Voltaires Candide ou l'optimisme erschien erstmals im Jahre 1759 als anonymes Werk- und dies aber auch aus gutem Grund. Der Autor kritisiert darin nicht nur die positive Sicht auf die Welt und den Menschen des deutschen Philosophen Leibniz, sondern bedient sich an Satire, Spott und Ironie, um viele weitere Missstände seiner Zeit anzuprangern. Ein Aspekt davon, der in dieser Arbeit besonders hervorgehoben werden soll, ist die Haltung Voltaires gegenüber den Expansionsbewegungen Europas, die in Candides Geschichte zum Ausdruck gebracht wird.
Zunächst wird ein kurzer Überblick über das Werk und den Autor gegeben, wobei auch der historische Kontext eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Kritik spielt. Hinsichtlich der Frage der Expansion werden die führenden Länder der Entdeckerfahrten genannt und der Kolonialismus sowie dessen Folgen anhand einiger Textpassagen in Candide untersucht. Die Grausamkeit der Menschen wird dem utopischen Eldorado gegenübergestellt. Schließlich folgt ein Fazit und die verwandten Quellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Darstellung des Werkes und des Autors
2.2 Der historische Kontext und die Entdeckerfahrten
2.3 Analyse der europäischen Expansionsbewegungen in Candide
2.3.1 Die Rolle des Sklavenhandels
2.3.2 Der Kontrast zu Eldorado
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Haltung Voltaires gegenüber den europäischen Expansionsbewegungen im 18. Jahrhundert, wie sie exemplarisch in seinem Werk "Candide ou l'optimisme" zum Ausdruck kommt. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Voltaire den Kolonialismus, die Sklaverei und die Grausamkeit der Menschen thematisiert und diese der utopischen Gegenwelt Eldorado gegenüberstellt, um die optimistische Weltsicht seiner Zeit zu dekonstruieren.
- Kritik an Leibniz’ Optimismustheorie und Theodizee
- Darstellung der Folgen von Kolonialismus und Sklavenhandel
- Die literarische Konstruktion von Eldorado als Gegenwelt
- Der Einfluss zeitgenössischer Vorurteile und Stereotypen
- Verarbeitung gesellschaftlicher Missstände des 18. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
Die Kritik am Kolonialismus in Candide
Als letzte wichtige Szene im Zusammenhang mit Voltaires Kritik ist die Begegnung mit einem Schwarzen in Surinam zu nennen, der in zerrissenen Kleidern auf dem Boden sitzt und nur noch sein rechtes Bein und seine linke Hand besitzt. Er wartet auf seinen Herrn, monsieur Vanderdendur, der ihn so übel zugerichtet hat, denn „c'est l'usage“ (197). Es wird aber nicht nur die menschenunwürdige Behandlung der Sklaven aufgezeigt, sondern auch das unmoralische Verhalten der Europäer, von solchen schlimmen Zuständen auch noch zu profitieren:
On nous donne un caleçon de toile pour tout vêtement deux fois l'année. Quand nous travaillons aux sucreries, et que la meule nous attrape le doigt, on nous coupe la main; quand nous voulons nous einfuir, on nous coupe la jambe: je me suis trouvé dans les deux cas. C'est à ce prix que vous mangez du sucre en Europe (197).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, skizziert Voltaires Werk im historischen Kontext der Aufklärung und definiert das Ziel, die Haltung des Autors zu europäischen Expansionsbewegungen zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Voltaires Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen, beleuchtet das Zeitalter der Entdeckungen, die Theodizee-Problematik und kontrastiert die Realität der Kolonialherrschaft mit der utopischen Welt Eldorado.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt, dass Voltaire durch die Erschaffung paradoxer Gegenwelten die moralische Verderbtheit seiner Zeit und die Unhaltbarkeit der optimistischen Lebensphilosophie aufdeckt.
Schlüsselwörter
Voltaire, Candide, Aufklärung, Kolonialismus, Sklavenhandel, Optimismus, Leibniz, Eldorado, Theodizee, europäische Expansion, Satire, Menschlichkeit, Gesellschaftskritik, Moral, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Auseinandersetzung Voltaires mit der europäischen Expansionspolitik und dem Kolonialismus in seiner berühmten Erzählung "Candide ou l'optimisme".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Kritik an Leibniz’ philosophischem Optimismus, die Darstellung von Sklaverei und Krieg sowie der Vergleich zwischen der realen Welt und der utopischen Welt Eldorado.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Voltaire mittels Satire und der Gegenüberstellung von Welten Missstände des 18. Jahrhunderts anprangert und die blinden Flecken der zeitgenössischen Ideologie demaskiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text im historischen Kontext betrachtet und durch den Einbezug von Sekundärquellen zur Aufklärung und Kolonialgeschichte ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Werkes, die Einbettung in den historischen Kontext der Entdeckerfahrten und die detaillierte Analyse spezifischer Textstellen, die Sklavenhandel, Kolonialismus und das Konzept des "Edlen Wilden" behandeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Voltaire, Candide, Kolonialismus, Sklavenhandel, Aufklärung und Eldorado.
Wie bewertet Voltaire in der Erzählung die Rolle von Gold in der Welt?
Voltaire nutzt Eldorado, um zu zeigen, dass Gold für die Bewohner einer wahrhaft vernünftigen oder utopischen Gesellschaft wertlos ist, während es in der europäischen Gesellschaft zur Quelle von Gier und Unterdrückung wird.
Welche Bedeutung hat das Erdbeben von Lissabon für Voltaires Argumentation?
Das Erdbeben dient als zentraler Wendepunkt, der die Theodizee-Frage aufwirft und die von Pangloss vertretene Theorie der "besten aller Welten" angesichts des massiven menschlichen Leids unhaltbar macht.
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- Manü Mohr (Author), 2012, Voltaires "Candide ou l'optimisme" und seine Haltung gegenüber den Expansionsbewegungen Europas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231868