Die Bibel ist ein Buch der Vergangenheit und der Gegenwart


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Bibel und viele Fragen

2. Die zwei Paradigmen der Schriftauslegung
2.1 Die Historisch-kritische Methode
2.11 Textkritik
2.12 Literarkritik
2.13 Gattungskritik
2.14 Redaktionskritik
2.15 Religionsgeschichte
2.2 Die Patristische und Mittelalterliche Auslegung
2.21 Erste Grundbestimmung – Die Einheit der Schrift
2.22 Zweite Grundbestimmung – Der mehrfache Schriftsinn
2.23 Dritte Grundbestimmung – Das Alte Testament als Heilige Schrift von Juden und Christen
2.24 Vierte Grundbestimmung – Die Inspiration des Lesers und der Lesegemeinschaft
2.25 Fünfte Grundbestimmung – Das christologische Verständnis
2.26 Sechste Grundbestimmung – Gemeinschaft der Kirche und regula fidei
2.3 Richtig oder falsch? Vergangenheit oder Gegenwart?

3. Ein Buch der Vergangenheit und der Gegenwart

Literaturverzeichnis

1. Die Bibel und viele Fragen

Das „Buch der Bücher“ – ein normales Buch wie jedes andere auch? Kann man die Bibel lesen wie jedes andere Buch? Wie soll man sie lesen? Wie einen Roman oder gar ein Märchenbuch? In einem durch oder abschnittsweise? Muss das Alte Testament völlig anders gelesen werden als das Neue Testament? Vielleicht reicht es aus nur das Neue zu lesen, weil das Alte Testament überholt ist?

Neben dem Lesen ist das Verstehen ein weiteres wichtiges Moment: Welches Selbstverständnis hat dieses Buch? Welches Verständnis hatten die Menschen, die es geschrieben haben? Welches die Menschen für die es damals geschrieben wurde? Welches Verständnis kann man heute daraus ziehen?

Fragen über Fragen, die sich mit der Vergangenheit und der Gegenwart der Bibel beschäftigen, die hier jedoch nicht alle beantwortet werden können und sollen. Fragen zu stellen ist auch meine Methode mich diesem Thema und den einzelnen Teilen darin zu nähern.

Doch vorab: Wie kommt man zum Verstehen?

Bibel lesen und Bibelauslegung – die Frage nach dem „Wie?“ damit beschäftigt sich die „Hermeneutik“. Der Begriff verweist auf den griechischen Götterboten „Hermes“, der sowohl Überbringer göttlicher Botschaften, als auch Übersetzer dieser Botschaften war.[1] Die Bibel bedarf also einer Übersetzung – sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinn – und einer Erläuterung.

Der Katechismus der Katholischen Kirche führt zur Bibelauslegung aus: „Die Heilige Schrift muss mit Hilfe des Heiligen Geistes und unter Anleitung des Lehramtes der Kirche gemäß den folgenden drei Kriterien gelesen und ausgelegt werden: 1) auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achten; 2) die Schrift in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche lesen; 3) auf die Analogie des Glaubens achten, das heißt auf den Zusammenhang der Glaubenswahrheiten untereinander.“[2]

Diese drei Punkte des Glaubenssatzes deuten bereits das Ergebnis der Entwicklung in der Auslegung der Heiligen Schrift an, dass nicht eine Methode allein sondern beide aufeinander aufbauend zu nutzen sind. Diese Entwicklung gilt es nachzuvollziehen, um ein Verständnis dafür zu erlangen.

Doch bei allem Vorgehen ist das Selbstverständnis der Bibel nicht zu vergessen: Es handelt sich bei den Texten der Bibel – dem Buch der Vergangenheit – um Glaubenszeugnisse – „Bezeugung der Offenbarung Gottes“[3] auch für die Gegenwart. Also ist es immer Gottesbotschaft in geschichtlichem Menschenwort. „Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und, weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes.“(DV 24)[4] Die Deklarationsformel „Wort des lebendigen Gottes“ verdeutlicht in jedem Gottesdienst dabei den Bezug des Buches aus der Vergangenheit für die Gegenwart und erinnert daran, dass Gottes Botschaft auch für die Gegenwart und die Zukunft gilt.

2. Die zwei Paradigmen der Schriftauslegung

In der Bibelauslegung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten diverse neue Methoden (text-, sach- bzw. leserzentriert) entwickelt. Die „patristische und mittelalterliche Exegese“ – eine altbewährte Methode der Kirchengeschichte – und die „historisch-kritische Exegese“ – als Auslegungsmethode der Neuzeit – sind Basisformen der Hermeneutik. Unterschiedliche Ansätze und unterschiedliches Vorgehen bestimmen diese beiden Grundformen, die in den folgenden Kapiteln dargestellt werden.

2.1 Die Historisch-kritische Methode

Eine Methode der Bibelauslegung, die einen Zugang über die Entstehungsgeschichte der Texte sucht, im wörtlichen Sinne also „durch“ die „Zeit“ geht, nennt man „diachron“ (griech.). Dazu gehört die historisch-kritische Methode, die sich während der Aufklärung (17. und 18. Jahrhundert) aber wesentlich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Man nennt sie „historisch“, da sie sich zum einen auf einen sehr alten Text – die Bibel – bezieht, zum anderen „weil sie versucht, den historischen Prozess der Entstehung der biblischen Texte zu klären…“[5] So entsteht der Bezug zur Vergangenheit.

