Die Diplomatie zwischen Al-Andalus und Byzanz

Eine Analyse des Antwortbriefs Abd ar-Rahmans II. an den byzantinischen Kaiser Theophilos, überliefert bei Ibn Hayyan


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
22 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Die Beziehung zwischen den Umayyaden in Damaskus und Byzanz, (661-750)

3 Grundlegende Charakteristika der Diplomatie jener Zeit

4 Zur Geschichte der Umayyaden in al-Andalus, (756-1031)

5 Diplomatische Kontakte zwischen den Umayyaden in al-Andalus und Byzanz

6 Ein Beispiel für al-andalusisch-byzantinische Diplomatie : Analyse des Antwortbriefs ÝAbd ar-RaÎmÁns II. an den byzantinischen Kaiser Theophilos
6.1 Der politische Hintergrund
6.2 Allgemeines zum Brief
6.3 Hauptthemen
6.4 Struktur
6.5 Inhalt und Analyse

7 Schlussfolgerungen

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang
9.1 Tabellarische Gegenüberstellung der Emire/Kalifen und Kaiser von 756-1031
9.2 Karten von al-Andalus um 1000 n Chr. und zur Zeit der ÔÁÞifa Königreiche

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll einen Einblick in die diplomatischen Beziehungen zwischen Byzantinern und „andalusischen“ Umayyaden (al-umawiyyūn) geben.

Dem Vorwort über Form und Ziele der Diplomatie während der Umayyadendynastie von 680 bis 750 n.Chr. folgt eine Zusammenfassung relevanter Ereignisse ab 750. Anschließend wird das Antwortschreiben ÝAbd ar-RaÎmÁns II.- welches in französischer Sprache vorliegt - auf einen Brief und eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers untersucht.

Ziel der Hausarbeit ist es, die Ambitionen des Kaisers und des Emirs, die im Antwortschreiben zum Vorschein kommen, zu verdeutlichen und sie in den Rahmen der damaligen politischen Situation zu setzen.

2 Die Beziehung zwischen den Umayyaden in Damaskus und Byzanz (661-750)

Andreas Kaplony beschäftigte sich ausführlich mit der byzantinisch-muslimischen Diplomatie von 639 bis 750, d.h., bis zum Sturz der Umayyadendynastie in Damaskus durch die Abbasiden (al-ÝabbÁsÐyÙn).

Die Beziehung zwischen Damaskus und Byzanz war sehr ambivalent. Es gab ständig militärische Auseinandersetzungen, die je nach Kräfteverhältnis mehr oder weiniger intensiv geführt wurden. Während des Kalifats von MuÝÁwiya von 661-680 fanden jedes Jahr die Sommerfeldzüge statt, teilweise bis tief in das byzantinische Landesinnere. In dieser Zeit kam es auch zu einer fünfjährigen Belagerung Konstantinopels von 673-678. Nach dem Tode MuÝÁwiyas 680 konnte Byzanz seine Stellung aufgrund der innerarabischen Machtkämpfe festigen. Erst unter dem späteren Kalifen al-WalÐd (705-715) kam es wieder zu großen Eroberungen von Spanien im Westen bis Transoxanien im Osten und auch Kleinasien wurde wieder verstärkt von arabischen Einfällen heimgesucht. 715-718 folgte eine zweite Belagerung Konstantinopels, welche ebenfalls erfolglos blieb. Zusammenfassend kann man sagen, dass Byzanz trotz der Gebietsverluste, die es hinnehmen musste (nicht nur in Kleinasien, sondern auch die wirtschaftlich viel interessanteren Gebiete Palästina / Syrien 634 und Ägypten 639-642), die Kraft hatte, eine nordöstliche arabische Expansion Richtung Balkan zu verhindern.

Wie C.E. Bosworth in seinem Artikel Rūm in der Encyclopaedia of Islam schrieb, darf man nicht vergessen, dass es trotz der militärischen Auseinandersetzungen auch lange Friedensperioden gab, in denen diplomatischer, kultureller und wirtschaftlicher Austausch stattfand.1So soll zum Beispiel der Kalif al-WalÐd I. b. ʿAbd al-Malik Kaiser Justinian II, (685-695 und 705-711) um Unterstützung für den Bau der Umayyadenmoschee in Damaskus und der Prophetenmoschee in Medina gebeten haben2. Byzanz konnte zu jener Zeit schon auf eine lange Tradition zurückblicken mit einem entwickelten kulturellen Leben und einer prunkvollen Architektur und übte somit auf die Araber eine große Faszination aus.

3 Grundlegende Charakteristika der Diplomatie jener Zeit

In der Annahme, dass sich die diplomatischen Gepflogenheiten zwischen den Umayyaden in Damaskus und Byzanz nicht grundsätzlich von denen der Umayyaden in al-Andalus bis zum Emirat von Cordoba (QurÔuba) des ÝAbd ar-RaÎmÁn II. und darüber hinaus unterschieden, möchte ich, bevor ich mich mit den Umayyaden in al-Andalus beschäftige, einige Eckpunkte aus Kaplonys Werk zu Form und möglichen Zielen der Diplomatie jener Zeit wiedergeben.

Kaplonys Untersuchung basiert auf einer Sammlung von 51 Gesandtschaften von 639 bis 750, belegt durch verschiedene Quellen.

Folgend einige Grundschemata und Ziele der früheren Gesandtschaften:

Sie wurden in der Regel von einem Gesandten geleitet, welcher eine in einem Brief festgehaltene Botschaft und Gastgeschenke überbrachte. Am Hofe angelangt, fand die offizielle Begrüßung statt, das Anliegen wurde vorgetragen und der Gesandte übergab den Brief. Darauf folgte eine individuelle Verhandlungsphase. In der Schlussphase erfolgte die mündliche Eröffnung des Bescheides und eventuell die schriftliche Antwort sowie gegebenenfalls die Übergabe von Geschenken. Während des Aufenthaltes unterstand der Gesandte einer gewissen Aufsicht, hatte aber durchaus Kontakt mit der Bevölkerung. Bei der Rückkehr in seine Heimat überbrachte der Gesandte die Antwort an seinen Herrscher, welche häufig schriftlich festgehalten und archiviert wurde. Der Abschluss von Friedensverträgen geschah in der Regel in zwei Schritten. Meistens wurde am Hof des Kaisers eine Vereinbarung beschlossen und am Hof des Kalifen wurde der Vertrag mit Zeugen anerkannt.

Durch solche Verträge wurden einige Ruhephasen in den arabisch-byzantinischen Auseinandersetzungen erreicht, so z.B. 678/679, weitere Friedensverhandlungen gab es 688. Erst als der damalige Kalif ʿAbd al-Malik ibn Marwān seine Macht festigen konnte, wurden ab 693/694 die militärischen Auseinandersetzungen fortgesetzt.

Selbstverständlich gab es neben den offiziellen Zielen auch inoffizielle, z.B. die Erkundung von Kriegsvorbereitungen etc.

4 Zur Geschichte der Umayyaden in al-Andalus, (756-1031)

Im Folgenden möchte ich kurz die Ausgangssituation der Umayyaden in Andalusien und einige diplomatische Berührungen zwischen al-Andalus und Byzanz ab 750 erörtern. Die Umayyaden in Spanien regierten von 138-422 H/ 756-1031 n.Chr. Als Damaskus am 26.April 750 fiel und fast die gesamte Umayyadenfamilie grausam ermordet wurde, gelang es ÝAbd ar-RaÌmÁn I., al-DÁÌil, mit Hilfe seines treuen Sklaven Badr, über den Maghreb ins südliche Spanien zu fliehen, wo er 756 n.Chr. das Emirat von Cordoba gründete, welches 929 durch ÝAbd ar-RaÌmÁn III. zum Kalifat erhoben wurde und bis 1031 Bestand hatte. Da der umayyadische Rückhalt in Andalusien, besonders in Cordoba, größer war als im Osten Nordafrikas (IfrÐqiya), wurde das Emirat auf der spanischen Halbinsel gegründet.

Die Abbasiden verlegten den Sitz des Kalifats von Damaskus in Syrien nach Kufa im Irak und 762 nach Bagdad. Die Stadt wurde in nur 4 Jahren erbaut und wegen seiner günstigen Lage vom Kalifen AbÙ ÉaÝfar ÝAbd AllÁh ibn MuÎammad ibn ÝAlÐ al-ManÒur zur Hauptstadt ernannt.

