Die Darstellung des Heiligen Liudger in den Viten und Wunderberichten des Mittelalters

Maria, Markus und Martin. Stadtpatrone im Spätmittelalter


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Vita Prima Sancti Liudgeri
2a. Inhalt und Aufbau
2b. Analyse und Vergleich

3. Die Vita Secunda Sancti Liudgeri
3a. Inhalt und Aufbau
3b. Analyse und Vergleich…

4. Das Libellus Monasteriensis de miraculis Sancti Liudgeri
4a. Inhalt und Aufbau
4b. Analyse und Vergleich

5. Abschließende Betrachtung

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Ein Liudger-Buch hat es seit 100 Jahren nicht mehr gegeben, ein direkt wissenschaftliches überhaupt noch nicht.“1 Mit diesen Worten beginnt der hoch anerkannte Kirchenhistoriker Arnold Angenendt sein im Jahr 2005 erschienenes Werk über den Heiligen Liudger. Der Heilige Liudger soll auch im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Die Literatur- und Quellenlage zu diesem Thema ist trotz der Einschätzung Angenendts relativ gut. Es gibt zahlreiche Aufsätze, Büchlein oder Quellen die sich mit diesem Thema beschäftigen. Das Jahr 2005 und die damit einhergehende 1200-jährige Wiederkehr der Bischofsweihe des Heiligen Liudger war Anlass genug für weitere literarische Neuerscheinungen, sowie eine große Ausstellung zum Thema im Stadtmuseum Münster gewesen. Dies zeigt, dass das Thema auch nach über 12. Jahrhunderten präsent und noch lange nicht in Vergessenheit geraten ist. Die Grundlage beinahe aller Veröffentlichungen zum Thema Liudger bilden aber drei Lebensbeschreibungen über den Heiligen aus dem neunten Jahrhundert. Zwei dieser Viten sollen auch im Betrachtungsmittelpunkt dieser Arbeit stehen. Dabei soll es jedoch nicht das Ziel sein eine Biographie Liudgers anhand dieser Viten herauszuarbeiten. Auf Liudgers Werdegang soll in dieser Arbeit also nicht gesondert eingegangen werden, da sich ein Großteil seines Lebens in der inhaltlichen Analyse der Quellen erschließen wird. Der Forschungsschwerpunkt der Arbeit soll also in einer Analyse der zwei Viten, sowie einer weiteren dritten Quelle liegen. Bei der dritten Quelle handelt es sich um das so genannte „Münstersche Büchlein über die Wunder des Heiligen Liudger“, welches wie die 2 Viten interessante Einblicke gewährt. Interessant scheint die Frage in welchen Punkten sich die Quellen gleichen oder unterscheiden. Für die „Vita Prima Sancti Liudgeri“, die „Vita Secunda Sancti Liudgeri“, sowie für das “Libellus Monasteriensis de miraculis Sancti Liudgeri” soll jeweils zuerst eine kurze inhaltliche Zusammenfassung, welche auch auf den Aufbau eingeht, gemacht werden. An diese Zusammenfassung wird sich an jede der drei Quellen eine genauere Untersuchung anschließen. Hierbei soll unter anderem auf den Verfasser, sowie auf dessen Gründe für die Niederschrift eingegangen werden. Dabei interessiert natürlich auch der Zeitraum in welchen die Quellen verfasst wurden. Neben eventuellen sprachlichen oder räumlichen Besonderheiten ist auch das Ziel, welches der Autor mit seiner Schrift verfolgt hat, höchst interessant. Sollten die Leser zu bestimmten Handeln angeregt werden? Zudem wird die Art des Auftretens des Heiligen, sowie die Art der Wunder Teil der Analyse sein. Am Ende der Arbeit soll eine abschließende Betrachtung der Quellen stehen.

