicischen Sprache, sowie über die Stadt Vigo und ihre Bewohner. Hierbei wird auf zahlreiche deutsche, englische, spanische und v.a. galicische Publikationen von Soziolinguisten und Sprachforschern, die sich intensiv mit dem Galicischen auseinandergesetzt haben, Bezug genommen.

Im zweiten, dem praktischen Teil wird versucht, die Ergebnisse des eigens erstellten und durchgeführten Fragebogens zum Thema des Sprachgebrauchs und des Prestiges der galicischen Sprache in Vigo abzubilden und zu erklären. Die Daten der empirischen Untersuchung sollen im Anschluss die vorher, aufgrund von Intuition und Vorwissen aufgestellte Hypothese eines geringeren Sprachgebrauchs trotz steigendem Prestige bestätigen oder wiederlegen und mögliche Gründe und Erklärungen dazu liefern. Dies geschieht, wo es möglich ist, auch jeweils im Vergleich mit früheren soziolinguistischen Untersuchungen zu diesem Thema, um Entwicklungstendenzen der galicischen Sprache deutlich zu machen.

2 Die galicische Sprache

Das Galicische ist eine Sprache mit langer Geschichte, welche von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist. Bevor aber ein sprachhistorischer Überblick zum Sprachgebrauch und Prestige der Regionalsprache gegeben wird, stellt das folgende Kapitel kurz die Sprachstruktur des Galicischen dar. Die galicische Sprache gilt für einen Teil der Sprachwissenschaftler, je nach Perspektive als eigenständige Regional- und Minderheitensprache Spaniens und zählt zu den romanischen Sprachen oder nach anderen Kriterien zu den Dialekten (vgl. Bossong 2008: 17). Der Begriff ‘Brückensprache’ tritt ebenfalls im Zusammenhang mit dem Galicischen auf, da es als Verbindung zwischen dem Portugiesischem und dem Kastilischem angesehen wird (vgl. Noack 2010: 2). Der geringe Abstand zum Portugiesischen, was aus dem Galicischen hervorging, drückt sich ebenfalls im Oberbegriff gallego-portugués aus.

Außer in Galicien ist das Galicische in den Grenzgebieten Asturien, León, Zamora und den Provinzen im Norden Portugals, wie auch in Hispanoamerika v.a. in Cuba und Argentinien, bedingt durch Emigration vieler Galicier während der Franco-Diktatur, verbreitet (vgl. Dietrich/Geckeler 2007: 28).

2.1 Sprachstruktur

Aufgrund der Kontaktsituationen, mit welchen das Galicische schon immer konfrontiert war, egal ob mit dem Lateinischen und später mit dem Portugiesischen oder dem Kastilischem, weist die Sprache besondere Merkmale auf.

Umstritten ist, wie viele Varietäten des Galicischen existieren. Die Meinungen gehen zwischen zwei, drei und vier Dialektzonen auseinander, je nachdem welche phonetisch-phonologischen und morphologischen Kriterien zugrunde gelegt werden. Die am häufigsten vertretene Einteilung ist jene von Fernández Rei, der das Galicische in drei Blöcke einteilt. Nach diesem liegt Vigo im westlichen bloque occidental, neben dem bloque central in der Mitte und dem bloque oriental im Osten (vgl. Hermida 2001: 113).

Neben allgemeinen Phänomenen wie gheada, die frikative, aspirierte Aussprache von /g/ und seseo, dem Zusammenfall von /s/ und /θ/, zeichnet sich der in Vigo gesprochene südwestliche Dialekt vor allem durch das Suffix –án(s) aus. Im Gegensatz dazu werden im Zentrum die üblicheren Suffixe –ao(s) oder -au(s) verwendet (vgl. Luyken 1994: 129). Zur Abgrenzung des Galicischen vom Kastilischem dienen Merkmale wie die fehlende Diphthongierung von é und ó (z.B.: sete statt sp. siete ‘ sieben’; porta statt sp. puerta ‘Tür’) und das Schwinden von intervokalischem -l- und -n- (z.B.: sp. salire > sair ‘ (aus)gehen’; sp. corona > coroa ‘ Krone’). Eine weitere Besonderheit ist der bedeutungsunterscheidende Öffnungsgrad der Vokale e und o (vgl. Dietrich/Geckeler 2007: 41).

