Heinrich von Morungens „Ich waene, nieman lebe…“

Eine Untersuchung des Spannungsverhältnisses von Leid und Euphorie


Referat (Ausarbeitung), 1990

8 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Primärtext und inhaltliche Übersicht

2. Analyse

Literaturverzeichnis

1. Einführung: Primärtext und inhaltliche Übersicht

Dieses Referat verfolgt das Ziel, das von Heinrich von Morungen verfaßte Lied der Hohen Minne „Ich waene, nieman lebe“ im Hinblick auf das Spannungsverhältnis von Leid und Euphorie zu untersuchen. Als Bezugstext dient der folgende:

Ich waene, nieman lebe, der mînen kumber weine,

den ich eine trage,

ez entuo diu guote, die ich mit triuwen meine,

vernimt si mîne klage.

Wê, wie tuon ich sô, daz ich sô herzeclîche

bin an sî verdâht, daz ich ein künicrîche

vür ir minne niht ennemen wolde,

ob ich teilen unde wéln sólde?

Dô si mir alrêrst ein hôchgemüete sande

in daz herze mîn,

des was bote ir güete, die ich wol erkande,

und ir liehter schîn

Sach mich güetlî´ch an mit ir spilnden ougen,

lachen sî began ûz rôtem munde tougen.

sâ zehant enzunte sich mîn wunne,

daz mîn muot stêt hôhe sam diu sunne.

Swer mir des verban, obe ich si minne tougen,

seht, der sündet sich.

swen ich eine bin, si schînt mir vor den ougen.

sô bedunket mich,

Wie si gê dort her ze mir aldur die mûren.

ir rede und ir trôst enlâzent mich niht trûren.

swenne si wil, sô vüeret sî mich hinnen

zeinem venster hôh al über die zinnen.

Ich waene, si ist ein Vênus hêre, die ich dâ minne,

wan si kann sô vil.

sî benimt mir beide vröide und al die sinne.

swenne sô si wil,

Sô gêt sî dort her zuo einem vensterlîne

unde siht mich an reht als der sunnen schîne.

swánne ich sî danne gerne wolde schouwen,

ach, sô gêt si dort zuo andern vrouwen.

Wê, waz rede ich? jâ ist mîn geloube boese

und ist wider got.

wan bite ich in des, daz er mich hinnen loese?

ez was ê mîn spot.

Ich tuon sam der swan, der singet, swenne er stirbet.

waz ob mir mîn sanc daz lîhte noch erwirbet,

swâ man mînen kumber sagt ze maere,

daz man mir erbunne mîner swaere?[1]

Zum besseren Verständnis der Analyse wird hier eine kurze Übersicht über den inhaltlichen Aufbau des Liedes gegeben.

Erste Strophe:

Am Anfang der ersten Strophe gibt der Sänger den ihm aus seiner Liebe erwachsenden Kummer als Beweggrund für das Lied an. Jedoch erhofft er, mit seinem Gesang das Mitgefühl der Geliebten zu erwecken. Indem er die ersehnte Liebe in einem Vergleich über den Besitz eines Königreichs stellt, verleiht er der Stärke seiner Liebe Ausdruck.

Zweite Strophe:

In der zweiten Strophe erinnert sich der Sänger, wie er das erste Mal seiner Angebeteten begegnete, ihrer Güte gewahr wurde und ihre Erscheinung ein Gefühl der Wonne in ihm entfachte. Die Beschreibung ihrer Erscheinung wird von Ausdrücken des Glanzes und Strahlens dominiert. Deutlich wird die Besungene dabei in Beziehung zur Sonne gesetzt. Dieses Erlebnis der ersten Begegnung bezieht der Liebende auf seinen gegenwärtigen Zustand, indem er sagt, daß seine Gemütsverfassung nun der hochstehenden Sonne gleiche.

[...]


[1] Die Schreibung orientiert sich weitgehend an Helmut Tervooren, die Stropheneinteilung richtet sich nach Helmut de Boor: Vgl. Heinrich von Morungen. Lieder. Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch. Text, Übersetzung, Kommentar von Helmut Tervooren. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1975. Lied XXII. Helmut de Boor: „Heinrich von Morungen: „Ich wêne nieman lebe…“ In: Die deutsche Lyrik. Hrsg. von Benno von Wiese. Bd. 1. Düsseldorf: August Bagel 1956. S. 43f.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Heinrich von Morungens „Ich waene, nieman lebe…“
Untertitel
Eine Untersuchung des Spannungsverhältnisses von Leid und Euphorie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistisches Seminar)
Autor
Jahr
1990
Seiten
8
Katalognummer
V232026
ISBN (eBook)
9783656488927
ISBN (Buch)
9783656492351
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heinrich, morungens, eine, untersuchung, spannungsverhältnisses, leid, euphorie
Arbeit zitieren
Dr. Jens Saathoff (Autor), 1990, Heinrich von Morungens „Ich waene, nieman lebe…“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232026

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