Die Große Griechische Kolonisation

Bilanz der Expansion und Analyse der Beziehung zum Alten Orient


Seminararbeit, 2013
21 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Staat, politische Strukturen und Gesellschaft in der archaischen Zeit
2.1 Politische Systeme
2.2 Zersplitterung und Bündnisse

3. Glauben, Mythen und Kultur des archaischen Griechenland

4. Die Griechische Kolonisation
4.1 Verlauf
4.2 Auslöser, Motive und Hintergründe
4.3 Nutzen, Bedeutung und Profit

5. Griechenland und der Alte Orient
5.1 Berührung mit dem vorderen Orient
5.2 Konflikte mit dem Persischen Reich

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Zeitalter des antiken Hellenismus hat unsere Geschichte enorm beeinflusst. Die europäische Kulturgeschichte ist heutzutage kaum mehr vorstellbar ohne die Erkenntnisse aus der Wissenschaft, Philosophie, Politik und Kultur der alten Griechen. Wie kam es aber zur Entwicklung dieses griechischen Machtzentrums?

Die wohl einflussreichste Entwicklung in der archaischen Epoche ist die sogenannte „Große griechische Kolonisation“, die als Avantgardistin des hellenischen Zeitalters betrachtet werden kann. Um die griechischen Expansions- bzw.

Kolonisationsbewegungen einzugrenzen, wird im folgenden nur Bezug auf dieses Zeitalter, von etwa Mitte des achten bis ungefähr Mitte des fünften Jahrhunderts vor. Chr., genommen. In diesem Zeitraum entstanden die meisten Poleis, die sich über den ganzen Mittelmeerraum bis hin zum Kaukasus und heutigem Südrussland ausbreiteten.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich im ersten Teil mit den innenpolitischen und kulturellen Entwicklungen Griechenlands in der archaischen Epoche. Des weiteren analysiere ich die Motive, Verlauf und Folgen der hellenischen Expansionsbewegung. Die Frage nach der Bedeutung und Bilanz der Kolonisation spielt hierbei eine zentrale Rolle. Außerdem wird untersucht, wie sich die Kolonisation auf die Kontakte zwischen den hellenischen Staaten und dem alten Orient auswirkte.

2 Staat, politische Strukturen und Gesellschaft in der archaischen Zeit

In diesem Kapitel befasst sich mit Fragen zu wie politischen Strukturen dieser Zeit. Gab es Konflikte oder Bündnisse? Wie kam es zu der Entwicklung einzelner Poleis?

2.1 Politische Systeme

Zu Beginn des achten Jahrhunderts vor Chr. und dem Untergang der Königreiche der vorangegangenen geometrischen Epoche entstand in weiten Teilen Griechenlands trotz weitgehend gleicher Kultur kein einheitlicher Staat, sondern ein neues Staatensystem, dessen Entstehung schon einige Jahrhunderte vorher ihren Anlauf nahm und welches zur beherrschenden Staatsform wurde: Die Stadtstaaten, auch Polis genannt.

Die Königsherrschaft wurde nach und nach zurückgedrängt und einige wenige Oligarchen gewannen an Einfluss, welche sich ständig um Macht und Ansehen stritten. Diesem frühgriechischen Adel kam neben der politischen auch die militärische Führungsrolle zu.

Es fehlte in den frühgriechischen Staaten jedoch an einer übergeordneten Instanz, die einzelne Familien hätte adeln können[1], es gab also keinen Geburtenadel. Ursprünglich war es nicht die Herkunft, welche die Voraussetzung für die Aufnahme in den Kreis des Adels war, sondern die Anerkennung in der Gesellschaft auf Basis persönlicher Leistungen und in erster Linie der besessene Reichtum.[2] Eine Abstammung von einem Aristokraten war dennoch eine gute Voraussetzung um in den „Adelskreis“ aufgenommen zu werden. Erst in spätarchaischer Zeit wurden - wohl in Zusammenhang mit sozialen und politischen Spannungen - Versuche, die Aristokratie stärker an die Abstammung zu binden, deutlicher greifbarer.