Auf die verschiedenen Dialekte kann aber, aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit nicht genauer eingegangen werden. Auch Interferenzerscheinungen und regionale, galicische, so wie kastilische Varietäten müssen in dieser Hinsicht unberücksichtigt bleiben.

2.2 Sprachhistorischer Überblick zum Gebrauch und Prestige des Galicischen

Die Kenntnis der Geschichte des Galicischen ist die Grundlage für das Verständnis der später angeführten Ergebnisse der eigenen Untersuchung und die der früheren Studien zur Verwendung des Galicischen. Der Weg vom Lateinischen bis zum heutigen Status einer autochthonen Sprache war von vielen Schwierigkeiten geprägt. Durch historische Ereignisse verlor und gewann das Galicische teilweise an Ansehen und Verwendung. Das Prestige einer Sprache und der im Zusammenhang stehende Sprachgebrauch, wie auch die linguistische Kompetenz der Sprecher waren schon immer von der Einstellung der Sprecher gegenüber ihrer Sprache beeinflusst (vgl. Luyken 1994: 52-53).

Dieser Zusammenhang und seine Entwicklung soll nun in den folgenden Textabschnitten dargestellt werden.

2.2.1 Vom Ursprung bis zum Mittelalter

Schon in vorrömischer Zeit entstand im Gebiet des heutigen Galicien, Nordportugals und im Westen Asturiens ein Kulturraum namens cultura castrexa. Aus der südlichen Provincia Baetica eroberten die Römer die Region, welche später den Namen Gallaecia trug. Im Jahr 409 gründeten die Sueben dort das erste Germanenreich, was bereits zu ersten sprachlichen Differenzierungen führte. Diese wurden durch den Einfall der Araber und die darauffolgende Reconquista verstärkt (vgl. Bröking 2002: 48-49). Im Laufe der Zeit und unter der Herrschaft verschiedener Könige spaltete sich im 12. Jh. der nordportugiesische Teil ab und orientierte sich Richtung Süden, während Galicien immer stärker in den Einflussbereich Kastiliens geriet. Somit trennte sich schließlich die portugiesische von der galicischen Sprachvarietät und wurde eine Nationalsprache. Das Galicische behielt hingegen nur eine regionale Bedeutung.

Die Blütezeit des gallego-portugués nahm mit der Entdeckung des Grabes von Apostel Jakobus (813 n. Chr.) und dem Beginn des Camino Francés seinen Anfang, was erheblich zur Bedeutung Galiciens beitrug (vgl. Lorenzo Vázquez 2003: 871). Als Literatursprache und alltägliches Kommunikationsmedium, sowohl im mündlichen als auch im schriftlichen Bereich, nahm das Galicische im 13. Jh. bis ca. Mitte des 15. Jh. einen hohen Stellenwert ein und galt als prestigereiche Sprache. Die sogenannte Trobadorlyrik mit ihren Cántigas bildete die gesellschaftliche Realität ab und wurde sogar am Hof von Kastilien gepflegt. Doch begann auch schon im 14. Jh. durch kastilische Ansiedlung und Besetzung in Verwaltung und Kirche die allmähliche Kastilisierung Galiciens (vgl. Noack 2010: 153).

2.2.2 Séculos Escuros

Vom 16. Jh. bis zum 18. Jh. durchlief das Galicische die sogenannten Séculos Escuros, schriftlose und „dunkle Jahrhunderte“, in denen es im Gegensatz zum Kastilischem sehr an Prestige verlor und aus formellen Verwendungskontexten fast völlig verschwand. Dennoch wurde es v.a. von der analphabetischen Landbevölkerung, die den Großteil ausmachte und dem Kastilischen nicht mächtig war, gesprochen und somit bewahrt (vgl. Noack 2010: 154).

Das Galicische war in dieser Zeit mit negativen Attributen wie Armut und Ungebildetheit behaftet und galt als Sprache „des mündlichen, diastratisch und diaphasisch niedrig markierten Gebrauchs“ (Bröking 2002: 108). Dies ließ die Bewohner Galiciens an einem Minderwertigkeitskomplex und einer Art Selbstverachtung leiden (vgl. Luyken 1994: 187). Da das Kastilische immer größeren Einfluss nahm, normiert und für sämtliche schriftliche Aufzeichnungen in religiösen, administrativen und literarischen Belangen benutzt wurde, verstärkte sich die Diglossie-Situation (vgl. Hermida 2001: 116-117). Es herrschte eine Zweiteilung zwischen galicisch sprechender, v.a. ländlicher Bevölkerung, und spanischsprachigem Adel und der Kirche - also eine sprachliche Trennung der Gesellschaft aufgrund sozialer Klasse (vgl. Mariño Paz 1998: 202-203).

