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Pferdegestützte Therapie. Eine ganzheitliche und psychomotorische Betrachtung

Title: Pferdegestützte Therapie. Eine ganzheitliche und psychomotorische Betrachtung

Bachelor Thesis , 2013 , 74 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Nina Glöckner (Author)

Psychology - Consulting and Therapy
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Summary Excerpt Details

Unsere heutige Gesellschaft ist geprägt durch immer weniger Bewegung und immer seltener werdenden Naturerfahrungen. Die Umwelt wird verstärkt über Medien erlebt und Primärerfahrungen bleiben aus. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass in die Soziale Arbeit immer mehr Tiere eingesetzt werden, dies könnte die Konsequenz aus dem Wandel der Lebenswelt sein. Auch das Medium Pferd erhält verstärkt Zulauf. 38% aller Heimtiere werden zu therapeutischen Zwecken gehalten. (vgl. Mars Heimtier-Studie 2013, S. 63) Dabei ist tiergestützte Intervention keine neue Methode. Der erste therapeutische Einsatz von Tieren geschah im 8. Jahrhundert in Belgien. Allerdings erst wesentlich später Ende der 1960er setzte Boris Levinson als erster Tiere in die Kinderpsychotherapie ein. In vielen Ländern insbesondere in Amerika sind tiergestützte Interventionen gängige Praxis. In Deutschland fehlt es leider noch an öffentlicher, rechtlicher, und institutioneller Unterstützung und Anerkennung. Die Kritik ist, dass es nicht ausreichend wissenschaftliches Fundament gibt und die Effekte schwer nachweisbar sind. Dennoch gewinnt der Einsatz von Tieren in pädagogischen und therapeutischen Arbeitsfeldern in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Möglicherweise auch gefördert durch die Studie „Kind und Hund. Erhebung zum Zusammenleben in der Familie“ von Rehm 1993, der heraus fand, dass 90% aller Eltern, die Haustiere für ihre Kinder halten, sehen in dem Tier einen ‚Miterzieher‘ in Hinblick auf Sozialverhalten, Verantwortungsgefühl und Naturverständnis.(vgl. Gebhard 2009 S. 130) Oder auch durch die aktuelle Mars Heimtier-Studie bei der herauskam, dass jeder zehnte Deutsche der Ansicht ist, dass Kinder mit Tieren aufwachsen sollten. (Mars Heimtier-Studie 2013, S. 63) All dies hat mein Interesse geweckt um darüber meine Abschlussarbeit zu schreiben. Gerade die Kritik an der Tiergestützten Intervention sehe ich als einen Motor zur Weiterentwicklung und Verbesserung. Diese Arbeit ist so aufgebaut, dass erst die Tiergestützten Interventionen kurz und im speziellen die Pferdegestützte Therapie erläutert wird. Danach betrachte ich die Psychomotorik. Daraus folgend leitet mich die Frage, ob es einen gemeinsamen Nenner der beiden Methoden gibt, der eine Grundlage bilden könnte die beiden Ansätze zu vereinen, um anschließend Grenzen und Möglichkeiten einer Verschmelzung der beiden Methoden zu analysieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tiergestützte Interventionen

