Robert Mugabe. Machiavellis Meisterschüler?


Essay, 2013

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung:

1. Essay

2. Literaturverzeichnis

1.Essay

Robert Mugabe und Niccolò Machiavelli sind zwei Männer, die zu völlig verschiedenen Zeit und in völlig verschiedenen Welten leben bzw. lebten. Der Eine, Mugabe, ist 89 Jahre alt und seit der Unabhängigkeit im Jahre 1980 im südafrikanischen Staat Simbabwe an der Macht. Er ist auf der ganzen Welt bekannt als ein Diktator, oftmals sogar als Despot bezeichnet, der vor Brutalität und Skrupellosigkeit nicht zurückschreckt. Er sagt über sich selbst, dass nur Gott ihn aus seinem Amt entfernen könne.1 Vom südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu wurde Mugabe einmal als „urtypischer, afrikanischen Diktator“ bezeichnet - einer, der bis aufs Äußerste in die eigene Macht verliebt ist und unter den Menschen Angst und Schrecken verbreitet, um daraus politisch Kapital zu schlagen.2

Der Andere, Machiavelli, lebte von 1469 bis 1529 im zerrissenen Italien. In einem seiner Hauptwerke „Der Fürst“, das postum im Jahre 1532 veröffentlicht wurde, gab Machiavelli eine Art Handlungsanleitung für angehende oder schon regierende Fürsten. Dabei ging es ihm ausschließlich um die Frage, wie man die höchste Macht im Staat erlangt und wie man sich in dieser Position halten kann. Machiavelli formulierte sehr konkrete Ratschläge und zahlreichen Fürsten und Staatsmännern diente das Werk als eine Art Handbuch.

Es scheint so, als hätte sich auch Mugabe daran orientiert. Durch seine Verhaltensweisen wirkt er zumindest auf den ersten Blick wie Machiavellis Meisterschüler.

Laut Machiavelli ist ein Fürst durch seine Handlungsanleitungen, durch höchste Autorität und durch etwas Geschick dazu fähig, einen Staat dauerhaft zu halten. Dabei schien Machiavelli jedes Mittel recht zu sein: „Gewalttaten muss man alle auf einmal begehen, damit sie weniger empfunden werden und dadurch weniger erbittern.“3 Ein guter Fürst sollte zugleich Fuchs und Löwe sein: „denn der Löwe ist wehrlos gegen Schlingen und der Fuchs gegen Wölfe. Man muss also ein Fuchs sein, um die Schlingen zu erkennen, und ein Löwe, um die Wölfe zu schrecken (…)

Wären alle Menschen gut, dann wäre diese Regel schlecht; da sie aber schlecht sind und ihr Wort dir gegenüber nicht halten würden, brauchst du dein Wort ihnen gegenüber nicht zu halten.“4 Hier, und auch im gesamten Werk, zeichnete Machiavelli ein recht düsteres Menschenbild - in Kapitel 17 bezeichnete er die Menschen als undankbar, wankelmütig und unaufrichtig. Genau deshalb müsse ein erfolgreicher Fürst in der Lage sein, gezielte Schandtaten gegen seine Untertanen einzusetzen, damit er selbst nicht untergeht. Gefürchtet zu werden ist, so Machiavelli, für eine Machterhaltung besser als geliebt zu werden.5

Gefürchtet wird Mugabe in Simbabwe inzwischen von vielen seiner Landsleute. „Sein“ Land liegt in Scherben. Massenvergewaltigungen, Missbrauch, Folter und sogar Morde von nicht regierungstreuen Bürgern stehen in Simbabwe seit Jahren auf der Tagesordnung. Insbesondere weiße Bürger gelten als Feindbild und wurden deswegen enteignet. „Seit Jahren hat sein Bruttosozialprodukt die höchste Schrumpfungsrate der Welt, die weißen Farmer, die die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sichergestellt haben, sind von ihren Farmen vertrieben worden.“6 Auch gegenüber seinen politischen Gegnern schreckte Mugabe nicht vor Gewalt und Repressalien zurück. Es kam mehrfach zu massiven Menschenrechtsverletzungen. Sein Gegenkandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2007, Morgan Tsvangirai, wurde beispielsweise schwer misshandelt und erlitt aufgrund der Gewalt durch die Staatsmacht einen Schädelbruch. Damit versuchte Mugabe zunächst Druck auf seinen Gegner und die gesamte Opposition auszuüben, da er weiterhin Alleinherrscher im Land bleiben wollte.

