Welche Berufsethik schreibt laut Weber der Calvinismus vor?


Seminararbeit, 2012

14 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Methodische Vorgehensweise bei Beantwortung der Ausgangsfrage

3. Calvins Prädestinationslehre
3.1. Religionstheoretische Hintergründe
3.2 Arbeit als Innerweltliche Askese

4. Arbeitslose im Calvinismus

5. Unterscheidungen zur Arbeitsmoral anderer Religionen

6. Gemeinsamkeiten der kapitalistischen und protestantischen Arbeitsmoral

7. „Der Geist des Kapitalismus“

8. Übergang vom Traditionalismus zum Rationalismus

9. Zusammenfassung und Fazit

10. Anmerkungen zur Geschlechter neutralen Sprache

11. Literaturverzeichnis

Abstract

In dieser Arbeit wird versucht der Frage nachzugehen, welche Berufsethik laut Weber der Calvinismus vorschreibt. Die Beantwortung dieser Frage beinhaltet: die Erfassung der Hintergründe dieser Berufsethik, die Herausarbeitung ihrer spezifischen Besonderheiten, ihre Unterscheidung von Berufsethiken anderer Religionen und ihre Besonderheit in Verbindung mit der Arbeitsmoral des Kapitalismus.

Mit dieser Ausgangsfrage werden die Ergebnisse von Webers Analysen an den Anfang gestellt. Diese Herangehensweise ermöglicht die Theorie von Weber aus einer neuen Perspektive heraus zu betrachten. Der erste Teil der Arbeit dient dazu sich einerseits einen allgemeinen Überblick über die Lehre Calvins zu verschaffen und andererseits die Arbeitsmoral der Calvinisten genauer zu beleuchten. Um die religiösen Hintergründe zu verstehen wird in diesem Teil der Arbeit auch auf Bibelzitate verwiesen.

Erweckt der erste Teil der Arbeit vielleicht den Eindruck, dass es sich hier um eine religionstheoretische Arbeit handelt, so wird durch Lesen des zweiten Teils deutlich, dass es hier um eine allgemeinere Darstellung von Berufsethik geht. Da laut Weber die Berufsethik des Calvinismus in eine allgemeine Berufsethik des Kapitalismus übergegangen ist, beschäftigt sich diese Arbeit also auch auf einer allgemeineren Ebene mit Arbeitsmoral. Am Schluss der Arbeit kann nicht nur die Ausgangsfrage beantwortet werden, sondern auch eine Einschätzung getroffen werden, inwiefern Webers Anlaysen über die Berufsethik des Calvinismus zutreffen.

1. Einleitung

Laut Weber vermittelt der Calvinismus eine bestimmte Lebensweise und Arbeitsethik, welche in eine allgemeine Berufsethik der Kapitalistischen Gesellschaft übergangen ist. Es ist darauf hinzuweisen, dass sich Webers Analysen über religiös begründete Berufsethik auf okzidentalen (westlichen) Kapitalismus beziehen[1].

Laut Weber lehrt der Calvinismus (vgl. Weber, 1920: S.140), dass ein fleißiges und arbeitsintensives Leben ein Zeichen der Seligkeit ist und somit zum Eintritt ins Himmelreich führen wird. Die tüchtige Arbeit wird damit zur innerweltlichen Askese gemacht und sie sollte mit größter Sorgfalt ausgeführt werden.

Weber stützt seine Thesen vor allem auf die Schriften des US-amerikanischen Religionstheoretikers Baxter. Entscheidend sind für Weber jene Stellen, wo Baxter darauf hinweist, dass selbst Reichtum nicht von der Pflicht zur Arbeit befreit (vgl. Weber, 1920: S.139). Diese Lehre besagt also, dass jeder sich an diese Lebensweise und Arbeitsethik zu halten hat, egal ob es arm oder reich ist, um Gottes Vorhersehung zu erfüllen. Diese Arbeitsethik führt zunächst zu einem wirtschaftlichen Erfolg und schreibt dann vor, den Gewinn wieder zu investieren um noch tüchtiger arbeiten zu können. Das kapitalistische Wirschaftssystem baut laut Weber (vgl. 1920: S.410) auf dieser Denk- und Handlungsweise auf. Er geht weiter davon aus, dass diese religiöse Praxis der innerweltlichen Askese in eine allgemeine Berufsethik übergegangen ist. Er spricht in weiterer Folge auch von einer Rationalisierung der Lebensweise in Zeiten des Kapitalismus (vgl. Korte, 2005: 107).