Einige Stadtstaaten entwickelten sich dementsprechend zu Oligarchien, mit einigen wenigen Personen an der Spitze, während in anderen das Volk auch an der Regierung involviert war. Die meisten antiken Demokratien entstanden erst zum Ende der archaischen Zeit. So gut wie immer wurden die Bürger in Gesellschaftsschichten eingeteilt, nur die Vollbürger durften am politischen Leben der Polis teilnehmen. Der Grad der Mitbestimmung war von Stadt zu Stadt unterschiedlich abgestuft, da die Polis an nichts gebunden war und über eine Souveränität verfügte.

Die meisten Poleis besaßen nur ein relativ kleines Umland. Große Poleis wie Athen und Sparta, welche ein vergleichsweise großes Gebiet kontrollierten waren die Ausnahme. Athen kontrollierte z.B ein ca. zwölf mal so großes Gebiet wie eine durchschnittliche Polis, in welcher oft zwischen 2000 und 4000 Einwohner lebten. Stadt und Land waren in nahezu allen Fällen eine Einheit und keine Gegensätze, dies wirkte sich auch auf die Vorstellung des Staatswesens aus, denn „nicht der Ort, sondern das Volk war maßgebend für einen Staat.“[3]

Geschriebene Gesetze gab es zunächst nicht, diese entstanden erst resultierend aus Forderungen nach Gleichheit und Gerechtigkeit. Auch die politische Ordnung war nicht bürokratisch sondern ergab sich durch Ansehen und Prestige in der Gesellschaft, was in einem ununterbrochenem Kampf ums Renommee resultierte. Letztendlich verwalteten die Aristokraten das Justizwesen und hielten die Priesterämter. Im Gegensatz zu den wohlhabenden waren den ärmeren und wohl nicht so gebildeten Schichten Gerechtigkeit -3- und der damit verzweigte wirtschaftliche Aufstieg wichtiger als die Ausübung politischer Ämter.

Aufgrund im siebten und sechsten Jahrhundert vor Chr. oft auftretender innenpolitischer Auseinandersetzungen, die aus wirtschaftlichen und sozialen Konflikten, welche ich später analysieren und erläutern werde, entstanden waren, verbreitete sich die Regierungsform der Tyrannis.[4] Die frühste Tyrannis Griechenlands entstand in Korinth um 660 vor Chr., später auch in Athen, der mächtigsten Stadt Griechenlands neben Sparta. Tyrannen sind in archaischer Zeit in etwa dreißig, vornehmlich größ eren und mächtigen Poleis greifbar.[5] Der Begriff „Tyrann“ hatte zu dem Zeitpunkt noch keine negative Konnotation wie im heutigen Sprachgebrauch, sondern wurde neutral für einen Mann verwendet, welcher die Macht in einer Polis an sich gerissen hat. Natürlich waren die Tyrannen sehr verschieden und regierten nach ihrem Willen, manche wurden gefürchtet, manche regierten auch wohlwollend und weise. Viele, die nach Macht strebten brachten auch Vorteile mit sich, da sie ihre Polis förderten um gegen andere konkurrenzfähig zu bleiben oder führten friedensstiftende Heiratspolitik. Beachtenswert ist, dass in Athen Solon auf Wunsch des Volkes alleiniger Herrscher werden sollte, man wollte also einen Tyrannen. Vermutlich hielten viele die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konflikte nur mit einem Alleinherrscher für lösbar. Wenngleich einige Tyrannen mithilfe der Bevölkerung an die Macht kamen, sind sie dennoch nicht immer als deren Fürsprecher oder Unterstützer anzusehen, manche strebten nur nach persönlicher Macht und eigenem Nutzen.