Den Bezug zur Gegenwart erhält die Methode durch die kritische, d.h. objektive und wissenschaftliche Erschließung des Gegenstandes und seines Inhaltes für den heutigen Leser.

Bereits in der Methode werden auf diese Weise Vergangenheit und Gegenwart verknüpft.

Die nachstehenden grundsätzlichen – eher vergangenheitsbezogenen – Fragen charakterisieren die historisch-kritische Bibelauslegung:

- Wer hat diesen Text geschrieben?
- Für wen ist dieser Text geschrieben worden?
- Wann ist dieser Text geschrieben worden?
- Welche literarische Gattung liegt vor?
- Welche Aussageabsicht liegt vor?
- Welche sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Gegebenheiten haben diesen Text geprägt?
- Wurden ältere Quellen verwendet?
- Was ist die Ursprungsbedeutung dieses Textes?

Die Bibel wird als historisches Dokument verstanden. Somit sind geschichtliche und soziale Hintergründe für die Erarbeitung der Texte wesentlich. Dabei wird darauf verwiesen, dass Geschichtsschreibung immer auch subjektiv durch den Verfasser interpretiert ist und somit auch und gerade in der Bibel keine objektive Darstellung bzw. Aufzählung von Ereignissen niedergelegt ist; denn es handelt sich um Glaubensaussagen. Zudem ist diese Niederschrift auch immer unvollständig, da keine lückenlose Darstellung gewährleistet werden kann, bestimmte Fokussierungen und Auslassungen vorgenommen werden, die der Verfasser bestimmt. Eigene theologische Deutungen der Verfasser runden das Bild der Texte ab und machen deutlich, dass es sich hier nicht um eine geschichtlich „wahre“ Abhandlung handeln kann.[6]

Die einzelnen vier Schritte der historisch-kritischen Methode werden im Folgenden kurz erläutert:

2.11 Textkritik

Die Bibel wurde in großen Teilen in hebräischer Sprache (Altes Testament) und in Griechisch (Neues Testament) verfasst. Über Jahrhunderte wurden Bücher somit auch die Bibel immer wieder neu von Hand kopiert und abgeschrieben. (Erst um 1450 wurde von Johannes Gutenberg die Buchdruckkunst erfunden.) Oft wurde sie in andere Sprachen übersetzt. Leicht konnten dabei Zeilen vertauscht werden, Abschnitte verloren gehen, sich sinnverfälschende Schreibfehler einschleichen, Blätter verderben. Durch die handschriftliche Überlieferung und Übersetzung auch in andere Sprachen sind unterschiedlichste Versionen entstanden. Diesem geht die Textkritik nach und „untersucht die Einflüsse und Vorgänge, denen der biblische Text […] ausgesetzt war. Dabei werden die frühen Übersetzungen des jeweiligen Urtextes und seiner unterschiedlichen Varianten […] mit in die Untersuchungen einbezogen.“[7]

[...]


[1] Vgl. Schwienhorst-Schönberger, Ludger, GK-LB3 - Die Bibel verstehen - Biblische Hermeneutik, [Hrsg.] Theologie im Fernkurs, Würzburg 2009, 03.01.14, S. 14.

[2] Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, Katechismus der Katholischen Kirche (Kompendium), Pattloch Verlag GmbH & Co KG, München 2005. Nr. 19, S. 30.

[3] Schwienhorst-Schönberger, Ludger, GK-LB3 - Die Bibel verstehen - Biblische Hermeneutik, [Hrsg.] Theologie im Fernkurs, Würzburg 2009, 03.01.14, S. 12.

[4] Rahner, Karl und Vorgrimler, Herbert, Kleines Konzilskompendium, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, S. 380.

[5] Heck SVD, P. Thomas, die-bibel-lebt.de, Wissenwertes - Methoden der Exegese - Methoden der Bibelauslegung - I. Die historisch-kritische Methode, [Online] 2003. [Zitat vom: 20. 09 2011.] www.die-bibel-lebt.de, A1.

[6] Vgl. Nicklas, Tobias, GK-LB5 - Einleitung in das neue Testament, [Hrsg.] Theologie im Fernkurs, Würzburg 2007, 05.01.14, S. 13/ 14.

[7] Schwienhorst-Schönberger, Ludger, GK-LB3 - Die Bibel verstehen - Biblische Hermeneutik, [Hrsg.] Theologie im Fernkurs., Würzburg 2009, 03.01.14, S. 77.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bibel ist ein Buch der Vergangenheit und der Gegenwart
Hochschule
Katholische Akademie Domschule Würzburg
Veranstaltung
Theologie im Fernkurs
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V231919
ISBN (eBook)
9783656482987
ISBN (Buch)
9783656483007
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema komplett: Die Bibel ist ein Buch der Vergangenheit und der Gegenwart. Erläutern Sie diese Aussage im Hinblick auf die zwei „Paradigmen“ der Schriftauslegung. Gehen Sie dabei auf die Grundbestimmungen der Schriftauslegung in der Alten Kirche ein und zeigen Sie, inwiefern die Überlegungen der Väter von bleibender Bedeutung sind.
Schlagworte
Bibel, Hermeneutik, Schriftauslegung
Arbeit zitieren
Ralf Bisselik (Autor:in), 2011, Die Bibel ist ein Buch der Vergangenheit und der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231919

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