2. Die Vita Prima Sancti Liudgeri

2a. Inhalt und Aufbau

Ganz am Beginn der Vita teilt der Autor seine Beweggründe für diese Niederschrift mit. Zudem erfahren wir, dass der Autor Liudger nicht persönlich kannte und sich daher auch auf Augenzeugen berufen muss. Dazu aber später mehr. Es ist noch vorwegzunehmen das die Vita in zwei Teile bzw. zwei Bücher unterteilt ist. Am Beginn des ersten Teils dieser Vita wird sehr ausführlich die Herkunft Liudgers dargestellt. In sieben Kapiteln wird sehr genau auf Liudgers friesische Herkunft, sowie auf seine Vorfahren eingegangen. Hierbei wird unter anderem berichtet wie Liudgers Großvater Wurssing2 oder später Liudgers Mutter Liafburg3 nur knapp dem Tod entkamen und so erst die Geburt Liudgers ermöglichten. Der Autor schreibt dies der göttlichen Voraussicht zu. Ab Kapitel acht rückt der Autor Liudger in den Mittelpunkt und berichtet wie Liudger, trotz einer schweren Verletzung seiner schwangeren Mutter, wie durch ein Wunder, unversehrt das Licht der Welt erblickt.4 Im weiteren Verlauf wird ein Großteil von Liudgers Lebensstationen dargestellt. Wir erfahren, dass sich Liudger schon früh des Schreibens bemühte5 und bei welchen Lehrern er im fortgeschrittenen Jugendalter in die Lehre ging. Des Weiteren wird uns von Liudgers erster Missionsarbeit in Deventer6, sowie seiner Priesterweihe7 berichtet. Der Autor versäumt es nicht ganz besonders auf Liudgers außerordentlich aufopferungsvolle Missionsarbeit hinzuweisen und unterstützt dies in Kapitel 19 und 20 mit Versen bzw. Gedichten von Liudgers ehemaligen Lehrer Alkuin aus seiner Zeit in York. In Kapitel 21 erfahren wir von Liudgers Pilgerreise nach Rom und in Kapitel 22 und 23 von seiner weiteren Missionsarbeit in den westfriesischen Gauen und in Westsachsen. Diese formale Abhandlung von Liudgers Weg seit seiner Geburt wird mit Kapitel 24 und der dort dargelegten Bischofsweihe vom 30. März 8058 vorerst gestoppt. In Kapitel 25 kündigt der Autor dann an erinnerungswürdige Taten, gemeint sind wohl Wunder, Liudgers darzulegen. Hierbei handelt es sich vorerst um Taten Liudgers zu Lebzeiten. So erfahren wir in Kapitel 25 von einem Blinden der Dank Liudger sein Augenlicht zurückbekommt. In Kapitel 29 wird von einem Wunder berichtet, in welchem Liudger Fischern befiehlt einen Stör für ihn zu fangen. Diese erwidern das es nicht die Jahreszeit dafür sei. Wie durch ein Wunder fällt den Fischern dann jedoch ein riesiger Stör vom Himmel ins Netz. In Kapitel 27 wird Liudgers unglaubliche Voraussicht beschrieben. Liudger soll dem Autor zufolge schon früh ein großes Leid für Friesland vorausgesehen haben. Vom Autor persönlich erfahren wir, dass sich dieses Leid nach Liudgers Tod auch ereignet habe. In Kapitel 31 hebt der Autor Liudgers Talent im Schreiben hervor und verweist dabei auf Liudgers Schriften über Gregor, Alberich, sowie Bonifatius. Zudem lobt er Liudger für seine geübte Bescheidenheit. 9 Die Kapitel 31 und 32 berichten über das Ende von Liudgers irdischen Leben und seine Bestattung in Werden. Damit endet auch der erste Teil dieser Vita. Der zweite Teil der Vita beschreibt ausschließlich von Liudger vollbrachte Wunder. Es sind Wunder, welche sich nach Liudgers Tod ereignet haben sollen. Die in diesem zweiten Teil der Vita dargestellten Menschen haben zumeist eine Krankheit. Sie sind blind10, stumm11, gelähmt12 oder leiden unter andersartigen Schmerzen. Durch die wundersame Kraft des Heiligen Liudger werden sie aber von ihrem Leiden befreit. Diese Wunder gehen zumeist mit einer großen Verehrung Liudgers einher und ereignen sich oft vor Liudgers Grab in Werden. Eines dieser Wunder berichtet zum Beispiel von einem Mädchen, welches durch einen starken Schmerz gequält wurde und nachdem es nach Werden gebracht wurde, vollständige Heilung am Grabe Liudgers erfahren hatte.13

2b. Analyse und Vergleich

Diese erste Vita über den Heiligen Liudger stammt von niemand geringerem als dem Werdener Abt Altfrid. „Kaum ein Menschenalter nach Liudgers Tod schrieb Altfrid, der dritte Bischof von Mimigernaford, das Leben des Heiligen.“14 Es gilt als nahezu gesichert das die Vita im vierten Jahrzehnt des neunten Jahrhunderts verfasst wurde. Aus dem Prolog der Vita geht hervor, dass Altfrid diese auf Bitten seiner Brüder und Mönche des Klosters Werden geschrieben hat. Wie wir von Altfrid anfangs der Vita erfahren, hat er Liudger selbst nicht mehr kennen gelernt. Sein Wissen bezieht er laut eigener Aussage von Augenzeugen wie Liudgers Bruder Bischof Hildigrim, Liudgers Neffen Bischof Gerfrid, Liudgers Schwester Heriburg, sowie von den Priestern Alubert, Ating und Thiatbald. Was Altfrid jedoch selbst nicht erwähnt ist seine eigene Verwandtschaft15 zu Liudger. Aus dieser Verwandtschaft heraus lässt sich aber eventuell der im Gesamtbild der Vita ungewöhnlich ausführlich erscheinende Teil zur Herkunft Liudgers am Anfang der Vita erklären. Denn wie Liudger wurde wohl auch Altfrid durch die Schule in Utrecht geprägt. Neben der friesischen Herkunft wird die Missionsarbeit Liudgers ganz deutlich in den Mittelpunkt der Vita gerückt. Altfrid vergisst es nicht, immer wieder auf Liudgers aufopferungsvolle Missionsarbeit einzugehen.16 Bis zu seinem Tod missionierte Liudger unentwegt. „Er rottete das Dorngestrüpp des Götzendienstes aus und säte allerorten in eifriger Hirtensorge das Wort Gottes.“17 Hingegen fällt auf, dass wir über Liudgers Wirkungsstätten und Klosterbauten in Werden und Münster, sowie über seine Bischofsweihe nur sehr wenig erfahren. Das erstaunt in Bezug auf Werden besonders. So erwartet man doch eigentlich, dass es sowohl Altfrid, als Abt Werdens, als auch den Werdener Mönchen, als Auftraggeber dieser Vita, am Herzen gelegen haben muss eine ausführliche Darstellung über die Gründung des Klosters oder Liudgers Wirken in Werden in der Vita wieder zu finden. Es bleibt zu vermuten dass eine solche Darstellung von Altfrid bewusst zugunsten der Darstellung von Liudgers Missionsarbeit außen vorgelassen wurde. Umso stärker rückt Werden dann jedoch im zweiten Teil der Vita in den Mittelpunkt. Nach dem Tod Liudgers und seinem Begräbnis in Werden galt der Ort an der Ruhr als die wichtigste Stätte der Liudgerverehrung. Diesem trägt Altfrid, welcher die Wunder nach Liudgers Tod selbst erlebt oder aus vertraulichen Quellen gehört haben will, im zweiten Teil der Vita auch deutlich Rechnung. Ein Großteil der im zweiten Teil dargestellten Wunder ereignet sich in unmittelbarer Nähe zur Grabstätte Liudgers in Werden.18 Andere gelobten nach einem Wunder durch den Heiligen Liudger das Grab des Heiligen in Zukunft regelmäßig zu besuchen.19 Was all diesen Wundern jedoch gleich ist, ist eine Heilung der Menschen bzw. eine Befreiung von ihren Leiden durch den Heiligen Liudger. Was zudem auffällt ist die Tatsache, dass die geplagten Menschen des Öfteren die Grabstätte Liudgers, entweder aufgrund der gehörten Wunder und ihrer damit verbundenen Hoffnung auf weitere Wunder selbst aufsuchen20 oder der Heilige Liudger ihnen in einer nächtlichen Vision erscheint und ihnen baldige Heilung verspricht21. Zusammenfassend kann man zu dem Ziel, bzw. dem Zweck dieser von Altfrid verfassten Vita folgendes sagen: In erster Linie sollte damit sicherlich die Erinnerung an den Heiligen Liudger und an seine wundervollen Taten aufrechterhalten werden. Hierzu gehört mit Sicherheit auch eine Förderung des Kults bzw. der Verehrung des Heiligen Liudgers an seiner Grabstätte Werden. Besonders im ersten Teil der Vita wird jedoch deutlich das Altfrid Eines ganz besonders herausstellen wollte: Er präsentiert dem Leser in Liudger das Idealbild eines Missionars, der maßvoll lebte und sich für diese Mission aufopferte. Liudger bietet daher ein Vorbild für alle Gläubigen und bestärkt sie in ihrem Glauben.