Der Benediktinermönch Martin Sarmiento (1695-1772) wehrte sich erfolglos gegen diesen Zustand und forderte ein galicisches Wörterbuch. Doch bis auf diese Stimme ist kein Widerstand der galicischen Bevölkerung gegenüber der stark zunehmenden und unterdrückenden Vorrangstellung des Kastilischen überliefert (vgl. Heinze de Lorenzo 1990: 10).

2.2.3 Renaissance des Galicischen: O Rexurdimento bis 1936

Anfang des 19. Jh. kam es zu einer, durch Schriftsteller und Dichter angeregten und von alphabetisierten Intellektuellen getragenen Renaissance des Galicischen, dem sogenannten O Rexurdimento. Dieses Aufblühen gilt als „Wiedergeburt der galicischen Literatur“ (vgl. Noack 2010: 155). Die soziopolitische Bewegung bewirkte u.a. auch in Katalonien eine Art Selbstreflektion der unterdrückten Bevölkerungsschichten über ihre Sprache und Kultur. Dies hatte wiederum ein neues Identitätsgefühl und ein erstarktes regionales Sprach- und Selbstbewusstsein zur Folge.

Die wichtigsten galicischen Vertreter dieser Zeit waren an erster Stelle Rosalía de Castro mit ihren Cantares gallegos und Follas Novas, Eduardo Pondal und Manuel Curros Enríquez. Sie gaben mit ihren Gedichten ein kritisches Abbild Galiciens und seiner Sprache und wollten deren Stigmatisierung aufheben (vgl. Luyken 1994: 190-192).

Durch den neu entstandenen galicischen Nationalismus gewann das Galicische als Literatursprache wieder an Prestige (vgl. Hermida 2001: 118-119). In den Schriften des O Rexurdimento fiel nun auch die uneinheitliche Schreibweise des Galicischen auf, da es zu dieser Zeit noch keine normierte Orthographie besaß. Neben diesem Aufschwung der galicischen Literatursprache blieb das Galicische, aufgrund der großen Anzahl von Analphabeten in der Bevölkerung jedoch eine gesprochene Sprache. Im Gegensatz dazu behielt das Kastilische den Status einer Prestigesprache und war nach wie vor die vorherrschende Sprache im offiziellen Schriftgebrauch, in Schulen und in der Wirtschaft (vgl. Lorenzo Vázquez 2003: 874). Zu Beginn des 20. Jh. wurde das Galicische schließlich auch bei öffentlichen Veranstaltungen und in der Presse, durch den neu gegründeten Verlag Nós mit gleichnamiger Zeitung und der Zeitschrift A nosa terra verwendet.

Neben dem Seminario de Estudos Galegos, das die Verwendung des Galicischen in Schulen verlangte, förderten die Irmandades da Fala und die Real Academia Galega (RAG) eine gesellschaftliche Anerkennung und eine Standardisierung der galicischen Sprache (vgl. Heinze de Lorenzo 1990: 12-13).

2.2.4 Zeit der Franco-Diktatur

Mit Beginn der Diktatur Francisco Francos wurden jedoch die Bestrebungen der galicischen Nationalisten, die sich auf einem guten Weg befanden, die galicische Sprache aus ihrem informellen Kontext zu befreien, abrupt beendet. Francisco Franco, der selbst Galicier war, verbot sämtliche Regionalsprachen Spaniens und setzte das Kastilische durch seine Sprachpolitik in allen Bereichen durch. Somit wurde das Galicische erneut in den mündlichen Gebrauch innerhalb der Familie zurückgedrängt (vgl. Luyken 1994: 198). Die, durch die Diktatur eingeleitete Emigration vieler Intellektueller v.a. nach Lateinamerika, hatte auch Einfluss auf die sprachliche Situation in Galicien. Diese bildeten im Exil wichtige kulturelle Zentren und förderten somit auch einen Kulturkampf in Galicien. So wurde bereits 1950 in Vigo das Verlagshaus Galaxia gegründet und etliche Bücher in galicischer Sprache produziert (vgl. Lorenzo Vázquez 2003: 875).