2.1. Formen der Tiergestützten Interventionen

2.2. Wirkweisen der Tiergestützten Intervention

2.3. Formen der Interaktion

2.4. Tiergestützte Intervention als Therapie oder Pädagogik

2.5. Kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit der Tiergestützten Interventionen

3. Das Pferd

3.1. Pferdegestützte Therapie

3.2. Formen der Pferdegestützten Therapie

3.2.1. Hippotherapie

3.2.2. Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd

3.2.3. Hippo-Psychotherapie

3.3. Kritik an funktionsbestimmter Reittherapie (HPR & HPV)

4. Psychomotorik

4.1. Wirkweise der Psychomotorik

4.2. Verstehende Ansatz

4.2.1. Symbolische Echos

4.2.2. Leibbewusstsein

4.2.3. Symbolisierungsfähigkeit

4.2.4. Verstehen

4.2.5. Methoden des Verstehens

4.2.6. Entwicklungstheorien

4.2.6.1. Vorgeburtliche Entwicklung

4.2.6.2. Die Geburt

4.2.6.3. Das erste Lebensjahr

4.2.6.4. Das Kleinkindalter

4.2.6.5. Das Vorschulalter

4.2.6.6. Das Grundschulalter

4.2.6.7. Lebensweltanalyse

4.2.7. Praktische Arbeit und Wirkweise

4.2.8. Kritische Reflexion des Verstehenden Ansatzes

5. Verstehendes Arbeiten in der Pferdegestützten Arbeit

5.1. Beide Ansätze im Vergleich

5.2. Verschmelzung beider Ansätze

5.2.1. Praktische Arbeit und ihre Wirkweisen

5.3. Kritische Betrachtung

6. Fazit

7. Persönliche Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, inwiefern die pferdegestützte Therapie unter dem Gesichtspunkt des „verstehenden Ansatzes“ nach Jürgen Seewald möglich und sinnvoll ist. Das Ziel besteht darin, einen theoretischen Rahmen zu schaffen, der die psychomotorische Arbeit mit dem Pferd von rein funktionsorientierten Ansätzen hin zu einer ganzheitlichen, entwicklungsfördernden Perspektive öffnet, indem sie die Bedeutung von individuellen Bewegungsgeschichten und subjektivem Erleben in den Mittelpunkt rückt.

  • Verbindung von Psychomotorik und pferdegestützter Therapie
  • Kritische Analyse funktionsbestimmter Reittherapie
  • Anwendung des „verstehenden Ansatzes“ auf die Arbeit mit dem Pferd
  • Bedeutung der kindlichen Lebenswelt und Entwicklung für den therapeutischen Prozess

Auszug aus dem Buch

Die Verschmelzung der beiden Ansätze

Durch die Anwesenheit des Pferdes entsteht keine neue Pädagogik oder ein neues Therapiemodell. Vielmehr geht es um das Menschen- und Weltbild des Arbeitsmodelles welches durch das Tier erweitert wird. Dabei ist die innere Haltung des Praktikers meiner Ansicht nach entscheidend. Ich gehe von dem Sinnverstehenden Ansatz nach Seewald als Basis aus und ergänze dies durch die Anwesenheit von Pferden. Dabei ist wichtig, dass diese Form der Arbeit das Pferd im speziellen nicht braucht. Meiner Meinung nach ist es lediglich sinnvoll und kann andere Zugänge zum Kind möglich machen. Das Kind kann das Setting möglicherweise schneller und leichter annehmen, da das Tier als Eisbrecher, Motivator und auch als Katalysator wirkt. Ebenso fungiert das Pferd als „Miterzieher“, was den pädagogischen Prozess unterstützt. Dies gelingt nicht vom Pferd aus alleine, sondern durch geeignete Anleitung. Unter Verstehendem Arbeiten in der Pferdegestützten Therapie verstehe ich eine Methode, die den Klienten ganzheitlich in seinen Entwicklungsthemen sieht, begleitet und fördert, wobei das leibphänomenologische Wahrnehmen des Klienten ein zentrales Instrument ist. Angegliedert zwischen Therapie und Pädagogik wird ein klares Konzept mit Zielen verfolgt, welches durch Dokumentationen über den Therapieverlauf begleitet wird. Ebenso wird das soziale Umfeld und die Lebenswelt mit einbezogen, um das Kind ganzheitlich zu fördern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz tiergestützter Interventionen angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und der Motivation zur Wahl des Themas.

2. Tiergestützte Interventionen: Erläuterung der theoretischen Grundlagen, Formen der Intervention sowie deren Wirkweisen auf den Klienten.

3. Das Pferd: Analyse des Pferdes als Co-Therapeut, seine Rolle und die spezifischen Formen pferdegestützter Therapie sowie Kritik an funktionsorientierten Ansätzen.

4. Psychomotorik: Detaillierte Darstellung des psychomotorischen Konzepts, insbesondere des „verstehenden Ansatzes“, der Methoden des Verstehens und entwicklungspsychologischer Hintergründe.

