Die Etablierung des Staates Israel 1948 bis 1967


Essay, 2008
7 Seiten

Leseprobe

Von der Gründung bis zum Sechstagekrieg:
Die Etablierung des Staates Israel 1948 bis 1967

Betrachtet man eine aktuelle Landkarte des Nahen Ostens wird auf einen Blick deutlich, dass Israel allein geographisch in einer prekären Position ist. Lässt man die dünn besiedelte Negev-Wüste im Südteil des Landes außer Acht, beschränkt sich das israelische Staatsgebiet auf einen schmalen Küstenstreifen entlang des Mittelmeeres zwischen Ashkelon im Süden und Haifa im Norden. Dieser Streifen Land ist – bei einer Länge von knapp 180 km – im Schnitt nur etwa 30 bis 50 km breit, an seiner schmalsten Stelle grenzt er sogar schon nach etwa 15 Kilometern an das Westjordanland. Umso erstaunlicher, dass sich vor exakt 60 Jahren – am 14. Mai 1948 – auf diesem Gebiet ein jüdisch-israelischer Staat gründen und behaupten konnte. Doch wie hat es dieser neu geschaffene Staat geschafft, seine bloße Existenz gegen jede Opposition durchzusetzen und dauerhaft zu etablieren? Um diese Frage zu beantworten, soll im folgenden Text die Entwicklung Israels und seiner Nachbarn zwischen 1948 und 1967 dargestellt werden, wobei das Hauptaugenmerk weniger auf den unmittelbaren Konflikten an sich, sondern eher auf deren Auslösern und Folgen liegen soll – angefangen mit dem israelisch-arabischen Konflikt 1948/49 über die Suez-Krise 1956 bis hin zum Sechstagekrieg 1967[1].

Zunächst gilt es natürlich darauf hinzuweisen, dass das Problem des Nahostkonfliktes nicht plötzlich mit der Gründung Israels 1948 auftritt. Im Gegenteil: Eine kleine jüdische Minderheit hat immer (verhältnismäßig konfliktfrei) in Palästina gelebt. Seit den 1880er Jahren kommt es jedoch zu einer verstärkten jüdischen Zuwanderung aufgrund des in Europa verbreiteten Antisemitismus und den Ideen des Zionismus, die die Schaffung einer „Heimstatt für alle Juden“ in Palästina propagieren. Von 1881 bis 1914 kommt es somit zu einem Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Palästina von 25.000 auf 80.000 Personen[2]. Nach der Verabschiedung der Balfour-Deklaration 1917, mit der die Briten – zunächst – die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina anstreben, steigt die Zahl der jüdischen Einwanderer weiter an, bis 1937 auf etwa 400.000 Personen oder etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung Palästinas[3]. Gleichzeitig verspricht die britische Regierung jedoch auch den Arabern die Unabhängigkeit, um sich ihrer Unterstützung im Ersten Weltkrieg im Kampf gegen das untergehende Osmanische Reich zu versichern – ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Mit der wachsenden Einwanderung kommt es in den 1930er Jahren zu ersten Konflikten zwischen Arabern und Juden. Großbritannien sieht sich mehr und mehr dem Druck sowohl der arabischen als auch der jüdischen Bevölkerung ausgesetzt, da es seine jeweiligen Versprechen nicht eingehalten hat und zudem nun einen binationalen Staat anstrebt, den beide Parteien ablehnen. Zunehmend zermürbt durch die „bürgerkriegsähnlichen Unruhen und Zusammenstöße zwischen Juden, Arabern und Briten“[4] überträgt die britische Mandatsregierung[5] 1947 die Verantwortung an die neu gegründeten Vereinten Nationen, die im November die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Teil beschließen. Dies wird von den Juden akzeptiert, von den Palästinensern allerdings abgelehnt[6]. Infolge der Resolution kommt es zu Zusammenstößen, die sich bis März 1948 zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen paramilitärischen Gruppierungen beider Seiten steigern.

[...]


[1] Es existieren häufig zahlreiche unterschiedliche Namen für ein und denselben Konflikt. So tauchen in der Literatur u.a. die Begriffe „(Erster) Palästinakrieg“, „(Erster) Arabisch-israelischer Krieg/Konflikt“ und „Israelischer Unabhängigkeitskrieg“ als Bezeichnung für den Konflikt von 1948/49 auf. Hier erscheint mir der Begriff „Arabisch-israelischer Konflikt“ am neutralsten und eindeutigsten. Die Bezeichnung „Sechstagekrieg“ für den Konflikt von 1967 scheint mir (zumindest in unserem Kulturkreis) am gebräuchlichsten und treffendsten zu sein, wobei vor allem in der arabischen Literatur zum Thema häufig auch der Name „Junikrieg“ auftaucht.

[2] Keesing’s Research Report. The Arab-Israeli Conflict – The 1967 Campaign, S.2

[3] Keesing, S.2, vgl. Antar, Voraussetzungen eines existenzfähigen palästinensischen Staates, S.10

[4] Bernstein, Geschichte des Staates Israel 2, S.16

[5] Seit 1922 verwaltet Großbritannien Palästina als Mandatsgebiet

[6] Vgl. Hünseler, Entwicklung und internationale Verflechtung des Nahost-Konflikts, wo der Autor betont, dass lediglich die „Führer der zionistischen Bewegung“ dem Teilungsplan zustimmen, während sowohl der arabische, als auch der jüdische Bevölkerungsteil den Teilungsplan mehrheitlich ablehnt und auf den jeweiligen Maximalforderungen beharrt.

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Details

Titel
Die Etablierung des Staates Israel 1948 bis 1967
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Historischer Kompetenzerwerb am Beispiel der Geschichte des Nahostkonflikts
Autor
Jahr
2008
Seiten
7
Katalognummer
V232127
ISBN (eBook)
9783656484059
ISBN (Buch)
9783656483779
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
etablierung, staates, israel
Arbeit zitieren
Philipp Schmitz (Autor), 2008, Die Etablierung des Staates Israel 1948 bis 1967, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232127

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