„Wer hat das Sagen?“ Amt, Anspruch und Wirklichkeit. Der Dienst in der Kirche aus orthodoxer Sicht


Fachbuch, 2013

15 Seiten, Note: "-"


Leseprobe

Inhalt

Begriffserklärung

1.Der Dienst der Kirche

2.Das Wesen der Kirche

3.Der Auftrag der Kirche

4.Der geistliche Dienst und seine Symbole

5.Struktur und Organisation der Orthodoxen Kirche

6.Das Volk der Kirche

7.Die besondere Stellung des Ökumenischen Patriarchats

Wer hat das Sagen?

Begriffserklärung

Der Begriff „Amt“ scheint orthodoxen Christen eher fremd und ihrem Kirchenverständnis unpassend. Man kennt lediglich den Begriff des „Amtsdienstes“. Eine kirchliche Aufgabe wird eher als „Diakonia“, d.h. als Dienst verstanden und entsprechend gelebt. Damit ist Diakonia unmittelbar mit der Ecclesia, der Kirche und ihren Mysterien, ihren sakramentalen Handlungen verbunden, die Ausdruck der Gnade Gottes sind, und bedarf einer Weihe oder eines Segens durch einen rechtmässigen Bischof. Die Kirche ist die gelebte Gemeinschaft und das Ziel der Kirche ist die Einheit alles menschlichen mit Gott. Sie ist der Leib Christi, der aus allen Gläubigen in Christus besteht, diejenigen, die an der ersten Auferstehung teilnehmen und die kommende erwarten. Sie ist zusammengesetzt aus den Lebenden, die auf der Erde streiten und aus den Verstorbenen die in der Herrlichkeit Gottes triumphiert haben. Die Einheit aller Menschen in der Kirche findet, so die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland, ihren „höchsten Ausdruck in das Mysterion der Eucharistie. In ihm werden die Gläubigen, indem sie den Leib und das Blut Christi empfangen, durch die wandelnde Kraft des Heiligen Geistes zu einem einzigen Leib zusammen gefügt. Aus der Eucharistie entspringt nach orthodoxem Verständnis jede pastorale Tätigkeit in der Kirche, da es keine Trennung zwischen dem Mysterion des Altars und dem Dienst am Nächsten geben darf. Liturgie und Seelsorge, Wahrheit und Liebe sind also zusammen zu denken und von einander nicht zu trennen“[1].

1. Der Dienst der Kirche

In der Kirche gibt es viele Dienste, jedoch sind die wichtigsten die des Bischofs (gr.: episkopos-Aufseher), des Presbyters (gr.: Presbyteros-Ältester) und des Diakons (gr.: Diakonos-Diener). Bereits in apostolischer Zeit gab es eine hierarchische Priesterschaft. Es waren Mitglieder der Kirche, die für den Dienst der Eucharistie und des Vorsteheramtes über das Volk auserwählt waren. Die Aposteln gründeten christliche eucharistische Gemeinden und legten den Bischöfen und Prasbytern zur Leitung dieser Gemeinden die Hände auf. Der Dienst der Bischöfe, Presbyter und Diakone bleibt bis heute ein Dienst der Vorsteherschaft, des Lehramtes, der geistlichenFührung und der Leitung der Gemeinde. Hinzu besteht der Dienst aller Glieder der Kirche, was als allgemeines oder königliches Priestertum in der christlichen Grammatologie bekannt ist. Es gibt viele Gaben in der Kirche, es kann aber nur einen Geist geben. Jeder Dienst in der Kirche hat als Vorbild das Haupt der Kirche, den Hohepriester Jesus Christus, der opfert und geopfert wird, sich teilt und unteilbar bleibt[2]. Alle Mitglieder der Kirche bilden den Körper Jesu Christi und alle hängen voneinander ab. Es kann keinen Bischof ohne Gemeinschaft geben und es kann keine Gemeinschaft ohne Bischof geben. Die Kirche als der Leib Christi ist der Aufenthaltsort der ungeschaffenen Herrlichkeit Gottes. Wir können Christus nicht von der Kirche trennen, noch die Kirche von Christus. Der Leib Christi wird mit der Gemeinschaft der Gläubigen gleichgestellt. Dort wo die Gläubigen sich versammeln um Eucahristie zu feiern, dort ist auch die Kirche und dort ist auch Christus[3].