Auch Machiavelli wird heutzutage vor allem mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller rechtmäßigen Mittel in Verbindung gebracht. Der später geprägte Begriff „Machiavellismus“ wird daher oft als Schimpfwort für ein politisches Verhalten gebraucht, das raffiniert, aber ohne jeglichen Einfluss von Moral und Sittlichkeit die eigene Macht und das eigene Wohl steigern will. Ob Mugabe hinsichtlich Gewalt und Grausamkeiten jedoch tatsächlich im Sinne Machiavellis handelt, ist fraglich. So ist laut Machiavelli der gezielte Einsatz von Gewalt gegen Wenige legitimes Mittel um die Gesamtordnung im Staat zu Gunsten Aller aufrecht zu erhalten. Machiavelli war überzeugt, dass solange sich der Fürst nicht an den Frauen und am Eigentum der Beherrschten vergreift, er nicht Gefahr läuft, sich durch eben solche Grausamkeiten verhasst zu machen.

Betrachtet man in „Der Fürst“ das Thema Enteignung noch genauer, ist schnell ersichtlich, dass Machiavelli dies ganz und gar nicht empfahl: „Aber vor allem muss er sich fremden Besitzes enthalten, weil die Menschen eher dem Tod des Vaters, als den Verlust des Erbguts verschmerzen.“7 Hier hält sich Mugabe mit seinen unzähligen Enteignungen weißer Landsleute also überhaupt nicht an Machiavellis Handlungsempfehlungen.

Machiavelli betonte, dass gefürchtet zu werden besser sei als geliebt zu werden. Dies scheint auch Mugabes Devise zu sein. Dieser ist in Simbabwe jedoch weitaus mehr als nur gefürchtet: Viele Menschen sprechen gar von Hass. Laut Machiavelli solle aber ein erfolgreicher Fürst gerade Hass vermeiden: „Hinsichtlich der Untertanen aber, wenn äußerlich nichts erschüttert ist, hat er zu fürchten, dass sie sich heimlich verschwören können, wovor ein Fürst sich genugsam sichert, wenn er es meidet, gehasst und geringgeschätzt zu werden, und das Volk mit sich zufrieden erhält; wohin man notwendig es bringen muss, wie dies schon oben ausführlich gezeigt wurde. Und eines der kräftigsten Gegenmittel, die ein Fürst wider Verschwörungen hat, ist, eben von der Menge nicht geringgeschätzt oder gehasst zu werden;“8. Auch hier scheint sich Mugabe nicht exakt an Machiavellis Vorgaben aus „Der Fürst“ zu halten. Fraglich ist allerdings, ob sich der sich selbstüberschätzende Präsident überhaupt darüber bewusst ist, wie sein Volk ihn tatsächlich sieht. Denn eines scheint ihm meiner Meinung nach gänzlich zu fehlen: Die Fähigkeit zur Selbstreflektion. Wie hätte er sonst ein ehemals florierendes Land so dermaßen in den Abgrund stürzen können? Mugabe hat sich in den letzten 33 Jahren vom Hoffnungsträger zum paranoiden Diktator entwickelt, ohne Rücksicht auf Land und Leute. Spätestens mit der Landreform im Jahre 2000, bei der weiße Farmer systematisch enteignet wurden und somit der Agrarsektor zerstört wurde, ging es sukzessive bergab mit Simbabwe. Im Jahre 2008 kam es zur Hyperinflation und zum Zusammenbruch der Währung. Statt Arbeit gibt es Schattenwirtschaft, statt demokratischer Wahlen gibt es manipulierte Wahlen. Sehr viel schlechter hätte es meiner Meinung nach für Simbabwe im vergangenen Jahrzehnt nicht laufen können.

[...]


1 Vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/gewalt-in-simbabwe-robert-mugabe-nur-gott-steht-ueber-ihm- 1.218927 aufgerufen am 2.3.13 um 18:12.

2 http://nachrichten.rp-online.de/politik/bdquo-urtyp-des-afrikanischen-diktators-ldquo-1.4850 aufgerufen am 4.3.13 um 14:52.

3 Machiavelli: Der Fürst. Stuttgart 1984, S.70f.

4 http://www.niccolomachiavelli.de/der-fuerst/kapitel-18 aufgerufen am 5.3.13 um 12:45.

5 http://www.niccolomachiavelli.de/der-fuerst/kapitel-17 aufgerufen am 5.3.13 um 12:56.

6 http://www.monde-diplomatique.de/pm/.lessing aufgerufen am 8.3.13 um 15:24. 4

7 http://www.niccolomachiavelli.de/der-fuerst/kapitel-17 aufgerufen am 5.3.13 um 12:56.

8 http://www.niccolomachiavelli.de/der-fuerst/kapitel-19 aufgerufen am 12.3.13 um 17:52. 5

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Robert Mugabe. Machiavellis Meisterschüler?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V231821
ISBN (eBook)
9783656484141
ISBN (Buch)
9783656483885
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
robert, mugabe, machiavellis, meisterschüler
Arbeit zitieren
Jennifer Schrems (Autor), 2013, Robert Mugabe. Machiavellis Meisterschüler? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231821

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