Das Instituto da Lingua Galega (ILG) wurde noch während der Diktatur im Jahr 1971 gegründet und setzt sich bis heute für die Sprachforschung und Normierung der galicischen Sprache ein. Doch Modernisierung und Industrialisierung mit einhergehender Urbanisierung hatten eine schnellere und stärkere Assimilation der galicischen, sowohl der ländlichen als auch der städtischen Bevölkerung und einen erneuten Prestigeverlust des Galicischen zur Folge. Ohne Kenntnisse des Kastilischen war kein sozialer Aufstieg denkbar, was das Minderwertigkeitsgefühl vieler Galicier erhärtete und viele Eltern ihren Kindern nur das Kastilische vermitteln ließ (vgl. Noack 2010: 161).

Außerdem entstand ein Konflikt zwischen den nationalistischen galicischen Parteien und dem Regime Francos (vgl. Bröking 2002: 96). Immer mehr Studenten und Intellektuelle nutzten zu Beginn der 60er Jahre das Galicische, um sich gegen das Regime zu stellen, obwohl ihre Muttersprache meist schon Kastilisch war. Dies bewirkte in diesen Kreisen eine Aufwertung des Prestiges der Regionalsprache (vgl. Luyken 1994: 200). Es ist also zu erkennen, dass das Verbot des Galicischen bei Teilen der Bevölkerung einerseits zu stärkerem Minderwertigkeitsgefühl und zum Vernachlässigen der Sprache geführt, sich andererseits in einer nationalistischen Gegenbewegung und höheren Verwendung des Galicischen ausgedrückt hat.

2.2.5 Zeit nach Franco bis heute: Sprachpolitische Maßnahmen

Das Ende der Diktatur, das durch den Tod Francos im Jahr 1975 eintrat und die Transición, der Übergang zur Demokratie bewirkten, dass das Galicische wieder eine Chance als gesellschaftlich anerkannte Sprache bekam (vgl. Noack 2010: 157-158). Prestigevorteile lagen aber weiterhin auch in dieser Zeit beim Kastilischen. Die Diktatur verursachte auch, dass, um der galicischen Sprache ein höheres Ansehen verleihen zu können, etliche sprachplanerische Maßnahmen nötig waren. Die Sprachplanung betraf sowohl die Korpus- als auch die Statusplanung. Neben diesen brauchte das Galicische auch sprachpolitische Unterstützung (vgl. Esser 1990: 154). Diese Gesetze und Maßnahmen sollen nun im Folgenden dargestellt werden.

Gesetzgebung

Das bereits 1936 schon angenommene, aber durch Einsetzen des Bürgerkriegs noch nicht realisierte Autonomiestatut, wurde in der 1978 verabschiedeten spanischen Verfassung neu abgesegnet. Somit erhielt Galicien im Jahr 1981 den Status einer autonomen Gemeinschaft Spaniens. Dies war für die folgende Sprachpolitik ein enorm wichtiger Schritt. Artikel 5 des Autonomiestatuts lautet: „A lingua propia de Galicia é o galego“, somit besitzt das Galicische den Status einer eigenständigen und autochthonen Sprache in Galicien (vgl. Lorenzo Suárez 2009: 25). Des Weiteren gilt Galicien neben dem Baskenland und Katalonien als nacionalidad histórica mit kooffiziellen Sprachen (vgl. Bröking 2002: 99-100).

Laut Artikel 3 der spanischen Verfassung gilt die Pflicht aller Spanier die spanische Sprache zu beherrschen, im Gegensatz wird nur das bloße Recht der Galicier und nicht die Verpflichtung die galicische Sprache zu kennen, impliziert. Außerdem wird der Schutz der „sprachlichen Vielfalt“ verankert.

Artículo 3 (vgl. Bollée/Neumann-Holzschuh 2008: 145)

1. El castellano es la lengua española oficial del Estado. Todos los Españoles tienen el deber de conocerla y el derecho a usarla.
2. Los demás lenguas españolas serán también oficiales en las respectivas Comunidades Autónomas de acuerdo con sus Estatutos.
3. La riqueza de las distintas modalidades lingüísticas de España es un patrimonio cultural que será objeto de especial respeto y protección.