Für die „spanischen“ Umayyaden bedeutete diese Verlagerung gen Osten, dass sie relativ lange Zeit im Westen des muslimischen Gebiets außerhalb des abbasidischen Herrschaftsbereichs existieren konnten.

In den Jahren 756 bis zu seinem Tode 788 gelang es ÝAbd ar-RaÌmÁn I. aus Sklaven und Berbern eine Armee zu formen und seine Gegner unter Kontrolle zu bringen. Mit der Regierungsübernahme durch HišÁm I., welcher nicht der älteste Sohn ÝAbd ar- RaÌmÁns I. war, kam es zu familiären Streitigkeiten um die Erbfolge der Dynastie. Seine Brüder Sulaymān und ʿAbd Allāh revoltierten, unterlagen und wurden ins Exil nach Nordafrika geschickt. Seine Regierungszeit galt insgesamt als relativ ruhig. Ihm folgte sein Sohn al-Íakam I., der mit heftigem Widerstand seiner bereits erwähnten Onkel aus den Städten Toledo (ṬulÐÔula), Merida (MarÐda) und Saragossa (SaraquṣÔa) zu kämpfen hatte.

Er hatte auch mit den ersten Revolten aus den Vororten von Cordoba zu kämpfen.

Nur wenige Tage nach seinem Tod übernahm ʿAbd ar-Raḥmān II. für ganze 30 Jahre die Macht. Er nutzte seine relativ friedliche Amtszeit, um die Regierung zu festigen, so wurden neue Ämter geschaffen, die Bürokratie wurde neu geregelt etc. Auch bei seinem Tode 852 kam es wieder zu Intrigen wegen der Erbfolge. Sein Sohn Muḥammad konnte sich jedoch durchsetzen und wurde neuer Emir. Bei der Thronbesteigung hatte auch Muḥammad vor allem mit dem Widerstand aus Toledo zu kämpfen. Nach seinem Tode 886 wurde sein Sohn MunÆir Emir, gefolgt von seinem Bruder ʿAbd Allāh. In dieser Zeit waren die Umayyaden mit Aufständen in ganz al-Andalus konfrontiert. Hätte ʿAbd Allāh seine Gegner nicht besiegt, hätte dies wahrscheinlich das Ende der Umayyaden in Spanien bedeutet. Nach seiner vierundzwanzigjährigen Regierungszeit starb er 912.

Ihm folgte sein Enkel ʿAbd ar-Raḥmān III. (Kalif von 912-961), welcher 929 das Kalifat von Cordoba ausrief. Mit Ehrgeiz und militärischem Geschick konzentrierte er sich erst auf die Befriedung des südlichen Andalusiens und kämpfte gegen den langjährigen Feind Ibn Ḥafṣūn, welcher ein Sohn begüterter muslimischer Landbesitzer in der Gegend von Ronda war und der den Aufstand gegen die Umayyaden lange Zeit anführte. Dessen Sohn Sulaymān konnte sich noch bis 928 in Bobastro behaupten. Nachdem der Süden der Halbinsel befriedet war, widmete man sich Merida, welches 928 besiegt wurde, dann Badajoz 930, Toledo 932 und schließlich Saragossa, welches 937 kapitulierte. Nachdem al-Andalus nun umayyadischer Kontrolle unterstand, konnte sich ʿAbd ar-Raḥmān III. den außenpolitischen Problemen widmen. Die Christen aus dem Norden stellten zu dieser Zeit keine ernsthafte Gefahr mehr da. Die Bedrohung kam für die Umayyaden durch die Fatimiden (909-1171) (al-FÁÔimiyyÙn) aus IfrÐqiya, die ebenfalls das Kalifat für sich beanspruchten, und sie war nicht nur militärischer Art, sondern auch religiöser, denn die Fatimiden verbreiteten den schiitischen Glauben im Maghreb.

Schon ab 914 rüsteten die Umayyaden ihre Flotte auf, mit der sie 931 Ceuta (in der EI Online-Ausgabe, Brill 2007 auf 993 n.Chr. datiert) und Tanger besetzten und zu Festungen ausbauten. Durch Bündnisse mit verschiedenen Berberstämmen konnte eine Expansion der Fatimiden im Maghreb verhindert werden.

Unter ʿAbd ar-Raḥmān III. stieg Cordoba neben Konstantinopel und Bagdad zu einem der bedeutendsten Kultur- und Wirtschaftszentren auf.