2. Das Wesen der Kirche

Der Heilige Nikolaos Kavasilas betont, dass die Kirche sich in den Mysterien verwirklicht[4] und erklärt: „wer die Kirche sehen möchte, wird den Leib des Herrn sehen“[5], d.h. die göttliche Eucharistie. Das Wesen der Kirche wird in der Eucharistie offenbart[6]. Alle Handlungen aber auch alle Dienste der Kirche (pastorale, seelsorgliche, liturgische, juristiktionelle, missionarische, kerygmatische) haben keinen Wert wenn sie nicht auf die Eucharistie tendieren. Der Vorsteher der eucharistischen Versammlung ist der Bischof[7], im Namen dessen die Eucharistie gefeiert wird und durch ihn alle Handlungen der Kirche wirksam werden. Es ist kein Zufall, dass der Bischof im Zentrum der Ekklesiologie steht und das Kriterium der Teilnahme an der Kirche bildet. Im Zentrum der eucharistischen Gemeinschaft steht der Bischof als „Aufseher“ über die Kirche und Leiter der Kirche und um ihn versammelt die Presbyter, Diakone, Diakoninen, Lektoren, Kantoren, Katecheten, Gemeindevorsteher und das Volk. Dort wo der Bischof ist, ist auch die Kirche. Durch ihn, als Vorsteher der eucharistischen Versammlung geht das ganze Leben der Kirche. Nur der Bischof hat das Recht, immer während der Eucharistiefeier und inmitten der versammelten Kirche, Weihen unterschiedlichen Grades zu spenden und auserwählte Gläubige zu ordinieren. Er spendet durch das Wort und die Handauflegung die Gaben des Heiligen Geistes, so wie es die Apostel taten. Dabei muss betont werden, dass für die Orthodoxe Tradition es nicht ausreicht, wenn die Ordination bis zu den Aposteln zurückreicht[8], sondern es bedarf des orthodoxen Dogmas. Frömmigkeit und Dogma haben dieselbe Identität und sie sind nicht getrennt. Wo die Lehre richtig ist, ist auch die Praxis richtig. Orthodox bedeutet a) das richtige Dogma und b) die richtige Praxis. Die Wichtigkeit des Dogmas und der Praxis ist für die Orthodoxie grundsätzlich und unbestritten, weil die Kirche, dieses Heilsmysterium, an und für sich das Weiterleben und Weiterwirken des Erlösers auf der Erde ist. Christus hat die Kirche zum Träger der in ihm geoffenbarten Wahrheit und Spender des durch ihn dem Menschen geschenkten Heils gemacht[9]. Somit gilt der Bischof, der treu in der Tradition, in der Praxis und in den Dogmen der Kirche bleibt, auch als Garant des wahren Glaubens und sicherer Führer auf dem Weg der Gemeinschaft in die Einheit mit Gott. Der Bischof verteilt die Gaben der Gnade Gottes in der Kirche nicht als juristische Person sondern nur aufgrund seiner Aufgabe als Vorsteher der eucharistischen Gemeinschaft. Er ist der erste Diener in der Gemeinde. Seine Diakonie hat das Ziel die Menschheit, gar die ganze Schöpfung durch den Empfang der heiligen Gaben mit dem Schöpfer zu vereinen.

[...]


[1] Die Orthodoxe Kirche in Deutschland und ihr Dienst an der Einheit der Christen, in: http://www.obkd.de/Texte/DieOrthodoxeKircheinDeutschlandundihrDienstanderEinheitderChristen.pdf (Stand: 29.10.2012).

[2] Vgl.: Alfejev, Hilarion: Geheimnis des Glaubens. Einführung in die orthodoxe dogmatische Theologie, in: Ökumenische Beihefte 43, Freiburg Schweiz: Universitätsverlag Freiburg Schweiz, 2006, S. 124ff.

[3] Vgl.: Chrys., In ep. ad Eph., 3, 2: PG, 62, 26.

[4] Καβάσιλας, Νικόλαος: Ἑρμηνεία εἰς τήν Θείαν Λειτουργίαν, Kap.. ΛΗ, 6 und ΛΘ, 1.

[5] Ebd.

[6] Ζηζιούλα, Ιωάννου Μητροπολίτου Περγάμου: Ευχαριστίας Εξεμπλάριον, Μέγαρα: Εκδ. Ευεργέτις, 2006, S. 33.

[7] Die Kirche entwickelte im Laufe ihres historischen Daseins drei Hilfsmittel zur Abwehr von Irrlehren: 1. den Kanon der Schriften des Neuen Testaments, 2. die in Glaubensbekenntnissen festgehaltene Tradition der kirchlichen Lehre und 3. das Amt der „Aufseher“ („Episkopoi“), der Bischöfe, die sich in der rechtmäßigen Nachfolge der Apostel wussten.

[8] Damit ist die Apostolische Sukzession gemeint.

[9] Nikolaou, Theodoros: Die Grenzen der Kirche in der Sicht der Orthodoxen Katholischen Kirche, in: Ökumenische Rundschau, Jg. 21, H. 4, Stuttgart: Evangelischer Missionsverlag, Oktober 1972, S. 316.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
„Wer hat das Sagen?“ Amt, Anspruch und Wirklichkeit. Der Dienst in der Kirche aus orthodoxer Sicht
Note
"-"
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V231950
ISBN (eBook)
9783656484127
ISBN (Buch)
9783656484387
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Amt und Kirche, Orthodoxe Kirche, Orthodoxe Theologie, Ökumenisches Patriarchat
Arbeit zitieren
Dr. Christos-Athenagoras Ziliaskopoulos (Autor), 2013, „Wer hat das Sagen?“ Amt, Anspruch und Wirklichkeit. Der Dienst in der Kirche aus orthodoxer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231950

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: „Wer hat das Sagen?“ Amt, Anspruch und Wirklichkeit. Der Dienst in der Kirche aus orthodoxer Sicht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden