Unterrichtsentwurf eines erfolgreichen Unterrichtsbesuches im Fach Geschichte anlässlich der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in einer 10. Realschulklasse mit den Kompetenzen der Unterrichtseinheit, einer vollständigen Gliederung der Unterrichtseinheit, Zielen und Teillernzielen der Unterrichtsstunde, dem geplanten Unterrichtsverlauf in tabellarischer Form, allen Analysen (Anmerkungen zur Klassensituation, Sachanalyse, Didaktische Vorüberlegungen, Methodische Vorüberlegungen), vollständigen Literaturangaben und eingesetzten Arbeitsblättern/Folien.
Ziel der Unterrichtstunde:
Die Schüler sollen durch Textarbeit mit anschließender handlungs- und produktionsorientierter Umsetzung (Rollenspiel, Interview, Tagebucheintrag, Plakatgestaltung) Gründe für die Kriegsernüchterung der deutschen Soldaten und Bevölkerung kennen (brutaler Frontalltag, hohe Belastungen für Frauen und Kinder) und deren Situation während des Krieges (ansatzweise) reflektieren können.
Gliederung der Unterrichtseinheit
1. Die Aufteilung der Welt
2. Deutsche Außenpolitik im Wandel – Bismarcks Bündnissystem
3. Das europäische Bündnissystem vor dem Ersten Weltkrieg
4. Der Fall Sarajewo – Ursachen und Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges
5. Kriegsbegeisterung in Europa
6. Von der Kriegsbegeisterung zur Ernüchterung – der Krieg zeigt sein wahres Gesicht
7. Der Verlauf des Ersten Weltkrieges
8. Der Friedensvertrag von Versailles – Neuordnung Europas
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit besteht darin, den Schülern ein tiefgreifendes Verständnis für die Ursachen, den Verlauf und die verheerenden Auswirkungen des Ersten Weltkriegs zu vermitteln, wobei insbesondere der Wandel von anfänglicher Kriegsbegeisterung hin zur Kriegsernüchterung im Fokus steht.
- Analyse des Imperialismus und der Bündnispolitik als wesentliche Kriegsfaktoren
- Untersuchung der brutalen Bedingungen an der Front (Materialschlachten, Stellungskrieg)
- Reflektion über die Belastungen der Zivilbevölkerung an der „Heimatfront“
- Erörterung der sozialen Folgen, insbesondere für Frauen und Kinder in Kriegszeiten
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Versailler Vertrag als Versuch einer Neuordnung
Auszug aus dem Buch
Brutaler Frontalltag
Da der deutsche Vormarsch im Westen von den feindlichen Soldaten recht schnell gestoppt werden konnte, wurde aus dem Bewegungskrieg ein Stellungskrieg: der Frontverlauf veränderte sich kaum noch und die Soldaten verschanzten sich die meiste Zeit in Schützengräben (s. Folie). Von hier aus schossen sie auf den angreifenden Feind, waren bei eigenen Angriffen (s. Folie) aber auch selber dem feindlichen Dauerbeschuss ausgesetzt, wodurch die Überlebenschancen äußerst gering waren. Mit dem Einsatz neuartiger Waffen (Maschinengewehre, Flammenwerfer, Giftgasgranaten, Panzer etc.) setzten schreckliche Materialschlachten ein. Durch die andauernde Gefahr konnten die Soldaten ihre Toten nicht mehr vom Schlachtfeld tragen oder bestatten. Dadurch, dass sie den Tod ständig vor Augen hatten, waren die Soldaten einer ungeheueren seelischen Belastung ausgesetzt (Hilflosigkeit, panische Angst etc.), die zahlreiche Nervenerkrankungen zur Folge hatte.
In der zehnmonatigen Schlacht von Verdun („Hölle von Verdun“), einer Stadt in Frankreich, starben über 700000(!) Soldaten. Die Frontlinie aber veränderte sich kaum, die Schlacht war ergebnislos. Ein deutscher Infanterieleutnant schrieb in einem Brief über die Kämpfe bei Verdun:
„Zwölf Tage und Nächte vorbei ohne Schlaf, kaum zwei Mal warmes Essen, nur Zwieback, fast nur Wasser aus den Trichtern [Gräben], Regenwasser. An einem Tag war es so schlimm, da habe ich mich im Graben hingekniet und das lehmige Wasser in den Pfützen getrunken, ich hielt´s einfach nicht mehr aus, und dazu regnete, ja goss es fast zwei Tage. Wir in den Schützengräben kamen um vor Lehm; Schuhe, Hose waren ein Lehmklumpen, Mantel und Rock völlig durchnässt, bewegen konnte man sich nicht, da der Graben nicht tief genug war und wir von drei Seiten beschossen wurden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Aufteilung der Welt: In diesem Kapitel werden der Imperialismus sowie die Besitzungen der europäischen Mächte in Übersee und deren politische Vorteile thematisiert.
2. Deutsche Außenpolitik im Wandel – Bismarcks Bündnissystem: Dieses Kapitel erläutert, wie Bismarck die deutsche Position durch ein komplexes Bündnissystem abzusichern versuchte.
3. Das europäische Bündnissystem vor dem Ersten Weltkrieg: Hier wird das System der gegenseitigen Bündnisse vor 1914 sowie das Bestreben Wilhelms II. nach internationaler Gleichberechtigung behandelt.
4. Der Fall Sarajewo – Ursachen und Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Dieses Kapitel analysiert die tieferliegenden Ursachen wie Militarismus und Nationalismus im Kontrast zum unmittelbaren Anlass, dem Attentat von Sarajewo.
5. Kriegsbegeisterung in Europa: Hier werden die Gründe für die anfänglich breite Zustimmung zum Krieg, wie Propaganda und Nationalismus, untersucht.
6. Von der Kriegsbegeisterung zur Ernüchterung – der Krieg zeigt sein wahres Gesicht: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel in der Einstellung der Bevölkerung und Soldaten hin zur Kriegsmüdigkeit durch die erlebten Grausamkeiten.
7. Der Verlauf des Ersten Weltkrieges: Hier werden prägende Phasen des Krieges wie der Stellungskrieg und der uneingeschränkte U-Boot-Krieg beschrieben.
8. Der Friedensvertrag von Versailles – Neuordnung Europas: Dieses Kapitel befasst sich mit den Bestimmungen des Versailler Vertrages, wie Gebietsverlusten und der Schuldfrage.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Imperialismus, Stellungskrieg, Heimatfront, Kriegsernüchterung, Bündnispolitik, Verdun, Versailler Vertrag, Materialschlacht, Militarismus, Nationalismus, Schützengräben, Kriegsalltag, Propaganda, Kriegsursachen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Das Dokument skizziert einen Unterrichtsentwurf für das Fach Geschichte in der 8. Klasse, der den Wandel von anfänglicher Kriegsbegeisterung zur Ernüchterung während des Ersten Weltkriegs zum Thema hat.
Was sind die zentralen Themenfelder des Entwurfs?
Die zentralen Themen sind der Imperialismus, die Bündnispolitik vor 1914, der brutale Alltag an der Front, die Belastungen der Zivilbevölkerung an der „Heimatfront“ sowie die Folgen des Ersten Weltkriegs.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren Gründe für die Kriegsernüchterung erarbeiten und dabei die menschenverachtende Brutalität des Krieges reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es kommen handlungs- und produktionsorientierte Methoden zum Einsatz, wie Rollenspiele, Interviews, Tagebucheinträge und Plakatgestaltungen, ergänzt durch die Auswertung von Quellen und Bildmaterial.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der Front- und Heimatfrontbedingungen, didaktische Vorüberlegungen zum Kompetenzerwerb sowie eine detaillierte methodische Planung der Unterrichtsphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Unterrichtseinheit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind insbesondere „Erster Weltkrieg“, „Stellungskrieg“, „Heimatfront“ und der psychologische Wandel von der „Kriegsbegeisterung“ zur „Kriegsernüchterung“.
Warum wurde ein handlungsorientierter Ansatz gewählt?
Dieser Ansatz wurde gewählt, um das affektive Lernen zu fördern und den Schülern eine Sichtweise zu ermöglichen, die den Fokus stärker auf die betroffenen Individuen und ihr Leid legt als auf rein abstrakte Statistiken.
Wie wird mit der heterogenen Leistungsfähigkeit der Klasse umgegangen?
Der Autor setzt auf heterogene Gruppenbildung nach dem Helferprinzip, bei der stärkere Schüler schwächere unterstützen, um die Bearbeitung der komplexen Materialien innerhalb der knappen Zeit zu ermöglichen.
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- Gunnar Norda (Author), 2009, Von der Kriegsbegeisterung zur Ernüchterung – der Krieg zeigt sein wahres Gesicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231760