Eine wesentlich größere Anzahl der Poleis hatte die Oligarchie als politische Form, nach und nach setzte sich schließlich die Demokratie als häufigste Staatsform durch, weil die Tyrannen und Oligarchen letztendlich durch Bürgerkrieg, Umsturz oder Abdankung ihre Macht verloren haben.

2.2 Zersplitterung und Bündnisse

Mochte eine Polis noch so klein sein, wachte sie streng über die eigene Autonomie und war nicht bereit, diese freiwillig aufzugeben. Auf dem griechischen Festland konkurrieren deswegen diverse Poleis um eine Vormachtstellung und bekriegten einander oftmals. Daraus resultierte, dass die antike griechische Welt wohl kein -4- wirkliches Nationalgefühl entwickeln konnte. Diese Spannungen zwischen Stadtstaaten und einzelnen machtbesessenen Personen waren ein beträchtlicher Störfaktor innerhalb der griechischen Politik und Gesellschaft und machte eine Bildung eines großen Bündnisses vorerst unmöglich. Mithilfe von Reformen im Militärmodell gelang es Sparta durch Kriegsführung zur führenden Militärmacht Griechenlands zu werden. Um 550 vor Chr. gründete es schließlich den Peloponnesischen Bund, eine Koalition von Einzelbündnissen, indem es andere Poleis unterwarf und diese zwang die eigenen Freunde und Feinde anzuerkennen. Sparta festigte damit seinen Herrschaftsanspruch noch weiter. Jene Allianz war das erste große Bündnis der archaischen Zeit, wenngleich es keinesfalls mit modernen Bündnissen wie der NATO verglichen werden kann. Es ist also durchaus möglich gewesen sich zu verbünden, auch wenn es nicht immer auf freiwilliger Basis beruhte. Denn die gleiche Sprache, ähnliche Kultur, Mythen und Glauben bildeten eine solide Grundlage zur Kooperation. Dessen ungeachtet wurde wohl viel Blut vergossen, bis es zu einem Bündnis kam.

Zum Teil war die Zersplitterung wohl auch geographisch bedingt, denn das griechische Landschaftsbild hat viele Gebirge, Täler und Ebenen, welche die Bildung einzelner Poleis noch förderten oder zumindest begünstigten. Auch wenn Athen oder auch Sparta politisch, wirtschaftlich, militärisch und kulturell das Potential gehabt hätten, zu einem Herrschaftsknotenpunkt zu werden, welches die gesamte griechische Welt vereinen könnte, gaben die geographischen Grundlagen dazu kaum Möglichkeit. Möglicherweise waren die Menschen auch zu sehr überzeugt, dass ein unabhängiger Stadtstaat die beste politische Form darstellt. Die Ausdehnung der griechischen Welt erfolgte daher erst durch die sogenannte „Große Kolonisation“.

3. Glauben, Mythen und Kultur des archaischen Griechenland

In ganz Griechenland vollzog sich in der archaischen Zeit ein bemerkenswerter kultureller Aufschwung, und die charakteristische, allbekannte griechische Kultur mit ihren bedeutenden Errungenschaften bildete sich heraus. Obwohl die Griechen sehr verstreut lebten und politisch komplett zersplittert waren, hatten sie dennoch die „Überzeugung einer gemeinsamen und einzigartigen Kultur anzugehören.“[6] Die antiken griechischen Poleis waren stark religiös geprägt, zwar handelte es sich um keine Buchreligion - diese wurde durch Mythen und Heldengeschichten bestimmt - doch fast alle öffentlichen und privaten Handlungen wurden von Anrufungen an die Götter begleitet. Einen gemeinsamen Bund stellten diese Mythen dar, welche mit allen kulturellen Ereignissen, Naturkatastrophen, Stadtgründungen usw. in Verbindung gebracht wurden. Ihr Glaube und ihre Geschichte basierten auf Mythen und Mysterien. Ich denke die Mythen beeinflussten auch in irgendeiner Art und Weise die Gesetzgebung und Rechtsprechung, da diese sehr mit der Kultur und Überzeugung der Menschen verankert waren.