3. Die Vita Secunda Sancti Liudgeri

3a. Inhalt und Aufbau

Diese Vita ist wie die vorher beschriebene Vita in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil erfahren wir über Liudgers Leben und seine wundervollen Taten zu Lebzeiten.

[...]


1 Angenendt (2005): Liudger: Missionar - Abt - Bischof im frühen Mittelalter, S. 7.

2 Vgl. Senger (1982): S.22, Kapitel 1.

3 Vgl. Senger (1982): S. 25-25, Kapitel 6-7.

4 Vgl. Senger (1982): S. 27, Kapitel 8.

5 Vgl. Senger (1982): S. 27, Kapitel 8.

6 Vgl. Senger (1982): S. 30-32, Kapitel 15.

7 Vgl. Senger (1982): S. 32, Kapitel 17.

8 Vgl. Schröer, Alois (1970): Das Datum der Bischofsweihe Liudger von Münster, S. 364.

9 Vgl. Senger (1982): S.43, Kapitel 30.

10 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 46, Buch 2, Kapitel 9.

11 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 44, Buch 2, Kapitel 7.

12 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 47, Buch 2, Kapitel 11.

13 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 48, Buch 2, Kapitel 13.

14 Schröer (1948): Chronologische Untersuchungen zum Leben Liudgers, S. 85.

15 Vgl. Padberg (1997): S. 24.

16 Dazu Senger (1982): Kapitel 15,16,17,19,21,22,23,24,30,31.

17 Senger (1982): S.37.

18 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 43-48, Buch 2, Kapitel 6,9,11,13.

19 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 40-41, Buch 2, Kapitel 3.

20 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 52, Buch 2, Kapitel 21.

21 Vgl. Diekamp (1881) (Altfrid: Vita Liudgeri): S. 39-40, Buch 2, Kapitel 1.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Heiligen Liudger in den Viten und Wunderberichten des Mittelalters
Untertitel
Maria, Markus und Martin. Stadtpatrone im Spätmittelalter
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V232268
ISBN (eBook)
9783656488354
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, heiligen, liudger, viten, wunderberichten, mittelalters, maria, markus, martin, stadtpatrone, spätmittelalter
Arbeit zitieren
Sebastian Richter (Autor), 2008, Die Darstellung des Heiligen Liudger in den Viten und Wunderberichten des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232268

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