Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen


Seminararbeit, 2012
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise

2 Grundlagen
2.1 Definition Gebrauchstauglichkeit nach Teil 10 und 110 der ISO-Norm
2.2 Die acht goldenen Regeln nach Ben Shneiderman
2.2.1 Überschneidungen und Abweichungen zur ISO-Norm
2.3 Fünf Punkte von Gebrauchstauglichkeit nach Jakob Nielsen
2.3.1 Überschneidungen und Abweichungen zur ISO-Norm

3 Entwicklung
3.1 Anforderungsanalyse
3.2 Produktivitätssteigerung durch Usability Management
3.3 Schulungen
3.4 Optimierungen im Echtbetrieb

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Normen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN EN ISO 9241-110

1 Einleitung

Für die ersten Entwicklungen von Programmen und Computern, spielte die Gebrauchstauglichkeit absolut keine Rolle. Damals war der Nutzer meist auch der Entwickler der Programme, oder bediente diese mit Hilfe seines vorhandenen Fachwissens. Das Hauptaugenmerk bei der Programmentwicklung lag, bis in die 60er Jahre hinein, in der Systemfunktionalität und Rechenzeit. Denn diese war deutlich teurer als die Arbeitszeit der Anwender.

Licklider beschrieb in seinem berühmten Artikel von 1960 „Man-Computer symbiosis“[1] die unterschiedlichen Datenverarbeitungsarten von Menschen und Maschinen und versuchte Lösungen zu finden, um die Zusammenarbeit enger und leichter zu gestalten. Sein Ziel war es, die Arbeit mit dem Computer auch Menschen zu ermöglichen, die weder Entwickler der Maschine oder Programmierer mit Fachwissen sind. Jedoch wurde damals die Notwendigkeit zur einfachen Nutzung, beispielsweise über grafische Oberflächen, nur von wenigen gesehen, sodass es noch bis in die 80er Jahre dauern sollte, bis die Programme von jedem Benutzer bedient werden konnten.

Heutzutage ist beinahe jeder täglich mit einem Computer in Interaktion. Sei es privat oder beruflich. Firmen achten daher beim Kauf von Software auf eine intuitive Oberfläche um dadurch die Fehleranfälligkeit oder notwendige Schulungen zu verringern. Im privaten Bereich kommt es auf eine einfache Bedienung von Internetseiten, beispielsweise beim Kauf von Produkten an, sowie auf einen simplen Aufbau des gesamten Systems. Der Laiennutzer möchte sich nicht mit den Eigenheiten seines Computers auseinandersetzten, sondern diesen bloß benutzen und leicht die gewünschten Ergebnisse erzielen können.[2]

1.1 Vorgehensweise

Die vorliegende Seminararbeit geht zu Beginn auf die Grundlagen der Gebrauchstauglichkeit, die vorhandenen ISO-Normen sowie die bereits davor verfassten Regeln von Shneiderman und Nielsen ein. Letztere haben bereits einige Jahre vor der ISO-Norm, über die Vorteile von Gebrauchstauglichkeit und den daraus möglichen Gewinn für Unternehmen geschrieben.

Anschließend wird die Entwicklung zu ergonomischer Software durch verschiedene Wissenschaften behandelt und die daraus resultierende Produktivitätssteigerung.

Zuletzt wird auf die Verfahren von einer erfolgreichen Software-Entwicklung eingegangen und im Fazit die Folgen einer Nichtbeachtung der Gebrauchstauglichkeit herausgestellt.

2 Grundlagen

Die Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen bezieht sich immer auf die Interaktion zwischen Mensch und Computer. Diese Kommunikation erfolgt zum einen durch die Eingabeobjekte wie z. B. eine Tastatur oder Maus, zum anderen durch die Reaktion des Computers über Rückmeldungen am Bildschirm oder akustische Signale. Die wesentliche Schnittstelle ist somit die Software, die diese Kommunikation ermöglicht. Die Software-Ergonomie befasst sich mit der Interaktion zwischen beiden Parteien und verfolgt die Zielsetzung, die Kommunikation ergonomisch und benutzerfreundlich zu gestalten. Dabei werden auch die physischen und psychischen Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen berücksichtigt, um danach die Software zu gestalten. Im wesentlichen soll durch eine aktive Software-Ergonomie die Bedienbarkeit des Computers sichergestellt, die gesundheitliche Belastung vermindert und die Arbeit erleichtert werden.[3] [4]

Die Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen beschreibt die Eigenschaft, die angestrebten Ziele, effektiv, effiziert und zufriedenstellend zu erreichen. Dem Benutzer sollen alle benötigten Funktionen verfügbar, sowie fehlerfrei bedienbar, sein um die Ansprüche zu erfüllen.[5]

Effektivität ist dabei der Grad der Genauigkeit und Vollständigkeit, mit dem der Nutzer das Ziel erreichen kann. Effizienz beschreibt den nötigen Aufwand, der zur Zielerreichung erforderlich ist und Zufriedenstellung beschreibt die positive Einstellung die der Nutzer bei der Benutzung des Produktes erfährt.[6]