Hier ist zu erkennen, dass das Kastilische nicht nur in Spanien, sondern auch in Galicien im Gegensatz zur Regionalsprache rechtliche Vorteile hat. Nachdem nun die galicische Sprache in der spanischen Verfassung verankert worden war, mussten statusplanerische Maßnahmen folgen. So wurde im Jahr 1983 das Lei de Normalización lingüística verabschiedet, was eine sprachliche Normalisierung mit Ausweitung und Förderung des Galicischen durch die Regierung in allen öffentlichen und kulturellen Bereichen wie z.B. der Verwaltung, Medien und Bildungswesen als offizielle Sprache neben dem Kastilischen festlegte.

Doch auch in diesem Gesetz wird nicht von der Pflicht das Galicische auch zu verwenden, gesprochen (vgl. Noack 2010: 158). Jedoch sind die Förderung und der Schutz der Sprache sowohl in der spanischen Verfassung, im Autonomiestatut als auch in den gesetzlichen Verfügungen zur Normalisierung der Sprache festgelegt (vgl. Albrecht 1993: 341).

Problematik der Standardnorm

Bereits zu Beginn des 20. Jh. wurde eine Standardisierung und Normalisierung des Galicischen gefordert, konnte jedoch aufgrund der eintretenden Diktatur nie richtig vollzogen werden. Zur erfolgreichen Sprachplanung gehört in erster Linie auch eine Korpusplanung, um eine Entwicklung und den Erhalt einer Sprache gewährleisten zu können. Im Gegensatz zu Katalonien war keine etablierte Norm vorhanden, doch verlangt eine Normalisierung zuerst eine Normierung der Sprache. Nachdem die Real Academia Galega (RAG) in Zusammenarbeit mit dem Instituto da Lingua Galega (ILG) 1982 die Normas ortográficas e morfolóxicas do galego veröffentlicht hatte, welche ein Jahr später in Kraft getreten waren, wurde ein Normenstreit ausgelöst.

Diese Normen für Rechtschreibung und Grammatik beruhen auf einem Kompromiss und der Berücksichtigung des Portugiesischen und des Kastilischen. Dieser kommt aber der Vorstellung einer unabhängigen galicischen Sprache mit einer am Kastilischen ausgerichteten Orthographie der Autonomisten erheblich näher (vgl. Albrecht 1992: 37-38). Die Lusisten, auch Reintegrationisten genannt, welche eine Eingliederung des Galicischen in das Portugiesische fordern, waren und sind im Gegensatz zu den Autonomisten, die das Galicische als eigenständige und vom Portugiesischem unabhängige Sprache ansehen, mit dieser Norm nicht einverstanden (vgl. Kabatek 1992: 65). Bis heute ist dieser Streit nicht völlig beigelegt, da die Norm, welche 2003 erneut geändert wurde, nicht von allen akzeptiert wird. Auch in den Schulen wird nicht überall die gleiche Norm unterrichtet, was wiederum die Beliebtheit des Kastilischen mit einheitlich akzeptierter Norm stärkt. Viele können sich außerdem nicht mit einer auferlegten Norm identifizieren (vgl. Luyken 1994: 270-276).

Ein weiteres Problem der langsamen und stockenden Durchsetzung der sprachlichen Normalisierung ist der fehlende Druck und die mangelnde Förderung der Regierung und der vielen verschiedenen Institutionen ohne zentrale Stelle, die dafür verantwortlich sind. Außerdem trifft die Normalisierung der Sprache auf Widerstand, da das Galicische im Parlament kaum als Alltagssprache verwendet wird (vgl. Lorenzo Vázquez 2003: 877).

Galicisch im Bildungswesen und Verwaltung

Die repressive Politik Francos verbot auch, das Galicische im Unterricht zu verwenden. Dies erklärt die Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben der heutigen älteren Generation. Die in den vorangegangenen Kapiteln festgelegten Normen und Gesetze waren ein wichtiger Schritt für die galicische Sprache, um im Schulwesen verwendet werden zu können. Jedoch gibt es bis heute für das Fach Galicisch Schulbücher mit unterschiedlicher Orthographie. Nach dem Lei de Normalización lingüística ist das Galicische auch nur als Unterrichtsfach und außer für das Primarschulwesen nicht als Unterrichtssprache vorgesehen. Gewollt ist aber, dass alle Schulabgänger ein gleiches Niveau des Galicischen wie auch des Kastilischen erreichen (vgl. Ramallo 2007: 32).

