Die Rede des Aristophanes in Platons Symposion

Mit abschließendem Versuch einer Illustration


Ausarbeitung, 2011

5 Seiten


Leseprobe

Die Rede des Komödiendichters Aristophanes [189c-193e / Kap. 14-16] - Zusammenfassung In diesem Abschnitt erzählt A. - aktartig - einen µυθος über die Herkunft der Geschlechter des Menschen. Dies entspricht seiner Rolle als Komödiant, da er durch diese geradezu wie eine anthropologische Evolutionstheorie anmutende Sage etwas Unterhaltsames vorbringt, wenngleich er ganz zu Beginn befürchtet, sich somit der Lächerlichkeit preiszugeben [189b]. Gleichsam apodiktisch legt er fest, dass Eros notwendigerweise ein Philanthrop sein muss:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[189c/d]. Die ursprüngliche Natur des Menschen sei eine dreigestaltige gewesen: Männlich [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], weiblich [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und androgyn [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die Gestalt der Menschen sei seinerzeit kugelrund [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] gewesen und alle Körperteile seien in doppelter Anzahl und sich symmetrisch gegenübergesetzt vorhanden gewesen. Diese Wesen konnten sich folglich schneller als die heutigen Menschen radschlagend fortbewegen [190a]. Die Ursache ihrer kreisrunden Form sei gewesen, dass sie ihren Erzeugern ähnlich sein sollten: Das ♂♂ der Sonne, das ♀♀ der Erde und das [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] dem Mond [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] […]“).1 Ihre starke und harmonische Gestalt ließ diese Urmenschen der klassischen Versuchung der ὕβρις erliegen, indem sie sich gegen die Götter zu erheben begannen [190b/c]. Da die Götter gemäß der Darstellung des A. auf die Ehrerbietung seitens des Menschengeschlechts angewiesen waren (Delektion durch Pub-likum), stand es für Zeus nicht zur Debatte, die Menschen zur Strafe schlicht vom Erdboden zu tilgen, weshalb er sich folgende Bestrafung für ihre Anmaßung erdachte [190c]: Sie sollten durch Teilung geschwächt werden, was zugleich den für die Götter positiven Nebeneffekt bewirke, dass sich die Anzahl derer verdoppelte, die ihnen Verehrung zukommen lassen könnten (s.o.). Für den Fall, dass sich die Menschen erneut gegen die Götter erheben würden, stellte Zeus als Konsequenz eine weitere Teilung in Aussicht [190d]: [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. dazu auch 193a!]. Den Apoll ließ er daraufhin die Gesichter der Menschen zur Schnittfläche hin drehen, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Der Bauchnabel blieb den Menschen als Andenken der Teilung [191a].

Die Folge jener Trennung von ursprünglich Zusammengehörigem war, dass sich die Einzelteile nun jeweils nach der verlorenen Hälfte sehnten. Die geteilten Menschen trachteten nun danach, eine fehlende Hälfte zu finden und sie umschlungen zu halten. Nichts anderes mehr verlangend, verhungerten sie reihenweise, weil sie alles andere um sich herum vergaßen. In einem Akt des Mitleids ließ Zeus ihnen ihre Geschlechtsteile auf die Vorderseite versetzen, sodass sie sich - zumindest für eine kurze Zeit - mit ihrer Gegenseite wieder vereinigen konnten. [191a-c]. Hatte sich der Mensch bisher durch Samen in der Erde vermehrt, entstand so die geschlechtliche Fortpflanzung:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Dieser Genealogie lässt A. die Aufgabe des Eros sich anschließen: Er ist Leiter und Rückführer in den Urzustand, also ein Heiler für die Menschen in ihrem Harmoniestreben nach Komplettierung. Die zeitgenössische Gesellschaft teilt A. demzufolge derart ein, dass [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], die vom [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] abstammen, sich zum jeweiligen Gegenpart hingezogen fühlen, wobei [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Frauen aber, die vom ♀♀ abstammen, sind auch nur der gleichgeschlechtlichen Liebe zugeneigt. „Schnittstücke“ aus dem ehemaligen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] betreiben die Knabenliebe [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].2 Letztere sind diejenigen, denen das Wirken im Staatswesen zukommt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Liebe ist das Trachten und Verlangen nach dem Ganzen, die Sehnsucht nach der Einheit:[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

Eros kann bei der Überwindung der Teilung jedoch nur helfen, wenn wir uns als gottes-fürchtig erweisen und den Göttern nicht noch einmal freveln [193a/b]. Glücklich kann der Mensch nur werden, wenn er mit Eros‘ Hilfe seinen passenden Gegenpart findet [193c/d].

Versuch einer Illustration auf der Folgeseite

Textgrundlage:

Schleiermacher-Übersetzung aus OTTO, WALTER F./GRASSI, ERNESTO [Hgg.]: Platon - Sämtliche Werke, Bd. 2 Menon, Hippias 1, Euthydemos, Menexenos, Kratylos, Lysis, Symposion [= Rowohlts Klassiker/Griechische Philosophie Bd. III], Reinbek b. Hamburg: Rohwolt 41962, pp.203-250 [hier: 220-224].

PLATONis Opera / recogn. breviqve adnotatione critica instrvxit Ioannes Bvrnet, tomvs II tetralogias III - IV continens, Scriptorvm classicorvm bibliotheca Oxoniensis: Clarendon 1901/2006.

Die menschliche Zweiheit wird als Zustand der Entfremdung vom Ursprung erkannt ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und als Defekt sowie als ein degradierter Zustand empfunden, woraus die Sehnsucht nach der Einheit erwächst. Der Heiler (ἰατρός) dieser αποστασία ist Eros, der den Menschen hilft, durch Liebe zu einem anderen Menschen ihren Zustand als [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu ertragen.

[...]


1 Die Sonne (ὁ ἥλιος) ist im Griechischen männlich (cf. sol, is), die Erde (ἡ γῆ) hingegen weiblich (cf. terra, ae).

2 Somit erklärt A. hier die sexuelle Orientierung des Menschen durch jene mythische Genese bemerkenswerterweise als nicht veränderbare Veranlagung! Sie ist der immerwährende Versuch einer restitutio in integrum im Sinne eines spätantiken Motivs der ἀποκατάστασις.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die Rede des Aristophanes in Platons Symposion
Untertitel
Mit abschließendem Versuch einer Illustration
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Platon: Symposion, Phaidros
Autor
Jahr
2011
Seiten
5
Katalognummer
V231864
ISBN (eBook)
9783656478355
ISBN (Buch)
9783656480006
Dateigröße
1002 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dozentenvermerk: "Sehr schön!" Mit nachträglichem Versuch einer Illustration.
Schlagworte
rede, aristophanes, platons, symposion, versuch, illustration
Arbeit zitieren
Hendrik Keilhauer (Autor:in), 2011, Die Rede des Aristophanes in Platons Symposion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231864

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