5. Verstehendes Arbeiten in der Pferdegestützten Arbeit: Zusammenführung der Konzepte Psychomotorik und pferdegestützte Arbeit sowie kritische Reflexion des Ansatzes.

6. Fazit: Rückblick auf die Ausgangskritik und Bestätigung der entwickelten theoretischen Verbindung zwischen dem verstehenden Ansatz und der pferdegestützten Therapie.

7. Persönliche Schlussbetrachtung: Zusammenfassende persönliche Einschätzung zur Bedeutung des freien Spiels und der therapeutischen Haltung.

Schlüsselwörter

Psychomotorik, pferdegestützte Therapie, verstehender Ansatz, Entwicklungsförderung, Ganzheitlichkeit, Tiergestützte Interventionen, Leibbewusstsein, Symbolisierungsfähigkeit, kindliche Entwicklung, Lebensweltanalyse, Identitätsfindung, Spiegelung, Körpererfahrung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verbindung von pferdegestützter Therapie und dem psychomotorischen „verstehenden Ansatz“ nach Jürgen Seewald, um eine Alternative zu funktionsorientierten Reittherapien aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Psychomotorik als entwicklungsförderndes Konzept, die theoretische Fundierung der Mensch-Tier-Beziehung und die praktische Umsetzung eines verstehenden Ansatzes in der Arbeit mit Pferden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob eine pferdegestützte Therapie unter dem Gesichtspunkt des „verstehenden Ansatzes“ möglich ist und wie sich beide Methoden gewinnbringend verschmelzen lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert, ergänzt durch die Reflexion eigener Praxiserfahrungen in einem einjährigen Psychomotorik-Projekt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erläutert zunächst die tiergestützte Intervention und die Rolle des Pferdes, führt dann in die Theorie der Psychomotorik und des verstehenden Ansatzes ein und verknüpft diese anschließend kritisch zur pferdegestützten Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Psychomotorik, verstehender Ansatz, pferdegestützte Therapie, Ganzheitlichkeit und kindliche Identitätsfindung.

Warum kritisiert die Autorin die klassische Reittherapie?

Die Autorin sieht in rein funktionsbestimmten Übungen einen Widerspruch zum ganzheitlichen Ziel der Persönlichkeitsentwicklung, da diese Ansätze das Kind kognitiv einengen und keine freien Entfaltungsräume lassen.

Welche Rolle spielt das Pferd in diesem spezifischen Konzept?

Das Pferd dient nicht als Sportgerät, sondern als „Eisbrecher“, Motivator, Projektionsfläche und Spiegel für die inneren Themen des Kindes, wodurch der Dialog und die Selbstwahrnehmung gefördert werden.

Was ist der „verstehende Ansatz“ in der Psychomotorik?

Es ist ein Ansatz, der nicht primär Symptome durch Trainingsprogramme korrigieren will, sondern versucht, durch Beobachtung und Einfühlung in die „Bewegungsgeschichten“ des Kindes dessen individuelle Lebenswelt und Bedürfnisse zu verstehen.

Warum ist die „Verschmelzung“ der beiden Ansätze laut der Autorin sinnvoll?

Die Verschmelzung ermöglicht es, die durch die Natur und das Medium Pferd induzierten Prozesse besser zu begleiten, um Kindern einen sichereren und motivierenderen Zugang zu ihrer eigenen Entwicklung zu ermöglichen.

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Details

Title
Pferdegestützte Therapie. Eine ganzheitliche und psychomotorische Betrachtung
College
University of Applied Sciences Darmstadt
Course
Psychomotorik und Sport in der Sozialen Arbeit
Grade
1,8
Author
Nina Glöckner (Author)
Publication Year
2013
Pages
74
Catalog Number
V232389
ISBN (eBook)
9783656568346
ISBN (Book)
9783656694052
Language
German
Tags
pferdegestützte therapie gesichtspunkt ansatzes
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nina Glöckner (Author), 2013, Pferdegestützte Therapie. Eine ganzheitliche und psychomotorische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/232389
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