Die Bilanzierung von zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten und aufgegebenen Geschäftsbereichen nach IFRS 5


Bachelorarbeit, 2012
38 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überblick über die unter IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen und ihre bilanzielle Behandlung

3. Definition und Klassifikation der unter IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen
3.1 Langfristige Vermögenswerte
3.2 Veräußerungsgruppen
3.3 aufgegebene Geschäftsbereiche
3.4 Kriterium „zur Veräußerung gehalten“
3.5 Kriterien „veräußert“ und „stillgelegt“
3.6 Zeitpunkt der erstmaligen Klassifikation

4. Bewertung nach IFRS 5
4.1 Erstbewertung nach IFRS 5
4.1.1 Ermittlung des Buchwertes unmittelbar vor dem Zeit- punkt der erstmaligen Klassifikation
4.1.2 Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich der Veräußerungskosten im Zeitpunkt der erstmaligen Klassifikation
4.1.3 Bewertung mit dem niedrigeren Betrag aus Buchwert und beizulegendem Zeitwert abzüglich der Veräuße- rungskosten
4.2 Folgebewertung nach IFRS 5
4.2.1 Ermittlung des Buchwertes unmittelbar vor dem Zeit- punkt der Folgebewertung
4.2.2 Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes abzüglich der Veräußerungskosten im Zeitpunkt der Folgebewertung
4.2.3 Bewertung mit dem beizulegenden Zeitwert abzüglich der Veräußerungskosten, sofern die Wertobergrenze nicht überschritten wird
4.3 Bewertung im Zeitpunkt der Veräußerung
4.4 Bewertung bei Wegfall der Klassifizierung als „zur Veräuße- rung gehalten“

5. Ausweis und Angaben nach IFRS 5
5.1 Ausweis- und Anhangsvorschriften für langfristige Vermö- genswerte und Veräußerungsgruppen
5.2 Ausweis und Anhangsvorschriften für aufgegebene Ge- schäftsbereiche
5.3 Ausweis von IFRS 5-Posten in den Abschlüssen deutscher DAX30-Unternehmen
5.4 Ausweis von IFRS 5-Posten im Konzernabschluss der Deutschen Post AG 2008

6. Kritische Würdigung der Gesamtkonzeption von IFRS 5

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Rechtsquellen

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Übersicht über IFRS

Abbildung 2 IFRS 5-Posten ausgewählter DAX30-Unternehmen

Abbildung 3 Anteil der IFRS 5-Vermögenswerte an der Bilanzsumme

Abbildung 4 Durchschnittlicher Anteil der IFRS 5-Vermögenswerte an der Bilanzsumme

Abbildung 5 Gewinn- und Verlustrechnung per 31.12.2008 der Deutschen Post AG

Abbildung 6 Konzernbilanz per 31.12.2008 der Deutschen Post AG

Abbildung 7 Ausschnitt aus dem Anhang per 31.12.2008 der Deutschen Post AG – Hauptklassen der zur Veräußerung gehaltenen Vermögens- positionen nach IFRS 5.38

Abbildung 8 Ausschnitt aus dem Anhang per 31.12.2008 der Deutschen Post AG – Aufgliederung des Ergebnisses aus aufgegebenen Ge- schäftsbereichen nach IFRS 5.33(b)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die internationalen Märkte sind seit Beginn der 1980er Jahre durch eine fortschreitende Globalisierung sowie eine daraus resultierende Zunahme der Wettbewerbsintensität und

-dynamik gekennzeichnet. Darauf reagierten die Unternehmen zunächst weitgehend mit Diversifizierungsstrategien, wobei es vielfach zu Fusionen mit anderen Unternehmen kam. In den letzten Jahren ist jedoch ein gegenläufiger Trend erkennbar. Die Unternehmen versuchen sich vermehrt auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren und diese zu stärken. Um dies zu erreichen führen sie verschiedene Umstrukturierungsmaßnahmen durch, die sich insbesondere auf die Veräußerung oder Stilllegung einzelner Vermögenswerte oder ganzer Geschäftsbereiche richten.[1] So veräußerte etwa die Lufthansa im Februar 2007 ihre Halbtochter, den Reiseveranstalter Thomas Cook,[2] die Allianz ihr Tochterunternehmen Dresdner Bank im Mai 2009[3] und die Deutsche Post die Postbank im Februar 2009.[4]

Im Gegensatz zum deutschen Gesetzgeber hat das IASB auf diese Entwicklungen reagiert,[5] indem es zunächst den IAS 35 erlassen hat. Dieser Standard wurde am 01. Januar 2005 durch den IFRS 5 „Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche“ ersetzt und seitdem mehrfach überarbeitet.[6] Anders als der IAS 35 regelt IFRS 5 nicht nur den Ausweis und die Anhangsangaben von bestimmten Vermögenswerten und aufgegebenen Geschäftsbereichen, sondern auch deren Bewertung, wobei die Vorschriften des IFRS 5 an die Stelle der einschlägigen Standards treten. Lediglich der Ansatz der Vermögenswerte und aufgegebenen Geschäftsbereiche in der IFRS-Bilanz erfolgt nach den allgemeinen Vorschriften, insbesondere die des IAS 16 „Sachanlagen“.[7] Bei dem IFRS 5 handelt es sich dabei um den ersten Standard, der vom IASB im Rahmen des Konvergenzprojektes mit dem FASB verabschiedet wurde und substantiell mit den Regelungen von US-GAAP konvergierte.[8]

Ziel des IFRS 5 – genau wie jedes anderen Standards auch – ist es, den Abschlussadressaten entscheidungsnützliche Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens bereitzustellen.[9] Dazu versucht der IFRS 5 den Abschlussadressaten zu ermöglichen, die finanziellen Auswirkungen bereits durchgeführter oder zukünftig geplanter Veräußerungen oder Stilllegungen von bestimmten Vermögenswerten und Geschäftsbereichen beurteilen zu können.[10] Die Abschlussadressaten sollen zwischen auch zukünftig zu erwartenden und zukünftig nicht mehr gegebenen Aktivitäten eines Unternehmens unterscheiden können.[11] Ob und inwieweit diese Ziele durch IFRS 5 erreicht oder zumindest gefördert werden, soll an späterer Stelle noch ausführlich betrachtet und beurteilt werden.

Das Thema dieser Bachelorarbeit ist „Die Bilanzierung von zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten und aufgegebenen Geschäftsbereichen nach IFRS 5“. Dabei soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Herausstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der bilanziellen Behandlung der verschiedenen unter IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen sowie auf der kritischen Beurteilung dieses Standards hinsichtlich der Bereitstellung entscheidungsnützlicher Informationen und der Einräumung bilanzpolitischer Gestaltungsspielräume liegen. Dazu wird in Abschnitt 2 zunächst ein kurzer Überblick über die unter IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen und ihre bilanzielle Behandlung gegeben. Anschließend werden die einzelnen unter den IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen näher definiert werden. Des Weiteren soll geklärt werden, unter welchen Voraussetzungen und zu welchem Zeitpunkt Vermögenswerte als derartige unter IFRS 5 fallende Vermögenspositionen zu klassifizieren sind. Anknüpfend daran wird die Bewertung von zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten, Veräußerungsgruppen und aufgegebenen Geschäftsbereichen in der IFRS-Bilanz einer näheren Betrachtung unterzogen. Kombiniert mit einem Praxisbeispiel wird in Abschnitt 5 auf die Ausweis- und Anhangsvorschriften eingegangen. Die kritische Beurteilung einzelner behandelter Aspekte erfolgt jeweils an entsprechender Stelle innerhalb der Kapitel, bevor in Abschnitt 6 IFRS 5 in seiner Gesamtkonzeption einer kritischen Würdigung unterzogen wird. Abgeschlossen wird diese Bachelorarbeit mit einer kurzen Zusammenfassung der vorherigen Abschnitte.

2. Überblick über die unter IFRS 5 fallenden Vermögenspositionen und ihre bilanzielle Behandlung

In den Anwendungsbereich des IFRS 5 fallen grundsätzlich verschiedene Vermögenspositionen: zum einen zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte (non-current assets held for sale) und Veräußerungsgruppen (disposal groups held for sale), und zum anderen zur Veräußerung gehaltene, veräußerte oder stillgelegte aufgegebene Geschäftsbereiche (discontinued operations). Der Umfang der Anwendung von IFRS 5 auf diese Positionen unterscheidet sich dabei zum Teil erheblich. Einen Überblick über die unter IFRS 5 fallenden Vermögenswerte und ihre bilanzielle Behandlung gibt die folgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick über IFRS 5[12]

3. Definition und Klassifikation der unter IFRS 5 fallenden Vermögenswerte

3.1. Langfristige Vermögenswerte

Zunächst fallen unter IFRS 5 langfristige Vermögenswerte. Der Begriff des langfristigen Vermögenswertes wird in den IFRS nicht explizit, sondern lediglich in negativer Abgrenzung von den kurzfristigen Vermögenswerten (current assets) definiert.[13] Ein kurzfristiger Vermögenswert ist dabei jeder Vermögenswert, der mindestens eine der folgenden Eigenschaften aufweist[14]:

(1) Die Realisierung des Vermögenswertes wird innerhalb des normalen Geschäftszyklus erwartet oder er wird zum Verkauf oder Verbrauch innerhalb dieses Zeitraums gehalten.
(2) Der Vermögenswert wird primär zu Handelszwecken gehalten.
(3) Die Realisierung des Vermögenswertes wird innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abschlussstichtag erwartet.
(4) Es handelt sich bei dem Vermögenswert um Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente.
Langfristige Vermögenswerte lassen sich dem IAS 1.67 folgend grundsätzlich untergliedern in Sachanlagen (z.B. Gebäude, technische Anlagen, Maschinen) und langfristige immaterielle Vermögenswerte (z.B. Geschäfts- oder Firmenwert).[15]

3.2 Veräußerungsgruppen

Neben den langfristigen Vermögenswerten fallen auch Veräußerungsgruppen in den Anwendungsbereich von IFRS 5. Eine Veräußerungsgruppe ist definiert als eine Gruppe von Vermögenswerten, die gemeinsam in einer einzigen Transaktion durch Verkauf oder auf andere Weise[16] veräußert werden sollen.[17] Die Formulierung „gemeinsam in einer einzigen Transaktion“ ist dabei so zu interpretieren, dass die Veräußerungsgruppe im Ganzen an einen einzigen Erwerber verkauft wird und nicht etwa in einzelnen Teilen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedliche Erwerber.[18]

Neben Vermögenswerten kann eine Veräußerungsgruppe auch die mit diesen Vermögenswerten direkt in Verbindung stehenden Schulden umfassen, die bei dieser Transaktion mit übertragen werden.[19] Schulden, die hingegen nicht vom Erwerber übernommen, sondern aus dem Verkaufserlös für die Veräußerungsgruppe getilgt werden sollen, gehören folglich nicht zu dieser.[20] Die in der Veräußerungsgruppe enthaltenen Vermögenswerte beschränken sich dabei nicht nur auf langfristige Vermögenswerte, sondern können auch kurzfristige Vermögenswerte sowie Vermögenswerte, die gem. IFRS 5.5 nicht unter die Bewertungsvorschriften von IFRS 5 fallen[21], umfassen.[22] Eine Veräußerungsgruppe könnte sich sogar ausschließlich aus kurzfristigen Vermögenswerten zusammensetzen, was aus bilanzanalytischer Sicht jedoch lediglich von geringem Interesse wäre.[23]

Bei Veräußerungsgruppen handelt es sich außerdem um Gruppen von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, einzelne zahlungsmittelgenerierende Einheiten oder Teile von diesen.[24] Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit ist dabei die kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten, die Mittelzuflüsse erzeugen und die weitestgehend unabhängig von den Mittelzuflüssen anderer Vermögenswerte oder Gruppen von diesen sind.[25]

3.3 Aufgegebene Geschäftsbereiche

Aufgegebene Geschäftsbereiche stellen die dritte und letzte Position dar, auf die IFRS 5 anzuwenden ist. Diese weist eine Vielzahl an Gemeinsamkeiten mit den zuvor erläuterten Veräußerungsgruppen auf. Letztlich handelt es sich bei jedem aufgegebenen Geschäftsbereich auch um eine (spezielle) Veräußerungsgruppe, was umgekehrt jedoch nicht unbedingt der Fall ist.[26] Ein aufgegebener Geschäftsbereich ist ein Unternehmensbestandteil, der als „zur Veräußerung gehalten“, „veräußert“ oder „stillgelegt“ klassifiziert wurde[27] und der außerdem eine der folgenden Eigenschaften aufweist:

(1) Der Unternehmensbestandteil stellt einen gesonderten, wesentlichen Geschäftszweig oder geografischen Bereich dar.

Auf den Begriff des wesentlichen Geschäftszweigs oder geografischen Bereichs wird in IFRS 5 nicht näher eingegangen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass insbesondere berichterstattungspflichtige Geschäftssegmente i.S.d. IFRS 8, oder bestimmte Teile von diesen, regelmäßig derartige wesentliche Geschäftszweige oder geografische Bereiche darstellen. Auch beim Verkauf einer Marke kann es sich im Einzelfall um einen wesentlichen Geschäftszweig oder geografischen Bereich handeln. Die Einstellung oder der Ersatz von einzelnen Produkten einer Produktlinie sowie die Stilllegung einer Produktionsstätte begründen hingegen i.d.R. keinen wesentlichen Geschäftszweig oder geografischen Bereich.[28]

(2) Der Unternehmensbestandteil ist Teil eines einzelnen, abgestimmten Plans zur Veräußerung oder Stilllegung[29] eines gesonderten wesentlichen Geschäftszweigs oder geografischen Geschäftsbereichs.

Daraus folgt, dass ein wesentlicher Geschäftsbereich oder geografischer Bereich auch dann einen aufgegebenen Geschäftsbereich darstellt und dementsprechend zu behandeln ist, wenn dieser nicht im Ganzen an einen einzelnen Erwerber veräußert wird, sondern in verschiedenen Teilen an mehrere verschiedene Erwerber, soweit sich dies im Rahmen eines einzelnen, abgestimmten Plans vollzieht.[30] Entsprechendes gilt für eine sukzessive Stilllegung.[31]

(3) Der Unternehmensbestandteil stellt ein Tochterunternehmen dar, das ausschließlich mit der Absicht einer Weiterveräußerung erworben wurde.[32]

Wurde ein Tochterunternehmen ohne Weiterveräußerungsabsicht erworben, so ist zu prüfen, ob es u.U. eine der zuvor genannten Eigenschaften erfüllt und folglich doch als aufgegebener Geschäftsbereich zu klassifizieren ist.[33]

Ein Unternehmensbestandteil ist dabei definiert als ein Geschäftsbereich und die zugehörigen Cashflows, die betrieblich und für die Zwecke der Rechnungslegung vom restlichen Unternehmen klar abgegrenzt werden können. Während seiner Nutzung war dieser Unternehmensbestandteil eine zahlungsmittelgenerierende Einheit oder eine Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten.[34] Daraus folgt, dass ein Unternehmensbestandteil, der während seiner Nutzung kleiner als eine zahlungsmittelgenerierende Einheit war, keinen Unternehmensbestandteil darstellt.[35]

Für aufgegebene Geschäftsbereiche sieht IFRS 5 die umfassendsten Ausweis- und Anhangsvorschriften vor, weshalb die Abgrenzung zwischen aufgegebenen Geschäftsbereichen und Veräußerungsgruppen von hoher Bedeutung ist.[36] Im Wesentlichen lassen sich zwei Unterschiede zwischen aufgegebenen Geschäftsbereichen und Veräußerungsgruppen feststellen: Zum einen können Veräußerungsgruppen Teil einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit und somit kleiner als eine zahlungsmittelgenerierende Einheit sein, aufgegebene Geschäftsbereiche hingegen nicht. Außerdem muss die Veräußerung eines aufgegebenen Geschäftsbereichs im Gegensatz zu einer Veräußerungsgruppe nicht in einer einzigen Transaktion im Ganzen[37] an einen einzigen Erwerber erfolgen, sondern durchaus auch in mehreren Teiltransaktionen an mehrere verschiedene Erwerber.

Trotz dieser beiden wesentlichen Unterschiede ist die Abgrenzung zwischen aufgegebenen Geschäftsbereichen und Veräußerungsgruppen fließend und es besteht zum Teil ein erheblicher bilanzpolitischer Ermessensspielraum.[38] Dieser Ermessensspielraum kann als implizites Wahlrecht durch den Bilanzierenden ausgenutzt werden, im Rahmen dessen Gewinne bzw. Verluste potenzieller aufgegebener Geschäftsbereiche je nach Sachverhaltsgestaltung separat oder im laufenden Ergebnis ausgewiesen werden können.[39]

Dieser Abgrenzungsproblematik entgegenwirkend strebt das IASB seit April 2007 im Rahmen eines Endorsement-Projekts die Überarbeitung und Verfeinerung der Definition des Begriffs des aufgegebenen Geschäftsbereichs an. Im Ergebnis hat es im September 2008 einen entsprechenden Standardentwurf – den ED IFRS 5.32 – herausgegeben, wonach ein Unternehmensbestandteil nur noch dann als aufgegebener Geschäftsbereich klassifiziert werden soll, sofern das bilanzierende Unternehmen einen strategischen Wechsel im operativen Geschäft vorgenommen hat.[40] Nach diesem Entwurf soll ein aufgegebener Geschäftsbereich zukünftig als ein Unternehmensbestandteil definiert werden, der:

(1) einem berichterstattungspflichtigen Geschäftssegment i.S.d. IFRS 8 entspricht und vom Unternehmen entweder bereits veräußert wurde bzw. als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert wurde, oder
(2) einen Geschäftsbetrieb i.S.d. IFRS 3 darstellt und zum Zeitpunkt des Erwerbs als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert wurde

Die bisherige, relativ weit und abstrakt gefasste Definition eines aufgegebenen Geschäftsbereichs wird durch diesen Standardentwurf stärker auf die zwei zuvor genannten Sachverhalte fokussiert. Dadurch werden die Möglichkeiten für Unternehmen, fast alle Arten von Geschäftsaufgaben als aufgegebenen Geschäftsbereich zu klassifizieren, reduziert. Der aktuell gültige IFRS 5 wird durch den neuen Standardentwurf folglich wirksam ergänzt.[41] Gegenwärtig ruht das Endorsement-Projekt allerdings und es bleibt unklar, ob und wann der Standardentwurf tatsächlich in Kraft treten wird.[42]

3.4 Kriterium „zur Veräußerung gehalten“

Langfristige Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen fallen nur dann unter die Bilanzierungsvorschriften des IFRS 5, wenn sie als „zur Veräußerung gehalten“ einzustufen sind. Entsprechendes gilt für aufgegebene Geschäftsbereiche, sofern diese nicht als „stillgelegt“ oder „veräußert“[43] klassifiziert wurden.

Ein langfristiger Vermögenswert, eine Veräußerungsgruppe oder ein aufgegebener Geschäftsbereich ist dann als „zur Veräußerung gehalten“ zu klassifizieren, wenn der zugehörige Buchwert überwiegend durch ein Veräußerungsgeschäft und nicht durch fortgesetzte Nutzung realisiert wird.[44] Der Buchwert wird dabei überwiegend durch ein Veräußerungsgeschäft realisiert, wenn der langfristige Vermögenswert, die Veräußerungsgruppe oder der aufgegebene Geschäftsbereich die folgenden Eigenschaften kumulativ erfüllt[45]:

(1) Der langfristige Vermögenswert, die Veräußerungsgruppe oder der aufgegebene Geschäftsbereich ist im gegenwärtigen Zustand sofort veräußerbar.

Nicht im gegenwärtigen Zustand sofort veräußerbar sind in Anlehnung an die Guidance on Implementing etwa Gebäude, die vor dem Verkauf erst noch renoviert[46] oder abgerissen und neu gebaut[47] werden sollen. Gleiches gilt für Fabrikgebäude, in denen zunächst noch bestehende Aufträge abgearbeitet werden sollen.[48]

[...]


[1] vgl. Zülch, H./ Lienau, A. (2005), S. 391

[2] vgl. „Karstadt-Quelle zahlt Lufthansa aus“, Handelsblatt, 22.12.2006

[3] vgl. „Dresdner Bank: Das Ende einer Ära“, Handelsblatt, 11.05.2009

[4] vgl. „Post erhält Barmittel früher als erwartet“, Handelsblatt, 25.02.2009

[5] vgl. Küting, K./ Wirth, J. (2006), S. 719

[6] vgl. IFRS 5.44 i.V.m. IFRS 5.45 und IFRS 5.44A bis 5.44I

[7] vgl. Lüdenbach, N./ Hoffmann, W.-D. (2012), §29 Rn. 2

[8] vgl. Blom, M./ Baur, D. (2006), S. 896

[9] vgl. IAS 1.9 i.V.m. F.12

[10] vgl. IFRS 5.30

[11] vgl. Lüdenbach, N./ Hoffmann, W.-D. (2012), §29 Rn. 1

[12] in Anlehnung an KPMG (2004), S. 180 und Lüdenbach, N./ Hoffmann, W.-D. (2012), §29 Rn. 5

[13] vgl. IFRS 5 Appendix A „langfristiger Vermögenswert“

[14] vgl. IFRS 5 Appendix A „kurzfristiger Vermögenswert“ (in Übereinstimmung mit IAS 1.66)

[15] vgl. Maas, J./ Back, C./ Singer, K. (2011), S. 212 Rn. 18

[16] u.a. durch Tausch; dazu ausführlich u.a. Wolff, P./ Robinson, T. (2009), §28 Rn. 12

[17] vgl. IFRS 5 Appendix A „Veräußerungsgruppe“ i.V.m. IFRS 5.4

[18] vgl. Maas, J./ Back, C./ Singer, K. (2011), S. 213 (Rn. 21)

[19] vgl. IFRS 5 Appendix A „Veräußerungsgruppe“ i.V.m. IFRS 5.4

[20] vgl. IDW (2012), RS HFA 2, Rn. 96

[21] Näheres zu den Vermögenswerten, die nicht unter die Bewertungsvorschriften des IFRS 5 fallen siehe Abschnitt 4.

[22] vgl. IFRS 5.4 Satz 3

[23] vgl. Leippe, B. (2012), S. 777 Rn. 4224

[24] vgl. IFRS 5.4 Satz 2

[25] vgl. IFRS 5 Appendix A „zahlungsmittelgenerierende Einheit“

[26] vgl. Poerschke, K. (2006), S. 91

[27] vgl. Prechtl, S./ Schuster, L. (2010), S. 427

[28] vgl. IDW (2012), RS HFA 2, Rn. 108

[29] vgl. Prechtl, S./ Schuster, L. (2010), S. 428 und Lüdenbach, N./ Hoffmann, W.-D. (2012), §29 Rn. 15

[30] vgl. Leippe, B. (2012), S. 777 Rn. 4223

[31] vgl. Prechtl, S./ Schuster, L. (2010), S. 428

[32] vgl. IFRS 5.32 i.V.m. IFRS 5 Appendix A „aufgegebener Geschäftsbereich“

[33] vgl. IDW (2012), RS HFA 2, Rn. 109

[34] vgl. IFRS 5.31 i.V.m. IFRS 5 Appendix A „Unternehmensbestandteil“

[35] vgl. Prechtl, S./ Schuster, L. (2010), S. 428

[36] vgl. Maas, J./ Back, C./ Singer, K. (2011), S. 213 (Rn. 24)

[37] vgl. Schildbach, T. (2005), S. 557

[38] vgl. Leippe, B. (2012), S. 777 Rn. 4222

[39] vgl. Maas, J./ Back, C./ Singer, K. (2011), S. 215 Rn. 27

[40] vgl. Zülch, H./ Nellessen, T. (2008), S. 406f.

[41] vgl. Zülch, H./ Nellessen, T. (2008), S. 406

[42] vgl. IAS Plus (2012): http://www.iasplus.com/de/projekts/projekt7

[43] hierzu im nächsten Abschnitt Näheres

[44] vgl. IFRS 5.6 i.V.m. IFRS 5.32

[45] vgl. IFRS 5.7 i.V.m. IFRS 5.32

[46] vgl. IFRS 5.IG Example 1

[47] vgl. IFRS 5.IG Example 3

[48] vgl. IFRS 5.IG Example 2

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Bilanzierung von zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten und aufgegebenen Geschäftsbereichen nach IFRS 5
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Lehrstuhl für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
38
Katalognummer
V232174
ISBN (eBook)
9783656487845
ISBN (Buch)
9783656490104
Dateigröße
1682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bilanzierung, veräußerung, vermögenswerten, geschäftsbereichen, ifrs
Arbeit zitieren
Henning Wiese (Autor), 2012, Die Bilanzierung von zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerten und aufgegebenen Geschäftsbereichen nach IFRS 5, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232174

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