1872 wurde mit dem Leipziger Hochverratsprozess eine Epoche der allgemeinen Verfolgung der Sozialdemokratie eingeleitet. Über den Hochverrat hinaus, ließ sich auf der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung nutzen, um einen Sozialdemokraten hinter Gittern zu bringen. Besonders vielfältige Möglichkeiten lieferte der Klassenkampfparagraf des Strafgesetzbuches. Als immer mehr Sozialdemokraten freigesprochen wurden, forderte der Reichskanzler Otto von Bismarck eine deutliche Verschärfung zu Ungunsten von Beschuldigten. Doch die Verschärfung scheiterte 1876 an der liberalen Reichstagsmehrheit....
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1 Forschungsstand
I.2 Fragestellung
I.3 Methode
I. 4 Literaturdiskussion
II. Begriffsdefinition „politisches Delikt“
II. Crimen laesea maiestatis im Strafgesetzbuch von 1871
II.1 Die „liberale Ära“ zwischen 1867 und 1878
III. Attentat vom 11. Mai 1878 auf Wilhelm I
III.1 Der Täter und seine Motive
III.2 Verhaftung, Untersuchungshaft und Prozess
IV. Attentat vom 2. Juni auf Wilhelm I.
IV.1 Der Täter und seine Motive
V. Öffentliche Begleitung der Taten
VI. Unmittelbare rechtliche Folgen
VII. Politische Reaktion der Obrigkeit
VIII. Sozialistengesetz
IX. Justizielle Folgen
IX.1 Polizeiliche Methoden
X. Auslaufen des Sozialistengesetzes
XI. Bilanz des Sozialistengesetzes
XII. Schlussfolgerungen
XIII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die beiden Attentate auf Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1878 und deren Rolle als Auslöser für das Sozialistengesetz. Ziel ist es, die These zu überprüfen, ob die Regierung die Attentate als Vorwand nutzte, um repressive Maßnahmen gegen die sozialdemokratische Minderheit durchzusetzen.
- Historische Analyse der Attentate von Max Hödel und Karl Eduard Nobiling
- Untersuchung des strafrechtlichen Rahmens (Majestätsverbrechen)
- Analyse der politischen Reaktion Bismarcks und der Reichstagsmehrheit
- Evaluierung der Auswirkungen des Sozialistengesetzes auf die Sozialdemokratie
- Betrachtung der polizeilichen Methoden und justiziellen Repression
Auszug aus dem Buch
III.1 Der Täter und seine Motive
Der nicht volljährige Klempnergeselle Max Hödel wurde 1857 außerehelich geboren, da seine Mutter zweimal heiratete nannte er sich zeitweise Traber oder Lehmann. Ab dem Alter von 13 Jahren befand er sich vorübergehend in einer Zeitzer Lehr- und Erziehungsanstalt. Hödel vagabundierte als sozial bindungsloser und psychisch und gesundheitlich angeschlagener Mensch herum. Bei ihm fanden Polizeibeamte Flugblätter mit christlich-sozialen und sozialdemokratischen Inhalten sowie zwei Mitgliedskarten von Organisationen aus dem vorher genannten politischen Spektrum. 1877 hatte Hödel zeitweise für das sozialdemokratische Parteiorgan „Die Fackel“ geworben. Aus der Sozialdemokratie wurde er am 14. März 1878 wegen Betrügereien ausgeschlossen. Etwa eine Woche vor dem Attentat trat er in die Christlich-soziale Partei des Hofpredigers Stoecker, ein. Dies gab Hödel auch beim Verhör an, obwohl er eigentlich sich selbst eher als Anarchist sah. Er bestritt, dass er den Kaiser erschießen wollte und behauptete er wollte Suizid in Gegenwart Wilhelms begehen, um auf soziale Ungerechtigkeiten hinzuweisen, bei dieser Aussage blieb er auch während des Prozesses.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Verfolgung der Sozialdemokratie im Kaiserreich sowie die Anfänge der organisierten Arbeiterbewegung.
II. Begriffsdefinition „politisches Delikt“: Hier werden theoretische Grundlagen politischer Kriminalität und die rechtliche Einordnung von Majestätsverbrechen dargelegt.
III. Attentat vom 11. Mai 1878 auf Wilhelm I: Dieses Kapitel beschreibt das erste Attentat durch Max Hödel, dessen Hintergrund und den anschließenden Prozessverlauf.
IV. Attentat vom 2. Juni auf Wilhelm I.: Das Kapitel behandelt den zweiten Anschlag durch Dr. Karl Eduard Nobiling und dessen gescheiterte berufliche Perspektiven.
V. Öffentliche Begleitung der Taten: Analyse der medialen Berichterstattung, die zur Stigmatisierung der Sozialdemokraten beitrug.
VI. Unmittelbare rechtliche Folgen: Beschreibung der massiven Repressionen und Verurteilungen, die unmittelbar nach den Attentaten einsetzten.
VII. Politische Reaktion der Obrigkeit: Untersuchung des Versuchs der Regierung, die Attentate für ein Ausnahmegesetz zu instrumentalisieren.
VIII. Sozialistengesetz: Detaillierte Darstellung des Gesetzesinhalts und dessen Verschärfung nach dem zweiten Attentat.
IX. Justizielle Folgen: Analyse der Auswirkungen auf die Justiz und die Etablierung spezieller Beschwerdeinstanzen.
X. Auslaufen des Sozialistengesetzes: Das Kapitel schildert das Ende der Geltungsdauer des Gesetzes im Jahr 1890.
XI. Bilanz des Sozialistengesetzes: Zusammenfassung der repressiven Ergebnisse wie Verbote, Verurteilungen und Ausweisungen.
XII. Schlussfolgerungen: Eine abschließende Einordnung der Attentate und deren rechtliche Konsequenzen im historischen Kontext.
XIII. Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangsthese, dass die Attentate als Vorwand für die Unterdrückung einer politischen Minderheit dienten.
Schlüsselwörter
Sozialistengesetz, Wilhelm I., Max Hödel, Karl Eduard Nobiling, Bismarck, Politische Kriminalität, Majestätsbeleidigung, Kaiserreich, Sozialdemokratie, Repression, Ausnahmegesetz, 1878, Rechtsstaat, Arbeiterbewegung, Denunziation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die beiden Attentate auf Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1878 und untersucht deren politische Instrumentalisierung durch die Bismarck-Regierung zur Durchsetzung des Sozialistengesetzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte des Sozialistengesetzes, der rechtlichen Verfolgung politischer Delikte im 19. Jahrhundert sowie der Rolle der Presse und der öffentlichen Meinung bei der Stimmungsmache gegen die Sozialdemokratie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der These, dass die Regierung die Attentate als Vorwand nutzte, um die sozialdemokratische Minderheit durch repressive Maßnahmen systematisch zu unterdrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt strukturgeschichtliche Untersuchungen und analysiert zeitgenössische Quellen sowie die moderne Forschungsliteratur zur politischen Kriminalität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die chronologische Darstellung der Attentate, die Analyse der polizeilichen und juristischen Repressionen sowie die politische Umsetzung des Sozialistengesetzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialistengesetz, Bismarck, Politische Kriminalität, Repression und Arbeiterbewegung.
Inwieweit waren die Attentäter mit der Sozialdemokratie verbunden?
Die Analyse zeigt, dass Max Hödel aus der Partei ausgeschlossen war und Dr. Karl Eduard Nobiling nachweislich keine Verbindungen zur Sozialdemokratie hatte, was die These der Instrumentalisierung stützt.
Warum wird das Ende der „liberalen Ära“ im Kontext der Attentate erwähnt?
Die Attentate fielen in eine Phase des gesellschaftlichen Wandels, wobei die darauffolgenden Gesetze das Ende der liberalen Freiheitsrechte in der Justiz und Gesellschaft markierten.
- Quote paper
- Christoph Deichert (Author), 2012, Zwei gescheiterte Attentate auf Wilhelm I.: Ausgangspunkt eines 12-jährigen Ausnahmegesetzes gegenüber den "Vaterlandslosen Gesellen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231787