„JP Morgan erschüttert die Wall Street“ titelte die Financial Times in ihrer Online-Ausgabe vom 11. Mai 2012 und rückte damit den Einsatz von Kreditderivaten erneut in den Blick der Öffentlichkeit. Doch was genau war passiert? Die Londoner Investmentsparte der Bank hatte im Handelsgeschäft mit Kreditderivaten über zwei Milliarden Dollar verloren. Die Ursache für die hohen Verluste lag in dem spekulativen Investment von komplexen Kreditausfallderivaten. Grundsätzlich widersprechen reine Spekulationsgeschäfte jedoch dem eigentlichen Gedanken, Kreditderivate zur Absicherung von Kreditportfolios einzusetzen.
Vor dem generellen Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung mit einem verstärkten Wettbewerbsdruck und den sich verändernden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind Banken heute einem permanenten Anpassungsprozess unterworfen. Insbesondere die Verluste im Kreditgeschäft, die durch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten der letzten Jahre entstanden sind, verlangen von den Banken eine stetige Weiterentwicklung des Kreditrisikomanagements, um auch zukünftig erfolgreich am Markt bestehen zu können. Der Risikosteuerung von Kreditportfolios und dem Einsatz risikooptimierender Finanzprodukte kommt hierbei unter dem Risiko-Rendite-Aspekt eine grundlegende Bedeutung für das Kreditgeschäft zu.
In der Vergangenheit war die Risikosteuerung aufgrund der wenigen gegebenen Möglichkeiten, wie z.B. dem Kreditverkauf oder der Kreditversicherung durch eine reine Buy-and-Hold-Strategie geprägt. Dies änderte sich jedoch Mitte der neunziger Jahre mit der Entwicklung der Kreditderivate, wodurch es möglich wurde, Kreditrisiken von der zugrunde liegenden Kreditposition zu isolieren, handelbar zu machen und auf Dritte zu übertragen. Damit boten sich die Kreditderivate unter Beibehaltung der originären Kreditbeziehung sowohl zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle als auch zur gezielten Übernahme von Risikopositionen im Rahmen eines aktiven Kreditrisikomanagements an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Kredit und Kreditrisiko
2.2. Kreditrisikotransferinstrumente
2.2.1. Traditionelle Kreditrisikotransferinstrumente
2.2.2. Kapitalmarktorientierte Kreditrisikotransferinstrumente
3. Kreditderivate
3.1. Grundstruktur und Vertragselemente eines Kreditderivates
3.2. Systematisierung der Kreditderivate
3.3. Typologie der Kreditderivate
3.3.1. Grundformen der Kreditderivate
3.3.1.1. Credit Default Swap
3.3.1.2. Total Return Swap
3.3.1.3. Credit Spread Option
3.3.2. Hybride Formen der Kreditderivate
3.3.2.1. Credit Linked Note
3.3.2.2. Synthetische Collateralized Debt Obligations
3.3.3. Exotische Formen der Kreditderivate
3.3.3.1. Auf Credit Default Swaps basierende Varianten
3.3.3.2. Weitere Varianten
3.4. Der Markt der Kreditderivate
3.4.1. Entstehungsgeschichte
3.4.2. Marktentwicklung und Marktstruktur
4. Risikomanagement mit Kreditderivaten
4.1. Begriff des Risikomanagements
4.2. Motive für den Einsatz von Kreditderivaten zur Risikosteuerung
4.2.1. Kreditportfoliooptimierung
4.2.1.1. Risikoabsicherung
4.2.1.2. Risikoübernahme
4.2.2. Kreditlinienmanagement
5. Kritische Würdigung des Einsatzes von Kreditderivaten in Portfolios
5.1. Chancen aus Kreditderivaten
5.2. Risiken aus Kreditderivaten
5.2.1. Informationsasymmetrien zwischen den Vertragspartnern
5.2.2. Liquiditätsrisiko
5.2.3. Rechtsrisiko
5.2.4. Betriebsrisiko
5.2.5. Kontrahentenausfallrisiko
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit ist es, das Potenzial von Kreditderivaten als Instrumente zur aktiven Risikosteuerung von Kreditportfolios zu analysieren und deren Bedeutung im modernen Kreditrisikomanagement zu beleuchten. Dabei wird untersucht, wie Banken diese Finanzinstrumente nutzen können, um Kreditrisiken zu isolieren, zu übertragen und die Performance ihrer Kreditportfolios zu optimieren.
- Grundlagen und Systematisierung von Kreditrisiken und Risikotransferinstrumenten
- Detaillierte Typologie und Funktionsweise verschiedener Kreditderivate (z.B. CDS, TRS, CSO)
- Analyse hybrider Strukturen wie Credit Linked Notes und synthetische Collateralized Debt Obligations
- Marktentwicklung, Marktstruktur und Akteure im Kreditderivate-Handel
- Einsatzmöglichkeiten im Risikomanagement und kritische Würdigung der Chancen und Risiken
Auszug aus dem Buch
3.3.1.1. Credit Default Swap
Der Credit Default Swap (CDS) ist aufgrund seines relativ einfachen Aufbaus das am häufigsten gehandelte Kreditderivat auf dem Finanzmarkt. Darüber hinaus bildet er die wesentliche Grundlage für die Entwicklung und Ausprägung komplexer Produkte in Verbindung mit Anleihen bzw. synthetischen Verbriefungen, wie z.B. den Credit Link Notes oder den synthetischen Collateralized Debt Obligations.67 CDS lassen sich wie folgt definieren:
„Credit Default Swaps are bilateral contracts in which one counterparty pays a fee periodically, […] in return for a contingent payment by the protection seller, following a credit event of a reference security”68.
Demnach ist ein CDS ein Vertrag zwischen zwei Parteien, bei dem eine Vertragspartei (Sicherungsnehmer) eine periodische Prämie dafür zahlt, dass sie im Falle eines Default-Ereignisses des Referenzaktivums (Underlying) von der Gegenseite (Sicherungsgeber) eine Ausgleichszahlung erhält.
Bei Eintritt des vertraglich definierten Kreditereignisses (Credit Event) wird die Ausgleichszahlung in Höhe der im CDS-Vertrag vereinbarten Abwicklungsmethode fällig. Die Ausgleichszahlung kann, wie bereits in Kapitel 3.1 beschrieben, als physische Lieferung oder als Bargeldausgleich erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die wachsende Bedeutung von Kreditderivaten vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung und der Notwendigkeit eines stetigen Kreditrisikomanagements, um auf turbulente Finanzmärkte reagieren zu können.
2. Grundlagen: Es werden die begrifflichen Grundlagen von Kredit und Kreditrisiko sowie die Abgrenzung von traditionellen zu kapitalmarktorientierten Kreditrisikotransferinstrumenten erläutert.
3. Kreditderivate: Dieses Kapitel liefert eine fundierte Analyse der Struktur, Systematisierung und Typologie von Kreditderivaten, einschließlich ihrer Grundformen, hybriden und exotischen Varianten sowie der Entwicklung des Marktes.
4. Risikomanagement mit Kreditderivaten: Hier wird der Prozess des Risikomanagements dargestellt und aufgezeigt, wie Kreditderivate zur gezielten Optimierung von Kreditportfolios durch Risikoabsicherung, Risikoübernahme und Kreditlinienmanagement beitragen können.
5. Kritische Würdigung des Einsatzes von Kreditderivaten in Portfolios: Eine kritische Betrachtung der Chancen und Risiken, wie Informationsasymmetrien, Liquiditäts-, Rechts- und Betriebsrisiken, die mit der Nutzung dieser Derivate im Finanzsektor einhergehen.
6. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Bedeutung von Kreditderivaten zusammen und skizziert die zukünftige Entwicklung im Kontext zunehmender Regulierung und verbesserter Markttransparenz.
Schlüsselwörter
Kreditderivate, Kreditrisikomanagement, Risikotransfer, Credit Default Swap, Total Return Swap, Credit Linked Note, Synthetische CDO, Bonitätsrisiko, Ausfallrisiko, Portfoliooptimierung, Marktentwicklung, OTC-Handel, Kontrahentenausfallrisiko, Basel III, Finanzmärkte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle von Kreditderivaten als moderne Finanzinstrumente zur aktiven Steuerung und Absicherung von Kreditrisiken innerhalb von Bankportfolios.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Definition und Systematisierung von Kreditrisiken, die Funktionsweise unterschiedlicher Derivatetypen, die Marktentwicklung sowie eine kritische Abwägung der damit verbundenen Chancen und Risiken ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern Kreditderivate zur Risikosteuerung eingesetzt werden können und welche Bedeutung sie für ein effektives Kreditrisikomanagement im modernen Bankensektor haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten literaturgestützten Analyse der theoretischen Konzepte von Kreditderivaten sowie der Auswertung von empirischen Marktdaten zur Entwicklung des Kreditderivate-Handels.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Instrumente, die Anwendung im Risikomanagement sowie eine detaillierte kritische Würdigung der Risikofaktoren wie Informationsasymmetrien und operationelle Gefahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Kreditrisikomanagement, Credit Default Swap, Risikotransfer und Finanzmarktstabilität charakterisieren.
Warum ist das "Kontrahentenausfallrisiko" für Banken bei Kreditderivaten so relevant?
Da Kreditderivate meist außerbörslich (OTC) gehandelt werden, besteht die Gefahr, dass der Vertragspartner bei Eintritt eines Kreditereignisses seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, was zu erheblichen Verlusten beim Sicherungsnehmer führt.
Welchen Einfluss hatte die Finanzkrise 2008 auf den Kreditderivate-Markt?
Die Krise führte zu einem deutlichen Rückgang des Marktvolumens und rückte das Kontrahentenausfallrisiko in den Fokus, was Regulierungsbehörden zu einer verstärkten Kontrolle und der Förderung zentraler Gegenparteien veranlasste.
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- Clemens Pudewill (Author), 2013, Kreditderivate. Instrumente zur Risikosteuerung von Kreditportfolios, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232204