2.1 Definition Gebrauchstauglichkeit nach Teil 10 und 110 der ISO-Norm

In der Literatur werden häufig die Begriffe Nutzerfreundlichkeit, Benutzbarkeit, Gebrauchstauglichkeit, Software-Ergonomie oder Usability als Synonym verwendet. Der englische Begriff Usability setzt sich dabei aus den Wortpaaren use (benutzen) und ability (Fähigkeit, Können) zusammen.[7] In der deutschen ISO-Norm 9241 wird der Begriff Usability mit Gebrauchstauglichkeit übersetzt.[8]

In der ISO-Norm 9241-110 werden sieben Eigenschaften aufgeführt, die ein gebrauchstaugliches Dialogsystem beschreiben. Diese Norm hat die ISO-Norm 9241 Teil 10 aus dem Jahre 1995 ersetzt und handelt von interaktiven Systemen, wie Webseiten oder Software und der Schnittstelle mit dem Benutzer. Die sieben Eigenschaften waren bereits in Teil 10 aufgeführt, wurden jedoch durch den neuen Teil 110 präzisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundsätze der Dialoggestaltung nach DIN EN ISO 9241-110[9]

1) Aufgabenangemessenheit: „Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.“[10] Darüber hinaus werden Empfehlungen und Beispiele zu Dialogen, Hilfe-Informationen, der Gestaltung und der automatischen Ausführung von möglichen Aufgaben aufgeführt. Es ist wichtig, dass der Nutzer die Arbeitsabläufe nachempfinden kann und daher in seiner gewohnten Arbeitsweise handeln kann.[11]
2) Selbstbeschreibungsfähigkeit: „Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird.“[12] Es werden hier diverse Punkte über die Erläuterungen und Rückmeldungen beschrieben, die ein gebrauchstauglicher Dialog aufweisen sollte. Ziel ist es, dass der Nutzer das Handbuch oder Hilfesystem nicht, oder nur selten benötigt.[13]
3) Steuerbarkeit: „Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.“[14] Die Punkte der Selbstbestimmung von Arbeitsgeschwindigkeit, Ablauf, Eingabe und Korrektur bzw. Rücknahme von Eingaben werden hier fokussiert. Der Nutzer hat die volle Kontrolle und kann die Software an seine Bedürfnisse anpassen. Je mehr der Ablauf beeinflusst werden kann, desto steuerbarer ist dieser.[15]
4) Erwartungskonformität: „Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z. B. den Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet, der Ausbildung und der Erfahrung des Benutzers sowie den allgemein anerkannten Konventionen.“[16] Das Dialogverhalten im Bezug zur einheitlichen Darstellung, Bezeichnung, Verfahren, Rückmeldung und Antwortzeiten wird beschrieben. Es geht hierbei um die Erfahrungen die ein Nutzer mit der Software macht und diese auf vergleichbare Situationen übertragen kann. Wenn dies möglich ist, und konsistente Rückmeldungen gegeben werden, entspricht der Dialog der Erwartungskonformität.[17]
5) Fehlertoleranz: „Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand durch den Benutzer erreicht werden kann.“[18] Der Nutzer soll Hinweise zu Fehlern erhalten, diese sollen wenn vom Dialog selbsttätig korrigiert mit einem Hinweis versehen werden, nicht zu Abstürzen führen sowie den Zeitpunkt der Korrektur dem Nutzer überlassen. Die Auswirkungen von fehlerhaften Eingaben sollen für den Nutzer minimiert sowie die Schadensbegrenzung optimiert werden.[19]
6) Individualisierbarkeit: „Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe, individuelle Vorlieben des Benutzers und Benutzerfähigkeiten zulässt.“[20] Es soll die Möglichkeit von anpassbaren Dialogfunktionen existieren, jedoch mit der Einschränkung, dass der Nutzer nicht Beeinträchtigungen durch die Individualisierung hervorrufen kann. Auch soll das System bereits in der Ausgangsbasis ergonomisch gestaltet sein.[21]
7) Lernförderlichkeit: „Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er dem Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet.“[22] Ebenfalls soll der Nutzer mit zunehmender Dauer einen Lerneffekt erhalten, mit dem er die Tätigkeiten schneller und besser durchführen kann.[23]

[...]


[1] Vgl. Licklider, J. C. R. (1960), S. 4-11

[2] Vgl. Glier, M. (2006), S. 8

[3] Vgl. Neuhaus, R. (2003), S. 137

[4] Vgl. Heinecke, A. M. (2012), S. 26

[5] Vgl. Thielsch, M. T. (2008), S. 15

[6] Vgl. Glier, M. (2006), S. 33

[7] Vgl. Abele, P. / Huertienne, J. / Prümper, J. (2007), S. XIII

[8] Vgl. DIN EN ISO 9241-11 (1998), S. 1

[9] Vgl. Abele, P. / Hurtienne, J. / Prümper, J. (2007), S. 61

[10] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 5

[11] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 9

[12] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 6

[13] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 10

[14] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 8

[15] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 10

[16] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 9

[17] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 11

[18] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 10 f.

[19] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 12

[20] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 11 f.

[21] Vgl. DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 11

[22] DIN EN ISO 9241-110 (2006), S. 12 f.

[23] Vgl. Balzert, H. / Klug, U / Pampuch, A. (2009), S. 12

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Information & Knowledge Management
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V232144
ISBN (eBook)
9783656487265
ISBN (Buch)
9783656492252
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jakob Nielsen, Usability Management, DIN EN ISO 9241-110
Arbeit zitieren
Adrian Kaschuba (Autor), 2012, Gebrauchstauglichkeit von Informationssystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232144

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