2. Methodische Vorgehensweise bei Beantwortung der Ausgangsfrage

Um die Argumentationslinie der Arbeit für den Leser besser verständlich zu machen wird nun die methodische Vorgehensweise bei Beantwortung der Ausgangsfrage kurz dargelegt. Da bereits vor Verfassen der Arbeit ausreichend Wissen über Webers Analysen zum Calvinismus vorhanden war, wurde zunächst versucht aus anderen Quellen Wissen über Calvins Lehren zu sammeln. Das Heranziehen von Bibelzitaten und Orginaltexten von Calvin ermöglichte ein Verstehen der Lehre abseits von Webers Analysen. Das Verstehen der Texte Calvins stellte eine große Herausforderung dar. Es fehlten die religiösen Überzeugungen um sich vollständig auf die Lehre einzulassen. Calvin fordert vom Menschen eine vollständige Unterordung unter Gott und stellt Gottes Wort über alles andere. Der gläubige Mensch könnte dies als besondere Gottesliebe interpretieren und verstehen. Fehlt aber diese Glaubesüberzeugung kann diese Unterordnung auch nicht vollständig Verstanden werden und wirkt irrational. Mit dem neu erworbenen Verständis über den Calvinismus wurden Webers Texte dann erneut gelesen und analysiert.

3. Calvins Prädestinationslehre

Ziel des ersten Teils dieses Abschnitts ist, die wesentlichen Punkte von Calvins Lehre möglichst unverändert darzustellen, es wird daher auf eine kritische Auseinandersetzung zunächst verzichtet. Zu Calvins Lehre gibt es sehr viel Sekundärliteratur, welche sich meist sehr kritisch mit ihr auseinandersetzt. Um die westenlichen Merkmale der Lehre auf möglichst unveränderte Weise darstellen zu können, bezieht sich der erste Teil dieses Abschnitt auf Torrance Buch: „Calvins Lehre vom Mensch“. Torrance führt in seinem Buch viele Orginalzitate von Calvin an und kommentiert diese möglichst ohne Wertungen vorzunehmen, er ermöglicht den Leser so sich selbst eine eigene Meinung über die Lehre zubilden.

3.1. Religionstheoretische Hintergründe

Ein wesentlicher Bestandteil der Lehre ist die Auffassung, dass Gott über allen Dingen steht und der Mensch vollständig von Gott abhänigig ist (vgl. Torrance, 1951: S.11). Dies zu erkennen und in Abhänigkeit von Gottes Ganden zu leben, führt laut Calvin (in Torrance, 1951: S. 9) zur „wahren“ Selbsterkenntins des Menschen. Mit dieser Denkweise ist auch die Aufassung verbunden: „Ich besitze etwas nur, weil Gott es mir gibt“. Die Aussage trifft gemäß Calvins Lehre, auf alles was wir haben zu. Auch unser Dasein auf Erden haben wir es alleine Gott zu verdanken. Diese Lehre geht auch davon aus, dass die Welt um des Menschen willen von Gott geschaffen wurde (vgl. Torrance, 1951: 21). Die calvinistische Glaubenslehre schreibt folgende Lebensführung vor:

[...]


[1] Im Text „Entfaltung der kapitalistischen Gesinnung“ (siehe dazu Weber 1958: 300ff) setzt Weber sich näher damit auseinander, warum sich der moderne Kapitalismus nur im Okzident entwickeln konnte. Er führt in diesem Zusammenhang auch materielle und geographischen Faktoren an. Diese waren laut Weber aber nicht ausschlaggebend für den „Geist des Kaptialismus“ (eine mit dem Kaptialismus verbunde bestimmte Lebens- und Handlungsweise) .

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Welche Berufsethik schreibt laut Weber der Calvinismus vor?
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Themen der Gegenwartssoziologie: (Neuere) Kapitalismustheorien und Krise
Note
gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V231818
ISBN (eBook)
9783656485469
ISBN (Buch)
9783656486268
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, berufsethik, weber, calvinismus
Arbeit zitieren
Nora Zeilinger (Autor:in), 2012, Welche Berufsethik schreibt laut Weber der Calvinismus vor?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231818

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