Mit der Kolonisierung entstanden natürlich neue Mythen oder wurden zumindest angepasst und erweitert. Viele Stadtgründungen erhielten mythologische Sagen, Heldengeschichten und Gottheiten. Und auch in den alten Poleis wurden Mythen erschaffen, um politische Macht und Bündnisse zu unterstützen und zu festigen. Die eigenen Schutzgötter einer Siedlung wurden oft mit Zeus auf eine Ebene gestellt oder sogar noch stärker verehrt, denn sie wachten und beschützten die Stadt vor Feinden, aber auch vor Seuchen und anderen Katastrophen. Diese Götter waren lokaler und erschienen den Menschen näher, vielleicht auch aufgrund des Schutzes wichtiger, womit ich diese ausgesprochen starke Verehrung erkläre.

Großereignisse, zu denen Griechen aus verschiedenen Poleis zusammenströmten und bei denen sie ihr Zusammengehörigkeitsbewusstsein zum Ausdruck brachten, gab es vor allem in Gestalt der Panhellenischen Spiele wie z.B. in Athen, Delphi, Nemea oder bei Korinth, deren berühmtesten die Olympischen Spiele, zu Ehren Zeus, gewesen waren. Vor allem die Olympischen Spiele, welche 776 vor Chr. eingerichtet wurden, erfreuten sich nach und nach enormer Beliebtheit, sie zogen wahrscheinlich alle Bevölkerungsschichten an. Hieran nahmen beispielsweise sogar Griechen aus Unteritalien teil. Insgesamt verbanden sich auf der Spielstätte Sport, Kult und Wettstreit: Dichterwettbewerbe, Musik und Tanz gehörten dazu wie öffentliche Vorträge und natürlich sportliche Wettkämpfe, welche den Hauptanziehungspunkt darstellten. „Während der Spiele galt ein beschränkter Waffenstillstand“,[7] der laut Moses Finley jedoch „keinen greifbaren Beitrag zum Frieden oder gar zur Verständigung zwischen den Staaten geleistet“ hat. Diese Behauptung würde ich abstreiten, denn Finley widerspricht sich hierbei selbst, indem er sagt, dass es einen Waffenstillstand gab,

[...]


[1] vgl. FISCHER, Josef (2010) Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr., WBG, Darmstadt, S.88

[2] vgl. FISCHER, Josef (2010) Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr., WBG, Darmstadt, S.89

[3] FINLEY, M.I. (1982) Die frühere griechische Welt, Verlag C.H. Beck, München, S.102

[4] vgl. FISCHER, Josef (2010) Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr., WBG, Darmstadt, S.95

[5] vgl. FISCHER, Josef (2010) Griechische Frühgeschichte bis 500 v. Chr., WBG, Darmstadt, S.96

[6] FINLEY, M.I. (1982) Die frühere griechische Welt, Verlag C.H. Beck, München, S.108

[7] FINLEY, M.I. (1982) Die frühere griechische Welt, Verlag C.H. Beck, München S.108

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Große Griechische Kolonisation
Untertitel
Bilanz der Expansion und Analyse der Beziehung zum Alten Orient
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Antike Geschichte - Griechenland und Athen
Note
2.3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V232223
ISBN (eBook)
9783656488156
ISBN (Buch)
9783656490401
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schwerpunkt der Arbeit ist die Kolonisation, im zweiten Teil wird die Berührung mit dem vorderen Orient und der Konflikt mit dem Persischen Reich analysiert.
Schlagworte
Geschichte, Athen, Griechenland, Antike, Archaisch, Archaisches Griechenland, Persien, alter Orient, vorderer Orient, Polis, Poleis, Griechische Kolonisation, Kolonie, Kolonisierung, Kolonisation, Archaische Zeit, Mythen, Glauben, Politik, Kultur, Tyrann, Tyrannis, Krieg, Sparta
Arbeit zitieren
Maxim Moskarov (Autor), 2013, Die Große Griechische Kolonisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232223

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