Die Bildungspolitik ist stark abhängig von der jeweiligen Regierung. So hatte sich die Normalisierung und Sprachpolitik v.a. im Bereich der Bildung in den letzten Jahren unter der galicisch-nationalistisch ausgerichteten Koalition von Bloque Nacionalista Galego (BNG) und Partido Socialista Obrero Español (PSOE) zu Gunsten des Galicischen entwickelt (vgl. Kühnel 2008: 240).

Seit dem Amtsantritt von Alberto Núñez Feijóo, Mitglied der eher konservativen Volkspartei Partido Popular (PP) im Jahr 2009 wurden jedoch wieder einige Neuerungen und Änderungen vorgenommen, die sich eher einem „harmonischen Bilinguismus“ als der Durchsetzung des Galicischen verschreiben (vgl. Lorenzo Suárez 2009: 27). Diese Politik stößt bei einigen Verfechtern des galicischen Monolinguismus, v.a. aus der BNG auf Wiederstand (vgl. Fraile 1995/96: 127-128). Trotz, oder gerade wegen dieser Gesetze ist das Kastilische nach wie vor beherrschend. Jedoch ist die Tendenz zu immer mehr Zweisprachigkeit und Verwendung des Galicischen in den Schulen erkennbar, was sich auch positiv auf die Lese- und Schreibfähigkeiten der jüngeren Generation auswirkt.

Der häufigere Sprachgebrauch des Galicischen im Bildungswesen im Vergleich zu vergangenen Tagen hat auch einen wichtigen Gewinn an Prestige zur Folge. Auch das Sträuben vieler Lehrer und Eltern gegen die Verwendung der galicischen Sprache in Schulen hat heute laut Umfragen stark nachgelassen. An den Universitäten gibt es seit 1994 den Studiengang Galicisch, doch außer in der Administration, welche fast ausschließlich auf Galicisch stattfindet, liegt das Verwenden der galicischen Sprache als Unterrichtssprache in der Hand des jeweiligen Dozenten (vgl. Lorenzo Vázquez 2003: 876).

Trotz der nur teilweise durchgeführten Auflagen zum Einsatz des Galicischen in den Schulen, stellt das Bildungswesen einen der wichtigsten Träger zum Erhalt der Sprache dar. Die Verwaltung der Gemeinden ist im Mündlichen galicisch geprägt, doch der Schriftverkehr wird auf Kastilisch abgewickelt. Je städtischer die Verwaltung, desto mehr lässt sich eine Zunahme des Kastilischen verzeichnen (vgl. Noack 2012: 166). Um das Galicische nachhaltig zu stärken, wäre es von großer Bedeutung, auch in diesem Bereich den Sprachgebrauch des Galicischen zu erhöhen und auch für formelle Kontexte zu normalisieren.

Galicisch in den Medien

Abgesehen davon, dass bereits in den 50er Jahren das Verlagshaus Galaxia in Vigo gegründet wurde und jährlich ein paar Bücher herausbrachte, war das Galicische in den Medien im Gegensatz zum Kastilischen in dieser Zeit kaum bis gar nicht vertreten. Neben dem heute noch immer bestehenden Verlag Edicións Galaxia, gibt es in Vigo einen weiteren wichtigen namens Edicións Xerais und noch einige in ganz Galicien, die Titel in galicischer Sprache mit steigender Tendenz produzieren (vgl. Luyken 1994: 205-209). Dies liegt vor allem daran, dass aufgrund des Einzugs der galicischen Sprache in Schulen und Universtäten ein immer größerer Teil der galicischen Bevölkerung die galicische Sprache nun auch lesen und schreiben kann. Jedoch übersteigt die Anzahl der auf kastilisch herausgebrachten Titel deutlich die Zahl der galicischen Bücher.

In der Presse wird außer in der Wochenzeitung A Nosa Terra und der Tageszeitung O Correo Galego ausschließlich auf Kastilisch berichtet. Große Tageszeitungen wie La Voz de Galicia, El Correo Gallego und Faro de Vigo verwenden nur für einzelne Beiträge das Galicische (vgl. Esser 1990: 162). Nach Hermida (2001: 129) ist aber auch im Pressewesen ein Anstieg der Verwendung des Galicischen zu erkennen. Zeitschriften wie die Revista galega de cultura finden bei der Bevölkerung jedoch wenig Anklang.

Die Gründung des Galicischen Rundfunks 1985 und ein Jahr später auch des galicischen Fernsehens leistet einen wichtigen Beitrag zur Normalisierung der sprachlichen Situation, denn somit tritt das Galicische wieder in das Bewusstsein und den Alltag der Menschen. Doch außer dem Radiosender Radio Galega und ein paar wenigen regionalen Sendern, wird im Rundfunk auf Kastilisch berichtet.

Neben dem einzigen galicischen TV-Sender Televisíon de Galicia (TVG) und dem Sender TVE1, der eine Stunde täglich galicische Sendungen ausstrahlt, beherrscht das Kastilische die Medienlandschaft. Das Kastilische wird sogar in galicischsprachigen Sendern für Werbesendungen benutzt. Der regionale Fernsehsender der Stadt Vigo ist ebenfalls in der Hand des Kastilischen (vgl. Hermida 2001: 128). Das Problem liegt v.a. darin, dass im Vergleich zu kastilischsprachigen Medien das Interesse an galicischen Fernseh- und Radiosendungen, wie auch an Zeitungen und Büchern wesentlich geringer ist (vgl. Hermann 1991: 193). Außerdem sehen Firmen und Unternehmen mit kastilischen Werbungen mehr Erfolg auf Absatz.

Des Weiteren gibt es meist nur schlecht ausgebildete Journalisten, Moderatoren und Kommentatoren, die die galicische Sprache selbst nicht korrekt beherrschen und ein künstliches Galicisch verwenden (vgl. Kabatek 1996: 85-86). Diese werden zwar sprachlich von sogenannten Asesores lingüísitcos beraten, was von der Bevölkerung jedoch nach wie vor mit Argwohn betrachtet wird (vgl. Kühnel 2008: 243). Auch im Gegensatz zu Katalonien, ist in Galicien das Galicische im öffentlichen Leben nicht so präsent. Sind beispielsweise in Barcelona sämtliche Öffnungszeiten an Geschäften, Speisekarten, Theaterprogramme, Fahrscheine, Reklametafeln etc. in katalanischer Sprache, so ist in Vigo das Kastilische dominierend.

Wie beschrieben, wird ersichtlich, dass die gesetzlich verankerte Pflicht zur Förderung des Galicischen in Medien, Bildungswesen und Verwaltung bis heute nicht völlig in die Tat umgesetzt wurde. Da aber die heutige Zeit eine von Medien geprägte ist, wird das Einsetzen des Galicischen in den Medien immer wichtiger, um das Fortbestehen dieser Minderheitensprache neben der allgegenwärtigen Staatssprache Kastilisch zu gewährleisten und das Prestige aufzuwerten. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, wie auch auf den Internetseiten der oben genannten Zeitungen wurde immerhin durchgesetzt, Galicisch als Sprache einstellen und verwenden zu können.

Im Folgenden, v.a. bei der Analyse der soziolinguistischen Studie wird es auch darum gehen, inwiefern all diese Maßnahmen gewirkt haben, um den durch historische Ereignisse verursachten Prestigeverlust und dessen Nachwirkungen überwinden zu können. Außerdem soll aufgezeigt werden, wie sich Prestige und Sprachgebrauch des Galicischen in Zukunft zueinander verhalten und entwickeln werden.

3 Forschungsstand zum Galicischen und Spanischen in Vigo und Galicien

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Forschungsstand zum Thema der galicischen Sprache, um einen kurzen Überblick vorangegangener wissenschaftlicher Arbeiten zu geben. Das Galicische erfreute sich in letzter Zeit großer Aufmerksamkeit seitens soziolinguistischer Forschungen. Anfang der 90er Jahre entstanden die ersten qualitativen wie auch quantitativen Untersuchungen zum Galicischen. Gegenstand der Studien ist die galicische Sprache meist in Bezug auf die linguistische Kompetenz der Sprecher und den Sprachgebrauch in verschiedenen Situationen. Auch der Unterschied zwischen Galicisch als Muttersprache oder erlernter Sprache spielt eine Rolle, wie auch Phänomene des language-shifts und Interferenzerscheinungen. Viele v.a. galicische Linguisten beschäftigen sich mit der sprachlichen Normierung, der Sprachpolitik und –Dynamik, so wie mit den Zukunftsaussichten des Galicischen.

Um einen Vergleich mit der hier vorliegenden Datenerhebung erstellen zu können, liegt der Fokus v.a. auf quantitativen Untersuchungen zu diaphasischen, diastratischen und diatopischen Entwicklungen. Hier sind v.a. die beiden Studien namens Mapa sociolingüístico de Galicia (MSG) aus den Jahren 1992 und 2004 zu nennen, die von der Xunta de Galicia in Auftrag gegeben und der Real Academia Galega durchgeführt wurden. Außerdem werden vom Instituto Galego de Estatística (IGE) neben Daten zu Einwohnerzahl, Wirtschaft und Wissenschaft auch regelmäßig Werte zur galicischen Sprachverwendung erhoben. Des Weiteren gibt es eine vergleichende Studie der erhobenen Zahlen des IGE und der MSG vom Consello da cultura galega, eine der vielen galicischen Institutionen, die sich für die galicische Sprache einsetzen.

Am wichtigsten für diese Arbeit ist aber die vom Concello de Vigo in Zusammenarbeit mit der Universität der Stadt im Jahr 2002 entstandene Studie namens Estudio sociolingüístico sobre a situación da lingua galega no Concello de Vigo. Diese liefert zum größten Teil die Grundlage für den Vergleich der eigenen Ergebnisse für die Stadt Vigo.

Die Daten der genannten soziolinguistischen Untersuchungen, wie weitere wichtige Zahlen zu Sprachgebrauch, Ersterwerb, Sprecherzahl und deren Verteilung werden in den folgenden Punkten dargestellt. Dies geschieht meist mit Hilfe aufbereiteter Grafiken, um eine bessere Übersicht über die Situation des Galicischen und Kastilischen in Galicien und in der Stadt Vigo geben zu können. Die Daten für ganz Galicien wurden aus den beiden MSG bezogen, da insgesamt 9.309 Galicier befragt wurden. Für Darstellungen zu Vigo wurden, außer in 3.3 die repräsentativeren Werte der 1403 Teilnehmer des Concello de Vigo (vgl. CdV 2002: 13) benutzt, da die MSG nur 909 Befragte aus Vigo zählt (vgl. MSG 2004: 24). Detailliertere Abbildungen und Erklärungen kommen in der Darstellung der Ergebnisse der eigens erhobenen Daten und der Diskussion der Hypothese in Kapitel 6 zum Einsatz.

3.1 Zahlen und Fakten

Die Sprecherzahlen des Galicischen schwanken zwischen 2,5 und 3,2 Millionen, je nachdem, ob die ausgewanderten Sprecher in Lateinamerika und die, in den Grenzgebieten um Galicien mitgezählt werden (vgl. Luyken 1994: 152-153). Betrachtet man die Einwohnerzahl Galiciens von 2.781.498 Bewohnern (IGE, 2012), so kann man daraus schließen, dass fast alle Bewohner dem Galicischen in unterschiedlich hohem linguistischen Maß mächtig sind. Unter den Minderheitensprachen in Spanien nimmt das Galicische dadurch und aufgrund der relativ hohen Zahl an Muttersprachlern die günstigste Stellung ein (vgl. Berschin 1987: 47). In Vigo selbst leben fast 300.000 Menschen, somit ist sie die größte Stadt in Galicien.

Das Galicische sieht sich mit der Weltsprache Spanisch sogar innerhalb der Region Galicien, wie auch in der Stadt Vigo konfrontiert. Das Spanische in Spanien wird von 47.059.533 Menschen (INE, 2013) gesprochen, mit leichten Abzügen von Sprechern von Minderheitensprachen im Land. Berücksichtigt man die Anzahl der Sprecher in Süd-, Mittel- und Nordamerika, wie auch in ehemaligen Kolonien Spaniens, beläuft sich die Sprecherzahl auf ca. 450 Millionen. Betrachtet man nun diese Zahlen, ist es nicht verwunderlich, dass das Kastilische starken Einfluss auf das Galicische, wie auch auf andere Minderheitensprachen genommen hat und weiterhin auch die „mächtigere“ Sprache sein wird. Dies wird auch in den Grafiken der nun folgenden Kapitel deutlich.

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Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Galicisch und Spanisch in Vigo
Untertitel
Eine soziolinguistische Untersuchung zum Prestige und Sprachgebrauch einer Regionalsprache
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanische Philologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
90
Katalognummer
V231732
ISBN (eBook)
9783656475989
ISBN (Buch)
9783656476641
Dateigröße
2314 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Galicisch, Spanisch, Regionalsprache, Minderheitensprache, Prestige, Sprachgebrauch
Arbeit zitieren
Johanna Eierstock (Autor), 2013, Galicisch und Spanisch in Vigo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231732

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