Die Ein-Kind-Politik in der Volksrepublik China. Verlauf, Ursachen und Folgen


Seminararbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Signifikanz des Geschlechts

3. Die staatliche Geburtenkontrolle
3.1. Vorbereitungs- und Übergangsphase
3.2. Verlauf
3.2.1. Anreize
3.2.2. Sanktionen
3.2.3. Milderung der Maßnahmen
3.2.4. Umsetzungsprobleme
3.2.5. Widerstand

4. Auswirkungen
4.1. Resonanz
4.2. Verzerrte Geschlechterproportion
4.3. Soziokultureller Wandel

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie es der Titel dieser Arbeit bereits zu implizieren vermag, behandelt sie das Thema der Ein-Kind-Politik Chinas. Um dem schnellen Populationswachstum der Volksrepublik entgegen- zuwirken, welche mit 1 Milliarde Einwohnern (Greenhlagh 2005: 260) bereits seit Jahrzehnten zum bevölkerungsreichsten Land zählte (Pierk S:1)[1] und es vor einem Babyboom, und der daraus resultierenden Knappheit an Ressourcen, Hungersnöten oder Naturkatastrophen zu bewahren, rief die Regierung im Jahr 1979 die One-child-policy ins Leben. Da die kommunistische Staatsgewalt seit jeher der Meinung war, dass die Angelegenheiten einer Familie und somit auch der Kinderplanung zu ihren Interessesphären gehörten, griff sie zu radikalen Methoden: „China takes the position that individual childbearing is a matter to be decided by the state for the good society as a whole“ (Greenhlagh 1994:7). Deren Ziel war es, die Fertilitätsrate mit unterschiedlichen Zwangsmaßnahmen und Prozeduren zu kontrollieren. Sowohl Song Jian, Entwickler dieser Idee (Greenhalgh 2005 :257), als auch die Regierung versprachen sich damit die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2000 auf 1.2 Milliarden zu begrenzen: „[...] to promote modernization by reducing the number of people who must compete for resources, both in the family and the nation“ (Fong 2002:1100).

Zu Beginn der Arbeit wird zuerst der soziopolitische und kulturelle Hintergrund Chinas erläutert, sowie die Ursachen die zu dem Beschluss geführt haben. Im Anschluss wird auf den Verlauf der Ein-Kind-Politik eingegangen, bevor abschließend die demographischen und sozialen Auswirkungen der Politik besprochen werden, die sich im Laufe der Jahre innerhalb der chinesischen Gesellschaft auf Basis dieser Normierung herauskristalisiert haben. Bei der Behandlung dieser Thematik wird der Fokus auf der staatlichen Geburtenkontrolle in Hinblick auf die Frauen liegen, da im Grunde genommen gerade sie als bloße Instrumente und Mittel zur Durchführung des Reglement dienten, von dem sie familiäre, soziale, psychische und körperliche Schäden trugen und es auch gegenwärtig tun. Dieser Verlauf wird vorwiegend an verschiedenen Fallbeispielen ländlicher Gegenden demonstriert, da hinsichtlich der dortigen familiären und wirtschaftlichen Situation die Durchsetzung auf einen größeren Widerstand traf und dementsprechend nach wie vor dort vielfältiger ist.

2. Die Signifikanz des Geschlechts

Für den späteren Verlauf dieser Arbeit ist es zunächst von Bedeutung das Denken und die Mentalität der ländlichen Bevölkerung zu erörtern, da diese den ausschlaggebenden Grund für die Resistenz der Menschen gegenüber der Politik darstellt.

Die Idealvorstellung einer chinesischen Familie, die auf dem Land wohnte, war es zwei Kinder zu haben, wovon zumindest eins davon ein Junge sein sollte: „The village minimum [...] was two children, including one son“ (Greehhalgh 1994:12). Die feudale Tradition ist zu einem damit zu erklären, dass die chinesische Bevölkerung ein patrilineares Verwandschaftssystem aufweist, was heißt, dass die Zugehörigkeit der Mitglieder zur Ethnie durch die väterliche Linie erfolgt. Die Aufrechterhaltung der Familienlinie kann demnach ausschließlich durch den männlichen Nachfolger gewährleistet werden. Zudem regelt die Patrilinearität gemeinsame Pflichte und Rechte innerhalb der Familie, den Status und Privilegien, die meistens den Männern vorbehalten sind. Somit gehört die Deszendenzform zum essenziellen sozialen Organisationsprinzip der dortigen Gesellschaft (Yan 2003:208). Überdies hinaus, und was auch der wesentliche Aspekt in der Bevorzugung von Jungen in der Volksrepublik ist, ist die Abhängigkeit der Eltern von den Kindern, im Speziellen von den Söhnen, im Bezug auf deren größere Effizienz in der Landarbeit: „[...] firmly rooted in the exigencies of village life [are] especially the need for labor“ (Greenhalgh 1994:11). Zusätzliches Motiv hierfür ist auch die Altersabsicherung der Eltern, da gerade Söhne im Alter für diese verantwortlich sind und sie versorgen müssen: “sons [...] are required to support their parents in old age“ (Parish 1978:139). Hinzu kommt, dass die Bevölkerung eine streng virilokale Residenz aufweist, wonach die Töchter nach der Heirat immer bei der Familie des Ehemannes. Ihre Dienste, die sie sich als Kind im eigenen Haushalt angeeignet haben, werden nun beim Ehemann und den Schwiegereltern abgeleistet (Parish 1978:139). Ein zweiter Sohn könnte durchaus eine Tochter im Haushalt ersetzten, wobei eine zweite Tochter niemals einen Jungen hätte ersetzen können (Greenhalgh 1994:11).

Demzufolge ist die Bevorzugung von Jungen einerseits auf familiäre Motive zurückzuführen, wie die Markierung der Zugehörigkeit zur Gruppe, andererseits auf rein sozio-ökonomische, da ein Sohn den Eltern Absicherung und Arbeitseffizienz bietet. Dementsprechend sind Ehepaare aufgrund ihrer Lebensumstände auf dem Land, stark darauf bedacht möglichst viele Kinder zu bekommen, vor allem des männlichen Geschlechts (Pierk S:2). Einwohner der städtischen Gegenden, die wiederum auf deren Mithilfe gar nicht oder zumindest in geringerem Maße angewiesen sind, können sich daher durchaus erlauben Ein-Kind-Haushalte zu führen ohne dabei größeren Widerstand zu leisten (ebd.).

3. Die staatliche Geburtenkontrolle

3.1. Vorbereitungs- und Übergangsphase

Bevor es im Jahre 1979 schlussendlich zu der offiziellen Implementierung der One-Child-Policy kam, gab es im Vorfeld bereits Jahrzehnte zuvor zahlreiche Ansätze in der Politik die das Unterfangen anstrebten: „By 1954, birth control began to be urged by some leaders in the central government [...]“ (Parish 1978:140). Es wurden zu diesem Zweck spezielle Einrichtungen und Frauenverbände errichtet, die mit lokalen Helfern dafür zuständig waren, innerhalb der Bevölkerung eine befürwortende Einstellung gegenüber der geplanten Fertilitästkontrolle zu fördern und diesbezüglich jegliche Mythen und Ängste vor den Prozeduren der Geburtenkontrolle zu beseitigen (Parish 1978:145).

Man hatte zudem verschiedene Präventivmaßnahamen eingeführt, die je nach Ortschaft anders gehandhabt wurden, jedoch mit dem alleinigen Ziel, den rapiden Anstieg der Bevölkerung so schnell wie möglich einzudämmen. In den 50er Jahren hatte man beispielsweise im Dorf Kwangtung zunehmend die Nutzung von Kondomen angewiesen, und in den 60er Jahren von Spiralen. Zudem wurden in den späten 60er Jahren durch die lokalen Kliniken und Kader in vielen Orten Antibabypillen verteilt (Parish 1978:144). Nach einigen Jahren zeigten diese Maßnahmen allmählich Wirkung. So ist in Kwantung die Geburtenrate von 37.6 pro 1000 Einwohner im Jahre 1965 auf 26 im 1972 gesunken (Parish 1978:145-146).

Zusätzlich wurde in den 70er Jahren landesweit die later-longer-fewer Politik gefördert, die späteres Heiraten, längere Abstände zwischen den Geburten und insgesamt weniger Nachwuchs propagierte. Dieser Entwurf hatte die Geburtenzahl in der gleichen Dekade erstaunlicherweise um die Hälfte reduziert: „This policy had produced striking demographic results, halving the total fertility rate from just six to just under three children per woman [...]“ (Greenhalgh 2005:260). Trotz des doch beachtlichen Erfolges hinsichtlich der vergleichsweise niedrigen Geburtenrate, sahen sich die chinesischen Machtinhaber in ihrem Vorhaben nicht genügend bestätigt. So hatte man daraufhin im Jahre 1978 ein neues Konzept der one is best, two at most- Politik entworfen, und kurze Zeit darauf die one was best -Politik, was eine strengere Auflage der vorigen Entwürfe darstellte (Greenhalgh 2005 :261). Dies war der letzte Schritt vor dem eigentlichen Unterfangen.

[...]


[1] Da der Quelltext der Autorin Christine Pierk aus der offiziellen Internetseite „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)“ entnommen wurde, wo kein Erstelldatum der Textes angegeben ist, wird der Jahrgang in der Arbeit ebenfalls nicht zitiert..

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Ein-Kind-Politik in der Volksrepublik China. Verlauf, Ursachen und Folgen
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Regionalgebiet China
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V231738
ISBN (eBook)
9783656475590
ISBN (Buch)
9783656476658
Dateigröße
1401 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit habe ich in Kongruenz mit den Korrekturen, Verweisen und Verbesserungsvorschlägen meiner Professorin überarbeitet.
Schlagworte
ein-kind-politik, volksrepublik, china, verlauf, ursachen, folgen, reglements
Arbeit zitieren
Zaneta Nowak (Autor), 2009, Die Ein-Kind-Politik in der Volksrepublik China. Verlauf, Ursachen und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231738

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