Laut der Lernspirale von Kolb gilt das interaktive Lernen als die effizienteste Technik, um Wissen zu verinnerlichen. Frei nach dem Prinzip SchülerInnen lernen von SchülerInnen kann dadurch ein größtmöglicher Lernerfolg erzielt werden. Lernmethoden, bei denen dieses Prinzip besondere Berücksichtigung findet, sind die sogenannten interaktiven Lernmethoden, zu denen auch Planspiele gehören. Dabei müssen Planspiele nicht immer im schulischen Kontext stattfinden. Es gibt im Rahmen von Maßnahmen zur politischen Bildung eine Vielzahl von Planspielen, die politische Prozesse simulieren und in außerschulischen Einrichtungen stattfinden: Planspiele des Deutschen Bundestages, des Europäischen Parlamentes oder die Simulation von Politik und internationaler Sicherheit (POL&IS) der Bundeswehr. Die längste Tradition der Planspiele im Sektor der politischen Bildung haben allerdings die Simulationen der Vereinten Nationen. Ihre Ursprünge lassen sich bis zu den Zeiten des Völkerbundes zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück verfolgen. Damals noch unter dem Namen „Model League of Nations Assembly“, mit den Wurzeln im nord-östlichen Teil der USA, wurden sie 1947, also zwei Jahre nach Gründung der Vereinten Nationen, umbenannt zu Model United Nations (vgl. Muldoon 1995: 28). Auf genau diesen Model United Nations liegt der Fokus dieser Arbeit; genauer gesagt auf deren Nutzen für die TeilnehmerInnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Teil I: Theoretische Grundlagen
2. Model United Nations – A ‘hands-on’ experience
2.1 Das Potenzial von MUNs
2.2 Kompetenzerwerb durch MUNs – Forschungsstand
3. Kompetenzmessung
3.1 Kompetenzbegriff und Kompetenzmessung in Bildungsinstitutionen
3.1.1 Kompetenzmodelle
3.1.2 Konzepte von Kompetenzdimensionen
3.1.3 Zusammenfassende Einschätzung der Kompetenzdiagnostik in Bildungsinstitutionen
3.2 Kompetenzmessung in Unternehmen
3.2.1 Das Kasseler-Kompetenz-Raster
3.2.2 Methodische Realisierung
3.2.3 Zwischenfazit
Teil II: Die empirische Studie
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Festlegung der Forschungsfrage
4.2 Festlegung der Erhebungsmethode – Das Gruppeninterview
4.3 Ressourcen
4.4 Auswahl der Stichprobe
4.4.1 Münster University International Model United Nations (MUIMUN)
4.4.2 NextGeneration – Schülerinnen und Schüler bei MUIMUN
4.5 Konzeption des Leitfadens
4.6 Transkription
4.7 Reflexion der Interviews
5. Auswertung
5.1 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring – Methodologische Grundlagen
5.1.1 Durchführungsmerkmale der qualitativen Inhaltsanalyse
5.1.2 Ablaufmodell der Analyse
5.2 Qualitative Inhaltsanalyse – Praktische Anwendung
5.2.1 Erster Schritt: Bestimmung der Analyseeinheiten
5.2.2 Dritter Schritt: Bestimmung der Ausprägungen (theoriegeleitet)/ Zusammenstellung des Kategoriensystems
5.2.3 Vierter Schritt: Formulierung von Definitionen, Ankerbeispielen, Kodierregeln
5.2.3.1 Fachliche Kompetenz
5.2.3.2 Methodenkompetenz
5.2.3.3 Soziale Kompetenz
5.2.3.4 Persönliche Kompetenz
5.2.4 Siebter Schritt: Überarbeitung, gegebenenfalls Revision des Kategoriensystems und Kategoriendefinition
6. Ergebnisaufbereitung und Analyse
6.1 Fallübergreifende Ergebnisse
6.1.1 Fachkompetenz
6.1.2 Methodenkompetenz
6.1.3 Sozialkompetenz
6.1.4 Persönliche Kompetenz
6.2 Ausgewählte Fallbeispiele
6.2.1 Fall A
6.2.2 Fall B
6.3 Zusammenfassende Ergebnispräsentation
Teil III: Einordnung und Diskussion der Ergebnisse
7. Reflexion und Ergebnisdiskussion
7.1 Einordnung in den Forschungsstand
7.2. Qualitativer Forschungsprozess
7.3 Kompetenzdiagnostik
7.3.1 Kompetenzmodelle
7.3.2 Kompetenzdimensionen
7.4 Rückschlüsse auf MUIMUN
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Kompetenzzuwachs durch die Teilnahme an Model United Nations (MUN)-Konferenzen empirisch zu erfassen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Teilnahme an MUIMUN auf die Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern auswirkt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den vier Dimensionen der Handlungskompetenz liegt.
- Didaktisches Potenzial und Kompetenzerwerb bei Planspielen wie Model United Nations
- Kompetenzdiagnostik im Bildungssektor und in Unternehmen
- Anwendung und Transfer des "Kasseler-Kompetenz-Rasters" (KKR) auf den MUN-Kontext
- Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der Gruppeninterviews
- Empirische Untersuchung der Entwicklung von Fach-, Methoden-, Sozial- und persönlicher Kompetenz
Auszug aus dem Buch
2.1 DAS POTENZIAL VON MUNS
Nachdem zunächst eine Definition von MUNs im Allgemeinen gegeben wurde, soll nun ein Überblick darüber folgen, wie die einschlägige Literatur den didaktischen Wert von MUNs darstellt. Dies stellt den Anknüpfungspunkt für die daraus abzuleitende Dringlichkeit dar, im Bereich des Kompetenzerwerbs durch MUNs zu forschen.
Eine MUN-Konferenz ist aus didaktischer Sicht den Planspielen zuzuordnen und hat als Methode des simulativen Handelns den Anspruch, einen realen Prozess möglichst realitätsgetreu zu imitieren (vgl. Eichert/Hebel 2005). Dabei geht der Lernprozess über das bloße passive Lesen hinaus, denn die Delegierten erleben am eigenen Leib in ihrer Rolle als UN-DiplomatInnen, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen und Handlungen (vgl. Hazleton/Mahurin 1986: 150). Miller Levy beschreibt MUNs als weltgrößtes Programm zur politischen Bildung, an dem jährlich mehr als 400.000 TeilnehmerInnen partizipieren (vgl. Miller Levy 2011: 56). Somit tragen MUNs dazu bei, dass Effekte und Kausalitäten von politischen Systemen und Strukturen verstanden werden, die internationale Ergebnisse beeinflussen (vgl. McIntosh 2001: 271). Die Erfahrungen durch die Vorbereitung und Durchführung der Simulation sensibilisieren TeilnehmerInnen für diplomatische Verfahren und die Komplexität von politischen Entscheidungsprozessen. Sie erfahren dadurch, warum Verhandlungen auf internationalem Parkett oftmals als schwerfällig und komplex verschrien sind und entwickeln ein Gefühl für die Problematiken, die mit Entscheidungsfindungsprozessen und dem Erreichen eines Konsenses bei den Vereinten Nationen einher gehen (vgl. McIntosh 2001: 168). Wesel sieht in der Notwendigkeit, die eigene Perspektive zurückzustellen und eine fremde einzunehmen außerdem das Potenzial, Vorurteile abzubauen und Haltungen gegenüber bestimmten Themen zu entwickeln bzw. schon bestehende Meinungen kritisch zu reflektieren (vgl. Wesel 2000: 575).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und erläutert die Bedeutung von Planspielen wie MUNs für die Kompetenzentwicklung sowie das wissenschaftliche Interesse an der empirischen Erfassung dieses Zuwachses.
2. Model United Nations – A ‘hands-on’ experience: Hier wird der Gegenstandsbereich MUN definiert und deren didaktischer Wert im Kontext politischer Bildung durch den Bezug auf Forschungsergebnisse begründet.
3. Kompetenzmessung: Dieses Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über Kompetenzmodelle in Bildungsinstitutionen und Unternehmen und führt das Kasseler-Kompetenz-Raster als Grundlage für die Arbeit ein.
4. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Erhebungsmethode (Gruppeninterview) und die Auswahl der Stichprobe im Rahmen der MUIMUN-Konferenz.
5. Auswertung: Hier wird das Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring erläutert und die methodologische Anwendung auf das erhobene Interviewmaterial konkretisiert.
6. Ergebnisaufbereitung und Analyse: Die Ergebnisse der Interviews werden hier nach Kompetenzdimensionen aufbereitet und anhand von Fallbeispielen detailliert analysiert.
7. Reflexion und Ergebnisdiskussion: Dieses Kapitel setzt die gewonnenen Erkenntnisse in Bezug zum aktuellen Forschungsstand und reflektiert kritisch den gewählten Forschungsprozess.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftiges Forschungspotenzial im Bereich der Kompetenzdiagnostik.
Schlüsselwörter
Model United Nations, MUN, Kompetenzentwicklung, Kompetenzdiagnostik, Handlungskompetenz, Kasseler-Kompetenz-Raster, Qualitative Inhaltsanalyse, Politische Bildung, Didaktik, Gruppeninterview, Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Persönliche Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Kompetenzzuwachs bei Teilnehmern von Model United Nations (MUN)-Konferenzen. Ziel ist es, empirisch zu erfassen, inwiefern Schülerinnen und Schüler während einer solchen Konferenz ihre Fach-, Methoden-, Sozial- und persönliche Kompetenz weiterentwickeln.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die didaktische Bedeutung von MUNs, der theoretische Kompetenzbegriff in der Bildungswissenschaft und Unternehmensforschung sowie die qualitative Erfassung und Messung von Kompetenzentwicklungen bei Jugendlichen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie wirkt sich die Teilnahme an MUIMUN auf die Kompetenzentwicklung der TeilnehmerInnen aus, speziell in Bezug auf Fach-, Methoden-, Sozial- und persönliche Kompetenz?“
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt ein qualitatives Vorgehen. Zur Erhebung der Daten dienen leitfadengestützte Gruppeninterviews mit Schülerinnen und Schülern vor und nach der MUIMUN-Konferenz. Die Auswertung erfolgt mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, in denen das Kasseler-Kompetenz-Raster als Instrument adaptiert wird, und den empirischen Teil. Dort werden das methodische Vorgehen, die Datenerhebung und die systematische Auswertung der Interviews detailliert dargestellt und analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Model United Nations", "Handlungskompetenz", "Kompetenzdiagnostik", "Qualitative Inhaltsanalyse" und "Politische Bildung" definieren.
Warum wurde das "Kasseler-Kompetenz-Raster" (KKR) für die Studie gewählt?
Das KKR wurde gewählt, da es eine verhaltensbasierte Operationalisierung der vier Dimensionen der Handlungskompetenz (fachliche, methodische, soziale und persönliche Kompetenz) ermöglicht, die für den interaktiven und auf Gruppenprozesse ausgerichteten Kontext von MUN-Konferenzen besonders geeignet ist.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Kompetenzentwicklung?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Teilnahme an MUIMUN zu einer positiven Kompetenzentwicklung in allen untersuchten Dimensionen führt, wobei die Intensität der Entwicklung je nach Kompetenzbereich und Fall unterschiedlich ausfällt.
- Arbeit zitieren
- Christina Müller (Autor:in), 2012, Kompetenzentwicklung durch Model United Nations, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232164