War ʿAbd ar-Raḥmān III. noch darauf bedacht, wenig berberische Söldner zu rekrutieren, so nahm ihre Zahl in Cordoba mit der Zeit zu und diese Söldner intrigierten später bei der fitna (Rebellion, Bürgerkrieg etc.). Ihm folgte al-Íakam II. al-MustanÒir (H 350-366/961-976 n.Chr.). Während er eine glänzende Regentschaft ohne Probleme und Sorgen hatte, war die Nachfolge seines noch minderjährigen Sohnes HišÁm II. al-Muʾayyad begleitet von diversen Intrigen. Muḥammad b. AbÐ ʿÀmir setzte sich in diesem Machtkampf durch und übte anstelle des minderjährigen HišÁm II. al-Muʾayyad die Macht aus. Bis zu seinem Tode 1002 führte er an die 50 Feldzüge gegen die christlichen Fürstentümer. Er hinterließ seinem Sohn ʿAbd al-Malik einen gefestigten Staat. Mit dessen Tod um 1008 begann jedoch der allmähliche Niedergang der Umayyaden in Spanien. Die Zeit bis 1031 war gekennzeichnet durch ständig wechselnde Machthaber und permanente Querelen. Durch den Zerfall des Kalifats wurde der Weg für die Kleinfürstentümer, die sogenannten Taifa-Königreiche (ÔÁÞifa) geebnet. (Mehr dazu siehe Anhang)

5 Diplomatische Kontakte zwischen den Umayyaden in al-Andalus und Byzanz

Die byzantinische Gesandtschaft von 839/840 war für die Umayyaden von großer Bedeutung. Sie zeigte nicht nur das Interesse von Byzanz an dem westlichen Nachbarn, sondern bezeugte auch die Anerkennung der umayyadischen Herrschaft, wie David Wasserstein in seinem Aufsatz „Byzantium and al-Andalus“ schlussfolgerte.3 ÝAbd ar-RaÎmÁn II. wurde von dieser Gesandtschaft ein Freundschaftsvertrag mit Kaiser Theophilos angeboten und er wurde an die Usurpation der kalifalen Macht, - welche seine Familie bis 750 in Damaskus innehatte -, durch die Abbasiden erinnert. Die Byzantiner versuchten auf diese Weise dem Emir mit diplomatischem Geschick zu schmeicheln und ihn für ihr eigentliches Interesse zu gewinnen, die Unterstützung gegen andalusische „Piraten“ auf Kreta. Der Emir setzte jedoch auf die weitere Etablierung bzw. den Ausbau der umayyadischen Macht in Andalusien und ließ sich nicht auf ein militärisches Abenteuer ein. Trotzdem sehr geschmeichelt, sendete er als Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und das Interesse eine Gesandtschaft mit Geschenken zurück an den byzantinischen Kaiser. Später, zwischen 945/946 n.Chr. und 956 n.Chr. gab es einen regen Austausch. 946/947 n.Chr. empfing ÝAbd ar-RaÎmÁn III. eine griechische Delegation, welche er mit einem eigenen Botschafter zurücksendete und der 949 n.Chr.

[...]


1Bosworth, C.E.: Artikel „RÙm“ in Encyclopedia of Islam, Online-Ausgabe, Leiden, Brill 2007

2ebd.

3Wasserstein, David: „Byzantium and Al-Andalus“ in: Mediterranean Historical Review, Vol. 2, No.1, Tel Aviv University 1987, Frank Cass&Co.LTD, London, s.S. 81

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Diplomatie zwischen Al-Andalus und Byzanz
Untertitel
Eine Analyse des Antwortbriefs Abd ar-Rahmans II. an den byzantinischen Kaiser Theophilos, überliefert bei Ibn Hayyan
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Arabistik)
Veranstaltung
Die Palme im Westen II: Die Historiographie in al-Andalus
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V231968
ISBN (eBook)
9783656480778
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Al-Andalus, Byzanz, byzantinisches Reich, Umayyaden, Cordoba, arabische Geschichte, Islam, Araber, Byzantiner, Orient, orientalische
Arbeit zitieren
Magister Artium Gregor Postler (Autor), 2008, Die Diplomatie zwischen Al-Andalus und Byzanz , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231968

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